Monat: August 2016

Karrierewege von GeisteswissenschafterInnen – Vol. 3

Gepostet am Aktualisiert am

Wenn man für eine Sache brennt……

stehen viele Türe und Tore offen. Die Grazerin Katharina Lierzer muss es wissen, hat sie doch einen Job gefunden, der ihr unglaublich viel Spaß macht und sie immer wieder aufs Neue herausfordert.
Katharina hat in Graz Sozialpädagogik sowie Europäische Ethnologie studiert und war sehr glücklich mit ihrer Studienwahl: „Das Interdisziplinäre hat mich sehr angesprochen, man kann von beiden Fachrichtungen viel lernen, zum Beispiel den Inklusionsgedanken aus der Sozialpädagogik sehr gut in der Ethnologie anwenden.“ Nach dem Studium fragte sich Katharina wo es hingehen solle und war ein wenig ideenlos – vor allem, weil sie lieber im Kulturbereich bleiben wollte. Sie erklärt, dass es für EthnologInnen kein klar definiertes Berufsfeld gibt: „EthnologInnen und KulturwissenschaftlerInnen haben so viele Kompetenzen – nur müssen sie die erst finden und in der Lage sein zu zeigen, dass sie sie in einem bestimmten Beruf einsetzten können. Das ist die Schlüsselkompetenz die Studierende sich erst mal bewusst machen müssen.“

Eigeninitiative und Kreativität seien daher wichtig um das Richtige für sich zu finden. Katharina hat sich nach dem Studium für Stellen im Bereich der Sozialpädagogik wie auch im Bereich der Ethnologie beworben, wobei es für SozialpädagogInnen definitiv mehr Angebote gab. Eine Zusage für eine Stelle im sozialen Bereich hatte sie schon, doch dann kam alles anders. Die Ethnologin erinnerte sich an ihr Auslandspraktikum das sie während des Studiums in Tansania absolviert hatte. Das Praktikum wurde vom Unternehmen World Unite! organisiert und sie hatte damals auch die Gelegenheit, den Gründer des Unternehmens flüchtig kennenzulernen. Kurzerhand schickte sie ihm nun ihren Lebenslauf und fragte, ob in seinem Unternehmen nicht eine Stelle für sie frei wäre. Die Antwort kam prompt und kurz danach saß Katharina bereits im Flugzeug nach Tokio, um dort eine 5-monatige Einschulung zu absolvieren. Seit 2015 arbeitet sie nun auf selbstständiger Basis für die unterschiedlichen Zweigstellen des Unternehmens im Bereich Kommunikation und interkulturelle Beratung.

Katharina Lierzer
Katharina Lierzer

Bereits während ihres Praktikums lernte sie die Unternehmensphilosophie von World Unite! kennen. Die Organisation widmet sich dem interkulturellen Austausch und weltweitem Lernen. Freiwilligeneinsätze, Praktika, Aktivreisen und kulturelle Lernangebote in verschiedenen Ländern werden organisiert mit dem Ziel, das Verständnis zwischen den Kulturen zu fördern. Auch betätigt sich das Unternehmen in eigenen Entwicklungsprojekten. Katharina erklärt: „Das sind Netzwerke die ohne staatliche Unterstützung funktionieren und auf freiwillige Spenden sowie auf Freiwilligenarbeit angewiesen sind. Diese Projekte werden von einheimischen Menschen geleitet oder arbeiten mit einheimischen Menschen zusammen. Man hat die Möglichkeit sich daran zu beteiligen, und zwar nicht um westliche Standards durchzusetzen, sondern um die Menschen vor Ort in ihrem Vorhaben zu unterstützen. Das fand ich ganz toll und ich habe sehr viel dabei gelernt. Begriffe wie Engagement, Motivation und Eigeninitiative haben für mich eine ganz neue Bedeutung erhalten.“
Auf die Frage, inwieweit ihre beiden Studien sie auf ihren jetzigen Beruf vorbereitet hatten, meint Katharina: „Ich glaube, dass das Studium ein grundlegendes Werkzeug ist, um dir Inhalte anzueignen und Prozesse zu verstehen. Bei der Ethnologie kommt dann noch Kulturkompetenz dazu, egal welche Art von Kultur gemeint ist. Ich glaube, du lernst vor allem über dich selbst zu reflektieren, aber das fachliche Wissen musst du dir selbst aneignen. Trotzdem habe ich schon den Eindruck, dass mir mein Ethnologie-Studium ein sehr umfassendes Werkzeug für das Feld, in dem ich heute tätig bin, mitgegeben hat.“
Katharina hat auch während ihrer Studienzeit immer wieder nebenbei gearbeitet und Praktika absolviert, dabei hat sich herauskristallisiert, wo ihre eigenen Kompetenzen liegen. „Wo will man hin, was kann man, was liegt einem? Das sind zentrale Fragen, die man sich stellen sollte“, so Katharina, „und über den eigenen Tellerrand hinausschauen – Mut haben, verschiedene Sachen auszuprobieren. Man darf sich ruhig dem Risiko hingeben, es wird sich was finden.“

Link: http://www.world-unite.de

Text: Birgit Nikzat

Karrierewege von GeisteswissenschafterInnen – Vol. 2

Gepostet am Aktualisiert am

Die Suche nach dem richtigen Job…

… stellt GeisteswissenschafterInnen vor eine große Herausforderung, meint Maria Eibelhuber. Trotzdem konnte sie mit Eigeninitiative und einem Quäntchen Glück einen Job finden, der ihrem Studium entspricht und in dem sie sich so richtig wohl fühlt. Seit 2014 ist die Kulturanthropologin bei rubicom beschäftigt, einer Agentur für Unternehmensgeschichte. „Das ist eine absolut spannende Arbeit“, so Maria, „ich bin in einem sehr spezifischen Bereich tätig – Beschäftigung mit Geschichte und freie Wirtschaft – das ist eine seltene Kombination. Meine Aufgaben sind vielfältig: Kundenbetreuung, Recherche, Schreiben und Gestalten von Büchern und Ausstellungen, aber auch back office, Angebote erstellen bis hin zur Archivarbeit.“

Maria Eibelhuber
Maria Eibelhuber

Die gebürtige Oberösterreicherin hat an der Karl-Franzens-Universität das Diplomstudium Volkskunde und Kulturanthropologie absolviert und danach den Masterlehrgang Kunst und Recht abgeschlossen. Das Studium der Volkskunde ist zwar recht breit gefächert, doch würden betriebswirtschaftliche Fächer das Studium sinnvoll ergänzen, meint Maria. Als Freifächer wurden ihr Lehrveranstaltungen anderer Fakultäten nicht angerechnet: „Da sollten die Geisteswissenschaften flexibler werden. Es wäre sicherlich wirksam, gewisse betriebswirtschaftliche und juristische Basics vermittelt zu bekommen.“ Maria spricht aus Erfahrung. Nach Abschluss ihres Studiums kehrte sie nach Oberösterreich zurück und begab sich dort auf die Suche nach einer geeigneten Stelle. „Das war schon ein Risiko. Eine gewisse Unsicherheit war immer da und die Frage, wer mich denn am Arbeitsmarkt brauchen kann. Absolventen von anderen Studiengängen haben es da schon leichter, etwas zu finden. Ich habe mich fleißig beworben, in allen Bereichen, und schließlich dann auch Initiativbewerbungen ausgeschickt.“
Vom Unternehmen rubicom hatte sie schon während ihrer Studienzeit in Graz gehört. „Das ist genau das, was ich machen möchte“, dachte sie damals – doch sie hatte sich anfangs keine Chancen ausgerechnet. Zurück in Oberösterreich bewarb sie sich dann doch bei diesem Unternehmen und hatte Glück.

„Im Nachhinein gesehen würde ich ein geisteswissenschaftliches Studium nur in Kombination mit einem anderen Studium machen, etwa BWL oder Jus. Nur mit der Volkskunde war ich orientierungslos, der Masterlehrgang Kunst und Recht hat mir da mehr Selbstvertrauen verschafft.“

Auch Vorurteilen gegenüber dem Studium der Volkskunde und Kulturanthropologie ist Maria begegnet. „Ich habe wegen meiner Studienwahl schon hin und wieder seltsame Blicke geerntet. Aber im Gegensatz zu anderen Studierenden, die sozusagen unter das schützende Dach von ‚Mainstream-Studien‘ flüchteten, bin ich meinen Neigungen und Interessen gefolgt. Auf die Frage, was Maria StudienanfängerInnen raten würde, antwortet sie, dass es ihrer Meinung nach von Vorteil wäre, sich als GeisteswissenschafterIn ein zweites Standbein zu verschaffen, um später am Arbeitsmarkt bessere Chancen auf eine gute Stelle zu haben.

Text: Birgit Nikzat