Monat: Dezember 2018

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 24 – Kerstin Feiertag

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Wenn der Kindheitstraum wahr wird: Kerstin Feiertag erzählt von ihrer beruflichen Laufbahn.

Seit drei Jahren gibt es den Sestra Store in Graz, der Traum davon ist aber schon viel älter. Die Schwestern („Sestra“ heißt übrigens in slawischen Sprachen „Schwester“) und Geisteswissenschaftlerinnen Kerstin und Daniela haben bereits in ihrer Kindheit einige Geschäftsideen durchgespielt, Realität wurde eine davon jedoch erst später. „Die Idee, irgendwann gemeinsam ein Geschäft zu eröffnen, ist jahrelang in Vergessenheit geraten. Aber vor einigen Jahren gab es bei uns beiden privat und beruflich große Umbrüche und wir wollten eine Veränderung“, erzählt Kerstin, die jetzige Geschäftsführerin.

Kerstin Feiertag - Fotocredit: Hedi Grager
Kerstin Feiertag – Fotocredit: Hedi Grager

Kerstin studierte Soziologie und Pädagogik und interessierte sich schon seit jeher für Mode. Ihre Studienwahl erklärt sie sich durch ihr Interesse am Verhalten von Menschen. „Die Studienzeit war eine tolle Zeit und ich würde jedem ein Studium empfehlen. Es hat sich für mich recht früh abgezeichnet, dass ich keine wissenschaftliche Karriere starten, sondern lieber etwas machen möchte, das praxisnah ist. Nach dem Studienabschluss landete ich dann schnell auf den Boden der Tatsachen und musste feststellen, dass eine 22-jährige ohne Berufserfahrung nicht sehr gefragt ist“, erinnert sich Kerstin. „Ich bin aber schon früh selbstständig gewesen, habe mir das Studium selbst finanziert und ein Stipendium bekommen“. Ihre ersten Arbeitserfahrungen nach ihrem Studienabschluss sammelte sie im Marktforschungsbereich, jedoch nur auf Werkvertragsbasis, was große Flexibilität von ihr forderte. Schließlich landete sie durch eine Bekannte bei der Modeschöpferin Lena Hoschek und beeindruckte diese nachhaltig. „Eigentlich sollte ich nur kurz für sie arbeiten, daraus wurde aber eine feste Anstellung. Mode war schon lange meine Leidenschaft und ich kannte mich damit aus. Ich habe bei Lena Hoschek dann viel über Vertrieb, Buchhaltung, Einkauf, Verkauf, Warenpräsentation, Marketing und Geschäftsführung gelernt und gesehen, wie man selbst etwas auf die Beine stellen kann.“ Als das Unternehmen den Hauptsitz nach Wien verlegte, nahm Kerstin die Situation zum Anlass sich neu zu orientieren. Sie machte die Unternehmerprüfung, welche sie vom AMS finanziert bekam. „Ich absolvierte drei Monate lang neben der Arbeit diesen Kurs. Das heißt zuerst arbeiten und dann von 14 bis 22 Uhr zum WIFI. Ich lernte dabei vieles über Buchhaltung, Marketing, und alles was man eben sonst so wissen muss. Gepaart mit meiner Praxiserfahrung war das ein guter Startpunkt für ein eigenes Unternehmen. Ich kannte viele ModevertreterInnen, war nicht fern vom Business und wollte etwas Eigenes schaffen“, resümiert Kerstin.

Nach den ersten Überlegungen wurde das Unternehmen Anfang 2015 gegründet und bereits im September desselben Jahres dessen Eröffnung gefeiert. „Dahinter steckt viel Schweiß und Arbeitskraft. Wir haben uns das Geschäft selbst finanziert und hatten das Glück, viel Unterstützung von unseren Eltern zu bekommen. Wir haben alle angepackt und dann ist es schon gegangen. Wir wollten etwas Einzigartiges kreieren, waren mit Liebe und Herzblut dabei. Ich war überzeugt, dass wir damit am richtigen Weg waren.“

Die Einzigartigkeit spiegelt sich schließlich in der Modeauswahl: „Einige Marken haben nur wir im Sortiment und wir wurden dann schon fast so etwas wie Trendsetter in Graz. Die Arbeit dahinter darf man dabei aber nicht unterschätzen, da steckt viel Know-how drin. Die Klamotten im Shop sind zwar nicht immer Einzelstücke, aber jedes Teil ist handverlesen. Das heißt, jedes Kleidungsstück ist vor einem halben Jahr durch meine Hand gegangen und ich habe entschieden, dass es zu unserer bisherigen Auswahl passt.“ Für diese Auswahl reisen die Schwestern zu Messen und schauen sich vor Ort um, was es gerade Neues gibt. Dabei sind nicht nur ModedesignerInnen aus Skandinavien und Frankreich, sondern auch lokale ErzeugerInnen für sie interessant.

Sestra ist jedoch nicht nur ein Modegeschäft, sondern ein Concept Store geworden. Das heißt, dass auch Veranstaltungen wie Weinverkostungen, Kollektionspräsentationen, Lesungen und Konzerte im Geschäft stattfinden. „Wir wollten etwas schaffen, dass es in Graz noch nicht gab. Uns war es wichtig, ein gemütliches Ambiente und dazu ein Einkaufserlebnis abseits vom Massenkonsum zu bieten. Es soll sich gut anfühlen, zu uns ins Geschäft zu kommen.“

Fotocredit: Tamara-Frisch
Fotocredit: Tamara-Frisch

Das ganze Unterfangen bedeutet viel Arbeit, die sich für die Betreiberinnen lohnt: „Unser Konzept funktioniert gut und wir haben eine Stammkundschaft, die gerne zu uns kommt und sich bei uns wohl fühlt – dafür sind wir dankbar und darum machen wir das auch.“ Darüber hinaus schwärmt Kerstin von ihrem Team: „Ein halbes Jahr nach der Eröffnung wurde ich überraschend schwanger. Das war eine große Herausforderung, die wir alle gemeinsam gut gemeistert haben. Natürlich ist es ein großes Jonglieren zwischen Privat- und Berufsleben, aber wenn man mit Leidenschaft bei der Sache ist, kriegt man das gut hin.“

Bericht: Wirtschaftsgeist Workshop am 20. November 2018 – Social Entrepreneurs – Gesellschaftliche Verantwortung im Kerngeschäft

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Am 20. November ging der sechste Wirtschaftsgeist Workshop über die Bühne, diesmal mit zwei Social Business Unternehmen aus dem Raum Graz und in neuer Location, dem ZWI.Space der Uni Graz. Gemeinsam mit dem Social Business Club Styria als Kooperationspartner wurden zwei Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen für den Workshop ausgewählt.

Mit dabei waren diesmal Studierende aus den Fächern: Russisch, Sozialpädagogik, Umweltsystemwissenschaften mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit, Global Studies, Soziologie und Psychologie.

Silvia Jölli, Geschäftsführerin von heidenspass hat sich mit ihrem 2006 gegründeten Social Business, zur Aufgabe gemacht, die Jugendarbeitslosigkeit zu vermindern. Das sozial-nachhaltige Unternehmen mit einer Hybridfinanzierung gibt jährlich ca. 100 jungen Menschen in akuten Krisen einen Arbeitsplatz. Produziert wird eine breite Palette von ReUse- und Recyclingprodukten. Frau Jölli brachte folgende Challenges in den Workshop mit: Mithilfe des Instrumentes der Mitgliedschaft will man einen Teil des Unternehmens finanzieren. Die Frage lautete: Welche Maßnahmen und Ansätze können entwickelt werden um Mitglieder zu akquirieren?

Magdalena Kahr, Antonia Pokorn, Thomas Raggam von The Schubidu Quartet, firmieren formal als Werbeagentur, fokussieren sich dabei aber in ihrer unternehmerischen Tätigkeit speziell auf gesellschaftsrelevante Themen wie Multikulturalität, Nachhhaltigkeit, innovative Technologien, sowie Kunst und Kultur, insbesondere Musik und darstellende Kunst. Mit folgenden Challenges ging es in den Workshop: Das Team um The Schubidu Quartet ist gerade dabei ihren eigenen Webauftritt zu überarbeiten und war auf der Suche nach einem frischen Blick von außen – so sollte das Leistungsportfolio stärker in inhaltliche Kategorien eingeteilt werden und der eigene Auftritt nach außen überdacht werden.

In den beiden Gruppen wurde intensiv an Lösungsvorschlägen für die Challenges gefeilt. Für heidenspass wurde ein Mitgliederfinanzierungsmodell erarbeitet sowie Maßnahmen zur Förderung der Bekanntheit im Social Media Bereich diskutiert. Für The Schubidu Quartet wurden treffliche Kategorien entwickelt, die ihr Leistungsportfolio in Überkategorien zusammenfassen lässt, was wiederum für potentielle Kunden einen schnellen Überblick ermöglicht, in welchen Bereichen das Unternehmen tätig ist. Zudem wurden auf besonders kreative Art Impulse für den Außenauftritt mitgegeben.

Moderator und Geschäftsführer des SBCS Rüdiger Wetzl-Piewald unterstützte die Teams während der Ideenfindungsprozesse mit den Methoden des „Design Thinking“ und seiner Erfahrung als Gründer eines Social Business.

Zum Abschluss des Workshops wurde noch das Wirken des Social Business Club Styria vorgestellt. Der Club versteht sich als regionales Kompetenzzentrum für Social Entrepreneurship und bietet Unterstützung und Beratung – von der Idee bis zur Gründung eines Social Business.

Remo Taferner, vom Zentrum für Entrepreneurship, stellte zudem die Gründungsgarage vor – der Academic Startup Accelerator der Uni Graz, der Studierende ein Semester lang dabei unterstützt, die eigene Geschäftsidee in Richtung konkrete Umsetzung zu begleiten.

Fotocredit: Andreas Wenzel / KUG

Statements

„Ein erfrischendes Format mit Erkenntnisgewinn für unser Social Business. Bereichernd für beide Seiten!“ Silvia Jölli, Geschäftsführung, heidenspass

„Im Wirtschaftsgeist Workshops haben wir Fragestellung zu unserer eigenen Firmen-Präsentation zusammen mit Studierenden bearbeitet. Der frische Blick von außen ließ uns sehr schnell Lösungen finden. Wir freuen uns die gemeinsamen Ergebnisse bald umzusetzen und können dieses Workshopformat nur wärmstens empfehlen.“ Magdalena Kahr, Antonia Pokorn, Thomas Raggam, The Schubidu Quartet

Der Workshop war sehr interessant, lehrreich und hat viel Spaß gemacht. Ich habe vor einigen Monaten an einem Unternehmensstrategie Workshop mit fast ausschließlich Wirtschaftsstudierenden teilgenommen und im Vergleich dazu hat mir beim Wirtschaftsgeist-Workshop besonders die kreative Denkweise, ungezwungene Atmosphäre, nähere Zusammenarbeit mit dem Unternehmen und der Schwerpunkt auf geisteswissenschaftliche Disziplinen und Lösungsansätze gefallen. Natürlich ist auch die wirtschaftliche, unternehmerische Seite wichtig, um Lösungsansätze wirklich realistisch zu gestalten, doch die Unternehmerin hat uns in dieser Hinsicht sehr mit ihrem Input geholfen.
Auch die kurze Präsentation der Gründungsgarage hielt ich für besonders hilfreich und informativ. Ich würde den Workshop auf jeden Fall weiterempfehlen!!
Studierenden-Feedback

„Der Wirtschaftsgeist Workshop ermöglicht einen tiefen Einblick in die Tätigkeit von Unternehmerinnen und Unternehmern und zeigt deren Herausforderungen auf. Durch den ehrlichen Austausch können sowohl Studierende als auch Unternehmen vom Miteinander profitieren. Ich finde das Konzept einfach super und komme gerne wieder!“ Studierenden-Feeback

Es war toll, für ein paar Stunden in die Welt der sozialen Unternehmen einzutauchen, mit anderen engagierten Studierenden und den Unternehmern zusammenzuarbeiten. Ich finde es super, da man mit Leuten aus ganz anderen (Studien) Richtungen zusammenkommt, da so unterschiedliche Perspektiven sich super ergänzen und man viel voneinander lernen kann. Der Prozess des Problemlösens war auch spannend, teilweise wurden wir etwas Chaotisch oder Brainstormten nur mehr, um dann aber wieder zu einer Struktur zu finden und das Ganze in ein Konzept zu verpacken. Es war sehr lehrreich, zu unseren Ideen das Feedback einer Unternehmerin zu bekommen, sie weiß, was realistisch umsetzbar ist und welche unternehmerischen Aspekte man nicht außer Acht lassen sollte…“ Studierenden-Feeback

Das WIRTSCHAFTSGEIST-Team bedankt sich sehr herzlich bei den Studierenden und den Unternehmen für die Teilnahme am Workshop. Ebenso bedanken möchten wir uns bei den zahlreichen KooperationspartnerInnen, die uns auch diesmal bei der Ankündigung und der Organisation des Workshops unterstützt haben, u.a.: alumnni UNI graz, Career Center der Uni Graz, DocService der Uni Graz, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Uni Graz, Fakultätsvertretung Geisteswissenschaften der ÖH Uni Graz, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Uni Graz, Studienvertretung Musikologie der ÖH Uni Graz und der KUG, studo.co, Circle of Excellence, Social Business Club Styria