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Karrierewege von GeisteswissenschafterInnen – Vol. 4

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Auf die Stifte fertig los…

ruft Christina Boiger und alle beginnen zu schreiben. Christina ist Schreibtrainerin – und außerdem Germanistin, Romanistin und Slawistin.

Als Schreibtrainerin ist sie auf verschiedensten Ebenen tätig. Zu ihren Hauptkunden zählen Hochschulen, etwa die Uni Wien, die FH Wien der WKW, die PH Salzburg, das WIFI Burgenland und natürlich all jene, die Unterstützung beim Schreiben suchen. Auf der anderen Seite stehen Firmenkunden mit ihren individuellen Aufträgen. „Bei den Firmen geht es vorrangig um Alltagstexte“, erklärt Christina, „zum Beispiel um den Bericht, den man für den Chef schreibt. Im Prinzip sind das die gleichen Strategien, die man auch an der Hochschule verwendet, wenn man wissenschaftliche Arbeiten schreibt“. Christina hält zudem Gastvorträge, leitet Workshops und bildet an der Universität Wien SchreibmentorInnen aus.
Dass sie mit sehr unterschiedlichen Textsorten zu tun hat, liegt auf der Hand: „Ich habe gelernt Texte zu analysieren, auf sprachwissenschaftlicher und literaturwissenschaftlicher Basis. Ich weiß, welche Register wann idealtypisch verwendet werden, und ich kann aus diesen Faktoren mein eigenes Modell für einen Text bauen. Was ich im Studium gelernt habe, ist die Basis für das, was ich jetzt tun kann – aber es hat mir niemand gesagt, dass ich das kann. Ich glaube, dass ich auch nicht reif genug war, das zu verstehen. Mir hat im Studium der Transfer gefehlt. Ich habe dort Texte analysiert, habe aber nicht gewusst, wie ich diese Fähigkeit verwenden kann und dass sie auch gebraucht wird.“

Christina Boiger / Foto-Credit: Christine Weinberger – fotograzie
Christina Boiger / Foto-Credit: Christine Weinberger – fotograzie

Begonnen hat alles im Jahr 2000 mit einem Lehramtsstudium (Spanisch, Deutsch) in Graz. Christina hätte zwar von Beginn an lieber Russisch studiert, doch Deutsch erschien damals als die sicherere Variante, um später auf dem anvisierten Arbeitsmarkt – der Schule – bestehen zu können. Während des Probejahrs im Schuljahr 2004/05 am Gymnasium in Kapfenberg wurde ihr jedoch klar, dass sie nicht ihr weiteres Leben an einer Schule unterrichten wollte. Also begann sie im Herbst 2005 bei Kaipo, einem Unternehmen, das für das AMS Steiermark Bildungsförderungen bearbeitete: Im Rahmen einer EU-Förderung wurde bestimmten Personengruppen der Kursbeitrag oder Anteile davon gefördert. Also gab Christina Anträge in Systeme ein, prüfte die Kursabsolvierung und die Fördermöglichkeiten. Doch diese Arbeit als Sachbearbeiterin füllte sie nicht aus. Schließlich begann sie nebenbei Russisch zu studieren: „Das, was ich von Anfang an wollte“ schmunzelt Christina.
Nach einem Jahr als Sachbearbeiterin wechselte sie zum Unternehmen BDI – BioEnergy International AG. Ausgeschrieben war damals zwar eine Stelle als Sekretärin mit Französischkenntnissen, doch Christinas Auftritt überzeugte. Sie begann als Assistentin im Vertrieb und bekam mit der Zeit immer mehr Aufgaben übertragen. So koordinierte sie etwa Kongresse und unterstütze die Firma auch im Marketingbereich: „Das war der Moment, in dem ich feststellte: Ich kann vieles anwenden. Mir wurde klar, dass ich mich weiterentwickeln möchte und dass ich es kann.“ Nach fast 5 Jahren im Betrieb kündigte sie, begann die Ausbildung zur Schreibtrainerin in Wien und beendete ihr Bachelor-Studium in Russisch. Parallel dazu arbeitete sie ab 2011 an der FH CAMPUS 02 in Graz als stellvertretende Leiterin des Instituts für Hochschuldidaktik im Bereich der Qualitätssicherung. Dann wurde das Institut, an dem ich gearbeitet habe, geschlossen. Das war nun die Chance: Das Schreibtraining hatte ich ja schon nebenberuflich aufgebaut und ich dachte, so, das ist jetzt der Moment“, erzählt Christina.

Seit 2014 ist Christina Boiger nun hauptberuflich als selbständige Schreibtrainerin tätig und glücklich mit ihrer Entscheidung: „Man lernt sehr viel über unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Organisationsformen und Strukturen. Ich habe so einen bunten, abwechslungsreichen Alltag, dass ich manchmal nicht weiß, ob es nun wirklich nur ein einziger Beruf ist.“
Nachdem der Markt nicht sonderlich gut erschlossen ist, bleibt auch die Konkurrenz überschaubar: „Unter den SchreibtrainerInnen gibt es eher ein kollegiales Austauschen als Konkurrenzkampf, da jede/jeder eine andere Spezialisierung hat. Die Schreibtechniken stammen größtenteils aus dem englischsprachigen Raum, weshalb viele SchreibtrainerInnen aus dem Bereich der Anglistik oder Amerikanistik kommen. Ich bin den klassischen Weg über die Germanistik gegangen und habe mich auf Qualitätskontrolle und Qualitätssicherung spezialisiert – da bin ich die Einzige. Der Markt ist demnach wunderbar aufgeteilt“, erklärt Christina.

Betriebswirtschaftliches Knowhow erlangte sie durch ihre Jobs in Unternehmen, jedoch im „learning by doing“ -Modus. Manche Sachverhältnisse sind trotzdem nicht klar, da hilft auch keine absolvierte Unternehmerprüfung: „Für diese Dinge gibt es einen Steuerberater. Alles, was ich nicht selbst erledigen kann – oder will –, wird ausgelagert. So spare ich Energie und Zeit.“
Angehenden GeisteswissenschafterInnen rät sie: „Mut zu haben, das zu tun, was man ursprünglich wirklich tun wollte, denn: Man soll sich seine Wünsche erfüllen.“
Auch wenn es der Wunsch ist, Stifte auf dem Papier tanzen zu lassen.

Nähere Informationen zu Christinas Programm, der Strategie „Auf die Stifte, fertig, los!“ und ihren Workshops findet man unter „Schreiben mit Chribs“.

Text: Birgit Nikzat

Mut zum Jobwechsel

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Kürzlich haben wir die Bloggerin Jennifer Warkentin vorgestellt und interviewt. In ihrem aktuellen Blogbeitrag auf Geistesfindung schreibt sie über die Chancen und die positiven Effekte, die sich ergeben, wenn man Mut zum Jobwechsel beweist.
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„Wirtschaftsgeist“ trifft auf „Geistesfindung“. Die Bloggerin Jennifer Warkentin im Interview.

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Seit März 2015 begeistert Jennifer Warkentin, M.A., mit dem Blog Geistesfindung ihre Leserschaft mit lebhaften, authentischen Schilderungen persönlicher Erfahrungen an der Schnittstelle von Geisteswissenschaften und Wirtschaft. Im Wirtschaftsgeist-Interview spricht die in Hamburg wohnhafte HR-Managerin über ihre vielseitige Laufbahn und motiviert GeisteswissenschafterInnen, die vermeintlich „böse“ Wirtschaftswelt zu erkunden.

Frau Warkentin, möchten Sie uns ein bisschen zu Ihrem akademischen und beruflichen Background verraten?
Nach einem abgebrochenen Musikstudium für Jazzklavier, habe ich nun einen Magisterabschluss in Deutsch als Fremdsprache und Amerikanistik. Seit 2009 habe ich meinem Abschluss in der Tasche, hatte aber bereits während des Studiums angefangen zu arbeiten. Ich habe schon so einiges in meinem Leben beruflich mitgemacht, von freier Jazzpianistin bis hin zur pädagogischen Leiterin einer Sprachschule war alles dabei. Jetzt arbeite ich in einem Spezialbereich in der Personalabteilung und kümmere mich um Mitarbeiterentsendungen. Das bedeutet, dass unser Team zum Einsatz kommt, wenn feststeht, dass ein Mitarbeiter im Auftrag des Unternehmens in ein anderes Land „entsendet“ wird. Wir kümmern uns um die Vertragsgestaltung, die Klärung von steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Fragen und die Einholung der Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Außerdem koordinieren wir die Wohnungs- und Schulsuche, bedenken Themen wie Wechselkursschwankungen und ob das Gehalt im Heimat- oder Gastland ausgezahlt wird, organisieren über Dienstleister den Umzug oder ein interkulturelles Training usw. Mein heutiges Berufsfeld habe ich hier genauer erklärt, wie ich vorab als Quereinsteiger auf der Dienstleisterseite in diesem Bereich gearbeitet habe, beschreibe ich hier.

Jennifer Warkentin
Jennifer Warkentin

Geisteswissenschaften und Wirtschaft werden oftmals als Gegensätze betrachtet. Wie haben Sie das wahrgenommen? Wie sieht das in Ihrem Umfeld aus?
Ich selbst habe mir unter der freien Wirtschaft immer was diffus Böses vorgestellt. Aus irgendeinem Grund schwebten mir gleich geldgierige Bankiers vor, die nur den Profit vor Augen hatten und von glitzernden Marmorhäusern in ihre Yacht umsteigen. Dieses Bild hat sich erst im Laufe der Zeit bei mir geändert. Vor allem, als mir langsam klar wurde, dass auch NGOs und gemeinnützige Vereine in irgendeiner Weise mit Geld umgehen müssen und dass Profit an sich nichts Böses ist, wenn man ihn klug erwirtschaftet. Wir alle müssen auf irgendeine Weise Geld verdienen. Ob wir ethisch vertreten können, was mir beruflich tagtäglich zu entscheiden haben, ist natürlich eine ganz andere Frage.
Leider begegne ich öfter Geisteswissenschaftlern, oft auch frischen Absolventen oder noch Studierenden, die eine sehr ablehnende Haltung gegenüber der freien Wirtschaft haben. Euch kann ich nur einladen der freien Wirtschaft einfach mal eine Chance zu geben. Sie zu erkunden und zu sehen, ob sie wirklich so „böse“ ist, ob der Mensch wirklich so schnell aus den Augen verloren wird, ob ethische Fragen völlig untergehen und es wirklich immer nur darum geht sich mehr Geld in die eigene Tasche zu scheffeln.
Grundsätzlich habe ich bisher noch nicht erlebt, dass man sich mir ablehnend gegenüber verhalten hat, weil ich Geisteswissenschaften studiert habe, aber das lag sicher auch daran, dass ich mir nicht zu schade war zum Beispiel Excel zu lernen oder im Logistikbereich Berechnungen von Volumen, Gewicht und Volumengewicht tagtäglich meisterte. Offenheit ist das Zauberwort.

Sie sind im HR-Bereich eines Unternehmens im Bereich Energieversorgung, -handel und –logistik tätig. Trifft man in diesem Umfeld auf andere GeisteswissenschafterInnen?
Bei meinem jetzigen Arbeitgeber gibt es einige weitere Geisteswissenschaftler in der Personalabteilung. In den anderen Abteilungen muss ich gestehen, habe ich noch nicht so oft gefragt, was jemand studiert hat.
Meine grundsätzliche Beobachtung ist, dass es in vielen Bereichen Geisteswissenschaftler gibt. Typischerweise sind sie entweder bei Schnittstellen tätig, wenn es darum geht zu koordinieren und organisieren (wie zum Beispiel Projektmanagement oder Assistenztätigkeiten) oder wenn es um Kommunikation geht (z.B. Kundendienst, Vertrieb). Ich habe auch schon einen Literaturwissenschaftler kennengelernt, der heute Versicherungsspezialist ist. Es gibt auch einige, die sich den technischen Anteil ihres Berufes komplett selbst angeeignet haben oder in neueren Berufsfeldern arbeiten wie dem Social Media Manager oder Fundraiser.

Seit wann gibt es den Blog „Geistesfindung“ – und was war Ihre Motivation dahinter?
Meinen Blog gibt es seit anderthalb Jahren, seit März 2015. Damals begann ich den Blog, als ich mal wieder arbeitslos war und in ein ziemliches Loch fiel. Ich weiß nicht genau, warum mich die Bewerbungsphase damals so extrem belastete, aber um mir den Tag zu strukturieren, schrieb ich zu Beginn jeden Werktag einen Beitrag. Ich erhoffte mir durch den Blog Austausch mit anderen Leidwesenden und brauchte Abwechslung, wenn ich wieder stupide vor dem Rechner saß und geduldig Stellen für Geisteswissenschaftler suchte. Außerdem hoffte ich, dass durch meine Schilderungen jemand sich etwas beim eigenen Berufseinstieg mitnehmen würde. Da ich auch fünf Jahre lang mit zwei Standbeinen selbstständig war, gab ich auch zu diesem Thema im Blog Tipps weiter.
Heute schreibe ich durchschnittlich einen Beitrag pro Woche. Ich möchte weiterhin mit persönlichen Berichten anderen Mut machen, ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern und Tipps an die Hand geben.

Welche Leute lesen Ihren Blog? Bekommen Sie Rückmeldungen Ihrer Leserschaft?
Grundsätzlich besteht der Großteil meiner Leserschaft aus Studierenden oder Absolventen, die Fragen zum Berufseinstieg haben, es gibt aber auch einige Leser, die bereits fest im Berufsleben stehen und anscheinend einfach gerne meine Beiträge lesen. Reaktionen erhalte ich entweder per Kommentar oder vereinzelt per E-Mail. Manchmal sprechen mich Leser auch über Xing an. Ich freue mich immer, wenn Leute reagieren und kann weiterhin gerne per Kommentar auf dem Blog oder direkt per info at jennywarkentin.de kontaktiert werden.

Welche Tipps würden Sie GeisteswissenschafterInnen geben, die sich Gedanken über ihre berufliche Perspektive machen?
In letzter Zeit beobachte ich, dass bei Unternehmen ein Umdenken stattfindet. Man hat gemerkt, dass Geisteswissenschaftler meist sehr gut ausgebildete Soft Skills haben und die Hard Skills oder benötigten Fachkenntnisse mit ihrer hohen Motivation schnell erlernen. Erst heute habe ich zum Beispiel gelesen, dass Bertelsmann ein neues Traineeprogramm aufgebaut hat, das explizit geisteswissenschaftliche Studenten anspricht.
Lasst euch deshalb nicht reinreden, dass ihr brotlose Kunst studiert. Wenn ihr mit Leidenschaft dabei seid und euch nicht zu schade seid auch mal Fachfremdes auszuprobieren, bin ich mir sicher, dass ihr euer berufliches Plätzchen finden werdet. Bei mir hat es auch sechs Jahre gedauert bis ich sagen konnte beruflich angekommen zu sein. Aber die Geduld hat sich gelohnt. Ich finde es ein unglaublich befriedigendes Gefühl, wenn jemand aufgrund meiner vorbereiteten Unterlagen und meiner Koordinierung des gesamten Prozesses eine Arbeitserlaubnis erhält. Durchhalten lohnt sich!

Vielen herzlichen Dank für das äußerst spannende Interview! Wir freuen uns auf viele weitere Beiträge auf Ihrem Blog Geistesfindung.

Interview/Text: Roland Reiter

Das war der Wirtschaftsgeist Workshop am 10.06.2016

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Was passiert, wenn GeisteswissenschafterInnen und KünstlerInnen auf junge UnternehmerInnen aus der Grazer Start-up-Szene treffen?

Mit Spannung sah das WTZ-Süd-Team dem ersten Wirtschaftsgeist-Workshop entgegen. Bereits im Vorfeld wurde fleißig gearbeitet: Gemeinsam mit Moderator und Kreativcoach Johannes Frühmann bereiteten die Start-ups Challenges für den Workshop vor, die gemeinsam mit interdisziplinären Studierenden-Teams bearbeitet werden sollten. Diese Aufgaben reichten von Marketing-Konzepten bis hin zu Usability-Studies – spannende Themen, für die frische Perspektiven gefragt waren.

Foto-Credit: Alexander Wenzel/KUG
Foto-Credit: Alexander Wenzel/KUG

Am Tag des Workshops fanden sich zehn Studierende und drei Vertreter der Start-ups „Accessio“, „Powerix“ und „Workout Deals“ im Performancesaal der Kunstuniversität Graz ein. Nach kurzen Präsentationen der Start-ups und kreativen Impulsen von Moderator Johannes Frühmann bildeten sich interdisziplinäre Gruppen u. a. aus den Bereichen Archäologie, Anglistik/Amerikanistik, Design, Germanistik, Latein, Medienwissenschaften und Musikologie, um die Challenges der Start-ups im Team zu lösen.

Foto-Credit: Alexander Wenzel/KUG
Foto-Credit: Alexander Wenzel/KUG

Zwei produktive Stunden lang arbeiteten die TeilnehmerInnen an den Problemstellungen und erstellten kreative Lösungsansätze. Die einfallsreichen Ergebnisse wurden dann in der großen Runde präsentiert. Zuletzt konnten sich die TeilnehmerInnen im Rahmen eines kulinarischen, musikalischen und literarischen Ausklangs erholen und ihre Ergebnisse in persönlichen Gesprächen diskutieren.

Foto-Credit: Alexander Wenzel/KUG
Foto-Credit: Alexander Wenzel/KUG

Für den musikalischen Rahmen sorgte das Emiliano Sampaio-Trio, das mit brasilianischen Liedern der 1920er-Jahre begeisterte, während der Grazer Universitätsverlag den TeilnehmerInnen Bücher als Präsente überreichte.

Stimmen zum Workshop:
„Interdisziplinarität ist auch für Start-ups von großer Bedeutung. Im Wirtschaftsgeist-Workshop konnten wir mit einer gemischten User-Gruppe rasch und effizient Usability-Aspekte unseres Produkts klären.“ – Dominik Wieser, Accessio

„Der Wirtschaftsgeist Workshop bietet die Möglichkeit das eigene Startup aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und völlig neue Ideen zu kreieren.“ – Julian Rust, Workout Deals

„Die Start-up-Vertreter waren ausgesprochen sympathisch und das gemeinsame Arbeiten an den Challenges sehr interessant“ – Studierenden-Feedback (anonymisierter Fragebogen)

„Es war ein sehr gelungener und interessanter Workshop.“ – Studierenden-Feedback (anonymisierter Fragebogen)

„Der Workshop war wunderbar organisiert, spannend und kurzweilig.“ – Studierenden-Feedback (anonymisierter Fragebogen)

Text: Roland Reiter

Das DocService der Uni Graz im Interview

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Das DocService der Karl-Franzens-Universität Graz bietet DoktorandInnen ein umfassendes Serviceportfolio – von einem maßgeschneiderten Kursprogramm bis hin zu spannenden Netzwerkaktivitäten. Im Gespräch mit Frau Dr. Stefanie Lerch vom DocService hat der Wirtschaftsgeist nachgefragt, welche Services für Geistes-, Sozial- und KulturwissenschafterInnen angeboten werden.
Dr. Stefanie Lerch kommt selbst aus dem Bereich der Geisteswissenschaften: Sie hat ein Studium der Alten Geschichte und Kunstgeschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz und der Université de Montreal absolviert, sowie einen Forschungsaufenthalt an der Georg-August-Universität Göttingen. Von 2011 bis 2013 war sie Stipendiatin der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz – und seit Februar 2014 ist Frau Dr. Lerch co-verantwortliche Mitarbeiterin im DocService der Karl-Franzens-Universität Graz.

Dr. Stefanie Lerch, DocService
Dr. Stefanie Lerch, DocService

Frau Dr. Lerch, was ist denn das DocService der Uni Graz überhaupt? Was bieten Sie an?
Das DocService der Karl-Franzens-Universität Graz versteht sich als Kompetenzzentrum, Servicestelle und Informationsdrehscheibe für doktoratsspezifische Themen im Kontext einer zukunftsgerichteten, hochgradig professionalisierten und qualitativ exzellenten Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Aufgrund der besonderen Positionierung des Doktorats als letzter Stufe der Ausbildung und gleichzeitig als erster Stufe einer wissenschaftlichen Karriere (Stichwort: Promovierende als Early Stage Researcher) ist das DocService an der Schnittstelle zwischen Lehre und Forschung verortet.
Das DocService berät DoktorandInnen in verschiedenen Angelegenheiten, bietet ein Kursprogramm für Transferable Skills an und unterstützt mit der Organisation von Diskussionsveranstaltungen und Publikationen die konstruktive Auseinandersetzung mit akademischen Karrierewegen. Zudem betreut das DocService eine Plattform auf der alle wichtigen Informationen rund um das Doktorat zu finden sind.
Auf der Ebene des Universitätsmanagements wirkt das DocService an der Weiterentwicklung der Doktoratsausbildung und der Verbesserung der Rahmenbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs an der Universität Graz mit.

Welche Services werden speziell für DoktorandInnen der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften angeboten?
Wir bieten verschiedene Formate speziell für DoktorandInnen der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften an. Zum Beispiel veranstaltete das DocService im Frühjahr einen Workshop zum Thema Thinking at the Edge. Bei diesem Workshop lernten Sozial- und GeisteswissenschaftlerInnen eine Methode kennen, die bei der Entwicklung neuer Forschungsideen unterstützt und hilft diese zu systematisieren. Die TeilnehmerInnen widmeten sich zwei Tage ihren Forschungsidee und kamen somit in den Genuss eines intensiven Coachings zum eigenen Forschungsprojekt.
Zudem unterstützt das DocService auch Initiativen, wie das Projekt „Geisteswissen schafft Wirtschaft“ von Frau o. Univ.-Prof. Renate Pieper. Dieses Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht GeisteswissenschaftlerInnen die Augen für die Wirtschaft zu öffnen und gleichzeitig auch Manager von den Fähigkeiten der DoktorandInnen zu überzeugen. Die DoktorandInnen spielen dabei wirklichkeitsnahe Unternehmensprozesse durch und werden mit der Lösungen ausgewählter Fallbeispiele betraut.

Gibt es viele Anfragen von DoktorandInnen aus dem Bereich der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften? Welche Anliegen haben diese DoktorandInnen?
Mit rund 700 DoktorandInnen hat die geisteswissenschaftliche Fakultät die meisten DoktorandInnen, daher kommen natürlich auch sehr viele Anfragen aus diesem Bereich. Aber auch von der sozialwissenschaftlichen Fakultät gibt es ein großes Interesse an unserem Beratungsangebot. Die Anfragen sind sehr unterschiedlich und reichen von allgemeinen Informationen zum Ablauf des Studiums bis hin zur Problemen mit Betreuungspersonen. Häufige Anliegen der DoktorandInnen sind vor allem Themeneingrenzung, Finanzierung, Betreuersuche, Auslandaufenthalten oder Publikationsmöglichkeiten.

Geistes- Sozial-, Kulturwissenschaften und die Wirtschaft: Passt das zusammen?
Geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Studien und die Wirtschaft schließen sich nicht aus, doch finden sich Berührungsängste auf beiden Seiten. Daher hat das bereits erwähnte Projekt „Geisteswissen trifft Wirtschaft“ es sich zur Aufgabe gemacht, den wechselseitigen Nutzen herauszuarbeiten. Bereits im Pilotprojekt wurde allen Beteiligten klar, dass die Zusammenarbeit zwischen Geistes-, Sozial-, Kulturwissenschaften und der Wirtschaft überaus fruchtbar sein kann. Wissenstransfer, Projektmanagement und Kommunikation sind klassische Tätigkeitsfelder von Geistes-, Sozial- und KulturwissenschaftlerInnen in der Wirtschaft. Ebenso sind ausgezeichnete Sprachkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen sehr wichtige und nachgefragte Skills.

Können Sie einige Kompetenzen definieren, die DoktorandInnen der GSK in ein wirtschaftliches Umfeld einbringen können?
Der Wunsch nach Messbarkeit von Kompetenzen ist besonders in der Wirtschaft groß, um Ausbildungen vergleichbar zu machen.
Geistes-, Sozial- und KulturwissenschaftlerInnen zeichnen sich durch eine Vielzahl an Kompetenzen aus: Sie glänzen durch zielgerichtete Recherche und lösungsorientiertes Vorgehen. Sie besitzen die Fähigkeit zu vernetztem Denken, sind kreativ, hartnäckig und initiativ. Zu den wichtigsten Kompetenzen gehören Kommunikations- und Problemlösungskompetenz, Transferfähigkeit, Projekt- und Wissensmanagement sowie Medien-, Präsentations- und Visualisierungskompetenz. Aber auch Persönlichkeitsmerkmale wie Ausdauer, Begeisterungsfähigkeit, Teamfähigkeit, intrinsische Motivation werden immer wieder genannt, die DoktorandInnen der GSK in ein wirtschaftliches Umfeld einbringen.

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch!

Link zum DocService der Uni Graz: https://docservice.uni-graz.at/de/

Interview/Text: Roland Reiter

Karrierewege in der Kunst – Teil 2

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Außerordentliches Engagement….

… beweist Carmen Gaggl – und das wurde nun auch offiziell gewürdigt. Die KUG- Doktorandin erhielt im Dezember vergangenen Jahres den Förderungspreis des Landes Kärnten für Volkskultur. Die gebürtige Klagenfurterin hat sich ganz dem Hackbrett verschrieben und nähert sich diesem von der praktischen wie auch von der theoretischen Seite an. Carmen unterrichtet Hackbrett im Landesmusikschulwerk Kärnten, ist Fachkoordinatorin für Hackbrett, Harfe und Zither sowie Mitglied des internationalen Ensembles für Alte Musik „L ́Arpeggiata“ mit Sitz in Paris (www.arpeggiata.com) und absolviert parallel das Doktorats-Studium am Institut für Ethnomusikologie der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz. Zu erwähnen sei noch, dass die ausgebildete Kulturmanagerin und Musikkinesiologin immer wieder Vorträge und Seminare hält und 12 Jahre lang Redakteurin der Quartalszeitschrift „lied.ART“ des Kärntner Volksliedwerkes war. Dass dieses außergewöhnliche Engagement bereits des Öfteren ausgezeichnet und gefördert wurde, liegt auf der Hand. Für Carmen selbst war die Verleihung des Förderpreises dennoch eine große Überraschung: „Ich habe es aus der Zeitung beziehungsweise aus dem Glückwunsch-SMS erfahren.“ Die Leidenschaft für das Hackbrett erwachte in ihr schon früh: „Das Hackbrett begleitet mich fast schon mein ganzes Leben lang. Ich bin mit 6 Jahren in eine Musikschule gegangen und hörte dort den Klang dieses Instrumentes. Ich war sofort begeistert und wollte dieses Instrument unbedingt erlernen. Dass das irgendwann einmal mein Beruf werden würde, daran hätte ich damals jedoch nie gedacht.“

Carmen Gaggl, Foto: Helmuth Weichselbraun/Kleine Zeitung
Carmen Gaggl, Foto: Helmuth Weichselbraun/Kleine Zeitung

Carmen möchte auch dazu beitragen, das Image des „Nischeninstrumentes“ ein wenig zu verändern: „Es ist mir wichtig, dieses Instrument zu positionieren und das Vorurteil, man könne darauf ja ’nur‘ Volksmusik spielen, schrittweise abzubauen – sei es durch Unterrichten, durch Konzerttätigkeit oder wissenschaftliche Arbeit.“ Durch die Verleihung des Förderungspreises wurden einerseits Hackbrett-Forscher wie auch aktive Hackbrettspieler auf Carmens Engagement aufmerksam: „Die Hackbrett-Szene ist im deutschsprachigen Raum recht überschaubar und ich denke es bereichert alle, wenn die theoretische und die praktische Seite sich ergänzen.“
In ihrer Dissertation beschäftigt sich Carmen mit den ikonografischen (bildlichen) Quellen des Gesamttypus Hackbrett/Psalterium in der Alpen-Adria-Region zwischen 1320 und 1530. Auch nach dem Doktorat möchte Carmen einen Teil ihrer Zeit der Forschung widmen: „Die Hackbrettforschung steht noch relativ am Anfang und ich möchte unbedingt weitermachen. Es gibt viel interessantes Material zum Aufarbeiten.“ Auf die Frage, wie Carmen all diese Aufgaben bewältigt meint sie: „Das frage ich mich manchmal selbst, man jongliert ständig zwischen mehreren Bereichen. Die Herausforderung an dem Ganzen ist die Organisation, das fordert natürlich. Dafür entscheidet man aber für sich selbst und ist ein Stück weit selbständiger. Ohne Unterstützung und Verständnis auf Seiten der Familie und des Freundeskreises würde es in dieser Form aber nicht umsetzbar sein.“

Text: Birgit Nikzat

Herausforderung: Wissenstransfer in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften

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Während bei den Technischen Wissenschaften und den Wirtschaftswissenschaften Patente, Erfindungen und Unternehmensausgründungen als klassische Ergebnisse von Wissenstransfer gelten, ist die Definition für die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften schwieriger. Das Wissenstransferzentrum Süd hat daher ein Projekt ins Leben gerufen, das sich darum bemüht, den Wissenstransfer in diesen Fächern genauer zu spezifizieren. Das Projekt ist am Institut für Philosophie an der Alpen-Adria-Universität angesiedelt. Projektleiterin ist Alice Pechriggl, wissenschaftliche Projektmitarbeiter sind Daniel Wutti und Markus Hayden.

18 Interviews hat Daniel Wutti mit Forscherinnen und Forschern der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften geführt, um einer Definition von Wissenstransfer in diesen Fächern nachzuspüren. Gleichzeitig ging es ihm auch darum zu eruieren, warum die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich um Wissenstransfer bemühen, welche Erfolge sie dabei verzeichnen und welche Hemmnisse sie erleben. Die Definition lässt sich laut ihm wie folgt zusammenfassen: „Wissenstransfer in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften ist Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Öffentlichkeit bzw. die Praxis und auch wieder zurück, unter Anderem zum Zwecke der Bewusstseinsherstellung.“ Zu betonen sei dabei, dass Wissenstransfer in diesen Fächern keine primär ökonomische Zielsetzung habe und sich vom Begriff des Wissenstransfers in technischen oder wirtschaftlichen Bereichen sowie ebenso vom Transfer von Wissen innerhalb der Scientific Community abgrenze.

Wutti führt weiter aus: „Ein bedeutender Teilbereich betrifft die Wissenschaftskommunikation, etwa die Kooperation mit Medien.“ Als Beispiele für ihre Arbeit in Sachen Wissenstransfer nannten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die „Lange Nacht der Forschung“, die „UNI für Kinder“, aber auch andere Veranstaltungsformate, die an die Öffentlichkeit gerichtet sind. Viele Forscherinnen und Forscher seien demnach im engen Kontakt mit Medien und würden eigene Aktivitäten setzen. Ein wichtiger Teilbereich sei die so genannte „Science-to-Professionals“-Arbeit: Wissenschaftliche Erkenntnisse werden direkt an die betroffene Berufsgruppe vermittelt, oft wird sogar in enger Partnerschaft mit den ProfessionalistInnen geforscht. Beispielsweise ist dies bei der Didaktikforschung der Fall, wenn Wissenstransfer an Lehrerinnen und Lehrer stattfindet. „Auch die universitäre Lehre verstehen viele als Wissenstransfer, werden doch oft alltagsrelevante bzw. gesellschaftlich relevante Themen in der Lehre behandelt oder Lehrveranstaltungen mit konkretem Praxisbezug angeboten“, so Wutti.

Viele Geistes-, Sozial- und KulturwissenschaftlerInnen, so zeigen die Ergebnisse von Wutti und Hayden, würden diese Arbeit im Bereich des Wissenstransfers als persönliche Pflicht begreifen, da es gelte, die Gesellschaft über die Forschungsarbeit zu informieren und auch zur Verbesserung gesellschaftlicher Verhältnisse beizutragen. Die Ansprache eines über die Scientific Community hinaus erweiterten Publikums erleben viele als lohnend, aber auch die Erlangung von Reputation, die Aufbesserung des eigenen Lebenslaufs oder finanzielle Interessen könnten hinter dem Engagement in Sachen Wissenstransfer stehen.

Wutti und Hayden wollen im zweiten Projektjahr nun verstärkt an Visionen und Vorschlägen arbeiten, wie Wissenstransfer zu größerer Würdigung, Wahrnehmung und Unterstützung kommen könnte. „Es geht darum, Wissenstransfer in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften sicht- und darstellbar zu machen.“ Dabei müsse über die Grenzen von klassischer „Wissenschaftskommunikation“ hinaus gedacht werden. Wissenstransfer könnte demnach beispielsweise auch bei klassischen Science-to-Science-Projekten mitgedacht und in der Folge auch gewürdigt werden.

Quelle: https://www.aau.at/blog/wissen-in-die-gesellschaft-transferieren-die-aau-im-wissenstransferzentrum-sued/