Monat: April 2018

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 15

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Wo entsteht Gesundheit?

Diese und noch weitere Fragen beschäftigen Karin Reis-Klingspiegl in ihrer Funktion als Geschäftsführerin von Styria vitalis. Die Germanistin und Ethnologin gehört zur ersten Generation in der österreichischen Gesundheitsförderung und stärkt gemeinsam mit einem Team von rund 65 Angestellten in Kooperation mit Kindergärten, Schulen, Gemeinden und Betrieben die Ressourcen für Gesundheit in der Steiermark.

Sie begann im Jahr 1982 mit dem Studium der Deutschen Philologie, heute Germanistik, und wählte als Zweitfach Europäische Ethnologie. „Germanistik studierte ich aus Leidenschaft, am meisten gefiel mir, hemmungslos lesen zu dürfen“, schmunzelt sie. Sie hatte zunächst die Idee, Journalistin zu werden: „Dass man als Literaturwissenschafterin keine Arbeit bekommt, war doch sehr naheliegend, und in die Schule wollte ich nicht. Auch für EthnologInnen gab es keine Perspektiven – damals war die Volkskunde noch konservativ, der Fokus lag eher auf der historischen Alltagskultur. Ich kann mich erinnern, dass ich viele Bienenkörbe und Rechen gezeichnet habe“, lacht Reis-Klingspiegl.

Bereits während des Studiums hatte sie als Mitarbeiterin in den Kulturredaktionen bei der Kleinen Zeitung und der Steirerkrone gearbeitet. Durch ihre journalistische Tätigkeit kam sie auch erstmals mit der Steirischen Gesellschaft für Gesundheitsschutz, heute Styria vitalis, in Berührung. Sie wurde gefragt, ob sie nicht Interesse hätte, die Organisation von Pressekonferenzen zu übernehmen. „So bin ich zum Gesundheitssektor gestoßen“, erzählt Reis-Klingspiegl, „und irgendwann habe ich dann die Öffentlichkeitsarbeit übernommen, bis ich mein Studium abschloss.“

© Stiefkind/Remling
© Stiefkind/Remling

Danach kam das Angebot, am Institut für Sozialmedizin an der Karl-Franzens-Universität Graz mitzuarbeiten. „Damals war das Institut neu besetzt und der neue Leiter, Horst Noack, fragte mich, ob ich nicht Interesse hätte, mit ihm zusammen zu arbeiten. Ich interessierte mich damals sehr für die Theorie der Gesundheitsförderung, wollte wissen, wie sich das Konzept operationalisieren lässt, welche Zugänge es gibt. Wie entwickelt sich Gesundheit, wie kann man sie beeinflussen? Das alles war sehr interessant. Mit der Zeit habe ich so im Tun gelernt, sozialwissenschaftlich zu arbeiten, habe dann auch viel unterrichtet“, erklärt Reis-Klingspiegl. Nach der Pensionierung von Horst Noack und dem Auslaufen des letzten großen Projektes, stand sie vor einer Neuorientierung. Eine Dissertation als Geisteswissenschafterin an der Medizinischen Universität Graz war seinerzeit nicht möglich, was Reis-Klingspiegl heute als Limitierung empfindet. „Dann bin ich im Jahr 2005 gefragt worden, ob ich mir vorstellen könne, die Geschäftsführung von Styria vitalis zu übernehmen. Es gab damals kein Bewerbungsverfahren, ich bin vom Vereinsvorstand gewählt worden“, erinnert sich Reis-Klingspiegl. Heute kümmert sie sich um gesundheitsbezogene Organisationsentwicklung, Angebote im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung und um das Steirische Kariesprophylaxeprogramm, das einzige flächendeckende Präventionsprogramm in der Steiermark.

Die Frage, ob sie das Wissen aus der Germanistik und der Ethnologie in ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin verwenden könne, bejaht Reis-Klingspiegl sofort. „Ich glaube, dass einem die Germanistik überall hilfreich ist. Ich kenne keinen Beruf, in dem man nicht schreiben, lesen oder sprechen können muss, deshalb finde ich, dass man mit der Germanistik eine sehr gute Grundlage hat. Ich habe zwar nicht alle StudienkollegInnen im Auge, aber ich habe schon das Gefühl, dass sich alle engagierten durchsetzen konnten. Die Ethnologie ist vor allem methodisch gesehen hilfreich. Die Gesundheitsförderung ist ja eher eklektizistisch und holt sich ihre Methoden und Zugänge aus anderen Bereichen – da hat mir die Ethnologie mit ihren Methoden, zum Beispiel mit der teilnehmenden Beobachtung, geholfen. Qualitative Arbeit ist im Kontext der Gesundheitsförderung generell interessant, weil man ja nicht immer Hypothesen hat, die man überprüft, sondern auch offen ins Feld geht und schaut, was gerade passiert. Außerdem kommt der Bereich der Gesundheitsförderung eigentlich aus dem angloamerikanischen Raum, also Kanada, Australien, Neuseeland, USA, den skandinavischen Ländern und Großbritannien, sie sind bis heute Vorreiter. Dort arbeiten viele Sozial- und KulturanthropologInnen in diesem Bereich“, erklärt Reis-Klingspiegl.

Rückblickend gesehen hat ihr das Studium eine gute Grundlage geboten und sie würde dieselbe Wahl nochmals treffen. Außerdem ist sie der Meinung, dass ein Studium dazu qualifizieren sollte, sich selbst neue Felder zu öffnen: „Das Wichtigste ist, ein Studium mit Leidenschaft zu bestreiten. Man sollte nicht erwarten, dass einem das Studium alles bietet. Man muss nicht jedes Angebot haben, es kann durchaus beschränkt sein, aber was da ist, muss gut sein. Dann hat man auch das nötige Rüstzeug. Ich denke, man muss sich über die eigenen Fähigkeiten bewusst sein und das, was man gelernt hat, abstrahieren können, um zu schauen, wo es anschlussfähig ist, welche Felder dazu passen und versuchen, dort unterzukommen. Frechheit siegt da oft.“

Text: Birgit Nikzat / KUG

Schreiben in PR-Berufen

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Im Seminar Schreiben in PR-Berufen, veranstaltet vom Career Center und dem Schreibzentrum der Karl-Franzens-Universität Graz, haben die TeilnehmerInnen die Möglichkeit, mehr über dieses spannende Tätigkeitsfeld zu erfahren und die spezifischen Schreibkompetenzen zu schärfen. Vortragende ist Dr. Doris Lind, Sachbuchautorin, Texterin und Texttrainerin (www.worte-wirken.at).

© shutterstock Robert Kneschke
© shutterstock Robert Kneschke

Wer schreiben kann, hat Glück. Stimmt aber nur zur Hälfte. Denn Schreiben kann man lernen. Es ist ein Handwerk, das bestimmten Regeln folgt – ganz besonders in PR-Berufen. Doch wie sind Presse-, PR- und Werbetext formal aufgebaut? Und welche Sprache passt zu diesen Textsorten? Im Seminar erfahren Sie es und erhalten darüber hinaus viele wertvolle Tipps für Ihren persönlichen Schreibstil.

Wie schreibt man einen Pressetext, der bei der Wahrheit bleiben muss und trotzdem so interessant ist, dass er die Informationsflut erfolgreich durchdringt? Und welche Headlines machen so neugierig, dass man weiterliest? Während der Pressetext informiert, darf der PR-Text plaudern, weil er eine Geschichte erzählt: über Produkte, Dienstleistungen, Marken und Unternehmen. Wie legt man dabei den berühmten roten Faden aus? Was ist ein guter Anfang und wie gelingt eine Pointe am Schluss? Der Werbetext ist die kreativste Textsorte in der PR-Branche. Sie erfahren, mit welchen Stilmitteln die Werbesprache erfolgreich arbeitet und wie man sie bei anderen beruflichen Texten einsetzen kann.

Das sind die Themen des Seminars „Schreiben in PR-Berufen“:
 Pressetext: formaler Aufbau und adäquate Sprache
 PR-Text: Produkte und Unternehmen interessant beschreiben
 Werbetext: Kurze Einführung in erfolgreiche Stilmittel der Werbung
 Stilkunde 4.0: Tipps und Tricks aus der Praxis für Ihren Schreibstil

Zielgruppe: Studierende eines Regelstudiums an der Universität Graz bzw. Jung-AbsolventInnen

Vortragende: Dr. Doris Lind, Sachbuchautorin, Texterin und Texttrainerin
www.worte-wirken.at

Eine Veranstaltung von
CAREER CENTER und SCHREIBZENTRUM der Universität Graz

Lange Nacht der Forschung

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Vom Elfenbeinturm ins echte Leben: Wie kommt das Wissen in die Praxis?

Der Wirtschaftsgeist-Blog möchte auf die Lange Nacht der Forschung aufmerksam machen – speziell auf das Programm unseres WTZ-Süd Partners aus Klagenfurt:

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Das Institut für Philosophie der Alpen-Adria-Universität Graz erläutert wie das Wissen der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften von den Universitäten zur Gesamtgesellschaft kommt. Es wird dargestellt welche Hürden das Wissen auf dem Weg überwinden muss und es werden entsprechende Best-Practice-Beispiele gezeigt.

Infos zur Veranstaltung

Anmeldung zum Wirtschaftsgeist Workshop – Unternehmensnachfolge

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Das WTZ-Süd lädt zum fünften Wirtschaftsgeist-Workshop am 25. Mai 2017. Diesmal mit dem Themenschwerpunkt „RE:INNOVATE your business – Unternehmensnachfolge“.

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WER?
Zielgruppe: Studierende der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und der Künste an der Karl-Franzens-Universität Graz, der Alpen-Adria Universität Klagenfurt und der Kunstuniversität Graz.

WAS?
Der WIRTSCHAFTSGEIST Workshop bringt Studierende der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und der Künste mit JungunternehmerInnen, die einen bestehenden Betrieb übernehmen, zusammen. Studierende, die Interesse an wirtschaftlichen Aufgabestellungen haben, treffen auf ambitionierte UnternehmerInnen, um einander kennenzulernen und gemeinsam an einer Challenge für die Weiterführung eines Betriebes zu arbeiten.

WOFÜR?
Alle Beteiligten profitieren von einander: Die Studierenden erhalten einen Einblicke, wie Unternehmen an die Herausforderung einer Betriebsübernahme herangehen, während die Unternehmen die vielseitige Expertise von Studierende der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und der Künste kennen lernen und von deren kreativen Problemlösungsansätzen profitieren.

WIE?
Für jedes teilnehmende Unternehmen wird ein interdisziplinäres Studierenden-Team gebildet. Gemeinsam arbeitet jedes Team an einer Challenge aus der Praxis. Dabei werden Lösungsansätze aus unterschiedlichen Disziplinen kombiniert. Ein Innovationscoach gibt dabei wertvolle Impulse und vermittelt nützliche Kreativitätstechniken, um die einzelnen Workshop-Projekte zu unterstützen.

WANN & WO?
Freitag, 25. Mai 2018, 11.00 Uhr bis 16.00 Uhr
Ort: Performancesaal der Kunstuniversität Graz, Reiterkaserne EG, Leonhardstraße 82-84, 8010 Graz

Weitere Informationen und Anmeldung: wirtschaftsgeist@uni-graz.at

Anmeldefrist verlängert bis: 23. Mai 2018

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 14

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Von der Pädagogik zum Projektmanagement

Bereits im Gymnasium entdeckte Brigitte Brand die Liebe zur Literatur und zur Sprache. Somit fiel die Studienwahl nicht schwer und sie begann an der Karl-Franzens-Universität Graz das Lehramtsstudium für Anglistik und Germanistik. Prinzipiell konnte sie es sich gut vorstellen zu unterrichten, zudem dachte sie, dass sie ein Lehramtsstudium im späteren Berufsleben auch abseits der Schule gut brauchen könnte. Sie absolvierte ein Auslandssemester in den USA, in Ohio, und begann bereits während ihrer Studienzeit bei dem Verein Deutsch in Graz zu unterrichten: „Wir unterrichteten damals für Erwachsene in Kleingruppen und haben auch die Lehrmaterialien selbst erstellt. Ein bisschen hat mich diese Arbeit für die Schule verdorben. Wir gestalteten dort nämlich einen sehr anschaulichen Unterricht mittels Team-Teaching und veranstalteten Praxis-Nachmittage an denen das Erlernte ausprobiert werden konnte. Das kann man in der Schule auf diese Art nicht umsetzen“, erklärt Brigitte. Auch arbeitete sie als Sprachassistentin in Kent, England, und meint, dass ihr diese Erfahrung bei späteren Bewerbungen sicher geholfen hat. Nach Abschluss der Studien im Jahr 1991 und dem Unterrichtspraktikum war schnell klar, dass es aussichtslos war, eine Stelle als Lehrerin zu bekommen: „KollegInnen von mir haben jahrelang auf einen Platz warten müssen. Nur mit den Fächern Mathematik und Physik hatte man damals die Chance, gleich einen Job zu bekommen. Da wurde mir bewusst, dass ich einen anderen Weg einschlagen muss“, resümiert Brigitte Brand. Sie musste jedoch nicht lange suchen, denn ein paar Tage nach ihrer Diplomprüfung bekam sie ein Jobangebot vom LFI, dem ländlichen Fortbildungsinstitut. „Am Donnerstag hatte ich meine Diplomprüfung und am Montag darauf einen Job – ohne danach gesucht zu haben“, schmunzelt sie.

Ein Jahr lang arbeitete sie daraufhin gemeinsam mit einer Studienkollegin als Deutschtrainerin in einer Berufsorientierungsmaßnahme für AsylwerberInnen in Voitsberg. „Da habe ich dann gemerkt, dass Berufsorientierung eine spannende Sache ist“, so Brigitte, „und begann eine einjährige Ausbildung zur Sozial- und Berufspädagogin.“ Somit wechselte sie vom Unterricht ins Training und arbeitete in den nächsten Jahren als Trainerin, Beraterin und Coach in diversen, meist vom AMS geförderten Maßnahmen. Auch in den Gesundheitsbereich schnupperte sie hinein, als sie im Zuge ihrer Tätigkeit bei Alpha Nova den Gesundheitssprengel in Kalsdorf aufbaute. Zusätzlich absolvierte sie eine zweijährige berufsbegleitende Ausbildung für Prozessmoderation und systemische Organisationsentwicklung.

Brigitte Brand
Brigitte Brand

Nach einigen einjährigen Jobs übernahm Brigitte Brand dann 1995 bei ISOP – Innovative Sozialprojekte – die Geschäftsführung. Bereits 1994 war sie einmal bei ISOP als Trainerin tätig gewesen, damals unterstützte sie im Rahmen eines arbeitsmarktpolitischen Selbstorganisationsprojekts arbeitssuchende PädagogInnen bei ihrer Neuorientierung. „Später kam dann die Anfrage von ISOP, ob ich mich nicht für den frei gewordenen Geschäftsführerposten interessieren würde. Sie konnten sich noch an mich erinnern und meinten, dass das gut für mich passen könnte. Somit bin ich schließlich ganz ins Projektmanagement gerutscht. Tätigkeiten im Bereich Controlling, Finanzen, Budgetentwicklung, Kostenrechnung, Bilanzierung, Personalauswahl, Projektanträge und Verhandlungen mit Fördergebern zählten plötzlich zu meinen Hauptaufgaben“, erzählt Brigitte. Das Wissen dazu erwarb sie sich in verschiedenen Seminaren beim Controller Institut in Wien und auch bei der Unternehmerschule am WIFI. „Der Rest“, so Brigitte, „war learning by doing. Aber das hätte ich mir seinerzeit nicht gedacht, dass ich als Literaturfreak bei der Kostenrechnung lande. Trotzdem hat das Gewi-Studium gut gepasst, denn für Projektanträge und dergleichen ist von Vorteil, wenn man formulieren und Dinge gut zusammenfassen kann. Auch meine Sprachkenntnisse habe ich wunderbar einsetzen können, denn wir hatten viele von der EU geförderte, transnationale Projekte mit AustauschpartnerInnen. Da war Englisch fast immer die Projektsprache.“

Nach 22 Jahren als ISOP Geschäftsführerin hat sich Brigitte nun aus dem operativen Bereich zurückgezogen, als Vorstandsmitglied ist sie weiterhin tätig. „Unter 55 Arbeitsstunden pro Woche bin ich nie nach Hause gegangen und auch an den Wochenenden war immer wieder die eine oder andere Projektausschreibung zu erledigen“, erzählt Brigitte. „Gerade in der letzten Periode hatten wir sehr viele ESF-Projekte [Europäischer Sozialfond] mit zunehmend herausfordernden Bedingungen und einem horrenden Abrechnungsaufwand. Da ging meine Tätigkeit fast nur mehr ins Controlling. Deshalb habe ich dann den Entschluss gefasst, noch einmal einen beruflichen Neubeginn zu wagen und mich als Unternehmensberaterin und Trainerin selbständig zu machen.“ Dazu absolvierte Brigitte Brand das Unternehmergründungsprogramm, das sie im Februar abgeschlossen hat. Parallel dazu lässt sie sich zur diplomierten Resilienztrainerin ausbilden.

Brigitte hatte nie das Gefühl, dass ihr die geisteswissenschaftlichen Studien einen Nachteil gebracht hätten: „Wahrscheinlich liegt das aber auch daran, dass ich etwas Anderes ausgestrahlt habe“, überlegt sie. „Da hat mir mein Aufenthalt in den USA sehr geholfen, denn dort ist es egal, was man studiert hat, was zählt, ist der Uni-Abschluss. Dieses Denken habe ich mitgenommen und mich auf meinem Weg nicht beirren lassen, denn ich bin nach wie vor der Meinung, dass man mit geisteswissenschaftlichen Studien ein tolles Rüstzeug für viele Berufe hat“, ist Brigitte überzeugt.

Text: Birgit Nikzat / KUG