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Selbständigkeit als Karriereweg – Gründungsexperte Claudio Kratzmüller im Interview mit Wirtschaftsgeist.com

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Unser Blog möchte insbesondere AbsolventInnen der Geistes-, Sozial und Kulturwissenschaften (GSK) und der Künste motivieren, außergewöhnliche Karrierewege anzustreben. Hierbei ist der Schritt in die Selbständigkeit bzw. die Gründung eines eigenen Unternehmens auch ein möglicher Karriereweg. Diesmal haben wir Mag. Claudio Kratzmüller, Gründungsexperte und Trainer im Bereich Startups, zum Wirtschaftsgeist.com-Interview geladen. Er erzählt Wissenswertes über das Thema Gründung.

Mag. Claudio Kratzmüller
Mag. Claudio Kratzmüller

Claudio Kratzmüller absolvierte die HTL für Nachrichtentechnik in Klagenfurt und ein Betriebswirtschaftsstudium mit den Schwerpunkten Marketing und Internationales Management in Graz. Noch vor seinem Abschluss begann er im Marketingbereich zu arbeiten. Später erhielt er die Möglichkeit, an der Fachhochschule Campus02 in der Steiermark und in Kärnten ein Serviceangebot für Unternehmen – Innolab – aufzubauen, das diese bei der Umsetzung neuer, innovativer Ideen unterstützt. Über Innolab wechselte er zum Science Park Graz, dem akademischen Gründungszentrum, das universitäre Ausgründungen (sogenannte Spin-offs) begleitet. Seit April 2017 ist er selbständiger Unternehmensberater mit Schwerpunkt Startup-Unternehmen. Derzeit arbeitet er gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Steiermark an einem Projekt zur Positionierung neuer Aufgabenfelder im Dienstleistungsbereich für Startup

Herr Kratzmülller, woran erkennt man eine gute Geschäftsidee mit Potential?
Eine gute Geschäftsidee erkennt man immer daran, ob damit ein Problem gelöst werden kann. Anschließend muss die Idee schriftlich ausgearbeitet werden. Folgende Fragen sind zu beantworten: Wie groß ist der potentielle Markt für das Produkt? Gibt es bereits MitbewerberInnen? Kann das in Zahlen abgebildet werden? Eine kurze Recherche reicht oft schon, um herauszufinden, ob das Produkt schon angeboten wird – etwas, was häufig übersehen wird. Begeisterung für die Geschäftsidee muss man mitbringen. Dafür brennen. Die zwei wichtigsten Fragen sind aber: Welches Problem löse ich damit und wie schaut der Markt aus.

Welche Eigenschaften sollte man als GründerIn mitbringen? Kann jede/r UnternehmerIn werden?
Man braucht ein gewisses Geschäftsverständnis. Überlegungen über: Wie funktioniert der Markt auf dem man tätig sein möchte? Wie kann man sich möglichst erfolgreich am Markt positionieren?
Teamfähigkeit ist besonders wichtig, wenn man gleich mit MitarbeiterInnen oder MiteigentümerInnen starten möchte. Wenn das Team wächst, muss man auch im Stande sein, dieses führen zu können.
Die Fähigkeit, Menschen motivieren zu können ist wichtig, um das Gründungsteam zusammenzuhalten. Die Umsätze, wenn überhaupt, sind noch relativ bescheiden, aber man braucht trotzdem Teammitglieder die programmieren können und Marketingaktivitäten setzen und vieles mehr – das schafft man kaum alles allein. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig ein gutes Vertrauensverhältnis zu den MitarbeiterInnen oder MiteigentümerInnen zu haben. Man muss sich aufeinander verlassen können.
Ein klarer Fokus: In welche Richtung soll es gehen? Was will ich erreichen? Die Arbeit mit Meilensteinen sollte selbstverständlich sein. Das ist gerade in der Kommunikation mit potentiellen Investoren und Förderstellen essenziell.
Beratung/Coaching zulassen. Ich habe erlebt, dass GründerInnen oft beratungsresistent sind. Das behindert häufig den Erfolg. So werden andere Meinungen zwar gehört, aber nicht im ausreichenden Maße mitberücksichtigt. Das kann teuer werden. Ich bin der Meinung, dass man unterschiedliche Sichtweisen immer einfließen lassen sollte, da man vielleicht irgendwo was vergessen bzw. etwas nicht im Detail durchgedacht hat.
Durchhaltevermögen und Flexibilität sind auch wichtige Eigenschaften. So kann es sein, dass man in einer bestimmten Entwicklungsphase plötzlich erkennt, das Problem kann so nicht gelöst werden, mein Produkt wird in dieser Form nicht angenommen. Rechtzeitiges Abweichen von vordefinierten Pfaden ist dann ein guter Rat, um nicht in die falsche Richtung zu navigieren.

Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, um als GründerIn auch erfolgreich zu sein, d.h. erstmal davon leben zu können.
Ein Beispiel: Ein Technologie-Startup, das mit einem Team von vier Leuten gründen möchte, befindet sich in der Entwicklungsphase. In dieser Phase kann das Team vom zukünftigen Produkt, das sie irgendwann am Markt anbieten möchten, noch nicht leben. Wie kann das Team in dieser Phase überleben? Die Antwort ist: Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt von Förderungen. Für GründerInnen mit einer stark technologischen Geschäftsidee ist daher die erste Überlegung, sich auf die Suche nach Fördermöglichkeiten zu machen. Ich kenne kein technologisches Startup-Unternehmen, das seine Ideen ohne Förderung umgesetzt hat. Deshalb gibt es in Österreich Förderstellen wie die AWS, die FFG und die SFG. Die Schwierigkeit besteht aber häufig darin, dass es sehr zeitaufwendig ist, sich im Dschungel der Fördermöglichkeiten zurechtzufinden.

In der Steiermark ist die erste Anlaufstelle die SFG. Meine Empfehlung daher: Die Idee schriftlich zusammenfassen, damit man selbst weiß wo man steht. Konkret heißt das: Ein Geschäftsmodell entwickeln und ausarbeiten. Mit dem ausgearbeiteten Geschäftsmodell dann bei der SFG einen Termin anfragen und mit den zuständigen Personen über die geeigneten Fördermöglichkeiten sprechen. Dann bekommt man eine/n BeraterIn zugeteilt. Die helfen einem dann weiter und informieren welche Geschäftsidee zu welcher Förderung passt. Außerdem unterstützen sie bei der Formulierung des Förderantrages.

Wichtig: Wenn man ein Projekt starten möchte, das eine Förderung erhalten soll, man sich aber schon in der Umsetzungsphase befindet (dh. bspw. die Website schon in Auftrag gegeben hat, Büros bereits angemietet hat und/oder sich Prototypen schon im Bau befinden etc.) und dann erst die Förderung einreicht, wird dies meistens nicht mehr anerkannt. Konkret heißt das, die förderbaren Tätigkeiten/Leistungen sollen vor tatsächlicher Umsetzung erfragt werden – Voraussetzung dafür ist natürlich ein Geschäftsmodell, um zu wissen, was man benötigt.

Förderungen bietet auch die AWS – die Förderbank des Bundes –  bei Frühphasenprojekten an. Diese  PreSeed AWSFörderung ist als Zuschuss für die Vorgründungsphase von technologisch anspruchsvollen High-Tech-Unternehmen gedacht. Die Förderung beträgt hier bis zu 200.000 EUR. Auch wenn man die Geschäftsidee gut präsentiert und die Zusage für die Förderung bekommt, heißt es nicht, dass man das Geld sofort ausbezahlt bekommt. Das kann oft viele Monate dauern. Es kann sein, dass die erste Rate erst Monate später ausbezahlt wird. Man sollte daher immer auch etwas angespart haben, um diese Zeiten zu überbrücken.

Sie haben auch Kunstschaffende bei der Gründung eines eigenen Unternehmens gecoacht. Muss man hier anders an die Beratung herangehen oder gibt es da keinen Unterschied?
Grundsätzlich kann man sagen, dass Kunstschaffende sehr dankbar für die Gründungsberatung sind. So können sie sich nicht vorstellen, dass es gute Förderungen für ihre Geschäftsidee gibt. Man unterstützt sie beim Ausarbeiten der Antragsunterlagen, kontrolliert die Vollständigkeit und dass alle formalen Kriterien eingehalten werden.

Wichtig dabei: Das Geschäftsmodell muss aus der Perspektive des Lesenden ausgearbeitet und präsentiert werden – KundIn, InvestorIn, Förderstelle etc. Verstehen sie das Geschäftsmodell? Wenn der/die FördergeberIn, ein mögliche/r LieferantIn oder ein/e potentielle/r PartnerIn rasch und ohne Aufwand verstehen, was mit der Geschäftsidee möglich ist, dann steigen die Erfolgschancen.

Welche besonderen Fähigkeiten bringen Ihrer Meinung nach Kunstschaffende als UnternehmerInnen mit?
Sie sind sehr offen und mit ihnen kann man direkt in das Thema einsteigen und Inputs geben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kunstschaffende sehr froh sind über Feedback. Leute aus dem kreativen Bereich versteifen sich nicht zu hundert Prozent auf eine bestimmte Idee und machen gern einen Schritt in eine andere Richtung, um testen zu können, ob es auch anders funktionieren könnte. Wenn bspw. ein Produkt am Markt nicht so recht ankommt, dann stellen wir uns in der Beratung gemeinsam die Frage: Wie müsste man das Produkt ändern, damit es der Markt annimmt oder damit mehr Leute darüber nachdenken, dieses Produkt zu kaufen?

Welche Erfahrungen haben sie mit Leuten aus der Kreativszene gemacht, die mit einer Gründungsidee zu Ihnen gekommen sind?
Kreative können Ihre Ideen immer sehr überzeugend präsentieren. Wichtig ist aber, ob auch ein ausgearbeitetes Geschäftsmodell dahintersteckt, das folgende Fragen beantwortet: Wer ist dein/e ZielkundIn? Welchen Nutzen hat er/sie? Wie erreiche ich ihn/sie? Wie biete ich das Produkt an? Zu welchem Preis? Welche Kosten kommen auf mich zu? Brauche ich eine Betriebsstättengenehmigung? Brauche ich eine Zulassung/ein Zertifikat für mein Produkt? Wer sind meine PartnerInnen? Meine LieferantInnen? Welche Arbeiten kann ich selbst durchführen? Für welche Tätigkeiten brauche ich externe Unterstützung – vielleicht auch MitarbeiterInnen die mir Arbeit abnehmen? Alle diese Fragen kann ich in einem typischen Geschäftsmodell – Canvas – systematisch abbilden.

Mit dem Business Model Canvas habe ich mein gesamtes Geschäftsmodell auf einem Blatt Papier. Das schafft Klarheit für mich und für andere. Damit habe ich ein Fundament geschaffen, auf dem ich einen Businessplan erstellen kann. Dieser ist wiederum Voraussetzung, um bei der Suche nach Investoren erfolgreich zu sein und erhöht meine Chancen, bei einer Förderstelle eine Förderung zu erhalten.

Ich habe es immer als wichtige Aufgabe angesehen, die GründerInnen und das Team vor unnötigen Fehlern zu bewahren. Wir haben viele Businesspläne gelesen und gesehen, wie Unternehmen wachsen und zu welchen Problemen es kommen kann. Wenn das Geschäftsmodell nicht ausgereift bzw. nicht gut ausgearbeitet wird, der Businessplan Lücken hat, dann ist es die Aufgabe des Coaches, sie darauf aufmerksam zu machen.

Welche Tipps würden Sie AbsolventInnen im Hinblick auf die Selbständigkeit als Karriereweg geben, wenn diese keinen betriebswirtschaftlichen Background haben?
Egal ob ich ein/e KünstlerIn, Geistes- oder KulturwissenschaftlerIn oder TechnikerIn bin. Die Idee muss gut vorbereitet werden, das Geschäftsmodell muss entwickelt werden. Man sollte sich möglichst bald Feedback einholen. Sich in der Startup-Community vernetzen und die Idee dort präsentieren. Rückmeldungen die man dort erhält ernst nehmen. Andere Sichtweisen miteinfließen lassen. Teilnehmen an Wettbewerben – Elevator Pitch (Junge Wirtschaft Steiermark) oder Startup Spritzer (IdeenTriebwerk Graz) – hier kann man die Geschäftsidee in unterschiedlichen Kategorien vorstellen. Dort bekomme ich Fragen gestellt, Hinweise, ob ich am richtigen Weg bin und ob meine Geschäftsidee interessant ist. Zudem vernetzt man sich mit Menschen, die in der gleichen Situation sind und daraus können eventuell neue Ideen entstehen. Da kann aus der eigenen Idee, kombiniert mit einer anderen, etwas Interessantes entstehen. Feedback vom Markt einholen. Unbedingt Förderung vor Beginn berücksichtigen.

Was würden Sie jungen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?
Egal welche Ausbildung man genossen hat, man soll sich nach den eigenen persönlichen Interessen und Fähigkeiten orientieren. Wenn ich spezielle Fähigkeiten habe, kann ich darüber nachdenken, wo ich diese einsetzen kann. Und ganz wichtig: habe ich eine Idee, die ein Problem von jemand anderem lösen kann?

Vielen herzlichen Dank für das Interview!

 

Beratungsstellen:
Wirtschaftskammer – Gründerservice
Innolab – Studienrichtung Innovationsmanagement Campus02
SFG – Förderungen
AWS – Förderbank des Bundes
Stadt Graz – Förderungen
Ideentriebwerk: „Startup Spritzer“ – Vernetzungstreffen – präsentiere deine Geschäftsidee
Elevator Pitch – Junge Wirtschaft Steiermark
Gründungsgarage – Uni Graz / WTZ Süd

Bericht: Wirtschaftsgeist Workshop am 10. November 2017 – Soziale Innovation im Fokus

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Bereits zum vierten Mal fand am 10. November 2017 der Wirtschaftsgeist Workshop statt. Zwei etablierte Grazer Start-Up-Unternehmen präsentierten ihre Problemstellungen unter dem Themenschwerpunkt Soziale Innovation. Unter den TeilnehmerInnen fanden sich Studierende der WTZ-Süd-Universitäten, darunter auch internationale Studierende aus Brasilien, Bangladesch, Italien und USA. 

11 Studierende aus unterschiedlichsten Studienrichtungen –  Sustainable Development, Pädagogik, Germanistik, Musikologie, Instrumenta(Gesangs)pädagogik und Global Studies stellten sich den nachhaltigen unternehmerischen Herausforderungen. Die motivierten TeilnehmerInnen arbeiteten in zwei interdisziplinären Gruppen eng mit den Start-Ups zusammen, um umsetzbare Lösungsansätze zu entwickeln.

Die vierte Ausgabe des Wirtschaftsgeist Workshops hatte höchst interessante Challenges zu bieten:

Sarah Reindl, Gründerin und Geschäftsführerin von Das Gramm, trat mit folgender Problemstellung an die Studierenden heran: Im Zuge eines Expansionsvorhabens überdenken die Inhaberinnen zum momentanen Zeitpunkt die generelle Geschäftsstrategie. Die Frage, wie man neues Klientel von der Idee verpackungsfreier Einkäufe überzeugen kann sowie eine Erarbeitung einer Positionierungsstrategie, wurde als Challenge ausgegeben. In der Gruppe wurden Ideen generiert und diskutiert, die zukünftig zu einer Stärkung der Positionierung von Das Gramm beitragen sollen (zusätzliche, unterstützende Angebote bzw. spezielle Studierendenangebote, Kommunikation, etc.).

Der Geschäftsführer von Compuritas, Rüdiger Wetzl-Piewald, trat mit folgender Challenge an die Studierenden heran: Begriffe bzw. Konzepte wie Second Hand / Re-Use sind in unserer Gesellschaft leider oftmals negativ konnotiert – gleichzeitig aber integraler Bestandteil des Geschäftsmodells von Compuritas. In der Gruppe wurde diskutiert, welche Begriffe verwendet werden könnten, um diesem Image entgegenzuwirken. Gemeinsam suchten die TeilnehmerInnen nach neuen Ansätzen, um diese Konzepte positiv zu besetzen und zu kommunizieren.

Moderator und Innovationscoach Johannes Frühmann unterstützte die Teams während der Ideenfindungsprozesse mit den Methoden des „Design Thinking“. Nach einigen Stunden gemeinsamer kreativer Arbeit wurden die ideenreichen Ergebnisse allen TeilnehmerInnen präsentiert. Für das leibliche Wohl während des Workshops sorgte ein regionales Buffet. Abgerundet wurde die Agenda mit einer kurzen Präsentation durch Remo Taferner: Er stellte die Gründungsgarage vor und motivierte die Workshop-TeilnehmerInnen dazu, im Falle einer Gründungsidee mutig zu sein und sich für die Gründungsgarage, zu bewerben.

Fotocredit: Andreas Wenzel/KUG

Statements

„Es war eine Freude zu sehen, wie die Studierenden hochaktiv auf die Fragestellung eingehen und zahlreichen konstruktiven Input liefern. Mir war dabei besonders wichtig, die Gruppe nicht in eine Rolle zu drängen, sondern ihren persönlichen Zugang zu unserem Unternehmen zu erleben. Schließlich kommen auch unsere potenziellen KundInnen oft mit einer vorgefertigten Meinung in Berührung mit Compuritas. Da braucht es gute und offene Kommunikation zum erfolgreichen Verkauf. Und die gelingt nur, wenn wir den Zugang der KundInnen zu unseren Produkten kennen.“ Rüdiger Wetzl-Piewald, Compuritas GmbH

„Der Wirtschaftsgeist-Workshop war für mich eine einmalige Gelegenheit, in entspannter Atmosphäre und ohne Zeitdruck mit Studierenden zu brainstormen und abseits von gängigem Wirtschaftsdenken neue Wege zur Weiterentwicklung unseres Unternehmens einzuschlagen. Der Workshop ist für Studierende und „open-minded“ UnternehmerInnen gleichermaßen gewinnbringend und hat in meinem Fall sogar zu einem Projekt geführt, dass ich mit zwei Studentinnen weiterführend durchführen möchte.“ Sarah Reindl, Das Gramm OG

“Für mich war es besonders interessant die regional nachhaltigen Unternehmen und deren Herausforderungen am Markt kennen zu lernen. Und natürlich war es toll, diese mit meinen Ideen zu unterstützen. Unser Unternehmen war sehr offen und für alles was wir eingebracht haben, das war sehr angenehm und wir konnten ohne Scheu unsere Meinung einbringen.“ Studierenden-Feedback

“Ich habe viele neue Ideen und Perspektiven kennen gelernt und das wird bestimmt sehr hilfreich für meine berufliche Zukunft.” Studierenden-Feedback

“Der Workshop war sehr fein. Ich finde der Rahmen hat sehr gut gepasst. Ich hatte schon vorher einige Design Thinking/Produktentwicklungs-Workshops besucht. Im Gegensatz zu den anderen Workshops, die ich besucht habe, hat sich dieser Workshop als besonders praxisbezogen herausgestellt und war somit keine Wiederholung für mich.“ Studierenden-Feedback

Das WIRTSCHAFTSGEIST-Team bedankt sich sehr herzlich bei den Studierenden und den Start-ups für die Teilnahme am Workshop. Wir möchten uns auch recht herzlich bei den zahlreichen KooperationspartnerInnen, die uns auch diesmal bei der Ankündigung und der Organisation des Workshops unterstützt haben, bedanken u.a.: alumnni UNI graz, Career Center der Uni Graz, DocService der Uni Graz, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Uni Graz, Fakultätsvertretung Geisteswissenschaften der ÖH Uni Graz, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Uni Graz, Studienvertretung Musikologie der ÖH Uni Graz und der KUG, studo.co

Karrierewege in der Kunst – Teil 4

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Vom Jazz zum Online-Marketing

Stefan Kleinberger hat am Privatkonservatorium Prayner in Wien E-Bass studiert, ehe er an die Universität für Musik und darstellende Kunst Graz wechselte um dort mit Kontrabass und IGP sein Studium fortzusetzen. Schon während dieser Zeit wurde ihm bewusst, dass er zwar sehr gerne musiziert, es im Leben aber doch mehr gibt. So war es ihm wichtig einen Schritt „aus der Blase, in der sich Kunstuniversitätsstudierende oft befinden“ hinaus zu tätigen und sich abseits der Musik in mannigfaltigen Jobs zu versuchen und somit seinen Horizont zu erweitern sowie seinen persönlichen Erfahrungsschatz zu bereichern

Stefan Kleinberger

Neben diesem Ausbrechen aus dem gewohnten Umfeld, hat er sich schon während seiner Studienzeit um die Organisation und das Booking seiner Bands gekümmert. Es kam ihm der Gedanke, dass in diesem Bereich ebenso eine seiner Stärken liegt und sich dort viel Entwicklungspotenzial befindet. Im Zuge dieser Entwicklungen kam ihm folgende Erkenntnis: „Das ständige Üben, um auf einem gewissen Niveau zu bleiben ist in der Musik und diesem Business unumgänglich, aber es ist eben nicht alles im Leben.“ Somit entschied er sich, dass er „unbedingt mal raus“ musste. Sein erster Weg führte ihn an ein Schweizer Orchester, wo er ein Praktikum für Marketing und Presse absolvierte.

Hier trat eine weitere seiner Stärken zum Vorschein: seine technische Affinität. Schon bei Aufnahmen im Studio mit seiner Band konnte er seine Begeisterung dafür ausleben und ebendiese Affinität half ihm dabei, sich schnell an die Anforderungen und Herausforderungen des neuen technischen und digitalen Umfeldes anzupassen und neue Aspekte aus seinen Studien einzubringen. Nach diesem Praktikum ging es für ihn als Marketingverantwortlichen an das TAK Theater Liechtenstein und in den Sommermonaten nach Lateinamerika und Asien, wo er vor Ort Organisationen im Tourismusbereich betreute. Nach einem Master im Kulturmanagement und einer Ausbildung im Online-Marketing wurde er als Digital Manager bei den Wiener Symphonikern angestellt, wo er sich um deren Homepage, Online Werbung und die Social Media Kanäle bemüht. Dem nicht genug, macht er berufsbegleitend einen Master in Public Communication an der FH Joanneum in Graz um sich fortzubilden und neue Inputs zu bekommen.

Die Arbeit ist eine Herausforderung, da sie vor allem Überzeugungsarbeit ist: „Viele im Kulturbetrieb sind gegenüber der Online-Vermarktung noch skeptisch. Das liegt mitunter daran, dass sich der Kulturbereich nur langsam bewegt. Die Wirtschaft ist im Gegenteil dazu viel schneller und setzt neue Trends unmittelbarer um.“ Die musikalische Ausbildung hilft ihm im Gespräch mit Personen aus dem Kulturbetrieb. Man kann sich auf einer Ebene austauschen und wird als verständige Person sowohl im künstlerischen, als auch im online-Bereich wahrgenommen. Seiner Ansicht nach wird auch der Wirtschaft immer mehr bewusst, dass es kreative Menschen im Marketing braucht, weswegen auch Kunststudierende mit einer Zusatzausbildung im Marketing oder Management für diese Berufssparte interessant sein können. Wichtig ist jedoch, dass man aus seiner Blase und seinem gewohnten Umfeld ausbricht und mit offenen Augen durch die Welt geht, um die sich bietenden Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen.

Text: Martin Schönbauer/KUG

Die Bücherwaschmaschine – Kooperation von Kunst und Naturwissenschaft hilft Kulturgüter zu erhalten

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Der Wirtschaftsgeist-Blog möchte diesmal auf eine herausragende Zusammenarbeit zwischen Naturwissenschaft und Kunst hinweisen.

© Uni Graz / Lunghammer
© Uni Graz / Lunghammer

Das Forschungsteam um Chemiker Prof. Volker Ribitsch von der Uni Graz haben gemeinsam mit der Restaurationsexpertin Dr. hab. Patricia Engel von der Donau-Universität Krems eine neue Methode und Anlage entwickelt, mit deren Hilfe Kulturgüter großflächig und kostengünstig von der Zerstörung bewahrt werden können. Es handelt sich dabei um eine so genannte Bücherwaschmaschine. Mit dieser Anlage werden alte Bücher und Dokumente, die zwischen 1850 und 1950 produziert wurden, restauriert.

Aufgrund der damals bedingten Produktionsbedingungen – so wurde Alaun als Hilfsmittel bei der Papierproduktion eingesetzt – kommt es zur sprichwörtlichen Auflösung des Papiers. Eines der Zerfallsprodukte ist Schwefelsäure, die wiederum die Zellulose zersetzt.

Die Technologie wurde jetzt für den Fast Forward Award 2017 nominiert. Der Wirtschaftspreis des Landes Steiermark wird für innovative Produkte, Verfahren und Dienstleistungen von steirischen Unternehmen, Institutionen und Forschungseinrichtungen vergeben. Man kann jetzt für dieses und weitere interessante Projekte unter www.ffa.at/vote seine Stimme abgeben.

Einen ausführlichen Bericht über die Bücherwaschmaschine findet sich in der Zeitschrift UNIZEIT.

Buchvorstellung – Monster zähmen

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Der Wirtschaftsgeist-Blog hat sich mit der Neuerscheinung „Monster zähmen“ der Autorin Ulrike Schneeberg auseinandergesetzt, welche sich dem Spannungsfeld Geisteswissenschaftler_innen/Orientierung/Beruf/Leben widmet und möchte den interessierten Leser_innen einen kleinen Einblick in das Buch geben.

Der Übergang vom Studium in die Berufswelt kann für Absolvent_innen geisteswissenschaftlicher Studien ein langwieriger und auch frustrierender Schritt sein. Absagen und mangelndes oder kein Feedback zur Bewerbung sind nicht selten ein Grund in dieser Übergangsphase an sich und seinen Fähigkeiten zu zweifeln. Der Untertitel „Ein Übungs- und Unterhaltungsbuch für Geisteswissenschaftler*innen auf Jobsuche“ macht bereits deutlich, worum es sich bei diesem kürzlich erschienen Buch handelt. „Monster zähmen“ bezieht sich auf Ulrike Schneebergs Dissertation über Monster in Bilderbüchern, welche im Zuge einer Auseinandersetzung oder genaueren Betrachtung gezähmt, oder zu Freunden werden können. Schneeberg studierte Sprachen und Literatur in Cambridge, Montreal sowie Berlin.
Die Autorin erzählt nicht nur von ihrer Suche nach dem richtigen Job, sondern berichtet auch gleichzeitig in Ausschnitten von 25 anderen Absolvent_innen der Geisteswissenschaften, die nach Abschluss ihrer Studien entweder in gänzlich anderen Berufen gelandet sind oder nach längerem Suchen ihre „Berufung“ – im Sinne einer erfüllenden Tätigkeit – gefunden haben.
In zwölf Kapiteln widmet sich Ulrike Schneeberg verschiedenen Aspekten, die alle Arbeitssuchenden sowie auch Arbeitnehmer_innen an einem Punkt in ihrem Leben eventuell beschäftigen werden. Beispielsweise die Suche nach Orientierung, das Treffen von Entscheidungen, die Notwendigkeit von Netzwerken oder wie man Kinder und Arbeit unter einen Hut bringt. Dabei erzählt sie in Episoden von sich selbst, schildert ihre Gedankengänge und Fragen, die sie sich im Laufe der Zeit zwischen Promotion und Arbeit gestellt hat und ergänzt ihre Sichtweisen mit jenen der 25 anderen Geisteswissenschaftler_innen, welche sie für dieses Buch interviewt hat. Das Spektrum an Studien umfasst beispielsweise Skandinavistik, Ethnologie, vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie, Archäologie und die Interviewten sind zwischen 27 und 48 Jahre alt. Sie arbeiten als Slam Poet, Tangolehrer, Sales- und Projektmanagerin, Sekretärin, Inhaberin eines Buchladens oder freiberufliche Journalistin – um ein paar Beispiele anzuführen.
Neben diesem „Unterhaltungsteil“ bietet das Buch auch Übungen, die in jedem Kapitel (dem jeweiligen Schwerpunkt entsprechend) gemacht werden können. Andere Übungen sollen einem selbst seine eigenen Ansichten und auch Verhaltensweisen bewusst machen und dazu anregen, sie vielleicht neu zu evaluieren und ein etwaiges „Monster zu zähmen“. Das Buch verspricht keine Lösung für alle Probleme und ist auch nicht darauf ausgelegt für alle Probleme Lösungen zu finden. Aber es versucht mit dem kritischen Denken von Absolvent_innen der Geisteswissenschaften zu spielen und dieses Denken im Übergangsprozess als hilfreiches Werkzeug zu verwenden, nicht als jene selbstzerstörerische Kraft, die sie manchmal gegenüber einem selbst sein kann.
Manche dieser Übungen mögen etwas banal erscheinen, wie beispielsweise jene Übung, sich seine eigene Orientierungslosigkeit zu vergegenwärtigen und die damit verbundenen Gedanken und Gefühle als Teil seines Selbst „mit Wohlwollen und Freundlichkeit“ zu akzeptieren. Andere Übungen zielen schlicht auf eine Beschäftigung ab, die einem das Gefühl vermitteln sollen, etwas zu unternehmen: Beispielsweise ein Profil auf einem virtuellen Netzwerk wie Xing oder LinkedIn zu erstellen und dort jemanden, der einen selbst definierten Wunschjob ausübt, mit einer „interessanten Frage“ zu kontaktieren. Wieder andere Übungen sind hilfreich, sich seiner eigenen Wünsche und Werte für Leben und Beruf bewusst zu werden, wie beispielsweise sich mit einer Vertrauensperson der Frage „Was macht dein Leben sinnvoll?“ zu stellen und diese monologisierend zu erörtern.

In seiner Gesamtheit regt dieses Buch zum Denken und ausprobieren an. Vor allem die leicht jovial wirkende Sprache, die Offenheit mit welcher die Autorin Themengebiete anspricht und behandelt, machen es zu einem recht kurzweiligen Werk. Für Suchende, denen der Bewerbungsprozess nur Frustration zu bieten hat, oder Absolvent_innen die sich ihrer Entscheidungen nicht sicher sind in ihrer beruflichen Orientierung noch nach passenden Hilfestellungen suchen ist dieses Buch eine geeignete Stütze.

© Marta Press
© Marta Press

Monster zähmen“ von Ulrike Schneeberg
erschienen im Marta Press Verlag (Hamburg), Mai 2017;
Preis: 26€; ISBN: 978-3-944442-66-2

Text: Martin Schönbauer/KUG

Der Begriff „Wissenstransfer“ im Fokus

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Im Rahmen des Wissenstransferzentrum Süd (WTZ-Süd) wurde an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (AAU) eine Erhebung zum Thema Wissenstransfer durchgeführt. Der Wirtschaftsgeist-Blog verfolgt die Entwicklung der Studie von Beginn an und hat in der Vergangenheit („Herausforderung: Wissenstransfer GSK“ und „Wissenstransfer – Quo Vadis?“) bereits darüber berichtet. Mag. Markus Hayden von der Alpen-Adria Universität Klagenfurt hat im Wirtschaftsgeist-Interview weitere interessante Ergebnisse zur nun österreichweiten Studie vorgelegt.

Markus Hayden / Alpen Adria Universität Klagenfurt / © Fotocredit Walter Elsner riccio.at /AAU
Markus Hayden / Alpen Adria Universität Klagenfurt / © Fotocredit Walter Elsner riccio.at /AAU

Im Rahmen des WTZ-Süd wurde an der AAU eine österreichweite Erhebung zum Thema Wissenstransfer durchgeführt. Können Sie nochmals kurz darstellen worum es dabei ging?

Die Erhebung ist die Fortführung einer qualitativen Pilotstudie, die wir bereits im ersten Projektjahr durchgeführt haben. Wir haben mit dem aktuellen Fragebogen mehrere Ziele verfolgt: Einerseits haben wir erhoben, was Forscherinnen und Forscher überhaupt unter dem Begriff verstehen und welche Teilaspekte sie mit dem Thema Wissenstransfer verbinden. Darüber hinaus haben wir gefragt, welche Gründe es gibt, Wissenstransfer zu betreiben, bzw. welche Faktoren ein stärkeres Engagement im Bereich Wissenstransfer ver- oder behindern. Der größte Teil der Erhebung hat sich schließlich mit der Wahrnehmung und Bewertung von Wissenstransfer befasst – sowohl subjektiv aus Sicht des_der Forscher_in, als auch innerhalb der Gesellschaft und der Scientific Community.

Wer hat an der Erhebung teilgenommen?

Die Erhebung richtete sich an Forscher_innen aller Karrierestufen, die zum Zeitpunkt der Erhebung an einer österreichischen Universität beschäftigt waren. Einladungen zur Teilnahme wurden an alle WTZ-Universitäten versendet. Dabei sind wir schrittweise vorgegangen: zuerst haben wir Daten an der AAU und an der Karl-Franzens-Universität erhoben. Im nächsten Schritt haben wir uns an die anderen Universitäten des WTZ-Süd gewandt, also an die Montanuniversität Leoben, die Universität für Musik und darstellende Kunst Graz, an die technische sowie an die medizinische Universität Graz. Nach Abschluss der zweiten Phase haben wir eine Zwischenevaluation vorgenommen und den Fragebogen geringfügig adaptiert. Danach wurde dieser an die restlichen Universitäten der Wissenstransferzentren ausgesendet.

Letztendlich haben 285 Forscher_innen von 18 Universitäten an der Erhebung teilgenommen. Der Ausbildungsstand innerhalb des Samples war sehr hoch, da gut dreiviertel aller Befragten promoviert oder habilitiert sind. Entsprechend ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass rund 40% der Teilnehmer_innen ihre aktuelle Position als ordentliche-, außerordentliche- oder assoziierte Professuren beschreiben. Was die wissenschaftlichen Disziplinen der Befragten anbelangt, so sind mehr als die Hälfte von ihnen den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK) zuzuordnen. Der Rest teilt sich auf Naturwissenschaften, technische und Ingenieurswissenschaften, medizinische Wissenschaften, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Umweltwissenschaften sowie sonstige auf.

Wieso fragen Sie, was man unter dem Begriff versteht? Liegt das nicht auf der Hand?

Nein, das tut es bei weitem nicht. Wissenstransfer ist ein sehr großes Feld, das vieles sowohl beinhalten als auch exkludieren kann. Manch eine_r mag das Verfassen von Fachartikeln als Wissenstransfer einordnen, für eine andere Person ist Wissenstransfer ausschließlich auf die Vermittlung von Wissen aus der Universität heraus, hin zu einem nichtwissenschaftlichen Publikum beschränkt. Ein_e Dritte_r versteht darunter vielleicht die Zusammenarbeit mit Personen aus der Praxis oder der Politik. Für uns war es wichtig, einmal darzulegen, was Wissenschaftler_innen eigentlich darunter verstehen. Im weiteren Verlauf werden wir uns auch anschauen, ob es einen Unterschied zwischen den Disziplinen gibt, sprich ob unter Wissenstransfer in verschiedenen Disziplinen auch etwas Anderes verstanden wird.

Gibt es hier schon vorläufige Ergebnisse?

Wir sind noch mit der Auswertung der Daten beschäftigt, aber erste, vorsichtige Interpretationen deuten darauf hin, dass in den GSK-Wissenschaften das Verständnis doch anders gefasst ist, als beispielsweise in den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern. Wissenschaftler_innen der ersten Kategorie nennen häufiger den Wissensfluss sowie die Kooperation mit Praktiker_innen und der Gesellschaft, wohingegen speziell Techniker_innen häufiger Wirtschaftspartnerschaften und Industriekontakte benennen.

Wie sieht es mit den Teilkomponenten des Themas Wissenstransfer aus? Welche Leistungen werden als Wissenstransferleistungen benannt?

Das ist ein sehr interessanter Punkt. Ganz besonders häufig wurden Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit (>90% Zustimmung) sowie Vorträge und Tagungen außerhalb der Scientific Community (>80% Zustimmung) erwähnt. Auch universitäre Lehre, Fortbildungen für die Praxis sowie Kooperationen mit außeruniversitären (Forschungs-)Einrichtungen wurden häufig genannt. Die „klassischen“ Kennzahlen (Patente, Spin-Offs, Auftragsforschung) wurden hingegen deutlich seltener ausgewählt.

Sie haben nach Motivatoren und Hindernissen gefragt. Was geben die Befragten hier an?

Über drei Viertel der Befragten sagen, dass es die persönliche Motivation ist, die sie antreibt. Zudem geben zwei Drittel an, dass sie durch gesellschaftliche Aspekte motiviert werden. Die Verbesserung des Ansehens von Universität/Fakultät/Institut/Forschungsgruppe, die Information der Öffentlichkeit über eigene Forschungsleistungen bzw. –Ergebnisse sowie der Wunsch, Wissen auch anwendbar zu machen, wirken jeweils für die Hälfte der Wissenschaftler_innen motivierend. Finanzielle Interessen, wie etwa durch Projektförderungen oder Subventionen, sowie die Vermarktung von Wissen in Form von Patenten oder ähnlichem, sind unseren Ergebnissen zufolge nur für einen sehr kleinen Kreis interessant.

Mit dem Wirtschaftsgeist-Blog möchten wir eine Schnittstelle zwischen Wirtschaft und den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften darstellen. Welche Kooperationen bzw. Strategien gibt es hier?

Unseren Ergebnissen zufolge sind die Wissenstransferleistungen in diesem Bereich recht vielfältig, aber in der Regel dennoch anders als beispielsweise in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). GSK-Wissenschaftler_innen arbeiten eher direkt mit den Expert_innen im jeweiligen Feld zusammen, als mit Firmen oder Konzernen. Sie veranstalten Workshops zu spezifischen praxisrelevanten Fragestellungen, halten Vorträge oder bieten Fort- bzw. Weiterbildungen an. Auch das Verfassen Lehrbüchern oder die Erarbeitung von Praxisleitfäden sollte hier nicht unterschätzt werden. Für viele GSK-Wissenschaftler_innen ist es ein wichtiges Ziel, Forschung zu betreiben, die den Expert_innen in ihrer beruflichen Praxis weiterhilft. In diesem Zusammenhang wird häufig erwähnt, dass durch die Zusammenarbeit auch Wissen und Erfahrungen von den Expert_innen zurück an die Universität fließt, was im weiteren Verlauf wiederum zu neuen Forschungsansätzen führen kann.

Kommen wir zur Frage der Wahrnehmung. Wie bewerten die Befragten das Thema?

Für die Forscher_innen hat das Thema Wissenstransfer einen hohen Stellenwert. Sie sehen es als einen essenziellen Bestandteil der wissenschaftlichen Arbeit an, der im Großen und Ganzen zwei Aufgaben erfüllt. Einerseits geht es um die Schnittstelle zwischen der Wissenschaft im Allgemeinen bzw. den Universitäten im Speziellen auf der einen Seite und der breiten Öffentlichkeit auf der anderen Seite. Die Befragten geben beispielsweise an, dass das öffentliche Interesse bedient werden sollte und Universitäten einen wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung leisten. Zudem wird immer wieder erwähnt, dass Wissenstransfer auch in Bezug auf die Rechtfertigung von Steuergeldern wichtig ist.

Der zweite Bereich, der hervorgehoben wurde, ist die Vernetzung von Theorie und Praxis. Abgesehen von der Tatsache, dass durch Wissenstransfer Anwendungsfelder für theoretisches Wissen geschaffen bzw. erschlossen werden können, bewertet es ein Großteil der Befragten als sehr positiv, Forschung mit dem Ziel der Verbesserung der Praxis zu betreiben. Darüber hinaus kommen durch die Kooperationen auch wichtige Informationen und Praxiswissen zurück an die Universitäten.

Laut den Teilnehmer_innen unserer Studie wird Wissenstransfer sowohl von den verschiedenen praktischen Feldern, als auch von der Wirtschaft allgemein als positiv bewertet. Auch die breite Öffentlichkeit sei diesem Thema gegenüber sehr positiv eingestellt. Andererseits merken die Befragten an, dass Wissenstransfer für die Karriere nicht besonders förderlich ist und innerhalb der Scientific Community nicht wirklich wertgeschätzt wird.

Ein weiterer Punkt ist die Darstellung von Wissenstransferleistungen: bis vor kurzem wurden hauptsächlich Patente und Spin-Offs als Kennzahlen für Wissenstransferleistungen herangezogen. Das wurde von den Befragten durchaus kritisiert. Inzwischen gibt es aber schon einige Bestrebungen, die hier ansetzen. So wurden zum Beispiel an einigen Universitäten schon Kennzahlen für Publikationen und Vorträge mit Fokus auf außeruniversitäres Publikum, wie etwa Praktiker_innen oder Laien, eingeführt. Im Rahmen des WTZ-Süd arbeiten wir zurzeit überdies an einem erweiterten Kennzahlenkatalog, der noch einige weitere Punkte beinhalten soll.

Welche Schritte stehen nun als nächstes an?

Zuerst müssen wir die Daten fertig auswerten, was noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Speziell die qualitativen Items benötigen dabei recht viel Ausdauer unsererseits. Danach werden wir die Ergebnisse bei Kongressen und Forschungsupdates vorstellen und diskutieren. Außerdem ist es uns überaus wichtig, dass die Ergebnisse auch veröffentlicht werden. Hier wird von unserer Seite aus grundsätzlich eine open-access-Strategie verfolgt.

Vielen Dank für das Gespräch!

„alumni UNI graz. das absolventInnen-netzwerk“ im Interview mit wirtschaftsgeist.com

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Der alumni UNI graz ist der AbsolventInnen-Verein der Universität Graz. Er bietet AbsolventInnen ein breites Angebot an Möglichkeiten mit ihrer Universität in Kontakt zu bleiben, beispielsweise sich bei fachspezifischen Veranstaltungen über neueste Forschungsergebnisse zu informieren. Für Studierende ist der Verein ein Bindeglied zu den AbsolventInnen. Durch gezielte Programme können sich Studierende mit AbsolventInnen austauschen und von ihnen lernen sowie von deren Erfahrungen profitieren.

„alumni UNI graz. das absolventInnen-netzwerk“ hat in den letzten Jahren ein zielgruppengerechtes, fakultätsübergreifendes Netzwerk aufgebaut, das sich derzeit auf 17 Sektionen (Fachgruppen) und zahlreiche internationale Chapter und Kontaktstellen erstreckt. Alleine für den geisteswissenschaftlichen Bereich gibt es acht Sektionen, darunter alumni English & Amercian Studies, alumni historiae, alumni Philosophie, alumni Romanstik, etc.

Der Wirtschaftsgeist-Blog hat sich mit den alumni UNI graz Mitarbeiterinnen Mag. Tanja Baumgartner und Mag. Carmen Teubenbacher, MA, über die historische Entwicklung, die speziellen Angebote sowie über eine Absolventin der Geisteswissenschaftlichen Fakultät, die sich mit einem nachhaltigen Start-up Unternehmen selbstständig gemacht hat, unterhalten.

Tanja Baumgartner absolvierte das Studium der Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung. Schon während des Studiums war sie in vielen Projekten an der Uni beruflich involviert, wie bspw. im Studieninfoservice und in der Organisation der „Kinder Uni Graz“. Sie ist seit 2005 am Aufbau des Vereins dabei und zuständig für das Programm für Studierende gegen Studienende und JungakademikerInnen, sowie für das Marketing für diese Zielgruppe.

Carmen Teubenbacher absolvierte das Studium Anglistik/Amerikanistik an der Uni Graz und schloss berufsbegleitend einen Masterlehrgang in Medienwissenschaften ab. Nach unterschiedlichen beruflichen Stationen im Bildungs- und Medienbereich, wechselte sie 2012 zum alumni UNI graz und ist dort zuständig für Marketing und PR.

Frau Mag. Baumgartner, darf ich Sie bitten uns die Initiative „alumni UNI graz. das absolventInnen-netzwerk“ kurz vorzustellen?

Baumgartner: Der heutige alumni UNI graz baut auf dem 1995 gegründeten „Abso-Verein“ auf. Seit dem Relaunch im Jahr 2005 konnte der alumni UNI graz seine Mitgliederanzahl von rund 350 auf rund 4500 ausweiten. Das gesamte Netzwerk umfasst rund 20.000 Kontakte zu AbsolventInnen und Studierenden, die regelmäßig über Veranstaltungen und Neuigkeiten der Karl-Franzens-Universität informiert werden. Damit zählt der alumni UNI graz zu den größten AbsolventInnenvereinen im deutschsprachigen Raum.

Frau Mag. Teubenbacher, von welchen Leistungen profitieren die Mitglieder in Ihrem Netzwerk?

Teubenbacher: Der alumni UNI graz versteht sich als Plattform, um mit den AbsolventInnen in Kontakt zu bleiben. Unser Angebot reicht von Weiterbildungs- und Netzwerkveranstaltungen bis hin zum Erfahrungsaustausch unter den AbsolventInnen und der Universität. Zudem soll auch der Kontakt zwischen Studierenden und AbsolventInnen gepflegt werden, um den Austausch über zukünftige berufliche Perspektiven zu fördern.

In den letzten Jahren hat sich zusätzlich zu den fachspezifischen Sektionen ein weltweites Netzwerk an internationalen Chapter und Kontaktstellen – regionale Gruppen weltweit – entwickelt. So engagieren sich die AbsolventInnen der Universität Graz ehrenamtlich vor Ort in New York, Brüssel, Shanghai, Washington D.C., Moskau, London und in vielen weiteren Regionen rund um den Globus.

Gibt es Beispiele von Geistes-, Sozial- und KulturwissenschafterInnen, die sich in Ihrem AbolventInnennetzwerk im privatwirtschaftlichen Bereich besonders hervorgetan haben und was hat diese Persönlichkeiten besonders ausgezeichnet, um in diesem Bereich als GSK-AbsolventIn reüssieren zu können?

Teubenbacher: Da fällt mir das Unternehmen das Gramm – der erste verpackungsfreie Lebensmittelladen in Graz – ein. Verena Kassar, eine der Geschäftsführerinnen des Unternehmens hat an der Uni Graz Kunstgeschichte studiert. Sie war gemeinsam mit Ihrer Geschäftspartnerin, Sarah Reindl, Alumna des Monats April 2016. Sie betonte im Gespräch, dass geisteswissenschaftliche Studien das vernetzte Denken, den interdisziplinären Zugang, sowie die Fähigkeit, sich eigene Wege zu schaffen, fördern. Die Notwendigkeit, viel selbst erarbeiten zu müssen, fördert gleichzeitig auch die Fähigkeit, sich eigene berufliche Perspektiven zu schaffen und das fernab von vorgegeben Strukturen, wie sie in anderen Studienrichtungen oftmals vorgezeichnet werden.

Was sind Ihrer Ansicht und Erfahrung nach potentielle Hemmnisse für GeisteswissenschafterInnen, um einen reibungslosen beruflichen Einstieg zu schaffen? Wie kann man Ihnen dabei helfen?

Baumgartner: Ich sehe es als unsere Aufgabe, Studierenden die Möglichkeit anzubieten, mit AbsolventInnen in Kontakt treten zu können, um ihnen zu zeigen was alles möglich ist. Die Vielfalt an Berufsfeldern nimmt ständig zu. Hier finden wir es wichtig – und das beschränkt sich nicht nur auf Gewi-Studierende – zu erkennen, in welcher Tätigkeit man aufgeht. Oft kommt da der Ausspruch: „Ich kann eigentlich viel, aber ich weiß nicht, was ich damit machen soll“. Ein Ansatz wäre, unsere AbsolventInnen Gespräche zu besuchen, sich Ideen von Karrierewegen, wie auf eurem Wirtschaftsgeist-Blog oder auch Plattformen wie Whatchado zu holen, oder sich auf unserer Website die Alumni.Portraits anzuschauen. In den Studienplänen ist zwar nachzulesen, für welche Berufsfelder man (aus-)gebildet wird, aber auf den genannten Plattformen können konkrete Berufsvorbilder identifiziert werden. Dieses Sichtbarmachen von Möglichkeiten kann AbsolventInnen von Gewi-Studienrichtungen ermutigen, ihren eigenen beruflichen Weg zu erschaffen.

Teubenbacher: Vielleicht eine kleine Geschichte am Rande: Wir hatten letztes Jahr in unserer Veranstaltungsreihe „Perspektive Studium“, die Anglistik/Amerikanistik als Schwerpunkt mit ca. 40 Studierenden, die am Ende ihres Studiums waren. Wir hatten am Anfang gefragt, ob sie schon wissen, in welche Richtung sie sich beruflich orientieren werden und nur ca. fünf TeilnehmerInnen hatten eine konkrete Vorstellung. Deshalb ist es wichtig, den Studierenden solche Anregungen, wie die genannten, zu geben.

Sie bieten außerdem auch das sogenannte „Alumni Career Mentoring“ Programm an. Was hat es damit auf sich?

Baumgartner: Speziell mit dem Mentoring Programm von alumni UNI graz und Uni Career Center möchten wir dabei unterstützen, den Berufswunsch von Studierenden gegen Ende des Studiums zu schärfen. Wir setzen dazu eine branchenerfahrene Person – MentorIn – ein, die der/dem Mentee in der Berufsorientierungsphase zur Seite steht. Studierende ab dem fünften Semester können sich das gesamte Jahr über für dieses Programm bewerben. Für Mentees wird von alumni UNI graz und Uni Career Center ein begleitendes Rahmenprogramm angeboten. Wie sich die Zusammenarbeit im Mentoring-Tandem gestaltet, wird individuell vereinbart. Besonders hervorzuheben ist, dass sich die Mentorinnen und Mentoren ehrenamtlich für das Programm engagieren. Hier freuen wir uns immer, wenn jemand auf uns zukommt und auf diese Art und Weise, ihrer/seiner Alma Mater etwas zurückgibt.

Zudem haben Sie für die JungabsolventInnen ein eigenes Paket – „junior alumni“ – geschaffen? Von welchen Vorteilen profitieren die JungabsolventInnen?

Baumgartner: Wir bieten speziell für JungabsolventInnen das Servicepaket „junior alumni“ an. Wir fördern die JungabsolventInnen mit einer einjährigen kostenlosen Mitgliedschaft, mit einem -50 % Gutschein für ein professionelles Bewerbungsfoto, regelmäßigen Austauschmöglichkeiten mit berufserfahrenen AbsolventInnen, Mobilitätsstipendien für Auslandspraktika und die Teilnahme am Mentoring-Programm, um den beruflichen Einstieg zu unterstützen.

Das Career Center sowie das alumni UNI graz arbeiten eng zusammen. Beide Institutionen sind bei der Bewerbung der bisherigen „Wirtschaftsgeist-Workshops“ als Multiplikatoren hilfreich zur Seite gestanden. Was könnte Ihrer Meinung nach dieses Format bewirken?

Teubenbacher: Mit dem Wirtschaftsgeist-Workshop wird für Studierende, die eigenverantwortlich ihre beruflichen Perspektiven ausloten wollen, die Möglichkeit geboten, in den Aufbau eines Unternehmens hinein zu schnuppern und diesen aktiv mitzugestalten. Der Workshop zeigt auch auf, was durch Eigeninitiative möglich ist. Gerade GSK-Studierende sind in ihren Studien besonders gefordert Eigeninitiative zu entwickeln. Berufswege sind noch nicht vorgezeichnet, wie oftmals in anderen Studienrichtungen. Der Workshop bietet hier die Möglichkeit mit Berufsvorbildern in Kontakt zu treten und zu erkennen, dass man eigentlich viel kann und nun auch weiß, was man damit machen kann.

Vielen Dank für das Gespräch!