Karrierewege von GeisteswissenschafterInnen – Vol. 8

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Offen und kreativ

Manuela Grundner hatte zunächst die Lehre als Restaurantfachfrau absolviert und im zweiten Bildungsweg die Matura nachgeholt – eigentlich mit dem Wunsch danach ein FH-Studium im Bereich Tourismus anzuhängen. Doch es kam anders. Nachdem Manuela sich erfolglos bei der IMC Fachhochschule Krems und bei der Fachhochschule Kufstein Tirol beworben hatte, inskribierte sie sich für das Kunstgeschichtestudium in Graz mit dem Gedanken, es in einem Jahr nochmals bei der FH zu versuchen. Da ihr das Studium in Graz nach einem Jahr aber immer noch sehr gut gefiel, verwarf sie die Idee sich nochmals bei der FH zu bewerben. Sie schloss ihr Studium in relativ kurzer Zeit ab, arbeitete nebenbei bei Festivals, beim Universalmuseum Joanneum und auch eine Zeit lang in Venedig auf der Architekturbiennale. „Also der Klassiker – das, was alle Kunstgeschichte-Studierende machen“ schmunzelt Manuela.
Mit der Zeit wurde Manuela jedoch klar, dass ihr das Vermitteln von Inhalten und die Arbeit im Personalbereich viel Freude bereitet. Bereits während des Studiums arbeitete sie an der ÖH und konnte dort ihre Kompetenzen ausbauen. Nach dem Kunstgeschichtestudium absolvierte sie ein Praktikum an der Meduni Graz und schloss parallel dazu eine Ausbildung im PR-Bereich ab. „Ich habe rückblickend gesehen relativ viele Ausbildungen gemacht“, erzählt Manuela, „ich bin eingetragene Mediatorin, habe die Ausbildung zum systemischen Coach gemacht, bin HR-Managerin, habe ein Zertifikat für soziale Kompetenzen erworben und vor zwei Jahren das Masterstudium Mediation und Konfliktmanagement an der Uni for Life abgeschlossen. Schließlich kam der Wunsch mich selbständig zu machen und ich dachte mir, ich mache einmal beides parallel. Während ich Bewerbungen schrieb, besuchte ich einen WIFI-Kurs für Selbständigkeit. Ich wusste noch nicht genau, was ich machen wollte, aber die Richtung war klar: Coaching, Beratung und Teamentwicklung.“ Als dann das erste Jobangebot da war, lehnte Manuela ab, weil inzwischen der Wunsch nach Selbständigkeit größer geworden war. Also begann sie das einjährige, vom AMS angebotene Unternehmensgründungsprogramm.

Manuela Grundner
Manuela Grundner

Im April 2012 gründete Manuela ihr eigenes Unternehmen und konzentrierte sich zunächst auf Karriereberatung und Coaching. „Die ersten Jahre waren zäh“, erinnert sie sich, „es ging zwar immer vorwärts, aber nur sehr langsam. Es war ein Prozess, ich wusste nicht von Anfang an was ich genau machen möchte, das hat sich eigentlich erst in den letzten zwei Jahren herauskristallisiert. Die Karriereberatung ist dann weggefallen, dafür bin ich jetzt in der Teamentwicklung unglaublich aktiv. Im Mai 2012 habe ich geheiratet. Mein Mann ist Softwareentwickler und war bereits vor mir selbständig. Vor zwei Jahren haben wir dann entschieden, unsere beiden Unternehmen zusammenzulegen und murbit Gmbh zu gründen. Unser Fokus liegt nun bei der Teamentwicklung, Lehrlingsentwicklung sowie bei der App- und Softwareentwicklung. Seitdem läuft es richtig gut. Wir haben zwei Mitarbeiter und fixe Projektpartner.“ Die Akquise der Kunden läuft zu 95% am Telefon und die Unternehmen reagieren großteils sehr positiv auf das Angebot von murbit. Für die Zusammenarbeit mit Kastner & Öhler im Bereich der Lehrlingsentwicklung wurde murbit auch extern gewürdigt. Das Unternehmen erhielt den österreichischen Beratungs- und IT-Preis Constantinus Award für seine herausragenden Leistungen. Auch mit der Karl-Franzens-Universität Graz arbeitete murbit im Bereich der Lehrlingsentwicklung zusammen.

Daneben widmet sich Manuela noch einem zweiten Bereich, der ihr persönlich am Herzen liegt: „Mein zweites Steckenpferd ist die Organisation der Konferenz ‚Freiräume‘, eine Konferenz für neue Arbeits- und Organisationsformen. Wir haben sie heuer das erste Mal in Graz veranstaltet und werden sie ein zweites Mal dieses Jahr im Mai in der Seifenfabrik abhalten. Wir möchten uns neue Modelle anschauen; wie sich Arbeit und Zusammenarbeit verändert und Möglichkeiten ausloten, um mehr Selbstorganisation in Unternehmen zu bringen. Dabei haben wir uns Pioniere gesucht, wie etwa DM oder Tele Haase. Gerade letztere brechen mit den klassischen Rollenbildern und sind ein Vorbild in Sachen Selbstorganisation. Das heißt, wir suchen uns Menschen, die das bereits umsetzen, interviewen sie und entwickeln daraus Parameter die uns zeigen sollen, was neues Arbeiten braucht. Die erste Konferenz war sehr erfolgreich, wir hatten 110 Teilnehmer.“ Manuela hatte während ihres Studiums ein begleitendes Wahlfach im Bereich Kulturmanagement absolviert und konnte dieses Wissen nun gut in ihre Konferenz einfließen lassen. Manuelas Talente und Interessen scheinen weit verstreut zu sein, im weiteren Gesprächsverlauf erzählt sie, dass sie während ihres Studiums noch zusätzlich ein paar Fächer in BWL belegt hatte und ihr die Buchhaltung Spaß macht. Richtig geholfen hat es ihr bei ihrem Weg in die Selbständigkeit nicht, dennoch sei es gut zu wissen, wie man mit Rechnungen umgeht oder etwa eine Umsatzsteuer ausrechnet.

„Das wichtigste ist, dass ich mein vielfältiges Wissen anwenden kann“, meint Manuela, „Ich kenne einige, die ein bisschen steckengeblieben sind und sich schwer für andere Branchen öffnen können. Ich erkenne schon auch die Schwierigkeiten mit denen ein Geisteswissenschafter, eine Geisteswissenschafterin, am Arbeitsmarkt kämpfen muss. Gerade wenn man sich im Nicht-GEWI-Bereich bewirbt, muss man sich immer wieder rechtfertigen. Aber ich muss auch zugeben, dass ich das ganze immer ein wenig anders gesehen habe als meine StudienkollegInnen. Oft frage ich mich, ob dieses Bild vom typischen Geisteswissenschafter, Geisteswissenschafterin, uns vielleicht nur von außen übergestülpt wurde. Glauben wir wirklich das, was die anderen von uns denken? Eigentlich sollte es ja eine Kernkompetenz von GEWIS sein über den Tellerrand zu schauen und Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Aber ich muss sagen, ich bin da vielleicht wirklich ein wenig anders, denn ich habe relativ selten zugehört, wenn mir Leute sagen wollten, dass ich etwas nicht tun solle“, schmunzelt Manuela.

Text: Birgit Nikzat

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