Karrierewege von GeisteswissenschafterInnen – Vol. 5

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Von der Archäologie zur Außenwirtschaft

Christian Maier hat klassische Archäologie und Kunstgeschichte studiert und 1992 in klassischer Archäologie promoviert. Die Archäologie war seit jeher sein Kindheitstraum, den er sich mit dem Studium verwirklichte. Bei der beruflichen Ausübung hat man als Archäologe aber leider nur wenige Wahlmöglichkeiten, da diese überwiegend im öffentlichen Sektor liegen und dieser nur wenige Stellen bietet. „Es gibt in der Archäologie zwei grobe Bereiche, die theoretische Archäologie und die praxisorientierte“, erklärt Maier, „es gibt zwar viel Bedarf – denn überall wo etwas gebaut wird, könnte man einen Archäologen brauchen – aber es scheitert an der Finanzierung. Deswegen ist es schwierig, eine dauerhafte Position zu bekommen.

Zur Wahl stehen praktisch nur drei Optionen für Archäologen: entweder man bleibt an der Universität, arbeitet in einem Museum oder für das Bundesdenkmalamt.“ Das war für Christian Maier nach Abschluss des Studiums der Auslöser, zusätzlich eine Tourismusausbildung zu absolvieren: „Einfach von der Überlegung heraus, dass Tourismus doch mit Kultur und Archäologie eng verbunden ist“, reflektiert Maier. Nach der zweijährigen Tourismusausbildung in Krems an einem privaten Institut – die Maier in einem Jahr absolvierte – bekam er 1994 eine Stelle beim FH-Studiengang für Tourismusmanagement an der heutigen FH Krems angeboten: „So bin ich in die Tourismusschiene hinübergerutscht“. 1998 erhielt Christian Maier das Angebot zur Leitung eines privaten Bildungsinstituts in der Schweiz. „In der Schweiz gibt es ein großes Angebot an Ausbildungsformen im Tourismus. Ich bin zu einem Unternehmen gewechselt – dem IMI University Centre in Luzern – das Studenten aus Südostasien ausbildet, und war dort zuerst als Studiengangsleiter im Tourismusmanagement und später als Managing Director für Hotel- und Tourismusmanagement vom gesamten Institut tätig“, erzählt Maier. „Gleichzeitig war ich Teilhaber eines Bekleidungshandels in Österreich, bei dem wir Waren aus der Türkei nach Österreich importierten.“

Drei Jahre später bekam er die Möglichkeit, seine berufliche Laufbahn in der Türkei fortzusetzen: „Seit 2001 bin ich in Ankara als stellvertretender Österreichischer Wirtschaftsdelegierter für die Türkei und Georgien tätig. Seit Juli 2016 habe ich die Leitung des AußenwirtschaftsCenters in Ankara übertragen bekommen. Das AußenwirtschaftsCenter Ankara ist Teil des internationalen Netzwerks der Abteilung Außenwirtschaft bei der Wirtschaftskammer Österreich. Vereinfacht gesagt betreuen wir, zusammen mit einem weiteren AußenwirtschaftsCenter in Istanbul, österreichische Firmen in der Türkei und Georgien bei allen Fragen und Problemen, die sich bei einem Einstieg in einem fremden Markt ergeben.“

Dr. Christian Maier
Dr. Christian Maier

Bei seiner jetzigen Tätigkeit kommen Christian Maier seine Erfahrungen in der Privatwirtschaft zugute. „Den Vorurteilen gegenüber Geisteswissenschaftern bin auch ich begegnet, ich habe in meiner Karriere ja mehrmals den Job und die Branche gewechselt. Am Schwierigsten war jedoch der Wechsel weg von der Archäologie – das war fast wie ein Stempel. Bei der Frage nach meiner eigentlichen Ausbildung wundern sich auch heute noch viele Menschen, was man als Archäologe so alles erreichen kann“, meint Maier schmunzelnd.

Wenn Christian Maier an seine StudienkollegInnen zurückdenkt, fallen ihm nur wenige ein, die in der Archäologie bleiben konnten: „Archäologen sind leider dafür prädestiniert, nach der Ausbildung ihr Fach zu wechseln.“ Den Wechsel von der Archäologie zum Tourismus sieht Maier im Nachhinein als eine gute Entscheidung, denn: „Die Tourismuswirtschaft ist ein Dienstleistungsbereich, wo der Mensch im Vordergrund steht. Das hilft mir bei meinem jetzigen Berufsfeld in der Außenwirtschaft sehr, weil wir praktisch ein Bindeglied zwischen den Kulturen sind – und somit zwischen der österreichischen und der türkischen Geschäftswelt vermitteln. Da geht es um das Reden, Aushandeln, und vor allem darum, als Mensch präsent zu sein.“

2013 gründete Christian Maier gemeinsam mit Frau Mayer-Krauss das alumni UNI graz – Chapter Türkei und ist seitdem als Leiter ehrenamtlich für den Absolventen-Verein tätig. Zusätzlich ist er seit 2013 Gastlektor beim Master-Programm „Business in Emerging Markets“ und beim Bachelor-Programm „Management internationaler Geschäftsprozesse“ der FH Joanneum Graz.

Geisteswissenschaftlichen Studierenden möchte er den Rat geben, sich bereits während dem Studium Gedanken über ein alternatives Standbein zu machen – für den Fall, dass sie nicht im gewünschten Berufsfeld tätig werden können. Man sollte auch den Mut haben, noch einmal von vorne anzufangen, denn es bieten sich immer neue Möglichkeiten – vorausgesetzt, dass man sie auch sieht und ergreift.

Text: Birgit Nikzat

EXCELLENCE16 – Die Berufs- und Karrieremesse an der Uni Graz

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EXCELLENCE – Die Berufs- und Karrieremesse für Studierende und AkademikerInnen aller Studienrichtungen in der Steiermark. Unternehmen und Organisationen aus verschiedenen Branchen präsentieren sich als interessante ArbeitgeberInnen und ServiceanbieterInnen.

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Im Rahmen der eintägigen Messe können Studierende und Absolventinnen Top-Kontakte zu Personalverantwortlichen führender Unternehmen knüpfen, jede Menge Know-how zu den Themen Berufsfindung, Berufsorientierung und Berufseinstieg sammeln, ihren weiteren Ausbildungsanspruch definieren und ihre berufliche Zukunft planen. Das Programm bietet u. a. Vorträge und Specials, die sich speziell an Studierende der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften richten. Als besonderes Highlight empfehlen wir die NGO Sessions, wo Non-Governmental Organizations für persönliche Gespräche zur Verfügung stehen.

Weitere WIRTSCHAFTSGEIST-Empfehlungen
:
* Der Vortrag „Diese verdammten Kundinnen – Was brauche ich, um als ÜbersetzerIn erfolgreich zu sein?“, 13.00 Uhr, SR 03.K1
* Die Informationsveranstaltung „Arbeiten für die Vereinten Nationen“, 15.00 Uhr, HS 01.15
* Die Diskussion „MedienmacherInnen sind die neuen Rockstars“ , 15.00 Uhr, Alter Senatssaal

Mit den konkreten Angeboten für Jobs, Praktika und Traineeships leistet die EXCELLENCE auch in dieser Hinsicht einen wertvollen Beitrag zum erfolgreichen Berufseinstieg von AkademikerInnen.
In Vorträgen und Diskussionsrunden mit Persönlichkeiten aus unterschiedlichsten Bereichen erhalten Studierende und AbsolventInnen konkrete Antworten auf aktuelle Fragen.
Wichtig: Für die Teilnahme an den Vorträgen und am Bühnenprogramm ist aufgrund der beschränkten Raumkapazitäten eine Anmeldung erforderlich.
Der Eintritt ist frei!

WANN & WO?
Datum und Zeit: Dienstag, 8. November 2016, 9.30 – 16.00 Uhr
Ort: Hauptgebäude der Karl-Franzens-Universität Graz, Universitätsplatz 3, 8010 Graz

Weitere Informationen zum Programm gibt es hier!

„… und was kann man damit eigentlich machen?“ – Karrieretag Musikologie

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Der Frage nach Karrieremöglichkeiten von MusikologInnen sind wir u. a. schon in unserem Beitrag über Horst Schnattler nachgegangen. Nun veranstaltet die „Studienrichtungsvertretung Musikologie“ der Kunstuniversität Graz einen Karrieretag, an dem vielfältige Berufsmöglichkeiten beleuchtet werden.

Programm:
* Impulsvorträge
* Frage- und Diskussionsrunden
* CV-Check
* Workshop für Bewerbungsgespräche
Neben AbsolventInnen der Musikologie, die ihre Karrierewege vorstellen, bietet das Career Center der Uni Graz Unterstützung bei CVs und Bewerbungsgesprächen.

WER?
Zielgruppe: Studierende der Musikologie.

WANN & WO?
Mittwoch, 16. November 2016
Uhrzeit: 14.00 Uhr bis 21.00 Uhr
Ort: Festsaal, Meerscheinschlössl, Mozartgasse 3

Schreiben in PR-Berufen

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Erst kürzlich haben wir in unserem Beitrag über die Schreibtrainerin Christina Boiger von der Text-Affinität der GeisteswissenschafterInnen gesprochen. Im Seminar Schreiben in PR-Berufen, initiiert vom Career Center der Karl-Franzens-Universität Graz, haben die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, mehr über dieses spannende Tätigkeitsfeld zu erfahren und die spezifischen Schreibkompetenzen zu schärfen. Vortragende ist Dr. Doris Lind, Sachbuchautorin, Texterin und Texttrainerin (www.worte-wirken.at).

Wer schreiben kann, hat Glück. Stimmt aber nur zur Hälfte. Denn Schreiben kann man lernen. Es ist ein Handwerk, das bestimmten Regeln folgt – ganz besonders in PR-Berufen. Doch wie sind Presse-, PR- und Werbetext formal aufgebaut? Und welche Sprache passt? Im Seminar erfahren Sie es und erhalten darüber hinaus noch wertvolle Tipps für Ihren Schreibstil.

Der Pressetext ist eine der wichtigsten Textsorten in unserem Informationszeitalter. Wie aber schreiben Sie einen Text, der bei der Wahrheit bleiben muss und trotzdem Neugierde weckt? Wie findet man eine gute Headline? Presse ist aber nicht gleich PR. Während der Pressetext informiert, erzählt der PR-Text eine Geschichte: über Produkte, Dienstleistungen und Unternehmen. Wie legt man den Erzählfaden aus und wie schaffen Sie es, dass Anfang und Ende zusammenpassen? Der Werbetext ist wiederum der kreativste Text in der PR-Branche. Sie erfahren, mit welchen Stilmitteln die Werbesprache arbeitet und wie man sie auch bei anderen beruflichen Texten einsetzt.

Das sind die Themen des Seminars „Schreiben in PR-Berufen“:
* Pressetext: Formaler Aufbau und adäquate Sprache
* PR-Text: Produkte und Unternehmen attraktiv beschreiben
* Werbetext: Kurze Einführung in die Stilmittel der Werbung
* Stilkunde: Tipps und Tricks für Ihren Schreibstil

WER?
Zielgruppe: Studierende eines Regelstudiums an der Universität Graz bzw. Jung-Absolventinnen

WANN & WO?
Mittwoch 23.11.2016
Uhrzeit: 16:00 – 20:00 Uhr
Ort: SZ 15.22, Bauteil G2, Universitätsstraße 15, 8010, Graz

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Create Your Job – Berufsfindung und Berufseinstieg für GeisteswissenschaftlerInnen

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Das Career Center der Karl-Franzens-Universität Graz bietet mit Create Your Job – Berufsfindung und Berufseinstieg für GEWIs ein spannendes Format, das Studierenden und AbsolventInnen die vielfältigen Möglichkeiten in der Berufswelt aufzeigt.

Stellenangebote und Ausschreibungen für GeisteswissenschaftlerInnen sind nur spärlich zu finden und wenn, dann oftmals heiß umkämpft. Zudem sind die jeweiligen Berufsbilder nicht immer klar vorgegeben sowie mögliche Perspektiven nicht auf Anhieb erkennbar.
Im Rahmen dieser zweitägigen Veranstaltung werden Ihre fachlichen Kompetenzen sowie persönlichen Potenziale als GeisteswissenschaftlerIn in Bezug auf den beruflichen Einsatz konkretisiert. Sie erhalten entscheidende Impulse für die Auseinandersetzung mit ihren beruflichen Möglichkeiten und entwickeln Strategien, um sich besser auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren.

Inhalte:
* Stellenwert der GEWIs in der Gesellschaft/Motive und Motivation für das Studium
* Persönliche Potenziale und Ressourcen
* Entwurf eines individuellen Profils
* Erarbeitung spezifischer Tätigkeits– bzw. Berufsfelder
* Konkrete Hilfestellung beim Berufseinstieg: Arbeitsmarktsituation und Weiterbildungsoptionen

Trainerinnen:
Ursula Schachinger, Priv.-Doz. Dr. phil.
Studium der Alten Geschichte und Klassischen Philologie
Numismatikerin an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Lehrbeauftragte für Antike Numismatik an der Universität Graz, Museumsarbeit und -pädagogik, Coach, langjährige Tätigkeit als Trainerin im Bereich Kommunikationstraining, Berufsorientierung, Stress- und Mentalmanagement

Michaela Hampala, Dr. phil
Studium der Germanistik und Romanistik/Italienisch
Erwachsenenbildnerin, Lebens- und Sozialberaterin, langjährige Tätigkeit an verschiedenen Bildungsinstitutionen, Sprachtraining, Berufsorientierung, Persönlichkeitsentwicklung, Schreibtraining

WER?
Zielgruppe: Studierende und Jung-AbsolventInnen geisteswissenschaftlicher Studienrichtungen
TeilnehmerInnen-Anzahl: 15 Personen

WANN & WO?
Freitag 25.11.2016 – Samstag 26.11.2016
Uhrzeit: 10:00 – 19:30 Uhr
Ort: Career Center Veranstaltungsraum, Elisabethstraße 32/2. Stock, 8010, Graz

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Wissenstransfer – QUO VADIS?

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Was bedeutet der Begriff „Wissenstransfer“ überhaupt – und wie sehen aktuelle Trends in diesem komplexen Themenfeld aus? Damit beschäftigen sich Daniel Wutti und Markus Hayden von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt im Rahmen einer umfassenden Studie. Im Wirtschaftsgeist-Interview verraten sie uns erste Ergebnisse und erklären, welche Rolle die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften dabei spielen.

Wir haben im Frühjahr über Eure Initiative zur Definition des Begriffs „Wissenstransfer“ berichtet. Seither habt Ihr eine aufwändige Studie zum Thema erstellt. Könnt Ihr kurz erläutern, worum es dabei geht und was in den vergangenen Wochen passiert ist?
Wir haben in einer Umfrage mehrere Ziele auf einmal verfolgt:
Zu aller erst wollten wir wissen, welche Begriffe Forscherinnen und Forscher implizit mit dem Thema Wissenstransfer verbinden. Zudem haben wir uns auch angeschaut, welche Komponenten sie explizit mit der Thematik verknüpfen. In einem weiteren Schritt haben wir eruiert, welche Motivatoren es für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gibt, Wissenstransfer zu betreiben und welche Hindernisse häufig auftreten. Der letzte Teil der Erhebung bestand aus einem umfangreichen Fragebogen zu Bewertung von Wissenstransfer, wie etwa im Hinblick auf Nutzen, Möglichkeiten sowie Stellung innerhalb der Scientific Community.
Im Speziellen waren wir auch daran interessiert, ob es zwischen den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen – beispielsweise zwischen den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften auf der einen und den naturwissenschaftlichen und technischen Studien auf der anderen Seite – Unterschiede in Verständnis und Zugang zur Thematik des Wissenstransfers gibt.
Unsere Daten haben wir im Frühjahr an den Universitäten in Kärnten und der Steiermark erhoben. Seit damals sind wir vordergründig mit der Auswertung beschäftigt.

Was sind grundlegende Ergebnisse Eurer Studie – bzw. welche zentralen Aussagen lassen sich aus der Studie jetzt bereits treffen?
Die Auswertungen sind aktuell noch nicht abgeschlossen, da es eine Fülle an Daten gibt – sowohl quantitativer als auch qualitativer Natur.
Was wir aber schon sagen können ist, dass es ein großes Interesse an der Thematik gibt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler messen Wissenstransfer einen hohen Stellenwert und einen großen Nutzen zu. Vor allem der gegenseitige Austausch mit Expertinnen und Experten in praktischen Feldern wird als produktiv bewertet. Zeitgleich haben die Forscher_innen allerdings auch das Gefühl, dass innerhalb der Scientific Community nur wenig Wert darauf gelegt wird. Das bedeutet unter anderem auch, dass für die Karriere nach wie vor fast ausschließlich die „klassischen“ Leistungen, wie etwa Veröffentlichungen und Vorträge vor wissenschaftlichem Publikum zählen. Wissenstransferleistungen werden nach Meinung der Befragten hingegen kaum gewürdigt. Dabei ist Wissenstransfer für beide Seiten von Vorteil: das universitäre Wissen kommt in praktische Felder und findet dort Anwendung, andererseits fließt aber auch Praxiswissen zurück an die Universitäten. Nicht zuletzt werden auch gegenwärtig bedeutende Themen aus der Praxis von Forscherinnen und Forschern aufgegriffen. Somit profitieren alle Beteiligten.
Was die wesentlichen Teilkomponenten des Themas Wissenstransfer anbelangt, so deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass einige Bereiche kaum Beachtung bekommen. Die universitäre Lehre wurde beispielsweise von der überwiegenden Mehrheit der Befragten als essentiell benannt, wohingegen andere Faktoren, wie etwa Patentierungen – die sogar als Wissenstransferleistungen in den Wissensbilanzen der Universitäten erfasst werden – deutlich seltener sowohl implizit als auch explizit mit dem Thema Wissenstransfer verknüpft wurden.
In diesem Zusammenhang ist es jedoch wichtig anzumerken, dass die Forscherinnen und Forscher, die an unserer Erhebung teilgenommen haben, zum Großteil den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften zuzurechnen sind. Es könnte durchaus sein, dass der niedrige Anteil an technischen- und Ingenieurswissenschaftler_innen die Ergebnisse etwas verzerrt hat. Darauf wollen wir im nächsten Schritt, einer österreichweiten Studie, besonderes Augenmerk legen.

Am 5. Oktober gab es ein universitätsübergreifendes Treffen in Graz, bei dem Ihr erste Ergebnisse Eurer Studie präsentiert habt. Wie haben die TeilnehmerInnen reagiert, die ja aus unterschiedlichen Bereichen kamen – von den Geisteswissenschaften über Medizin bis hin zur Technik?
Die Ergebnisse wurden von den Anwesenden mit Interesse angenommen. Der Wert unserer Arbeit liegt wohl auch darin begründet, dass wir das Thema wissenschaftlich bearbeiten. Innerhalb des Wissenstransferzentrums Süd, wo es ansonsten viele interessante und innovative praktische Tätigkeiten und Projekte gibt, ergänzen wir also den thematischen Bereich aus einer theoretischeren Sichtweise. Uns ist es ausdrücklich wichtig, verschiedene Disziplinen an der Forschung miteinzubeziehen, daher haben wir uns auf eine interdisziplinäre Diskussion gefreut. Die Diskussion zeigte, dass die Zeit reif ist für solche übergreifende Initiativen – wir stehen noch am Anfang, das universitätsübergreifende Treffen in Graz hat aber gezeigt, dass es sinnvoll ist, breiter anzulegen. Diskussionsbedarf gab es insbesondere bei dem Thema „Kennzahlen zu Wissenstransfer“. Es geht um die bedeutende Frage, wie Wissenstransfer-Leistungen adäquat in Forschungsbilanzen und Leistungsvereinbarungen abgebildet werden könnten, ohne ihr Kreativitätspotenzial zu gefährden. Die Diskussion war fruchtbar und wir konnten gute nächste Schritte planen.

Mit dem Wirtschaftsgeist-Blog sind wir an der Schnittstelle GSK/Wirtschaft angesiedelt. Daher interessiert uns, ob Eure Studie auch über diesen speziellen Bereich Aufschluss gibt. Wie sehen Geistes-, Sozial- und KulturwissenschafterInnen den Wissenstransfer zur Wirtschaft? Gibt es eine solche Art des Wissenstransfers überhaupt?
Ja, Wissenstransfer wird auch in den GSK-Disziplinen betrieben. Allerdings stehen häufig andere Themenkomplexe im Vordergrund, als jene, die bisher in Kennzahlen abgebildet werden. Erkenntnisse der GSK-Wissenschaften lassen sich in der Regel nicht in Form von Patenten vermarkten und führen häufig auch nicht zu sog. „Spin-Offs“. Dennoch gibt es etwa im Bereich von Praxisforschung bzw. daraus entstehenden Fortbildungen für Praktiker_innen klare Überschneidungsbereiche. Auch sollte nicht unterschätzt werden, dass den GSK-Fächern oftmals eine bedeutende Rolle im Hinblick auf Bewusstseinsbildung, sowohl im politischen, wie auch im volkswirtschaftlichen Sinn zukommt. Luk Van Langenhove, der Leiter des Institute on Comparative Regional Integration Studies der United Nations University in Bruges, Belgium forderte 2012 sogar in einem Nature Artikel dazu auf, diese Ausrichtung weiter zu forcieren.

Welchen Nutzen seht Ihr im Wissenstransfer zwischen Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und der Wirtschaft?
Diese spezielle Art des Wissenstransfers ist leider aktuell in vielen Belangen noch stark unterschätzt, obwohl GSK-Wissenschaftler_innen in den unterschiedlichsten Branchen einen großen Mehrwert leisten können und auch der Rückfluss von Informationen aus der Wirtschaft an die Universitäten nicht unterschätzt werden sollte. Dementsprechend ist unserer Ansicht nach ein stärkeres Zusammenarbeiten zwischen Forscher_innen und Wirtschaft nicht nur in den eben schon beschriebenen Themengebieten durchaus zu forcieren.

Wie sieht die Zukunft Eurer Wissenstransfer-Studie aus? Was habt Ihr damit vor?
Zu aller erst einmal haben wir die Erhebung in leicht abgeänderter Art und Weise nun auch an den anderen österreichischen Universitäten gestartet. Wir möchten somit ein möglichst repräsentatives Ergebnis für Österreich erhalten.
Unsere Studie sehen wir gewissermaßen als explorativ an. Die Daten sollen dementsprechend natürlich auch eine Grundlage bilden, auf die sich weitere Arbeiten stützen können. Bisher gibt es beispielsweise noch keine einheitliche Definition von Wissenstransfer – weder interdisziplinär noch innerhalb bestimmter Disziplinen wie etwa den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen vermehrt für diese Thematik sensibilisiert werden. Viele bedeutende Förderinstitutionen wie etwa der FWF oder Horizon 2020 verlangen ja inzwischen explizit, Wissenstransfer in Forschungsprojekte mit einzubeziehen, beispielsweise indem der Dissemination oder Open Access besondere Aufmerksamkeit zukommt. Zugleich wird aber Wissenstransfer an den Universitäten, wo vordergründig „Science to Science“ zählt, noch recht stiefmütterlich behandelt. Es ist ein Ungleichgewicht, wenn Universitäten und die dort betriebene Forschung öffentlich finanziert werden, die Ergebnisse aber nur innerhalb der Scientific Community bleiben. Wissenstransfer kann hier Abhilfe schaffen. Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse diesbezüglich einen Beitrag zur Sensibilisierung leisten können. Im Bereich der GSK-Wissenschaften geht es auch darum, Wissenschafter_innen zum Wissenstransfer zu ermutigen: vieles, was bereits getan wird, ist gewiss Wissenstransfer zuzuordnen, allerdings findet es aktuell keinen Eingang in Leistungsvereinbarungen, es wird nicht gewichtet. Hierbei geht es darum, Qualitätskriterien zu finden, um schlussendlich auch diese Leistungen adäquat abbilden zu können.
Was die Veröffentlichung der Ergebnisse anbelangt, so möchten wir natürlich auch dem von uns selbst proklamierten Weg treu bleiben und streben dementsprechend einen Open-Access-Weg an. Darüber hinaus werden die Ergebnisse im Rahmen der Wissenstransferzentren publik gemacht und auch kritisch diskutiert. Damit soll und wird der Prozess aber noch nicht am Ende stehen. Viele wesentliche Schritte kommen erst im Anschluss. Dazu zählt vor allem auch die Diskussion der Ergebnisse mit dem Ministerium und den unterschiedlichen Universitäten.

Interview/Text: Roland Reiter

Wirtschaftsgeist Workshop 2.0

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Aufgrund des großen Erfolgs des ersten WIRTSCHAFTSGEIST-Workshops lädt das WTZ Süd bereits am 2. Dezember 2016 zur zweiten Ausgabe der Veranstaltung! JETZT ANMELDEN!

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WER?
Zielgruppe:
Studierende der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und der Künste an der Karl-Franzens-Universität Graz, der Alpen-Adria Universität Klagenfurt und an der Kunstuniversität Graz.
Start-ups aus unterschiedlichen Bereichen

WAS?
Der WIRTSCHAFTSGEIST Workshop bringt Studierende der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und der Künste mit AkteurInnen aus der Wirtschaft zusammen. Studierende, die Interesse an einer wirtschaftlichen Berufsperspektive haben, treffen auf junge UnternehmerInnen, um einander kennenzulernen und gemeinsam an einer Challenge zu arbeiten.

WOFÜR?
Es entsteht eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Während die Studierenden einen Einblick in die Wirtschaftswelt erhalten, lernen Start-ups die vielseitige Expertise von Studierenden im geisteswissenschaftlichen Bereich kennen und profitieren von deren kreativen Problemlösungsansätzen.

WIE?
Für jedes teilnehmende Start-up wird ein interdisziplinäres Studierenden-Team gebildet. Gemeinsam mit dem Start-up arbeitet jedes Team an einer Challenge. Dabei werden Lösungsansätze aus den unterschiedlichen Disziplinen kombiniert. Ein Kreativcoach gibt dabei wertvolle Impulse und vermittelt nützliche Kreativitätstechniken, um die einzelnen Workshop-Projekte zu optimieren.

WANN & WO?
Freitag, 02. Dezember 2016, 09.00 Uhr bis 14.00 Uhr
Ort: Performancesaal der Kunstuniversität Graz, Reiterkaserne EG, Leonhardstraße 82-84, 8010 Graz
Weitere Informationen und Anmeldung: wirtschaftsgeist@uni-graz.at
Anmeldefrist für Studierende und Start-ups: 29. November 2016