Interview

„Es ergibt sich auf dem Weg“ – Interview mit Johannes Frühmann – Innovationscoach, Unternehmensberater, Leiter des Wirtschaftsgeist-Workshops

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Mit dem Wirtschaftsgeist-Workshop und -Blog versucht das WTZ-Süd Barrieren zwischen Wirtschaft und Geistes-, Sozial- und KulturwissenschafterInnen sowie Kunstschaffenden abzubauen, deren Interesse an wirtschaftlichen Themen zu wecken und Karriereperspektiven aufzuzeigen. Mag. Johannes Frühmann war von Beginn an bei der Konzeptionierung des Wirtschaftsgeist-Workshops dabei, gibt Einblicke in die Entstehung und lässt die letzten vier Workshops im Interview Revue passieren. Zudem möchte er unsere BlogleserInnen am Beispiel des Buches „Business Model You“ ermutigen sich ihrer Talente und Fähigkeiten bewusst zu werden, diese auch selbstbewusst darzustellen und den Nutzen für andere herauszustreichen.

Johannes Frühmann studierte Umweltsystemwissenschaften und Geographie mit den Schwerpunkten Systemtheorie, Regionalentwicklung und Nachhaltigkeit und unterzog sich einer Zusatzausbildung als Trainer und Coach. Im Mai 2007 nahm er am Sustainable Europe Research Institute (SERI) in Wien eine Stelle als Researcher an. Er arbeitete in zahlreichen internationalen Projekten mit den Schwerpunkten Lebensqualität, gesellschaftlicher Wandel und Kommunikation von Nachhaltigkeit. Seit 2010 ist Johannes Frühmann selbständiger Unternehmer und Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt auf Entwicklung innovativer Unternehmensideen. Seit 2017 ist er auch Gesellschafter der Werbeagentur Cloudthinkn.

Johannes Frühmann
Johannes Frühmann

Johannes, du hast bisher alle vier Wirtschaftsgeist-Workshops inhaltlich begleitet und moderiert. Wie fällt dein Zwischenfazit aus?

Ich bin über meine Tätigkeit als Mentor bei der Initiative Gründungsgarage für die Moderation des Workshops vorgeschlagen worden und habe dann auch die Konzipierung des Workshops unterstützt. Die Grundintention des Workshops war, Studierenden der GSK/EEK[1] ein Setting zu bieten, wo sie sich im Austausch mit UnternehmerInnen selbst erfahren können und wo sie, in der Auseinandersetzung mit Fragestellungen des Unternehmens, für sich eine positive Erfahrung mitnehmen können. Die Studierenden sollen in diesem Workshop erkennen, dass sie mit ihren Fähigkeiten einen wertvollen Beitrag leisten können. Das Erleben in einem solchen Entwicklungsprozess soll für sie als Anregung dienen, ihr Berufsbild weiter anzulegen und über ihren studienspezifischen Tellerrand hinauszublicken.

Für mich persönlich misst sich der Erfolg dieses Workshopkonzepts vorwiegend darin, ob die Studierenden etwas Überraschendes an sich selbst entdecken. D.h., dass sie die Erfahrung mitnehmen, zu den im Workshop aufgeworfenen spezifischen Fragestellungen etwas Substantielles beigetragen zu haben.

Hattest du am Anfang deine Zweifel, ob dieses Workshopkonzept, GSK/EEK und Wirtschaft zusammenzuführen, funktionieren könnte?

Natürlich war es auch ein Wagnis. Am Anfang war es ungewiss, ob das Konzept aufgeht. In den Workshops hatten wir zum Großteil technikorientierte Start-ups dabei. Diese waren besonders erfreut, ihr Produkt einmal mit Personen zu diskutieren, denen technische Begriffe weniger geläufig sind. So wurden UnternehmerInnen durch die Unvoreingenommenheit der Studierenden dazu gebracht, sich mit ihrem Produkt kritisch auseinanderzusetzen. Zudem bestand für die UnternehmerInnen die Herausforderung darin, sich über die Bedürfnisse der potentiellen KundInnen ein klareres Bild zu machen und vor allem in Hinblick auf die Kommunikationsstrategie den Nutzen des Produkts aus der Perspektive der KundInnen zu artikulieren.

Wo liegen deiner Meinung nach die Stärken von GSK/EEK Studierenden und AbsolventInnen als MitarbeiterInnen in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen?

Generell gesprochen, Studien, die sich mehrheitlich mit Sprache beschäftigen und auseinandersetzen, ganz egal ob das jetzt Germanistik, Philosophie oder eine andere Studienrichtung im Bereich GSK/EEK ist, prädestiniert die Studierenden für jedes Kommunikationsthema. Kommunikation ist etwas das in unserer Gesellschaft wesentlich ist und das man auch in viel mehr Berufen benötigt, als man gemeinhin glaubt.

Nehmen wir die E-Mail Korrespondenz als Beispiel: da fällt viel weg was Kommunikation ausmacht. Ich habe keine Körpersprache, keine Tonalität, da passieren oft Missverständnisse. Deshalb ist es wichtig einen bewussten Umgang mit Sprache zu haben. Das ist ein Stärkefeld von GeisteswissenschaftlerInnen. Zudem sehe ich die Fähigkeit zur Selbstorganisation. Gerade diese Studien bieten heute noch die Möglichkeit durch mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung, das eigene Studium zu gestalten.

Machen wir einen Blick in die Zukunft: Was wird an Berufen in 20-30 Jahren übrigbleiben? Fähigkeiten wie: Kreativität, Umgang mit komplexen gesellschaftlich relevanten Fragestellungen, vorhandenes Wissen mit neuen Erfahrungen verknüpfen können. Das sind geistige Fähigkeiten, die relativ spät von einer Software übernommen werden können. Ich persönlich glaube, dass es der Wirtschaft guttun würde, wenn selbstbewusste GeisteswissenschaftlerInnen immer öfter im Wirtschaftsleben Fuß fassen.

Da fällt mir ein Beispiel ein: Ich habe im Jahr 2012 im Rahmen eines Dokumentationsfilms den brasilianischen Unternehmer Ricardo Semler getroffen, der im Bereich der Demokratisierung von Unternehmen einen radikalen und erfolgreichen Weg gegangen ist. Nachdem er den Industriebetrieb in den 80er Jahren von seinem Vater übernommen hat, hat er als ersten Schritt die klassischen Manager entlassen, da er der Überzeugung war, dass sich die Unternehmenskultur nie verändern lassen würde, wenn der alte autokratische Führungsstil beibehalten wird. Stattdessen reorganisierte er das Unternehmen in kleine, eigenverantwortliche Arbeitsgruppen, die ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen konnten und die zukünftigen Führungskräfte selbst wählten und bewerteten. Die neuen Führungskräfte rekrutierte er aus PädagogInnen und PhilosophInnen. Die Organisationsprinzipien für den Erfolg lauten: Mitbestimmung, Eigenverantwortung, Gewinnbeteiligung und Transparenz. Was hat das mit den GSK/EEK zu tun? Ganz einfach, eigenverantwortliches Handeln, Reflexionsfähigkeit und partizipatives verantwortliches Handeln werden eher in diesen Fächern gefördert als in den klassischen Ausbildungsstätten von Führungskräften. Ricardo Semler ist hier ein erfolgreicher Pionier in der Unternehmensführung.

Der Wirtschaftsgeist-Workshop kann ein kleiner Baustein sein, den Studierenden der GSK/EEK zu ermöglichen zu erkennen, dass sie auch mit ihrem Wissen in einem Unternehmen einen wertvollen Beitrag leisten können und es bspw. total spannend sein kann sich über den Wert bzw. Nutzen eines Produktes für eine Zielgruppe Gedanken zu machen.

Was kannst du GSK/EEK Studierenden und AbsolventInnen für Ihre Karriereplanung mit auf den Weg geben? Wie kann das Instrument „Business Model You“ dabei helfen?

Es geht darum Brücken zu bauen zwischen dem Denken von GSK/EEK-Studierenden / AbsolventInnen und dem Wirtschaftsdenken. Da könnte das Konzept Business Model You ein guter Ansatz sein. Dieses Modell versucht unternehmerisches Denken für den Einzelnen nutzbar zu machen und ist damit auch eine Denkhilfe für jemanden der nicht in wirtschaftlichen Kategorien denkt. Es hilft strukturierter über die Fragen nachzudenken: Was kann ich und wer kann das brauchen?

Ich muss gleich vorwegschicken! Ich bin ja prinzipiell ein kritischer Geist, weil ich merke, dass die zugrundeliegenden Prinzipien des Wirtschaftsdenkens in immer mehr Lebensbereiche Einzug halten. Wenn man heutzutage Joggen geht, teilt man mit einer App die Ergebnisse, um zu zeigen: „Schaut her, ich tue was, ich bin performance-orientiert“. Dem allen liegt ja der Fortschritts- und Wirtschaftswachstumsgedanke zugrunde. Wenn man mit diesem Buch arbeitet, sollte man jedenfalls im Blick behalten, dass es auch ein Leben ohne die Kategorisierung von Kosten/Nutzen gibt.

Das Buch wird vor allem im Karrierecoaching eingesetzt. Das Modell basiert auf Business Model Generation mit dem ich im unternehmerischen Kontext sehr viel arbeite. Die Variation ist im Wesentlichen von der Idee geleitet: Wie kann ich für ein Unternehmen den zentralen Wert definieren? Für wen und wie erzielt es diesen Wert? Was muss das Unternehmen tun, damit es diesen Wert generieren kann. Was bekommt das Unternehmen zurück und was kostet es diesen Wert zu erzeugen? Diese Fragen kann man auch auf den einzelnen Menschen herunterbrechen. Im Sinne von: jeder Mensch hat gewisse Fähigkeiten, Stärken, Vorlieben, Dinge die er/sie kann. Manche Dinge haben unmittelbar etwas mit seiner/ihrer Ausbildung zu tun. Viele aber auch nicht. Bestes Beispiel dafür ist ein Wirtschaftsgeist-Workshop-Teilnehmer, der im Grunde im Workshop ein Wissen eingebracht hat, das gar nichts mit seinem Studium zu tun hatte. Er hat im Laufe seines Lehramtstudiums eine Leidenschaft für das Thema Film entwickelt und konnte im Workshop bei der Konzeptionierung eines Imagevideos sein Wissen einbringen.

Und das gibt es ja in unterschiedlichen Graden bei Vielen. Ich fühle mich da auch angesprochen, weil ich Geographie und Umweltsystemwissenschaften studiert habe. Abgesehen vom systemischen Denken, das ich mir durch mein Studium angeeignet habe, hat meine heutige berufliche Tätigkeit wenig bis gar nichts mit meinem Studium zu tun. Für mich sind viele Dinge, die ich mir neben dem Studium und nach dem Studium angeeignet habe, für meine berufliche Laufbahn viel wichtiger geworden.

Aus dieser Erfahrung heraus, finde ich, dass es wichtig ist, zu erkennen, wo kann ich aus verschiedensten Bereichen meines Lebens Fähigkeiten identifizieren, die für jemand anderen einen Nutzen haben könnten.

Eventuell komme ich während des Studiums drauf, ich bin ein Organisationstalent. Irgendwie gelingt es mir, viel besser als anderen, die Dinge gut zu organisieren und bei Gruppenarbeiten bin ich der, der das Projekt zusammenhält. Dann kann das ja eine enorm hilfreiche Erkenntnis sein.

Das Buch Business Model You ermöglicht mir meine Fähigkeiten einmal aus der Vogelperspektive anzuschauen. Es leitet mich an meine verschiedenen Stärkefelder in mir zu finden. Meine Fähigkeiten mit einem bestimmten Nutzen für andere zu kombinieren. Es bietet einen praktischen Realitycheck. Ich halte nichts von Ansätzen wie: Folge deiner Leidenschaft und du wirst erfolgreich sein. Leidenschaft ist eine notwendige Bedingung, aber keine hinreichende. Die beste Idee, das beste Produkt bringt nichts, wenn es niemanden gibt, der den Wert erkennt und sagt, dafür zahle ich was. Das Nachdenken darüber, was will ich, was kann ich, wo bin ich gut? Wer könnte da eine interessante Zielgruppe sein?

Kannst du uns ein Beispiel nennen, wo du persönliche Leidenschaft/Sinnerfüllung und wirtschaftlichen Erfolg im Einklang siehst?

Ja, gerne. Bspw. bei der Beratung von Start-up-Unternehmen kristallisieren sich immer zwei Herangehensweisen heraus, aber nur eine verspricht wirklich Erfolg. Zum einen Ideen, die aus einer persönlichen Begeisterung geboren werden, aber die Zielgruppen/KundInnen nicht eindeutig erkennbar sind und zum anderen Ideen aus dem Erkennen eines Problemfeldes einer bestimmten KundInnengruppe. Letztere haben eine größere Chance wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Ich präsentiere in meinen Workshops gerne ein Beispiel aus dem Social Entrepreneurship. Gabriele Schwarz, mit ihrem Unternehmen Bonergie, die ursprünglich aus dem Marketingbereich kommt, hat auf einer Urlaubsreise im Senegal die Armut der Menschen dort hautnah miterlebt. Zurück aus dem Urlaub hat sie das nicht mehr losgelassen und überlegte, was sie tun könnte.

Die erste Erkenntnis aus diesem Beispiel war folgende: Frau Schwarz hat sich nicht in Deutschland hingesetzt und gefragt, was kann sie in Deutschland für die Menschen im Senegal machen, sondern sie ist auf eine Fact-Finding-Mission gefahren und hat einfach den nächsten Urlaub nochmals im Senegal verbracht, um das Land zu bereisen, nicht als Touristin, sondern jetzt genauer hinzuschauen, wie geht es denen, die in Armut leben, was benötigen sie.

Sie erkannte, dass es einen großen Unterschied ausmacht, ob Dörfer an die Stromversorgung angeschlossen sind oder nicht. Daraufhin hat sie ein Konzept entwickelt um kleine Fotovoltaikanlagen in einem Mikrofinanzierungsmodell zu vertreiben. Das Modell sieht vor, dass die Anlagen innerhalb von zwei Jahren abbezahlt werden können, aber eine Haltbarkeit von 20 Jahren haben. Durch Zugang zu Strom gibt es nun Entwicklungsmöglichkeiten für die einzelnen Regionen.

Ich erzähle dieses Beispiel gerne, weil das für potentielle GründerInnen oft ein Aha-Erlebnis ist. Frau Schwarz hat sich eben nicht gedacht, Fotovoltaik ist so etwas Cooles und ich möchte damit was machen. Wenn sie darauf gekommen wäre, dass ein anderes Produkt den Menschen im Senegal mehr geholfen hätte, dann hätte sie gelernt, wie man das andere Produkt herstellt bzw. vertreibt. Frau Schwarz hatte selbst keine Ahnung davon, wie man Fotovoltaikanlagen herstellt, noch hatte sie einen technischen Background. Sie hat das Problem bzw. den KundInnennutzen erkannt und sich ein Team zusammengestellt, das die Umsetzung realisieren konnte. Sie wusste was nötig war, damit extrem vielen Leuten geholfen werden konnte und gleichzeitig hat sie auch ein solides wirtschaftliches Unternehmen aufgebaut.

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch!

[1] *GSK/EEK (Geistes- Sozial- und Kulturwissenschaften / Erschließung und Entwicklung der Künste)

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol.13

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Die Welt sehen – das wollte David Zottler bereits als Kind. Heute ist der Geisteswissenschaftler in ganz Europa beruflich unterwegs.

Alles begann mit dem Kunstgeschichtestudium an der Karl-Franzens-Universität in Graz und einem Auslandssemester in Straßburg. „Die Zeit in Frankreich hat mich komplett verändert, plötzlich war mir ein Studium nicht mehr genug und ich inskribierte mich nach meiner Rückkehr zusätzlich noch für Geschichte und Französisch.“ David, der übrigens der erste in der Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz war, der drei Studien gleichzeitig abgeschlossen hatte, betätigte sich nebenbei ehrenamtlich für den Verein Erasmus Student Network (ESN) und betreute Incoming-Studenten aus aller Welt: „Damals in Frankreich gab es diesbezüglich wenig Infrastruktur. Deswegen wollte ich mich engagieren, um den internationalen Studierenden hier unter die Arme zu greifen.“ Bald darauf folgten weitere Auslandsaufenthalte, wie etwa ein Praktikum in Brüssel bei der EU: „Ich war der erste Geisteswissenschaftler, der das Praktikum dort bekommen hat. Ich arbeitete bei der Vertretung des Landes Steiermark in der EU, durfte dort bei vielen Meetings und Konferenzen wie etwa im EU-Parlament oder in der EU-Kommission als Repräsentant dabei sein, die für die Steiermark relevanten Informationen aufbereiten und übersetzen. Dieses Praktikum hat meine Überzeugung von der EU gestärkt. Danach lebte ich noch ein halbes Jahr als Sprachassistent in Dijon, Frankreich, und habe später auch in Paris für ein weiteres EU-Projekt gearbeitet. Mein Wissen aus den Studien konnte ich besonders bei der Sprachassistenz gut nutzen, da ich dort vor allem viele landeskundliche Themen in meinen Unterricht einfließen ließ“, meint David.

David Zottler
David Zottler

Noch während seiner Studien in Graz entschied sich David, die zweijährige Ausbildung zum Austria Guide, die berufsbegleitend am WIFI angeboten wird, zu beginnen. Diese staatliche Ausbildung befähigt nach erfolgreicher Absolvierung aller Prüfungen als Fremdenführer in ganz Österreich Führungen durchzuführen, aber auch zu organisieren und zu planen. „Bereits neben den Studien begann ich in Graz, als Austria Guide zu arbeiten“, erzählt David, „und mit der Zeit übernahm ich zusätzlich auch immer mehr Reiseleitungen. Ich habe dazu eine eigene Ausbildung als Reiseleiter absolviert, und leite und organisiere seit damals Reisen in ganz Europa. Als Reiseleiter kann prinzipiell jeder tätig sein, aber Führungen darf man nur dann anbieten, wenn man staatlich geprüfte/r FremdenführerIn ist. Dass ich beide Qualifikationen habe, was relativ selten vorkommt, erweist sich dabei für mich als großer beruflicher Vorteil.

Für diesen Job wird einem eine hohe Belastbarkeit abverlangt und die Bereitschaft, sich ständig weiterzubilden und viel und oft im Ausland unterwegs zu sein. Zudem ist viel Geduld und große Flexibilität nötig und ein offenes Ohr für jedes Wehwehchen: „Es muss alles im Vorfeld abgestimmt werden – Hotels, Restaurants, etc. Die Leute kommen mit allen Problemen zu einem, denn man ist oft ihr einziger Ansprechpartner. Man ist ständig mit ihnen unterwegs, das heißt die soziale Komponente ist überaus wichtig. Wenn man eine Führung anbietet, steht das Fachliche und Inhaltliche im Vordergrund und nach der Führung geht man sozusagen nach Hause. Als Reiseleiter bin ich aber beispielsweise dafür verantwortlich, die unterschiedlichsten Essensallergien zu berücksichtigen, zu wissen, wo ich im Notfall eine Nachtapotheke finde – oder ich muss im Hotel ein neues Zimmer organisieren, wenn etwas nicht passt, und vieles mehr. Das ist zwar anstrengend und verlangt ein hohes Maß an Verantwortung, aber ich liebe meine Arbeit“, schwärmt David, der seine Touren auf Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch durchführt. Derzeit leitet er vor allem viele Bildungsreisen, wie etwa für das amerikanische Unternehmen Road Scholar, eine der weltweit größten Lifelong Learning-Organisationen: „Hier führe und begleite ich US-Amerikaner, die sich für klassische Musik begeistern, auf thematischen Reisen, wie zum Beispiel The Great Composers of Europe, erklärt David. Aber auch in weniger bekannten Gegenden war er schon unterwegs: „Zuletzt fuhr ich mit einer Reisegruppe nach Friesland, in die Niederlande. Da muss man sich schon sehr gut vorbereiten.“

Mit den Studien an der Karl-Franzens-Universität war David prinzipiell sehr zufrieden, nur etwas mehr Internationalität und Interdisziplinarität hätte er sich gewünscht. Generell ist er davon überzeugt, dass es keinen Sinn hat, Studien nur aufgrund der sogenannten „Wirtschaftlichkeit“ auszuwählen. Demnach lautet Davids Appell: „Man sollte das studieren, was einem selbst Freude bereitet, denn nur dann ist man wirklich gut darin und wird Erfolg haben – auch sollte man offen und neugierig sein und sich vielfältig engagieren. Und was ich ganz besonders wichtig finde: jeder sollte unbedingt möglichst viele Erfahrungen im Ausland sammeln, um den persönlichen Horizont zu erweitern und Vorurteile abzubauen!“

Mag. David Zottler, BA BA
E-Mail: david.zottler.guide@gmail.com
Tel.: +43/650/6474844
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Text: Birgit Nikzat / KUG