Karrierewege

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol.11

Gepostet am

Nina Bercko, MA

Masterstudium Germanistik
Projektmitarbeiterin
am Institut für Germanistik an der Universität Graz
Mitgründerin
des Start-ups PILZKISTE

Wirtschaftsgeist.com stellt heute – in Kooperation mit alumni Uni Graz – die Germanistin Frau Nina Bercko in der Reihe Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen vor. Mit Ihrem Start-up PILZKISTE will sie gemeinsam mit Ihren Mitstreiterinnen Mercedes Springer und Jasmin Kabir auf nährstoffhaltigen Kaffeesatz – rund sechs Tonnen davon werden an einem durchschnittlichen Tag in Graz produziert – Austernpilze züchten.

Wie die Idee entstanden ist und wie man sich bei diesem Crowdfunding-Projekt auch selbst einbringen kann, verrät Germanistin Nina Bercko im Alumna des Monats-Interview.

Karrierewege in der Kunst – Teil 4

Gepostet am

Vom Jazz zum Online-Marketing

Stefan Kleinberger hat am Privatkonservatorium Prayner in Wien E-Bass studiert, ehe er an die Universität für Musik und darstellende Kunst Graz wechselte um dort mit Kontrabass und IGP sein Studium fortzusetzen. Schon während dieser Zeit wurde ihm bewusst, dass er zwar sehr gerne musiziert, es im Leben aber doch mehr gibt. So war es ihm wichtig einen Schritt „aus der Blase, in der sich Kunstuniversitätsstudierende oft befinden“ hinaus zu tätigen und sich abseits der Musik in mannigfaltigen Jobs zu versuchen und somit seinen Horizont zu erweitern sowie seinen persönlichen Erfahrungsschatz zu bereichern

Stefan Kleinberger

Neben diesem Ausbrechen aus dem gewohnten Umfeld, hat er sich schon während seiner Studienzeit um die Organisation und das Booking seiner Bands gekümmert. Es kam ihm der Gedanke, dass in diesem Bereich ebenso eine seiner Stärken liegt und sich dort viel Entwicklungspotenzial befindet. Im Zuge dieser Entwicklungen kam ihm folgende Erkenntnis: „Das ständige Üben, um auf einem gewissen Niveau zu bleiben ist in der Musik und diesem Business unumgänglich, aber es ist eben nicht alles im Leben.“ Somit entschied er sich, dass er „unbedingt mal raus“ musste. Sein erster Weg führte ihn an ein Schweizer Orchester, wo er ein Praktikum für Marketing und Presse absolvierte.

Hier trat eine weitere seiner Stärken zum Vorschein: seine technische Affinität. Schon bei Aufnahmen im Studio mit seiner Band konnte er seine Begeisterung dafür ausleben und ebendiese Affinität half ihm dabei, sich schnell an die Anforderungen und Herausforderungen des neuen technischen und digitalen Umfeldes anzupassen und neue Aspekte aus seinen Studien einzubringen. Nach diesem Praktikum ging es für ihn als Marketingverantwortlichen an das TAK Theater Liechtenstein und in den Sommermonaten nach Lateinamerika und Asien, wo er vor Ort Organisationen im Tourismusbereich betreute. Nach einem Master im Kulturmanagement und einer Ausbildung im Online-Marketing wurde er als Digital Manager bei den Wiener Symphonikern angestellt, wo er sich um deren Homepage, Online Werbung und die Social Media Kanäle bemüht. Dem nicht genug, macht er berufsbegleitend einen Master in Public Communication an der FH Joanneum in Graz um sich fortzubilden und neue Inputs zu bekommen.

Die Arbeit ist eine Herausforderung, da sie vor allem Überzeugungsarbeit ist: „Viele im Kulturbetrieb sind gegenüber der Online-Vermarktung noch skeptisch. Das liegt mitunter daran, dass sich der Kulturbereich nur langsam bewegt. Die Wirtschaft ist im Gegenteil dazu viel schneller und setzt neue Trends unmittelbarer um.“ Die musikalische Ausbildung hilft ihm im Gespräch mit Personen aus dem Kulturbetrieb. Man kann sich auf einer Ebene austauschen und wird als verständige Person sowohl im künstlerischen, als auch im online-Bereich wahrgenommen. Seiner Ansicht nach wird auch der Wirtschaft immer mehr bewusst, dass es kreative Menschen im Marketing braucht, weswegen auch Kunststudierende mit einer Zusatzausbildung im Marketing oder Management für diese Berufssparte interessant sein können. Wichtig ist jedoch, dass man aus seiner Blase und seinem gewohnten Umfeld ausbricht und mit offenen Augen durch die Welt geht, um die sich bietenden Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen.

Text: Martin Schönbauer/KUG

Karrierewege von GeisteswissenschafterInnen Vol. 10

Gepostet am

Dr. Bettina Habsburg-Lothringen

Seit 2014 ist sie die Chefin der größten historischen Waffensammlung der Welt: Worin Bettina Habsburg-Lothringen die heutige Rolle des Landeszeughauses sieht, was die Besucherinnen und Besucher im neugestalteten Museum im Palais erwartet und warum sie den wieder erstarkten Kontakt zu ihrer Alma Mater besonders schätzt, verrät die Historikerin im „Alumna des Monats“-Interview.

Studium der Geschichte und Deutschen Philologie, Universität Graz
Seit 2010: Leitung der Museumsakademie | Universalmuseum Joanneum
Seit 2014: Leitung der Abteilung Kulturgeschichte im Universalmuseum Joanneum: Museum im Palais, Landeszeughaus, Volkskundemuseum, Multimediale Sammlungen und Museumsakademie

Karrierewege von GeisteswissenschafterInnen Vol. 9

Gepostet am

Philosophisch praktischer Brückenbau

Der Jurist und Philosoph Harald Friedl blickt auf eine ereignisreiche berufliche Laufbahn zurück. Rückblickend würde er sich als nonkonformistisch beschreiben – als jemanden, der sich durch überkommene Strukturen herausgefordert fühlte. Er begann in Graz Rechtswissenschaften zu studieren, merkte aber schnell, dass ihm das noch nicht genügte: „Zum einen hatte ich einen Hang zur Gerechtigkeit und hing damals noch der Illusion an, mit Jus könne man dazu beitragen. Zum anderen stellte ich fest, dass meine eigentlichen Fragen durch die Rechtswissenschaften nicht beantwortet werden konnten. Auch das Philosophie-Studium lieferte mir letztlich keine Antworten auf meine wichtigen Fragen, doch habe ich dort gelernt zu suchen und zu forschen, nachzubohren und zu analysieren. Damals hatte ich zudem noch die schöne Freiheit mittels Fächerbündel alles zu studieren, was mir irgendwie interessant erschien, Soziologie, Psychologie, Politologie – im Prinzip habe ich überall dort hineingeschnuppert, was mir seltsam erschien, weshalb ich mehr darüber erfahren wollte.“ Bereits während des Studiums begann Harald Friedl als Journalist und Reiseleiter zu arbeiten. Das hatte damit zu tun, dass er bereits mit 21 Jahren, im Jahr 1989, in die Sahara gereist war: „Ich hatte damals das drängende Gefühl aus- und aufbrechen zu müssen. Ich brauchte diese Reise um mich aus meinem ‚Milchbuben-Dasein’ zu befreien und mich weiterzuentwickeln. Das war für mich eine nachhaltig prägende Erfahrung – vor allem die Begegnung mit ‚exotischen‘ Kulturen, ja überhaupt die Begegnung mit dem ‚Fremden’, die ja immer auch eine Begegnung mit sich selbst ist.“ So wurde Harald Friedl 1991 zunächst Reiseleiter, um „mehr“ von der Fremde zu bekommen.

Prof. (FH) Mag. Mag. Dr. Harald Friedl in der Sahara – die „Magie der Wüste“

Mit der Zeit wurde ihm der Aufklärungsaspekt immer wichtiger, weshalb er sich zunehmend in entwicklungspolitische Zusammenhänge vertiefte. Er begann für mehrere Magazine, darunter Südwind, und auch für Zeitungen wie den Standard zu schreiben. Unter Christian Brünner arbeitete Harald Friedl dann auch als Presserechtsexperte beim Liberalen Forum. „Ende der 90er-Jahre nahte dann der zweite Studienabschluss. Für mich lag es nahe, etwas mit Tourismus zu machen. Ich hatte mir damals die Frage gestellt, welche negativen Auswirkungen der Tourismus mit sich bringt, und inwieweit man zu reisen überhaupt vertreten könne. Damals hatte ich Vorlesungen von Dr. Andreas Obrecht zum Thema Globalisierungstheorie besucht. Er motivierte mich, für ein halbes Jahr nach Afrika zu gehen um empirisch zu forschen. Also lebte ich 1999-2000 für ein halbes Jahr bei den Tuareg im Norden der Republik Niger und forschte über die dortigen Folgen des Tourismus. Dabei entwickelte ich weitreichende neue Theorien über Tourismusethik. Aus meiner umfangreichen Diplomarbeit entstanden dann auch zwei Buchpublikationen, ‚Tourismusethik‘ und ‚Respektvoll Reisen‘.“

Auf Basis dieser neuen Erkenntnisse entwickelte Harald Friedl in Kooperation mit Kneissl Touristik und Hauser Exkursionen möglichst umwelt- und sozialverträgliche Touren. Parallel dazu konnte er seine Forschungen fortführen, da er zu dieser Zeit an seiner Dissertation schrieb und weiterhin als Journalist arbeitete. Von einer Kollegin erfuhr er wenig später von einem neuen Studiengang an der FH Joanneum in Bad Gleichenberg, ‚Gesundheitsmanagement im Tourismus‘: „Meine Kollegin sagte mir, es gäbe niemanden, der Ethik im Tourismus anbieten könne, und ich dachte mir, doch, es gibt jemanden: mich. Also habe ich mich bei der Studiengangsleiterin gemeldet und mir wurde gleich ein kompletter Lehrstuhl für Tourismuswissenschaften angeboten.“ Seit 2004 unterrichtet Harald Friedl nun Tourismusethik, Nachhaltigkeit im Tourismus und touristische Produktentwicklung im Naturtourismus. Nachdem der Studiengang noch jung war, hatte er die Möglichkeit zur Mitgestaltung. „Parallel dazu habe ich bis 2012 noch Touren geführt, das war eine schöne Wechselwirkung. Währenddessen hat sich aber in der Sahara, meinem ‚Spezial-Reiseziel‘, durch Rückkoppelungen auf Globalisierungsprozesse sehr viel verändert – der sogenannte Krieg gegen den Terrorismus, der zunehmende Staatenzerfall, die Zerstörung Libyens, etc. De facto wurden diese Gebiete von der touristischen Landkarte radiert. Deswegen pausiere ich derzeit als Reiseleiter, bin aber schon wieder im Aufbau mit Kooperationen, zurzeit mit Weltweitwandern. Was ich mittlerweile mache, ist eine Art philosophischer Brückenbau zwischen konkretem Tourismus und seiner Metaebene, indem ich analysiere, welche Konsequenzen Tourismus mit sich bringt. Da dient mir meine philosophische Ausbildung in hohem Maße. Das systemisch analysierende, verstehende Denken ist hier sehr hilfreich um Zusammenhänge zu erfassen und Missverständnisse aufzuklären. Ein klassischer Touristiker, der nur Techniken zur Optimierung seines Systems gelernt hat, kann das nicht.“

Harald Friedl erklärt, dass Tourismus, im Gegensatz zu nichtorganisiertem Reisen, die Ausdehnung des Wohnzimmers bedeutet, während man als Reisender die eigenen vertrauten Systemgrenzen überschreitet um bislang Fremdes bewältigbar zu machen und es dadurch ins eigene System zu integrieren. Tourismus setzt notwendigerweise kolonialistische Rahmenbedingungen voraus, denn Tourismus konnte nur dort beginnen, wo die notwendigen Bedingungen des organisierten Reisens, wie Infrastruktur, Friede, Wohlverhalten infolge von Unterwerfung des Andersartigen herrschten. Ein Tourist möchte kein Risiko eingehen. Es fehlt ihm das Wissen über die zu bereisende Kultur und die nötige Sozialkompetenz. Diese fehlenden Kompetenzen werden durch den Kauf eines organisierten Tourismusprodukts kompensiert. Dadurch kann er gefahrenlos unterwegs sein. Dafür ist aber innerhalb dieses organisierten Rahmens eine authentische Begegnung nicht möglich, es sei denn, der Tourist überschreitet die Grenzen des Organisierten und lässt sich auf Unvorhersehbares ein. Jenseits der Authentizität aber herrscht laut Harald Friedl die Unterwerfung einer fremden und darum zu beherrschenden Kultur. Dem gegenüber zeichnet sich nachhaltige Tourismusentwicklung durch partizipative, bedürfnisorientierte Integration von „Bereisten“ aus. Es geht um eine langfristige Balance zwischen Ressourcen und Bedürfnissen der Beteiligten anstelle von maximaler Gewinnorientierung.

Harald Friedl mit einem Tuareg im Dorf Timia, Niger

Harald Friedl sieht die Schlüsselfähigkeit von GeisteswissenschafterInnen in der Fähigkeit, Brücken zwischen verschiedenen Denksystemen herzustellen, in der Stärke, auf Metaebenen zu denken, vorhandene Ideen zu nutzen, um sie zu transformieren und zu transportieren, um dadurch neue hilfreiche Konzepte zu entwickeln. All das leistet einen wertvollen Beitrag um neue, konkrete Probleme zu lösen. Deswegen ist Harald Friedl zusätzlich im Bereich Förderung und Entwicklung von Unternehmenskulturen tätig: „Was ist denn Kultur überhaupt? Ich kann Kultur ja nur beeinflussen, wenn ich ein Verständnis, ein Konzept davon habe. So war es für mich als Philosoph und Touristiker anfangs in diesem Studiengang „Gesundheitsmanagement im Tourismus“ etwas schwer, laut über Gesundheit nachzudenken, weil wir – aufgrund unserer jeweiligen Ausbildungskultur – gewohnt waren innerhalb unserer Disziplinen zu verharren. Das hat uns alle betroffen und hat uns anfangs die Arbeit erschwert. Mit der Zeit haben wir jedoch gelernt eine inter- und transdisziplinäre Kultur zu entwickeln, indem wir über die Grenzen schauten und wie Reisende uns Schritt für Schritt auf die uns fremde Disziplinen einließen. Und darin liegt die Stärke der Kultur unseres Studienganges, dass wir über einander nachdenken, dadurch die anderen Disziplinen immer mehr verstehen und uns immer besser verknüpfen können.

Was in der universitären Ausbildung laut Harald Friedl fehlt, ist die Ermutigung zu eigenem experimentierendem Forschen, zu schlichtem ‚trial and error‘: „Und das ist ja auf gut Deutsch unternehmerisches Denken“, erläutert er. „Das erklärt für mich auch, warum so viele GeisteswissenschafterInnen eher die Uni als ihr Wirkungsfeld betrachten. Denn eines ist klar: Man muss die Sprache des ‚Feldes‘, der Wirtschaft und der Menschen da draußen, lernen und die bisherige eigene Form der Auseinandersetzung mit dem Feld überdenken. Das war für mich anfangs ein sehr schmerzhafter, lernintensiver Prozess. Ich war früher eher ein Außenseiter, als der ich zwar wahnsinnig viel wusste, doch hatte ich es nicht geschafft dieses Wissen hilfreich rüberzubringen. Dann habe ich angefangen darüber nachzudenken, wie es auf andere wirkt, wenn ich bestimmte Dinge sage. Und das ist ja eigentlich ‚Sprachenlernen’. Aber diesen Prozess der Selbstbeobachtung und Selbstreflexion lernt man nur im Feld, nicht aber, wenn ich immer nur am selben Institut mit denselben Leuten zusammenarbeite. Das wäre ja gleichsam ‚geistiger Inzest‘. Deswegen denke ich, dass Erasmus-Programme einen unheimlich wichtigen Beitrag liefern, um als Geisteswissenschaftler den eigenen Horizont zu überschreiten, neue Sprachen zu erlernen. Ich war 1994 einer der ersten Philosophie-Studenten, die einen Erasmus-Aufenthalt absolviert hatten. Ich konnte mein halbes Jahr in Caen, Frankreich, auch sofort verlängern, denn in meiner Studienrichtung gab es fast niemanden, der dieses Programm nutzen wollte. Die wahrscheinlich damalige Einstellung meiner KollegInnen war wohl: Warum in die Welt hinausgehen, wenn ich alles in Büchern finde. Der springende Punkt ist aber: Ich muss mich herauswagen, die Dinge angreifen, die ich nicht kenne oder die mir gar Angst machen, um mit der Welt da draußen vertraut zu werden. Genau darum habe ich mich in so vielen Kulturen bewegt – ob in jenen von Ländern, Berufen oder Wissenschaftsdisziplinen.“

Abseits der FH arbeite Harald Friedl zusätzlich als interkultureller Trainer und Konsulent, unter anderem für die Friedenstruppen des Österreichischen Bundesheeres sowie für die bundesdeutsche Marine. Außerdem unterrichtet er Themen wie Konfliktmanagement und „Partnersuche im Internet“ im Bereich der Erwachsenenbildung.

Die große Herausforderung für junge Menschen sieht Harald Friedl heutzutage darin, Entscheidungen zu treffen und wichtige Fragen, oder besser gesagt, Grenzfragen zu stellen. Etwa die Frage, wie Geisteswissenschaften wertschöpfend praktiziert werden können ohne gleichzeitig von einer rein gewinnmaximierenden Kultur ausgebeutet zu werden oder sich ihr völlig zu unterwerfen. Um sich solche Fragen stellen zu können muss man jedoch in beiden Feldern stehen und Mut beweisen: „Wenn ich den Mut dazu nicht aufbringe, bleibt mir nichts Anderes übrig, als ewig Bücherstaub zu schlucken“, schmunzelt Harald Friedl.

Text: Birgit Nikzat

Karrierewege von GeisteswissenschafterInnen – Vol. 8

Gepostet am

Offen und kreativ

Manuela Grundner hatte zunächst die Lehre als Restaurantfachfrau absolviert und im zweiten Bildungsweg die Matura nachgeholt – eigentlich mit dem Wunsch danach ein FH-Studium im Bereich Tourismus anzuhängen. Doch es kam anders. Nachdem Manuela sich erfolglos bei der IMC Fachhochschule Krems und bei der Fachhochschule Kufstein Tirol beworben hatte, inskribierte sie sich für das Kunstgeschichtestudium in Graz mit dem Gedanken, es in einem Jahr nochmals bei der FH zu versuchen. Da ihr das Studium in Graz nach einem Jahr aber immer noch sehr gut gefiel, verwarf sie die Idee sich nochmals bei der FH zu bewerben. Sie schloss ihr Studium in relativ kurzer Zeit ab, arbeitete nebenbei bei Festivals, beim Universalmuseum Joanneum und auch eine Zeit lang in Venedig auf der Architekturbiennale. „Also der Klassiker – das, was alle Kunstgeschichte-Studierende machen“ schmunzelt Manuela.
Mit der Zeit wurde Manuela jedoch klar, dass ihr das Vermitteln von Inhalten und die Arbeit im Personalbereich viel Freude bereitet. Bereits während des Studiums arbeitete sie an der ÖH und konnte dort ihre Kompetenzen ausbauen. Nach dem Kunstgeschichtestudium absolvierte sie ein Praktikum an der Meduni Graz und schloss parallel dazu eine Ausbildung im PR-Bereich ab. „Ich habe rückblickend gesehen relativ viele Ausbildungen gemacht“, erzählt Manuela, „ich bin eingetragene Mediatorin, habe die Ausbildung zum systemischen Coach gemacht, bin HR-Managerin, habe ein Zertifikat für soziale Kompetenzen erworben und vor zwei Jahren das Masterstudium Mediation und Konfliktmanagement an der Uni for Life abgeschlossen. Schließlich kam der Wunsch mich selbständig zu machen und ich dachte mir, ich mache einmal beides parallel. Während ich Bewerbungen schrieb, besuchte ich einen WIFI-Kurs für Selbständigkeit. Ich wusste noch nicht genau, was ich machen wollte, aber die Richtung war klar: Coaching, Beratung und Teamentwicklung.“ Als dann das erste Jobangebot da war, lehnte Manuela ab, weil inzwischen der Wunsch nach Selbständigkeit größer geworden war. Also begann sie das einjährige, vom AMS angebotene Unternehmensgründungsprogramm.

Manuela Grundner
Manuela Grundner

Im April 2012 gründete Manuela ihr eigenes Unternehmen und konzentrierte sich zunächst auf Karriereberatung und Coaching. „Die ersten Jahre waren zäh“, erinnert sie sich, „es ging zwar immer vorwärts, aber nur sehr langsam. Es war ein Prozess, ich wusste nicht von Anfang an was ich genau machen möchte, das hat sich eigentlich erst in den letzten zwei Jahren herauskristallisiert. Die Karriereberatung ist dann weggefallen, dafür bin ich jetzt in der Teamentwicklung unglaublich aktiv. Im Mai 2012 habe ich geheiratet. Mein Mann ist Softwareentwickler und war bereits vor mir selbständig. Vor zwei Jahren haben wir dann entschieden, unsere beiden Unternehmen zusammenzulegen und murbit Gmbh zu gründen. Unser Fokus liegt nun bei der Teamentwicklung, Lehrlingsentwicklung sowie bei der App- und Softwareentwicklung. Seitdem läuft es richtig gut. Wir haben zwei Mitarbeiter und fixe Projektpartner.“ Die Akquise der Kunden läuft zu 95% am Telefon und die Unternehmen reagieren großteils sehr positiv auf das Angebot von murbit. Für die Zusammenarbeit mit Kastner & Öhler im Bereich der Lehrlingsentwicklung wurde murbit auch extern gewürdigt. Das Unternehmen erhielt den österreichischen Beratungs- und IT-Preis Constantinus Award für seine herausragenden Leistungen. Auch mit der Karl-Franzens-Universität Graz arbeitete murbit im Bereich der Lehrlingsentwicklung zusammen.

Daneben widmet sich Manuela noch einem zweiten Bereich, der ihr persönlich am Herzen liegt: „Mein zweites Steckenpferd ist die Organisation der Konferenz ‚Freiräume‘, eine Konferenz für neue Arbeits- und Organisationsformen. Wir haben sie heuer das erste Mal in Graz veranstaltet und werden sie ein zweites Mal dieses Jahr im Mai in der Seifenfabrik abhalten. Wir möchten uns neue Modelle anschauen; wie sich Arbeit und Zusammenarbeit verändert und Möglichkeiten ausloten, um mehr Selbstorganisation in Unternehmen zu bringen. Dabei haben wir uns Pioniere gesucht, wie etwa DM oder Tele Haase. Gerade letztere brechen mit den klassischen Rollenbildern und sind ein Vorbild in Sachen Selbstorganisation. Das heißt, wir suchen uns Menschen, die das bereits umsetzen, interviewen sie und entwickeln daraus Parameter die uns zeigen sollen, was neues Arbeiten braucht. Die erste Konferenz war sehr erfolgreich, wir hatten 110 Teilnehmer.“ Manuela hatte während ihres Studiums ein begleitendes Wahlfach im Bereich Kulturmanagement absolviert und konnte dieses Wissen nun gut in ihre Konferenz einfließen lassen. Manuelas Talente und Interessen scheinen weit verstreut zu sein, im weiteren Gesprächsverlauf erzählt sie, dass sie während ihres Studiums noch zusätzlich ein paar Fächer in BWL belegt hatte und ihr die Buchhaltung Spaß macht. Richtig geholfen hat es ihr bei ihrem Weg in die Selbständigkeit nicht, dennoch sei es gut zu wissen, wie man mit Rechnungen umgeht oder etwa eine Umsatzsteuer ausrechnet.

„Das wichtigste ist, dass ich mein vielfältiges Wissen anwenden kann“, meint Manuela, „Ich kenne einige, die ein bisschen steckengeblieben sind und sich schwer für andere Branchen öffnen können. Ich erkenne schon auch die Schwierigkeiten mit denen ein Geisteswissenschafter, eine Geisteswissenschafterin, am Arbeitsmarkt kämpfen muss. Gerade wenn man sich im Nicht-GEWI-Bereich bewirbt, muss man sich immer wieder rechtfertigen. Aber ich muss auch zugeben, dass ich das ganze immer ein wenig anders gesehen habe als meine StudienkollegInnen. Oft frage ich mich, ob dieses Bild vom typischen Geisteswissenschafter, Geisteswissenschafterin, uns vielleicht nur von außen übergestülpt wurde. Glauben wir wirklich das, was die anderen von uns denken? Eigentlich sollte es ja eine Kernkompetenz von GEWIS sein über den Tellerrand zu schauen und Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Aber ich muss sagen, ich bin da vielleicht wirklich ein wenig anders, denn ich habe relativ selten zugehört, wenn mir Leute sagen wollten, dass ich etwas nicht tun solle“, schmunzelt Manuela.

Text: Birgit Nikzat

Karrierewege von GeisteswissenschafterInnen Vol. 7

Gepostet am Aktualisiert am

Tanz in die Privatwirtschaft

Klaus Höllbacher wechselte in seiner Karriere nicht nur einmal die Branche. Zunächst schien es so, als würde die Elektrotechnik seine Zukunft bestimmen. Nach der HTL in Salzburg begann Klaus Höllbacher das Studium der Elektrotechnik in Graz – doch nach Abschluss des ersten Studienabschnittes wurde ihm klar, dass seine Leidenschaft woanders liegt. So wechselte er zur Geschichte und Germanistik mit dem Gedanken: „Ich probiere es zwei Semester lang, entweder funktioniert es, oder ich gehe in die Wirtschaft.“ Nach den Übersichtsvorlesungen machte sich schnell die Faszination für diese Fachgebiete breit und als sich auch bei den Prüfungen das Erfolgserlebnis einstellte, beschloss er, die beiden Studien fortzuführen. Im 2. Studienabschnitt hörte Klaus Höllbacher zufällig einen Gastvortrag über Wissenschaftsgeschichte von einem Gastprofessor aus den USA. In diesem Vortrag ging es um die Geschichte der Atomphysik. Da schloss sich für Höllbacher der Kreis: „Ich dachte, das möchte ich auch machen, das passt genau zu meinem technischen Hintergrund. Meine Idee war es, die Entwicklung der Elektrotechnik in Österreich auszuarbeiten und ich habe schließlich darüber auch meine Diplomarbeit geschrieben.“ Er begann bei seinem damaligen Professor für Wissenschaftsgeschichte zuerst als Studienassistent, dann als Universitätsassistent zu arbeiten. „Ich habe aber leider gesehen, dass die Vorstellung meines Professors mit meinen nicht übereinstimmt. Ich war dermaßen mit administrativen Tätigkeiten eingedeckt, dass meine Dissertation auf der Strecke blieb.“ Klaus Höllbacher beendete zwar das Doktorat, beschloss aber nicht an der Universität zu bleiben und schlug einen anderen Weg ein: „Ich habe bereits während meines Studiums viel getanzt und die 3-jährige Tanzlehrerausbildung absolviert. Irgendwann dachte ich mir dann: So, jetzt reicht es! Ich mache mich mit einer eigenen Tanzschule selbständig – also weg von den Geisteswissenschaften, hin zur Privatwirtschaft.“ Der Wechsel an sich fiel ihm nicht schwer, da er bereits zuvor auf selbständiger Basis tätig war. Dennoch ist der Erklärungsbedarf bis heute groß. Oft wird er mit Fragen wie „Haben sie tanzen studiert?“ konfrontiert und muss dann erklären, dass der Doktortitel nicht vom Tanzen kommt. „Generell werde ich nicht gefragt von welcher Studienrichtung der Titel kommt. Die Leute fragen einfach nach dem Herrn Doktor. Jedoch sehe ich darin eher einen Vorteil als einen Nachteil, denn der Titel Doktor‘ heißt für viele, dass diese Person schon mehr können muss.“

Dr. Klaus Höllbacher, Quelle: www.dietanzschule.at
Dr. Klaus Höllbacher

Nachträglich gesehen hätte er sich jedoch als Geisteswissenschafter mehr „Rüstzeug“ für den Start in die Privatwirtschaft gewünscht. Er hatte zwar zusätzlich noch zwei Semester BWL studiert, doch hatte die Theorie wenig mit der Praxis zu tun: „Das war eindeutig zu wenig und nicht das was man braucht, um sich selbständig zu machen. Da würde ich mir wünschen, dass einem während des Studiums zumindest ein paar Grundkenntnisse vermittelt werden. GeisteswissenschafterInnen werden nicht auf die Wirtschaft vorbereitet, weil man gar nicht auf die Idee kommt, dass ein Geisteswissenschafter, eine GeisteswissenschafterIn, mit der Wirtschaft was zu tun hätte. Zu meiner Zeit sah der klassische Karriereweg eines Universitätsprofessors folgendermaßen aus: Volksschule, Gymnasium, Universitätsstudium, Universitätsassistent und schließlich Universitätsprofessor. Das bedeutet, dass dieser Mensch nie in der Wirtschaft gearbeitet hat. Bei den naturwissenschaftlichen Fächern sieht es dagegen anders aus. Oft wird bereits nach Abschluss der höheren technischen Schule gearbeitet, dann ein Technikstudium angehängt, um danach wieder in die Wirtschaft zu gehen. Zu guter Letzt bleiben dann viele als Professoren an der TU. So jemand hat natürlich eine ganz andere Beziehung zur Wirtschaft und auch weniger Probleme, dort für sein Institut investitionsfreudige Partner zu finden. Welcher Geisteswissenschafter, welche Geisteswissenschafterin macht das? Ich denke, dass viele Angst haben in die Wirtschaft zu gehen.“

Dabei wäre diese Angst laut Höllbacher unbegründet. Viele würden ihr Licht unter den Scheffel stellen. Er ist außerdem der Meinung, dass GeisteswissenschafterInnen mehr Know-How besitzen als sie denken. Die Stärke der Geisteswissenschaften sei die Fähigkeit zum vernetzten Denken: „Das Studium bedeutet ja nicht nur ein Sammeln von Wissen – dazu bräuchte ich nicht studieren, nur googlen – sondern das Wissen zu kombinieren, um daraus wieder neue Dinge zu erschaffen. Das ist es, was man als GeisteswissenschafterIn gut lernt und was die Wirtschaft und die Gesellschaft in Zukunft mehr brauchen wird. Da werden eher Berufe wie Rechtsanwalt in Zukunft obsolet sein. Gesetzestexte lassen sich relativ gut in Formeln fassen und diese kann ich somit sehr gut abfragen. Aber vernetztes Denken, das ist Kreativität, das ist viel schwerer von irgendeinem System nachzubauen als Strukturen. Und ehrlich gesagt ist Jus nichts anderes als Struktur. Da dürfen sich die GeisteswissenschafterInnen ruhig den Mut nehmen und sagen: ich kann das.“

Höllbacher räumt auch ein, dass sich die Gesellschaft leider oft nicht darüber bewusst ist, was ein Geisteswissenschafter, eine Geisteswissenschafterin, macht. Dabei werden so wichtige Fragen wie etwa über die Integration oder das Bildungssystem von GeisteswissenschafterInnen beantwortet. Beispielsweise erkennen HistorikerInnen, wie stark sich historische Entwicklungen auch heute noch auswirken. Viele würden das nicht verstehen, weswegen dann Fragen wie: „Warum ist diese Person hier?“ „Warum sind sie anders?“ etc. auftauchen. Viele GeisteswissenschafterInnen können, so Höllbacher, der Gesellschaft Fragen beantworten, die sie vielleicht noch gar nicht hat.

Text: Birgit Nikzat

Karrierewege von GeisteswissenschafterInnen – Vol. 6

Gepostet am Aktualisiert am

Ein offener Geist

Alexandra Ritter hat an der Karl-Franzens-Universität Theologie und Italienisch auf Lehramt studiert und begann 1996 am HAK-Maturalehrgang der Skihandelsschule Schladming zu unterrichten. In den darauffolgenden Jahren absolvierte sie zusätzlich die Direktorenausbildung und hatte große Pläne für die Zukunft der Schule: „Ich habe offensichtlich in meinem inneren Wesen diesen Freigeist – oder vielleicht Privatwirtschafterin – in mir. Ich wollte, dass die Skihandelsschule Schladming mindestens genauso bekannt wird wie das Skigymnasium Stams. Leider stieß ich dabei auf Widerstände bei der Lehrerschaft“ erzählt Alexandra. Da sie nicht die Möglichkeit sah ihre Pläne verwirklichen zu können, zog sie kurzerhand die Konsequenzen und verließ die Schule für immer. „Ich habe nicht gewusst, was auf mich zukommt – ich bin gegangen, ohne etwas in der Hand zu haben. Unter der Hand wurde sogar gemunkelt, dass ich es mit meinen Fächern, Theologie und Italienisch, in der Privatwirtschaft nicht schaffen würde“, erinnert sich Alexandra. Sie begann im Sommer des Jahres 2002 als Teamleiterin bei AWD Finanzdienstleistungen in Graz zu arbeiten, wechselte aber bald darauf nach Wien zur Tageszeitung „Die Presse“. „Ich werfe mich immer ins Wasser und rudere einfach“, meint Alexandra, „ich fragte damals meinen zukünftigen Vorgesetzten, was ich denn finanziell auf die Beine stellen müsste, um ein eigenes Magazin zu kreieren. Danach habe ich mich mit einem Redakteur zusammengesetzt und mich auf die Suche nach Sponsoren gemacht. Und ich habe es geschafft. Im Endeffekt habe ich bei der Tageszeitung „Die Presse“ den Österreichtourismus aufgebaut – wenn du für etwas brennst, dann machst du es einfach.“ Heute gibt es diese spezielle Seite 3 im Reiseteil nicht mehr.

Alexandra Ritter
Alexandra Ritter

Bis 2006 arbeitete Alexandra bei „Die Presse“, danach ließ sie sich von der Veranstaltungsagentur Kursalon Hübner in Wien abwerben. Als Salesmanager für Österreich und Italien war sie für die Kundenbetreuung, Vermarktung, Planung und Durchführung von Tourneen des Salonorchesters Alt Wien zuständig. Nach relativ kurzer Zeit beschloss Alexandra jedoch, sich mit einer eigenen Künstleragentur selbständig zu machen: „Ich war mit der Arbeitsethik des Kursalons Hübner nicht einverstanden und habe daraufhin eine eigene Künstleragentur, MusicArtsVienna, gegründet, um zu zeigen, dass es auch anders geht – aus keinem anderen Motiv heraus habe ich mich selbständig gemacht. Da hat mein Gerechtigkeitssinn einfach überhandgenommen.“ Um sich das fehlende Fachwissen anzueignen, absolvierte sie parallel zum Aufbau der Agentur auf der Universität für angewandte Kunst in Wien das Masterstudium „Art & Economy“. Zusätzlich arbeitete sie nebenbei bei Nespresso, um sich besser finanzieren zu können. Der Anfang war schwer: „Ich habe im Namen meiner neuen Agentur an die 200 Hotels angeschrieben – ohne Erfolg. Ich entwickelte daraufhin ein Kulturkonzept für Zell am See – eine Konzertreihe am Berg unter dem Titel ‚Hochkultur‘. Ich stellte den Zuständigen mein Konzept vor und es wurde angenommen. Wenn sie mich damals gefragt hätten, wie viele Konzerte dieser Art ich schon organisiert hatte, hätte ich sagen müssen: noch kein einziges. Aber es hat niemand gefragt. Vier Jahre lang, bis 2011, habe ich in Zell am See ‚Hochkultur‘ gemacht. Mittlerweile läuft meine Agentur sehr gut, ich vermittle die Künstler nicht nur, ich manage sie auch. An die 120 Konzerte organisiere und betreue ich im Jahr.“ resümiert Alexandra.

Alexandra Ritter hat eine abwechslungsreiche Karriere mit vielen Höhen und Tiefen hinter sich und hat sich schließlich mit ihrer eigenen Agentur verwirklicht. „Manchmal weiß man nicht, wohin der Weg führt, aber es ist wert, ihn zu gehen. Gleich dem Motto ‚Der Weg ist das Ziel‘. Ich denke, man sollte nicht zweifeln sondern es schlichtweg versuchen. Wir verhindern uns oft selbst – wir sollten unser Bewusstsein öffnen und uns die geistige Freiheit bewahren… nachdenken, forschen, rebellieren. Warum sollten wir uns etwas vorsetzen lassen? Ich würde jedem Geisteswissenschafter, jeder Geisteswissenschafterin, empfehlen selbständig zu werden, denn es entspricht unserem geisteswissenschaftlichen Denken“ ist Alexandra überzeugt.

Text: Birgit Nikzat