Monat: Januar 2017

Karrierewege von GeisteswissenschafterInnen Vol. 7

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Tanz in die Privatwirtschaft

Klaus Höllbacher wechselte in seiner Karriere nicht nur einmal die Branche. Zunächst schien es so, als würde die Elektrotechnik seine Zukunft bestimmen. Nach der HTL in Salzburg begann Klaus Höllbacher das Studium der Elektrotechnik in Graz – doch nach Abschluss des ersten Studienabschnittes wurde ihm klar, dass seine Leidenschaft woanders liegt. So wechselte er zur Geschichte und Germanistik mit dem Gedanken: „Ich probiere es zwei Semester lang, entweder funktioniert es, oder ich gehe in die Wirtschaft.“ Nach den Übersichtsvorlesungen machte sich schnell die Faszination für diese Fachgebiete breit und als sich auch bei den Prüfungen das Erfolgserlebnis einstellte, beschloss er, die beiden Studien fortzuführen. Im 2. Studienabschnitt hörte Klaus Höllbacher zufällig einen Gastvortrag über Wissenschaftsgeschichte von einem Gastprofessor aus den USA. In diesem Vortrag ging es um die Geschichte der Atomphysik. Da schloss sich für Höllbacher der Kreis: „Ich dachte, das möchte ich auch machen, das passt genau zu meinem technischen Hintergrund. Meine Idee war es, die Entwicklung der Elektrotechnik in Österreich auszuarbeiten und ich habe schließlich darüber auch meine Diplomarbeit geschrieben.“ Er begann bei seinem damaligen Professor für Wissenschaftsgeschichte zuerst als Studienassistent, dann als Universitätsassistent zu arbeiten. „Ich habe aber leider gesehen, dass die Vorstellung meines Professors mit meinen nicht übereinstimmt. Ich war dermaßen mit administrativen Tätigkeiten eingedeckt, dass meine Dissertation auf der Strecke blieb.“ Klaus Höllbacher beendete zwar das Doktorat, beschloss aber nicht an der Universität zu bleiben und schlug einen anderen Weg ein: „Ich habe bereits während meines Studiums viel getanzt und die 3-jährige Tanzlehrerausbildung absolviert. Irgendwann dachte ich mir dann: So, jetzt reicht es! Ich mache mich mit einer eigenen Tanzschule selbständig – also weg von den Geisteswissenschaften, hin zur Privatwirtschaft.“ Der Wechsel an sich fiel ihm nicht schwer, da er bereits zuvor auf selbständiger Basis tätig war. Dennoch ist der Erklärungsbedarf bis heute groß. Oft wird er mit Fragen wie „Haben sie tanzen studiert?“ konfrontiert und muss dann erklären, dass der Doktortitel nicht vom Tanzen kommt. „Generell werde ich nicht gefragt von welcher Studienrichtung der Titel kommt. Die Leute fragen einfach nach dem Herrn Doktor. Jedoch sehe ich darin eher einen Vorteil als einen Nachteil, denn der Titel Doktor‘ heißt für viele, dass diese Person schon mehr können muss.“

Dr. Klaus Höllbacher, Quelle: www.dietanzschule.at
Dr. Klaus Höllbacher

Nachträglich gesehen hätte er sich jedoch als Geisteswissenschafter mehr „Rüstzeug“ für den Start in die Privatwirtschaft gewünscht. Er hatte zwar zusätzlich noch zwei Semester BWL studiert, doch hatte die Theorie wenig mit der Praxis zu tun: „Das war eindeutig zu wenig und nicht das was man braucht, um sich selbständig zu machen. Da würde ich mir wünschen, dass einem während des Studiums zumindest ein paar Grundkenntnisse vermittelt werden. GeisteswissenschafterInnen werden nicht auf die Wirtschaft vorbereitet, weil man gar nicht auf die Idee kommt, dass ein Geisteswissenschafter, eine GeisteswissenschafterIn, mit der Wirtschaft was zu tun hätte. Zu meiner Zeit sah der klassische Karriereweg eines Universitätsprofessors folgendermaßen aus: Volksschule, Gymnasium, Universitätsstudium, Universitätsassistent und schließlich Universitätsprofessor. Das bedeutet, dass dieser Mensch nie in der Wirtschaft gearbeitet hat. Bei den naturwissenschaftlichen Fächern sieht es dagegen anders aus. Oft wird bereits nach Abschluss der höheren technischen Schule gearbeitet, dann ein Technikstudium angehängt, um danach wieder in die Wirtschaft zu gehen. Zu guter Letzt bleiben dann viele als Professoren an der TU. So jemand hat natürlich eine ganz andere Beziehung zur Wirtschaft und auch weniger Probleme, dort für sein Institut investitionsfreudige Partner zu finden. Welcher Geisteswissenschafter, welche Geisteswissenschafterin macht das? Ich denke, dass viele Angst haben in die Wirtschaft zu gehen.“

Dabei wäre diese Angst laut Höllbacher unbegründet. Viele würden ihr Licht unter den Scheffel stellen. Er ist außerdem der Meinung, dass GeisteswissenschafterInnen mehr Know-How besitzen als sie denken. Die Stärke der Geisteswissenschaften sei die Fähigkeit zum vernetzten Denken: „Das Studium bedeutet ja nicht nur ein Sammeln von Wissen – dazu bräuchte ich nicht studieren, nur googlen – sondern das Wissen zu kombinieren, um daraus wieder neue Dinge zu erschaffen. Das ist es, was man als GeisteswissenschafterIn gut lernt und was die Wirtschaft und die Gesellschaft in Zukunft mehr brauchen wird. Da werden eher Berufe wie Rechtsanwalt in Zukunft obsolet sein. Gesetzestexte lassen sich relativ gut in Formeln fassen und diese kann ich somit sehr gut abfragen. Aber vernetztes Denken, das ist Kreativität, das ist viel schwerer von irgendeinem System nachzubauen als Strukturen. Und ehrlich gesagt ist Jus nichts anderes als Struktur. Da dürfen sich die GeisteswissenschafterInnen ruhig den Mut nehmen und sagen: ich kann das.“

Höllbacher räumt auch ein, dass sich die Gesellschaft leider oft nicht darüber bewusst ist, was ein Geisteswissenschafter, eine Geisteswissenschafterin, macht. Dabei werden so wichtige Fragen wie etwa über die Integration oder das Bildungssystem von GeisteswissenschafterInnen beantwortet. Beispielsweise erkennen HistorikerInnen, wie stark sich historische Entwicklungen auch heute noch auswirken. Viele würden das nicht verstehen, weswegen dann Fragen wie: „Warum ist diese Person hier?“ „Warum sind sie anders?“ etc. auftauchen. Viele GeisteswissenschafterInnen können, so Höllbacher, der Gesellschaft Fragen beantworten, die sie vielleicht noch gar nicht hat.

Text: Birgit Nikzat

WTZ Training Days: Geistiges Eigentum in Horizon 2020-Projekten

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Die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist ein zentrales Anliegen von Horizon 2020-Projekten. Unser Veranstaltungstipp richtet sich u. a. an alle Geistes-, Sozial- und KulturwissenschafterInnen, die ein H2020-Projekt einreichen möchten.

Am 22. Februar 2017 finden an der Universität Salzburg die nächsten WTZ Training Days statt – diesmal zum Thema Geistiges Eigentum in Horizon 2020 Projekten.

Martin Baumgartner von der FFG erklärt die Dos & Dont’s bei der Antragsstellung von Horizon 2020 Projekten, Sabine Seidl von Ideas in Motion gibt vertiefte Einblicke aus Gutachtersicht – hilfreiche Tipps aus der Praxis helfen dabei, häufigen Fehlern vorzubeugen.

Nach der Mittagspause (für das leibliche Wohl ist gesorgt) referiert Jörg Scherer vom IPR Helpdesk über das Management von IP in den verschiedenen Projektphasen. Abgerundet wird der Trainingstag mit einem Vortrag von Sabine Seidl über die Verwertungsmöglichkeiten der Projektergebnisse.

WER?
Zielgruppe: MitarbeiterInnen in den Forschungsservicestellen (Drittmittelservice, Rechtsabteilung, Technologietransfer); AntragsstellerInnen von H2020 Projekten.

WANN?
22. Februar 2017, 10.00 – 15.30

WO?
Universität Salzburg, Senatssitzungssaal, Kapitelgasse 4-6, 5020 Salzburg

Anmeldung und weitere Informationen: www.wtz-west.at/trainingdaysH2020