Karrierewege von GeisteswissenschafterInnen – Vol. 5

Gepostet am Aktualisiert am

Von der Archäologie zur Außenwirtschaft

Christian Maier hat klassische Archäologie und Kunstgeschichte studiert und 1992 in klassischer Archäologie promoviert. Die Archäologie war seit jeher sein Kindheitstraum, den er sich mit dem Studium verwirklichte. Bei der beruflichen Ausübung hat man als Archäologe aber leider nur wenige Wahlmöglichkeiten, da diese überwiegend im öffentlichen Sektor liegen und dieser nur wenige Stellen bietet. „Es gibt in der Archäologie zwei grobe Bereiche, die theoretische Archäologie und die praxisorientierte“, erklärt Maier, „es gibt zwar viel Bedarf – denn überall wo etwas gebaut wird, könnte man einen Archäologen brauchen – aber es scheitert an der Finanzierung. Deswegen ist es schwierig, eine dauerhafte Position zu bekommen.

Zur Wahl stehen praktisch nur drei Optionen für Archäologen: entweder man bleibt an der Universität, arbeitet in einem Museum oder für das Bundesdenkmalamt.“ Das war für Christian Maier nach Abschluss des Studiums der Auslöser, zusätzlich eine Tourismusausbildung zu absolvieren: „Einfach von der Überlegung heraus, dass Tourismus doch mit Kultur und Archäologie eng verbunden ist“, reflektiert Maier. Nach der zweijährigen Tourismusausbildung in Krems an einem privaten Institut – die Maier in einem Jahr absolvierte – bekam er 1994 eine Stelle beim FH-Studiengang für Tourismusmanagement an der heutigen FH Krems angeboten: „So bin ich in die Tourismusschiene hinübergerutscht“. 1998 erhielt Christian Maier das Angebot zur Leitung eines privaten Bildungsinstituts in der Schweiz. „In der Schweiz gibt es ein großes Angebot an Ausbildungsformen im Tourismus. Ich bin zu einem Unternehmen gewechselt – dem IMI University Centre in Luzern – das Studenten aus Südostasien ausbildet, und war dort zuerst als Studiengangsleiter im Tourismusmanagement und später als Managing Director für Hotel- und Tourismusmanagement vom gesamten Institut tätig“, erzählt Maier. „Gleichzeitig war ich Teilhaber eines Bekleidungshandels in Österreich, bei dem wir Waren aus der Türkei nach Österreich importierten.“

Drei Jahre später bekam er die Möglichkeit, seine berufliche Laufbahn in der Türkei fortzusetzen: „Seit 2001 bin ich in Ankara als stellvertretender Österreichischer Wirtschaftsdelegierter für die Türkei und Georgien tätig. Seit Juli 2016 habe ich die Leitung des AußenwirtschaftsCenters in Ankara übertragen bekommen. Das AußenwirtschaftsCenter Ankara ist Teil des internationalen Netzwerks der Abteilung Außenwirtschaft bei der Wirtschaftskammer Österreich. Vereinfacht gesagt betreuen wir, zusammen mit einem weiteren AußenwirtschaftsCenter in Istanbul, österreichische Firmen in der Türkei und Georgien bei allen Fragen und Problemen, die sich bei einem Einstieg in einem fremden Markt ergeben.“

Dr. Christian Maier
Dr. Christian Maier

Bei seiner jetzigen Tätigkeit kommen Christian Maier seine Erfahrungen in der Privatwirtschaft zugute. „Den Vorurteilen gegenüber Geisteswissenschaftern bin auch ich begegnet, ich habe in meiner Karriere ja mehrmals den Job und die Branche gewechselt. Am Schwierigsten war jedoch der Wechsel weg von der Archäologie – das war fast wie ein Stempel. Bei der Frage nach meiner eigentlichen Ausbildung wundern sich auch heute noch viele Menschen, was man als Archäologe so alles erreichen kann“, meint Maier schmunzelnd.

Wenn Christian Maier an seine StudienkollegInnen zurückdenkt, fallen ihm nur wenige ein, die in der Archäologie bleiben konnten: „Archäologen sind leider dafür prädestiniert, nach der Ausbildung ihr Fach zu wechseln.“ Den Wechsel von der Archäologie zum Tourismus sieht Maier im Nachhinein als eine gute Entscheidung, denn: „Die Tourismuswirtschaft ist ein Dienstleistungsbereich, wo der Mensch im Vordergrund steht. Das hilft mir bei meinem jetzigen Berufsfeld in der Außenwirtschaft sehr, weil wir praktisch ein Bindeglied zwischen den Kulturen sind – und somit zwischen der österreichischen und der türkischen Geschäftswelt vermitteln. Da geht es um das Reden, Aushandeln, und vor allem darum, als Mensch präsent zu sein.“

2013 gründete Christian Maier gemeinsam mit Frau Mayer-Krauss das alumni UNI graz – Chapter Türkei und ist seitdem als Leiter ehrenamtlich für den Absolventen-Verein tätig. Zusätzlich ist er seit 2013 Gastlektor beim Master-Programm „Business in Emerging Markets“ und beim Bachelor-Programm „Management internationaler Geschäftsprozesse“ der FH Joanneum Graz.

Geisteswissenschaftlichen Studierenden möchte er den Rat geben, sich bereits während dem Studium Gedanken über ein alternatives Standbein zu machen – für den Fall, dass sie nicht im gewünschten Berufsfeld tätig werden können. Man sollte auch den Mut haben, noch einmal von vorne anzufangen, denn es bieten sich immer neue Möglichkeiten – vorausgesetzt, dass man sie auch sieht und ergreift.

Text: Birgit Nikzat

Ein Kommentar zu „Karrierewege von GeisteswissenschafterInnen – Vol. 5

    jenniferwarkentin sagte:
    November 7, 2016 um 6:20 pm

    Viele Geisteswissenschaftler meinen alles auf eine Karte setzen zu können. Toll, dass es in Ihrem Fall mit dem Wechsel geklappt hat und Sie sich nicht zu schade zu einer Ausbildung waren, obwohl Sie schon studiert hatten.

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