Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 20

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Als Geisteswissenschaftler zum Unternehmer – Rüdiger Wetzl-Piewald

Wirtschaftsgeist.com diesmal im Gespräch mit Germanistik-Absolvent, Compuritas-Gründer und Geschäftsführer des Social Business Clubs Styria, Rüdiger Wetzl-Piewald. Im Interview erzählt er, wie er in Lateinamerika aus den resilienten ReUse-Lösungsansätzen der in Armut lebenden Menschen seine eigene ökologisch-sozial wirksame Geschäftsidee entwickelt hat.

Rüdiger Wetzl-Piewald
Rüdiger Wetzl-Piewald

Herr Wetzl-Piewald, Sie haben Germanistik in Kombination mit Kulturmanagement an der Karl-Franzens-Universität Graz studiert. Wie ist es dazu gekommen?
Ich wollte nach der Matura eigentlich eine Lehrstelle als EDV-Techniker absolvieren. Damals gab es in der gesamten Steiermark nur eine Lehrstelle und interessanterweise an der Kunst Uni Graz. Leider wurde ich mit der Begründung: „Gehen Sie doch studieren, Sie haben ja die Matura gemacht“ nicht genommen und entschied mich dann fürs Studieren.
Mir war nicht wichtig was ich studiere – es ging mir eigentlich darum einen Abschluss zu haben und es sollte mich schon interessieren. Ich hatte sicherlich nicht diesen Karrierestudienverlauf, wie: „Ich studiere genau dieses Fach und dann habe ich einen genauen Karriereplan“.

Hatten Sie nicht Angst mit Germanistik keinen Job zu bekommen?
Ja, das war das Klischee. Für mich ein falsches. Die Ambitionen, in den Geisteswissenschaften einen vorgezeichneten Karriereweg zu verfolgen, haben die wenigsten. Was ich sehr schade finde. Die Studien sind viel besser vermittelbar, wenn am Anfang stärker aufzeigt wird welche Berufslaufbahnen man einschlagen kann.
Im Nachhinein betrachtet ist die Absolvierung des Germanistikstudiums für mich ein „Allerweltsstudium“ im positiven Sinne. Als AbsolventIn hat man sich in der Regel sehr intensiv mit der deutschen Sprache befasst und kann diese gehobene Fähigkeit der Sprachverwendung in der Praxis sehr gut einsetzen. Zusätzlich bekomme ich ein Wissenspaket und hoffentlich auch eine sinnvolle Weltanschauung mit auf dem Weg. Und, was ich ganz wichtig finde, was die Universität als Bildungsinstitution eigentlich ausmacht: kritisches Denken zu erlernen. Sicher ist das bei jeder Fakultät unterschiedlich ausgeprägt, aber an der geisteswissenschaftlichen Fakultät ist dieser Aspekt besonders wichtig. Generell gilt, wenn man ein Studium absolviert, muss man sich selbständig Sachverhalte erarbeiten und in den geisteswissenschaftlichen Studien kommt zusätzlich noch eine kritisch-reflexive Weltsicht dazu.
Und da haben wir auch schon einen Vergleich zur Philosophie des Unternehmertums: man kann nicht einfach vorverdaute Brocken übernehmen und dann abarbeiten, sondern muss sich längerfristig selbständig neue Inhalte erarbeiten und Sachverhalte kritisch betrachten. Somit ist ein geisteswissenschaftliches Studium eine gute Voraussetzung für eine Karriere als UnternehmerIn. Das ist eigentlich eine interessante Hypothese: Sind GeisteswissenschaftlerInnen die besseren UnternehmerInnen? Das wäre sicher spannend zu untersuchen.

Haben Sie neben Ihrem Studium gearbeitet oder sich ehrenamtlich engagiert? Wenn ja, welche Erfahrungen konnten Sie dabei sammeln?
Ich war der klassische Durchschnittsstudent. Für mich war es wichtig überhaupt zu studieren und diesen Prozess durchzumachen. Ich habe damals während des Studiums ehrenamtlich einen Verein für Kulturmanagement gegründet. Das Projekt war eine Zusammenkunft von motivierten Leuten, die die Idee hatten, später im Kulturmanagement zu arbeiten. Da bin ich erstmals mit unternehmerischen Fragestellungen konfrontiert worden. Die meisten MitstreiterInnen sind dann aber abgesprungen und es blieben ich und ein Auftrag, um eine Kunstgalerie für eine Künstlerin zu bestreiten. Der Aufwand und auch der Lerneffekt war riesengroß, aber es war für die Erfahrung endlos wichtig, um zu sehen was es bedeutet langfristig ein Projekt zu gestalten. Zu dieser Zeit habe ich ein Semester lang nicht studiert und nur dieses Projekt betreut und abgeschlossen. Andere machen ein Praktikum, ich hatte meines als Kunstgaleriebetreiber.

Was hat dir das Studium und die ehrenamtliche Tätigkeit für deine unternehmerische Praxis gebracht?
Beides hat einen großen Einfluss und mir breites Wissen bereitgestellt. Ein konkretes Beispiel: Pressearbeit im Kulturmanagement. Was ich aus dem geisteswissenschaftlichen Studium fürs Unternehmertum mitgenommen habe ist vor allem das Handwerk von professioneller Korrespondenz und Textproduktion sowie Pressearbeit. Sehr viele UnternehmerInnen übersehen zu Beginn, dass sie eigentlich ganz viel kommunizieren müssen. Der große Vorteil des Studiums war sicher Kommunikation zu lernen und auszuüben und als Folge ein gutes Rüstzeug zu erhalten, um Verhandlungen führen zu können. Das klassische Klischee ist, dass ein technikgetriebenes Start-up schlecht verhandeln kann. TU Studierende sind zwar im Fach außerordentlich gut, aber es scheitert oftmals bei der Vermittlung ihrer Ideen. Unternehmertum bedeutet nicht nur fachlich gut sein zu müssen, sondern – und das ist oftmals das Entscheidende – dass man Ideen aufbereiten und verkaufen kann. Das sind dann Dinge, die ich mir entweder teuer zukaufen muss oder es bedeutet, jemanden im Team haben zu müssen, der diese Fähigkeiten besitzt.
Ich habe über die Fächerkombination Kulturmanagement auch einige Stunden Betriebswirtschaft absolviert – auf kleinem Niveau, aber immerhin. Es ist wichtig fachfremde Inhalte zu hören, die anschließend für eine mögliche selbständige Tätigkeit hilfreich sein können. Speziell Personen aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich sind oftmals sehr weit weg von diesen Themen und trauen sich dann, aufgrund mangelnder wirtschaftlicher Kenntnisse, geniale Ideen nicht in Form einer selbständigen Tätigkeit umzusetzen.
Mit euren Wirtschaftsgeist-Workshops, mit denen ihr GeisteswissenschaftlerInnen und Kunstschaffende mit Unternehmen zusammenbringt, habt ihr da sicher eine sinnvolle und brückenschlagende Initiative ins Leben gerufen.

Kommen wir zur Geschichte von Compuritas. Wann hat das mit der Idee des Refurbishment begonnen, woher stammt die Idee? Wie hat sich das alles entwickelt?
Ich habe während des Studiums Erasmus in England gemacht und für ein Jahr in Bristol Germanistik studiert. Auf einer Messe, auf der man sich über das sogenannte Gap-Year informieren konnte, ist der Entschluss in mir gereift nochmals ins Ausland zu gehen. Diesmal nach Lateinamerika. Nur zur Erklärung: Das Gap-Year ist eine höchst sinnvolle Auszeit zwischen Studienende und Berufsbeginn und gehört in vielen angelsächsischen Ländern selbstverständlich in die Lebensplanung hinein.
Über meine Tätigkeit bei der Initiative aiesec – einer internationalen studentischen Organisation, die unter anderem Auslandspraktika vermittelt – bin ich nach Brasilien und Argentinien gekommen und verbrachte dort rund zwei Jahre. Ich wollte mich als Ziel meines Aufenthaltes mit dem Thema Armut auseinandersetzen. Schließlich wird viel über Armut gesprochen, aber es passiert wenig dagegen und ich wollte mir das direkt vor Ort anschauen – jetzt nicht als Gaffer – sondern, um herauszufinden was das jetzt wirklich heißt in Armut zu leben. Wenn man eben nicht nur das tragische Element sieht, sondern auch wie die Leute damit umgehen, das habe ich sehr beachtenswert gefunden. Es ging mir darum andere Lebenswelten kennenzulernen und zu sehen und zu verstehen, wie sie damit umgehen und das hat mich für mein weiteres – insbesondere mein berufliches Leben – sehr geprägt.

Was hast du dort gemacht? In welchem Projekt warst du involviert?
Ich musste mich großteils selbst erhalten und wie macht man das im Ausland? Man stellt sich die Frage: Was kann ich in einem Umfeld, das mir fremd ist, beruflich machen. Ich habe in Brasilien zwar in Rekordzeit Portugiesisch gelernt, aber nicht so perfekt, dass ich mich gleich für einen halbwegs guten Job hätte bewerben können. Das ist vielleicht auch ganz spannend für die Migrationsdebatte: Was bringe ich als Schlüsselqualifikation mit, dort wo ich mich befinde, was andere nicht können? Das einzige, was mir eingefallen ist, war, dass ich Deutsch kann und darin sogar ein ganzes Studium absolviert habe. Der Vorteil für mich war, dass in den dortigen Pflichtschulen der Fremdsprachenunterricht keine große Bedeutung hat, die Menschen aber durchaus Interesse am Fremdsprachenerwerb haben. Deshalb gibt es in jeder Stadt zahlreiche privat geführte Kleinstschulen, die Sprachvermittlung anbieten. Ich habe in Brasilien im Rahmen des vermittelten Praktikums zunächst in einer Komplementärschule (http://www.larescola.org.br/) gearbeitet und neben allgemeinen Helfertätigkeiten Musik und ein wenig Informatik unterrichtet. Lar Escola betreut seine SchülerInnen, die großteils aus den ärmsten Stadtteilen kommen, zusätzlich zur Regelschule. Weniger um weiteres Wissen zu vermitteln, sondern um diese Kinder im Alter von 6-16 Jahren in ihrer Freizeit vor der realen Gefahr von Drogen, Prostitution und Kriminalität zu schützen.
Besonders beeindruckt hat mich dort ein Projekt mit dem Titel „Die Zukunft formatieren“ (deletando o futuro), in welchem Basiswissen für Computeranwendung vermittelt wurde, um auf den Arbeitsmarkt vorbereitet zu werden und gleichzeitig das Selbstwertgefühl zu steigern. Denn nur, wer einen normalen Job in Brasilien bekommen kann, hat eine echte Chance aus der bitteren Armut herauszukommen.

Wie hat sich aus dieser Erfahrung heraus die Idee für Compuritas entwickelt?
Ich bin auf das Thema ReUse-Computer gestoßen noch bevor ich von meinem Auslandsaufenthalt zurückgekommen bin. Das war bis zu diesem Zeitpunkt ein unbekanntes Thema. In Lateinamerika sah ich, dass das ein normaler Geschäftszweig ist – wenn auch auf sehr kleiner Basis. Das sind Bastlerläden, von denen es zahlreiche gibt, weil sich dort Neugeräte kein Mensch leisten kann. Neue Computer kosten fast überall gleich viel, egal wie hoch die jeweilige Kaufkraft ist. Deshalb entwickeln sich in diesen Ländern viel schneller ReUse-Modelle.
Dann bin ich zurückgekommen und habe erst gar nicht vorgehabt, an dieses Thema anzuschließen. Ich habe vorerst versucht meiner Ausbildung gemäß sprachlich was zu tun und wollte vor allem im Kulturmanagement Fuß fassen. Plan A war ich finde gleich eine Stelle und Plan B war, dass ich Sprachunterricht gebe und parallel einen Job suche. Beides hat leider nicht funktioniert. Für das Kulturmanagement war ich leider zu lange nicht da, um am heimischen Markt einsteigen zu können – mir fehlte nach zwei Jahren im Ausland das notwendige Netzwerk. Und die österreichischen Sprachschulen waren völlig überlaufen und boten sehr fragwürdige Arbeitsbedingungen.
So kam ganz schnell die Idee mit dem Unternehmertum. Ich habe mich zuhause hingesetzt und überlegt, was tue ich jetzt. Dann kam die Idee mit dem IT-Bereich in Kombination mit dem ReUse Gedanken.
Ganz am Anfang habe ich in der Elisabethstraße in kleinen Räumlichkeiten angefangen und das gemacht, was ich vorher schon konnte: EDV-Technik. Ich konnte hier eine Nische bedienen und einen guten KundInnenstock aufbauen. Das natürlich mit niedrigen Tarifen, da Computertechnikservice eigentlich sehr teuer ist und die wenigsten sich ein richtiges Service leisten können.

Wie kam Compuritas dann in die Annenstraße – der heutige Unternehmenssitz? Wie habt ihr die Expansion finanziert?
In dieser Zeit habe ich mit der EDV-Technik eine Basis geschaffen, um den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Der Gedanke mit dem ReUse Konzept war damals schon vorhanden. Es ging dann darum das weiterzuentwickeln. Zwei Jahre habe ich neben der eigentlichen Arbeit ganz viel recherchiert, um herauszufinden wo man ausgediente Businesshardware beziehen konnte. Wir können sie aufbereiten, aber man muss die Gerät irgendwo herbekommen und man muss sie auch wiederverkaufen können.
Das Know-how hatten wir und dann kam die Möglichkeit mit der Puls4 Start-up-Show „2 Minuten, 2 Millionen“. Das passierte alles nicht von heute auf morgen. Die ersten sehr wichtigen Preise, wie den „Trigos“ und den „Klimaschutzpreis“ haben wir erhalten, als wir noch sehr klein waren. Ein entscheidender Faktor, dass wir diese Preise erhalten haben, ist auch darauf zurückzuführen, dass ich Germanistik studiert habe. Ich konnte dadurch Texte gut formulieren und die gesamte Unternehmensphilosophie mit dem ReUse Konzept besonders schlüssig darlegen. Da hatte ich sicherlich einen Vorteil gegenüber anderen Einreichungen.
Wir haben ein halbes Jahr damit verbracht InvestorInnen für unser Konzept zu finden. Das hat leider nicht so funktioniert, wie wir uns das erhofft haben. Compuritas versteht sich als Social Entrepreneurship, dh wir versuchen mit unternehmerischen Lösungen gesellschaftliche Problemstellungen anzugehen. Für gewöhnliche Investoren, die nur auf den ökonomischen Profit Wert legen, waren wir daher nicht interessant genug. „Impact Investors„, also Geldgeber, die mit ihren Investitionen auch eine gesellschaftliche Wirkung erzielen wollen, waren damals noch nicht wirklich greifbar. Die Investorensuche war daher am Anfang schwierig. Wir haben dann mit Crowdinvesting erfolgreich die ersten 80.000 € eingesammelt und diese Investitionssumme mit einem Förderkredit verdoppelt. Dann sind wir in den heutigen Standort umgezogen. Unsere wiederaufbereiteten Businessgeräte werden heute vorwiegend an Schulen, gemeinnützige Organisationen und Privatkunden in Österreich, Deutschland und der Tschechischen Republik verkauft.

Wie ist es dazu gekommen, dass du jetzt Geschäftsführer des Social Business Club Styria (SBCS) bist?
Mit unternehmerischem Handeln gesellschaftliche Lösungen für Probleme der heutigen Zeit anzubieten, das haben wir mit Compuritas – durchaus als ein Vorzeigeprojekt – geschafft. Nach 8 Jahren wollte ich eine persönliche Veränderung und es ergab sich die Gelegenheit operativ aus dem Unternehmen auszusteigen und den Social Business Club Styria aufzubauen. Ich wollte, dass Compuritas unbedingt bestehen bleibt und auf sicheren Beinen steht, wenn ich nicht mehr operativ dabei bin. Das ist nicht ganz unproblematisch, wenn man einer von zwei treibenden Kräften ist und man dann als Kernperson das Unternehmen verlässt. Uns war klar, wenn ich gehe, muss jemand meine Agenden übernehmen. Glücklicherweise hatte ich mit meinem ersten Mitarbeiter, der schon in der Elisabethstraße als geringfügige Kraft angefangen hat, eine Person mit dem notwendigen Maß an Ambition und Qualifikation in der Firma. Ich konnte Matthias guten Gewissens die Geschicke von Compuritas übergeben und bereue das bis heute keinen Tag!
Nach Übergabe meiner Firma wollte ich dennoch unbedingt im Feld des gesellschaftlich wirksamen Unternehmertums bleiben. Erstens, weil es ein persönliches Anliegen von mir ist, die Idee von Social Entrepreneurship zu stärken und zweitens, weil ich als neue Schlüsselqualifikation jahrelang Erfahrung gesammelt habe, wie man Ideen in diesem Bereich umsetzt. In der neuen Funktion als Geschäftsführer des Social Business Club Styria habe ich nun, mit der praktischen Erfahrung im Hintergrund, die Möglichkeit zum Aufbau einer Struktur, die angehende Social Entrepreneurs in allen Unternehmensphasen als Kompetenzentrum zur Seite steht.

Was ist deine Vision für den SBCS?
Ich möchte erreichen, dass die Zahl der gesellschaftlich wirksamen Unternehmensgründungen über die Jahre ordentlich ansteigt, weil die allermeisten Ideen noch vor der Gründungsphase stecken bleiben. Ich möchte motivierte Menschen dabei unterstützen, aus ihren ambitionierten Ideen ein Geschäftsmodell zu machen. Es sollen nicht nur die Zahl der Gründungen steigen, sondern auch deren Qualität.
In der öffentlichen Wahrnehmung soll Social Entrepreneurship für eine Unternehmenslandschaft stehen, die den Sinn und Zweck von Wirtschaft als lebensdienliche Tätigkeit mit positiver Wirkung für Mensch und Gesellschaft versteht, also ein menschliches soziales Tun, das darauf abzielt, unser aller Leben zu verbessern.

Vielen herzlichen Dank für das Interview!

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 19

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Quer durch den Gemüsegarten zum Apfelwein – die Germanistin Natalie Resch im Wirtschaftsgeist-Porträt.

Bereits im Alter von 10 Jahren war Natalie Resch davon überzeugt, Übersetzerin zu werden. Um ihren Traumberuf ausüben zu können, begann sie am Institut für Translationswissenschaften der Karl-Franzens-Universität Englisch und Spanisch zu studieren. „Die Lehrenden stellten sehr hohe Ansprüche und es gab eine hohe Ausfallquote. Man hat richtig Angst bekommen etwas falsch zu machen und so habe ich fast meine Freude an Sprachen verloren“, erinnert sich Natalie. Damit das nicht eintritt, brach sie das Studium nach dem ersten Abschnitt ab und inskribierte sich für das Magisterstudium Germanistik. Nebenbei machte sie eine Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Sprachausbildung und schloss den ersten Studienabschnitt in Jus ab. „Mir ist es zu Gute gekommen, dass ich für Germanistik sehr viele freie Wahlfächer absolvieren musste. Ich habe quer durch den Gemüsegarten studiert, was mir irrsinnigen Spaß bereitet hat. Dabei habe ich gelernt mir Dinge gut einzuteilen, über den Tellerrand zu blicken, einen kritischen Geist zu entwickeln und komplexe Texte zu verstehen, zu interpretieren und zu hinterfragen“, erzählt Natalie. Außerdem war es ihr wichtig, neben dem Studium aktiv an Projekten und auch an der Österreichischen HochschülerInnenschaft mitzuwirken. In diesem Rahmen konnte sie sich weiterentwickeln, ihren Horizont und ihre Fertigkeiten erweitern.

Natalie Resch / © MANA

Ihre Laufbahn führte sie weiter zum Masterlehrgang „Kunst und Recht“, der ihr zu einem Job verhalf: „Ein Vortragender hat mich gefragt, ob ich für ihn arbeiten will. Ich habe dann eine Ausstellung begleitet. Und dann ist es so passiert, wie es oft passiert: Man rutscht irgendwo hinein und arbeitet mehr als man studiert.“ Sie bekam schließlich eine Anstellung in einer Werbeagentur und war dort Redakteurin eines Magazins sowie für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Das im Studium erworbene theoretische Wissen und die Fähigkeiten flexibel zu sein und sich sehr schnell in Strukturen einzuarbeiten war für diese Arbeit unabdingbar. Nach einigen Jahren war Natalie klar, dass sie sich selbstständig machen will: „Ich wollte die Freiheit haben, mir meine GeschäftspartnerInnen selbst aussuchen zu können. Ich hatte genug Erfahrung, Kontakte, Expertise und Selbstvertrauen, um selbstständig tätig zu sein und machte das dann auch. Außerdem bin ich eine Netzwerkerin, das macht mir Spaß! Ich bin gerne unterwegs und lerne gerne neue Menschen kennen.  Das ist unglaublich wichtig, wenn man sich selbstständig machen möchte.“

Natalie war und ist vielseitig aktiv: sie arbeitete für unterschiedliche Zeitschriften als Redakteurin, hat Festivals konzeptionell betreut, machte Öffentlichkeitsarbeit für unterschiedliche Betriebe und schrieb gemeinsam mit Anita Arneitz das Buch „Graz – Porträt einer Stadt.“ „Dieses Projekt ist ein gutes Beispiel, wie eines zum anderen führt. Ich habe Texte für Anita transkribiert und sie hat mir dann die Mitarbeit an dem Buch angeboten. Es war eines der schönsten Projekte, an denen ich je gearbeitet habe. Mit verschiedenen Menschen zu sprechen und deren ganz persönlichen Geschichten zu hören war sehr bereichernd. Und durch dieses Projekt habe ich dann auch den Auftrag bekommen für die Veranstaltungsreihe „M\Eine Graz-Geschichte\n“ des Graz Museums ein Konzept zu schreiben“, führt Natalie aus.

Apfelwein / © MANA

Neben Sprachen ist Reisen eine große Leidenschaft Natalies. Und so kam es, dass sie in Australien auf das Getränk „Cider“ stieß und die Idee hatte, in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft ihrer Eltern dieses Getränk selbst zu produzieren. Es wurde jedoch kein Cider, sondern Apfelwein. Der Unterschied besteht darin, dass Cider in Österreich eine Mischung aus Apfelwein und Saft ist, weswegen er auch süßer schmeckt. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Markus wurde die OG „MANA“ gegründet und die erste Charge Apfelwein konnte mithilfe der Eltern und einer Crowdfunding Aktion bereits im Jahr 2015 produziert werden. Mittlerweile wird nicht nur Apfelwein, sondern auch Apfelsaft hergestellt. Natalie ist vor allem für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Hierbei spielen Kreativität, Sprachfertigkeiten, Design und Kenntnisse über die Kreativwirtschaft eine große Rolle – Fertigkeiten und Wissen, die sie im Laufe ihres Studiums vertieft hatte und hier in die Praxis umsetzt. In der Anfangsphase nutze sie die vorhandenen Ressourcen und alles Weitere ergab sich währenddessen: „Wir waren Feuer und Flamme für dieses Projekt und haben uns dann Schritt für Schritt herangetastet und dazugelernt. Manchmal laufen Dinge auch nicht so gut, aber man findet Lösungen und entwickelt sich weiter. Und hier sind auch das Netzwerken und die Kommunikation mit anderen entscheidend, weil man durch die Erfahrungen und das Wissen anderer sehr viel dazulernt.“ Natalie ist es wichtig, durch MANA auch ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass gute, regionale und faire Produkte auch mehr kosten: „Damit wir unseren Apfelwein und Apfelsaft weiterhin um den aktuellen Preis verkaufen können, müssen wir unbezahlte Arbeit in das Unternehmen stecken und nebenbei anderen Tätigkeiten nachgehen. Das machen wir aber gerne, damit das Produkt so hochwertig bleibt, wie es ist.“ Natalie sieht positiv in die Zukunft, dem Wunsch von MANA Apfelwein leben zu können sieht sie realistisch. Einzig und allein fehlt noch ein Vertrieb, um die Ware auch an die Leute zu bringen.

Rückblickend würde Natalie sich wieder für das Germanistikstudium entscheiden. Die Universität hat ihr das nötige Rüstzeug an die Hand gegeben, um sich schnell in neue Strukturen einzufinden, Quellen kritisch zu hinterfragen, einen offenen und kritischen Blick zu entwickeln und vernetzt zu denken. Auch ihre ehemaligen KommilitonInnen sind in interessanten Berufsfeldern gelandet, erzählt sie. „Wichtig ist einfach, und das möchte ich gerne allen ans Herz legen, mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen, dann ergeben sich die Dinge meist von selbst.“

Text: Christina Lessiak / KUG

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 18

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Von der Musikologie ins Radio. Daniela Oberdorfer im Gespräch.

Daniela Oberndorfer ist Musikologin und absolviert in diesem Jahr ihr Masterstudium „Interdisziplinäre Geschlechterstudien“. Nach Absolvierung der Matura wollte sie eigentlich in Wien „Musiktherapie“ studieren, scheiterte aber an der Aufnahmeprüfung. Das Studium Musikologie war ihre Notfalllösung. „Es war klar, dass ich studieren will, aber ich musste mich nach der Absage kurzfristig nach einem anderen Studium umschauen. Ich habe beim Recherchieren im Internet die Studienrichtung Musikwissenschaft bzw. Musikologie entdeckt. Um ehrlich zu sein wusste ich nicht wirklich, was da auf mich zukommen wird. Aber die Vorstellung mich mit Pop, Jazz und Musikpsychologie zu beschäftigen, gefiel mir“, erzählt Daniela. Und so begann sie im Jahr 2006 an der Karl-Franzens-Universität und der Kunstuniversität Graz zu studieren.

Mit Radio Helsinki, wo sie heute beschäftigt ist, kam sie während ihres Bachelorstudiums das erste Mal in Berührung. Radio Helsinki ist ein sogenanntes „freies Radio“, im Gegensatz zum privat-kommerziellen und öffentlich-rechtlichen Rundfunk, und versteht sich als freies, nichtkommerzielles, gemeinnütziges, unabhängiges und lokales Radio. Ein Mitbewohner von Daniela hatte dort eine eigene Sendung, was sie überraschte: „Ich dachte immer, dass man eine Ausbildung braucht, um Radiosendungen machen zu können, und dass es sehr schwer ist, in einem Radiobetrieb überhaupt Fuß zu fassen. Außerdem hatte ich die Vorstellung, dass es technisch sehr kompliziert sein muss.“ Aus Neugier begleitete Daniela ihren Mitbewohner ins Radio und war sofort fasziniert. Sie erfuhr, dass man einen Basisworkshop besuchen kann, in dessen Rahmen das Grundwissen zur technischen Umsetzung und inhaltlichen Gestaltung einer Radiosendung vermittelt werden. Durch den niederschwelligen Zugang zu freien Radios ist es grundsätzlich jeder/m möglich, nach dem absolvierten Basisworkshop eine Radiosendung zu konzipieren und damit on air zu gehen. Daniela konnte zwei Freundinnen für das Radio begeistern und sie nahmen gemeinsam an einem Basisworkshop teil. Den Frauen machte es Spaß und sie gestalteten eine sogenannte „Probesendung“. Um mit einer Sendung ins Radioprogramm von Radio Helsinki aufgenommen zu werden, muss man nämlich zunächst eine Stunde Radiozeit füllen. Das Sendungskonzept und die Umsetzung werden dann mit dem Programmrat besprochen. „Das Feedback war nicht besonders gut und damit die Motivation, weiterzumachen, auch weg. Deswegen habe ich das Radiomachen vorerst nicht weiterverfolgt“, erinnert sich Daniela.

Daniela Oberndorfer © Foto: Christina Lessiak
Daniela Oberndorfer © Foto: Christina Lessiak

Neben dem Studium war sie an der Österreichischen HochschülerInnenschaft als Referentin für Gender und Gleichbehandlung tätig und lernte durch Zufall die Organisatorinnen der Frauenfrühlingsuniversität kennen. Sie beteiligte sich an der Umsetzung dieses Projekts und lernte dabei Frauen* kennen, die die feministische Radiosendung „genderfrequenz“ starteten. Zwei Jahre nach ihrer ersten Erfahrung im Radio wurde Daniela von diesen Frauen* schließlich eingeladen, in die Redaktion einzusteigen. „Und dann ist es plötzlich sehr schnell passiert, dass ich Teil des Radios geworden bin und es zu einer Leidenschaft von mir geworden ist, Radiomacherin zu sein. Zunächst war ich Redakteurin, später dann auch Programmrätin“, schildert Daniela. Zu dieser Zeit engagierte sie sich noch ehrenamtlich für Radio Helsinki. Gemeinsam mit anderen RadiomacherInnen kam die Idee auf, ein kritisches lokales Nachrichtenmagazin zu machen, was kurz darauf auch unter dem Namen „von unten“ umgesetzt wurde. Da das Team zu Beginn aus StudentInnen bestand, die sich ihre Zeit flexibel einteilen konnten, war es möglich, zwei bis drei Mal die Woche eine Nachrichtensendung zu produzieren. „Wir waren sehr produktiv und die Motivation für das Projekt war sehr hoch. Durch unser Engagement ist viel entstanden und es hat alles extrem gut funktioniert. ‚Von unten‘ kam sowohl innerhalb des Radios, als auch in der Außenwahrnehmung sehr gut an und bekam einiges an Aufmerksamkeit“, resümiert Daniela. Das Projekt entwickelte sich weiter, die Redaktion wurde größer und es wurden immer häufiger und umfangreichere Sendungen produziert. Das Nachrichtenmagazin wuchs und damit auch der Arbeitsaufwand. Und so wurde aus einer Herzensangelegenheit schrittweise ein Beruf.

Zunächst wurden Koordinationstätigkeiten entlohnt und vereinzelt Aufgaben, die viel Zeit in Anspruch nahmen. Schließlich entstand innerhalb des Teams der Wunsch, eine Koordinationsstelle zu installieren, die sich 20 Stunden um das Projekt kümmert und dafür auch entlohnt wird. „Zunächst wollte ich mich auf die Stelle nicht bewerben. Radio machen wurde unerwartet zu meiner Leidenschaft, die ich in meiner Freizeit ausüben konnte. Ich wusste, ich kann selbst entscheiden, wieviel Zeit ich dafür aufwende. Ich hatte Angst, dass eine Anstellung mir diese Freiheit nimmt und damit auch die Freude am Radiomachen verloren geht“, erzählt Daniela, „andererseits wurde mir immer mehr bewusst, dass ich nicht an der Universität bleiben möchte, um ein Doktorat zu machen. Ich habe das Projekt mitentwickelt, kannte das Team und die Radiostrukturen und war deswegen für den Job bestens geeignet. Aus dem Radio kam großer Zuspruch für meine Arbeit und so habe ich mich dann doch beworben und den Job schließlich bekommen“.

Ihre Aufgabe als Koordinatorin ist es seither, dafür zu sorgen, dass das Nachrichtenmagazin „von unten“ regelmäßig zu hören ist, und das mit allem was dazu gehört: Sendungsbeiträge koordinieren, Sendungen technisch unterstützen, Redaktionssitzungen vorbereiten, Workshops abhalten, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzungsarbeit leisten, das Team betreuen und erweitern. Und wenn es einmal eng wird oder es die Zeit erlaubt, gestaltet sie die Inhalte der Sendung auch selbst. Die größte Motivation an der Arbeit ist für Daniela die Möglichkeit, für ihre Anliegen ein Sprachrohr zu sein und zu haben. „Für mich ist es politischer Aktivismus. Ich beschäftige mich mit dem aktuellen Zeitgeschehen nicht nur theoretisch, sondern gestalte ein Medium, das im besten Falle auch gesellschaftliche Prozesse beeinflussen kann“, schwärmt Daniela von ihrer Tätigkeit. Darüber hinaus schätzt sie die angenehme Arbeitsumgebung des freien Radios, wo man bemüht ist, Hierarchien abzubauen, sich auf Augenhöhe zu treffen und sich nicht um Einschaltquoten, einen öffentlichen Bildungsauftrag oder sonstige Zwänge kümmern muss. Die Redaktion besteht inzwischen nicht nur aus StudentInnen, sondern aus Personen mit unterschiedlichen Lebenshintergründen, was unterschiedliche Perspektiven auf die behandelten Themen zulässt und den eigenen Horizont ständig erweitert. Die größte Herausforderung sieht Daniela in der gruppeninternen Koordination, die auch Sozialkompetenzen erfordert, wenn bspw. Konflikte auftauchen. Die nötigen Fertigkeiten hierzu eignete sie sich im Laufe ihres Tuns an und erweitert sie stetig.

Rückblickend will sie ihre Studienzeit nicht missen, da sie durch ihre Erfahrungen an der Universität die Chance hatte, sich mit vielen unterschiedlichen Themen tiefergehend auseinanderzusetzen, einen kritischen Geist zu entwickeln und die Welt auf eine andere Weise wahrzunehmen. Ferner konnte sie praktische Fähigkeiten aus ihrem Studium für ihren Beruf mitnehmen. Zu recherchieren, Interviews durchzuführen und Themen für ein Publikum aufzubereiten sind schließlich Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens. „Sicher ist es ein Unterschied, ob ich einen wissenschaftlichen Text schreibe oder einen journalistischen. Jedoch haben mir das themenbezogene Arbeiten und die Kompetenzen, die ich mir dabei angeeignet habe, beim Radiomachen sehr viel weitergeholfen,“ erklärt Daniela.

Ihre geisteswissenschaftliche Bildung empfindet sie rückblickend als sehr bereichernd für ihren Beruf. Trotzdem hatte sie immer die Befürchtung, dass man damit in der Berufswelt nicht viel anfangen kann: „Ich dachte immer, ich brauche zusätzlich eine praktische Ausbildung. Heute weiß ich, ich habe mir in der Studienzeit sehr viele Kompetenzen und Wissen in meinen Tätigkeiten als Referentin an der ÖH und als Radiomacherin selbst erarbeitet und so auch einen tollen Job gefunden“.

Text: Christina Lessiak / KUG

Nachlese: Wirtschaftsgeist Workshop am 25. Mai 2018 – RE:INNOVATE your business. Wie gelingt die generationsbedingte Unternehmensnachfolge.

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Am 25. Mai ging der fünfte Wirtschaftsgeist Workshop über die Bühne, diesmal mit zwei Traditionsunternehmen aus Graz-Umgebung. Gemeinsam mit der Jungen Wirtschaft als Kooperationspartner wurde das gesellschaftlich hochaktuelle Thema der generationsbedingten Unternehmensnachfolge als Themenschwerpunkt gewählt und engagiert in den interdisziplinären Arbeitsgruppen diskutiert.

Studierende aus unterschiedlichsten Fachrichtungen stellten sich den Challenges der Unternehmen: Global Studies, Germanistik, Musikwissenschaft, Geschichte, Soziologie, Alte Geschichte und Altertumskunde.

Andrea und Liesa Feichtinger, selbständige VersicherungsmaklerInnen traten, mit folgenden Fragestellungen an die Studierenden heran: Wie schaffen wir es, junge Erwachsene für das Thema Versicherungen zu sensibilisieren? Wie können wir unsere Situation, die Nachfolge, bestmöglich für unseren Auftritt nutzen? Unabhängige Versicherungsmakler und Social Media?

Der Geschäftsführer des Unternehmens Buchhauser Containerdienst konfrontierte die Studierenden mit einer Challenge zum Thema Bewusstsein und Akzeptanz für Strukturänderungen in Familienbetrieben. Unter diesem Aspekt wurden die Themen „Work-Life-Balance“, neue Kommunikationsformen sowie Motivatoren und Maßnahmen zur Identifikation mit dem Unternehmen diskutiert.

In den beiden Gruppen wurde eifrig an Lösungsansätzen gearbeitet. Von den Ergebnissen des Workshops waren die UnternehmerInnen sehr angetan und versprachen diese gleich im unternehmerischen Alltag umzusetzen.

Moderator und Innovationscoach Johannes Frühmann unterstützte die Teams während der Ideenfindungsprozesse mit den Methoden des „Design Thinking“.

Fotocredit: Andreas Wenzel / KUG

Statements

Vielen Dank für die einmalige Gelegenheit unsere Herausforderungen und Fragen rund um die Unternehmensübergabe in so einer interessierten und interdisziplinären Runde besprechen zu dürfen. Für uns war es besonders spannend die unterschiedlichen Zugänge der Studierenden zum Thema Versicherungen zu erfahren und ihre Ansätze zum Schwerpunkt Awareness zu diskutieren. Es ist schön zu sehen, dass auch noch so „alte“ Branchen aus unterschiedlichen Perspektiven und mit Ideenreichtum neu gedacht werden können und jeder Einzelne wertvollen Input zur Bearbeitung der Fragestellungen beitragen konnte.“ Liesa & Andrea Feichtinger, EFM Versicherungsmakler

Es war voll interessant verschiedene Blickwinkel zu bekommen. Ich finde dieses Format super, da man sonst sehr selten die Gelegenheit bekommt mit Studenten, die komplett andere Richtungen studieren, zusammenzuarbeiten. Kurz und bündig: Toll organisiert, toll moderiert, toll gespeist und toll genetzwerkt. Mitnahme für mich: Werde in meinem Unternehmen auf jedem Fall versuchen eine „Besprechungskultur“ einzuführen, in der alle Mitarbeiter aktiv mit Vorschlägen mitarbeiten können. Ich hoffe, dass es mir gelingen wird. Hannes Buchhauser, Buchhauser GmbH Containerdienst

“Sehr spannend und produktiv. DankeschönStudierenden-Feedback

“Der Wirtschaftsgeist-Workshop ist ein tolles Format. Besonders die Offenheit der UnternehmerInnen fand ich sehr inspirierend. Ich habe wertvolle und interessante Einblick in das Leben als UnternehmerIn erhalten. Auch die Zusammenstellung der Gruppen, insbesondere die Arbeit in Kleingruppen, hat zur Lösungsfindung beigetragen” Studierenden-Feedback

“Obwohl der Themenschwerpunkt mich persönlich auf den ersten Blick nicht angesprochen hat, war die Umsetzung sehr gut und die Kommunikation und Kreativität innerhalb der Gruppe war sehr angenehm.“ Studierenden-Feedback

„Eine interessante Erfahrung. Hilft für die Vernetzung in der Zukunft“ Studierenden Feedback

„Sehr interessante Denkanstöße und Einblicke in Unternehmensfelder, die außerhalb des eigenen Radars waren.“ Studierenden-Feedback

„Super, sehr interaktiv, anregend, lehrreich…“ Studierenden-Feeback

Das WIRTSCHAFTSGEIST-Team bedankt sich sehr herzlich bei den Studierenden und den Unternehmen für die Teilnahme am Workshop. Ebenso bedanken möchten wir uns bei den zahlreichen KooperationspartnerInnen, die uns auch diesmal bei der Ankündigung und der Organisation des Workshops unterstützt haben, u.a.: alumnni UNI graz, Career Center der Uni Graz, DocService der Uni Graz, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Uni Graz, Fakultätsvertretung Geisteswissenschaften der ÖH Uni Graz, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Uni Graz, Studienvertretung Musikologie der ÖH Uni Graz und der KUG, studo.co, Circle of Excellence

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 17

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Barbara Perl-Ortiz konnte bereits in ihrer Schulzeit wertvolle Auslandserfahrungen sammeln, denn sie verbrachte ein Schuljahr in General Pico, in Argentinien. Zurück in Österreich war ihr klar, dass sie nach der Matura etwas mit Spanisch studieren wollte und begann zunächst im Herbst 2008 mit dem Studium der Transkulturellen Kommunikation, mit den Sprachen Englisch und Spanisch. Nach einem Jahr wurde ihr aber bewusst, dass sie das geforderte Niveau der Zweitsprache Englisch nicht halten konnte und brach ab. „Meine ganze Zeit verbrachte ich mit Englisch-Lernen, für Spanisch blieb da leider wenig Zeit“, erinnert sich Barbara, „ohne praktische Erfahrungen in einem englischsprachigen Land war es einfach nicht möglich, am Institut zu bestehen. Für das Lehramt hätte mir ein zweites Fach gefehlt, aber ich wollte ohnehin nicht Lehrerin werden. Also blieb nur der Weg auf die Romanistik. Dort bestand zudem die Möglichkeit, Portugiesisch zu studieren, was mir sehr gefiel. Ich dachte sogar daran, später das Studium der Transkulturellen Kommunikation in Wien wieder aufzunehmen, denn dort wird es mit den Fächern Spanisch/Portugiesisch angeboten“, erzählt Barbara.

Barbara Perl-Ortiz
Barbara Perl-Ortiz

Ihr privates Umfeld ermutigte sie zum Studium der Transkulturellen Kommunikation, denn die Begriffe „Dolmetschen“ und „Übersetzen“ sind allseits bekannt, auch war der Weg nach dem Abschluss klar vorgezeichnet. Schwieriger war es da bei der Romanistik. „Als ich zur Romanistik wechselte, bekam ich nicht mehr durchwegs positive Resonanz. Viele können sich darunter einfach nichts vorstellen, bzw. wissen nicht, was man damit später machen kann. Aber ich dachte mir, wenn es ein Studium gibt, muss es doch auch verwertbar sein“, meint Barbara. Das Studium war ihrer Meinung nach grundsätzlich sehr gut aufgebaut, die Sprachkurse sehr fordernd und die Lehrenden sehr qualifiziert. Der Fokus lag aber klar auf dem Spracherwerb. Barbara fände es hilfreich, wenn bereits während des Studiums berufliche Chancen aufgezeigt würden. „Viele studieren Romanistik auf Lehramt – für diejenigen, die das nicht möchten, gibt es nicht wirklich eine berufliche Perspektive, außer an der Uni zu bleiben. Deswegen war es für mich auch uninteressant, einen Master anzuhängen. Vielleicht könnte man Praktika ins Studium einbauen oder es mit Lateinamerika-Studien und internationalen Beziehungen vernetzen. Auch das Feld der Erwachsenenbildung könnte stärker eingebunden werden, gerade für diejenigen, die kein Lehramtsstudium absolvieren“, denkt Barbara.

Doch es kam alles anders. Nach Abschluss ihres Bachelorstudiums der Romanistik im Jahr 2012 beschloss sie, noch einmal ein Jahr in Argentinien, in Buenos Aires, zu verbringen – zum einen, um ihre Sprachkenntnisse zu festigen, zum anderen, um dort ihrer zweiten Leidenschaft, der Backkunst nachzugehen. Sie meldete sich dort an der renommierten Gastronomieschule IAG, dem Instituto Argentino de Gastronomía an, um sich zur pastelera profesional, sprich zur Konditorin ausbilden zu lassen. „Die Schule hat einen guten Ruf, viele erhalten nach Abschluss gleich eine Stelle. Obwohl es dort sehr international zuging, war ich in meinem Jahrgang die einzige Österreicherin, was etwa zu Diskussionen um den ‚authentischen‘ Apfelstrudel führte“, schmunzelt Barbara. Die Zeit an der Gastronomieschule war für sie äußerst wertvoll, sie lernte viel – und nebenbei perfektionierte sie ihre Sprachkenntnisse. Trotzdem wurde die Ausbildung aufgrund fehlender Praxis in Österreich nicht anerkannt. Es gab zwar die Möglichkeit in Argentinien Praktika zu absolvieren, doch aufgrund ihres Einreisestatus als Studentin war ihr dies nicht möglich. Deswegen entschloss sie sich kurzerhand, die fehlende Praxis nachzuholen. Sie bewarb sich um eine Lehrstelle bei der Schokoladenmanufaktur Zotter und wurde aufgenommen. „Für mich wie auch für mein Umfeld war es anfangs recht ungewohnt, dass ich als Akademikerin nun eine Lehre absolviere. Ich erinnere mich, dass bereits in meiner Schulzeit eine Lehrende zu uns sagte, dass man nicht maturieren solle, wenn man ohnehin ‚nur‘ vorhabe, eine Lehre zu absolvieren. Diese Geringschätzung macht mich traurig“, so Barbara.

Vier Jahre lang arbeitete sie bei der Schokoladenmanufaktur und darf sich seit Abschluss der Lehre als Bonbon- und Konfektmacherin bezeichnen. Doch damit nicht genug – im heurigen Jahr legte sie zusätzlich die Meisterprüfung am WIFI in Graz ab und wird in Kürze ihre eigene Café-Konditorei eröffnen. Obwohl Barbaras Weg sie letztendlich woanders hingeführt hatte als anfangs gedacht, war das Romanistik-Studium keineswegs umsonst. „Durch mein Studium und meine Auslandserfahrung habe ich gelernt, über den Tellerrand zu schauen. Ich kann mich gut selbst organisieren und mich weiterbilden. Dazu kommt noch ein enormes sprachliches Wissen. Ich habe täglich mit Fremdsprachen zu tun, denn die Inspiration für meine Kreationen hole ich mir aus englisch-, französisch- und spanischsprachigen Backbüchern.“

Barbara hat ihren Weg also gefunden, auch mit Unterstützung aus ihrem privaten Umfeld. Rückblickend gesehen hätte sie sich aber mehr Beratung und Information hinsichtlich der vielen Möglichkeiten nach der Matura gewünscht: „Meiner Meinung nach würden verpflichtende Praktikumswochen in verschiedenen Betrieben und Unternehmen sicherlich zielführend sein. Oft ist zudem der gesellschaftliche Druck hoch und man wird in eine bestimmte Richtung gedrängt. Wichtig ist es, sich für etwas zu entscheiden, was man gerne macht, egal ob an der Uni oder anderswo, dann wird es auch klappen“, meint Barbara.

Text: Birgit Nikzat / KUG

Erste Ehrenamtsmesse der Universität Graz – 30 Aussteller in 3 Stunden

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Am 13. Juni 2018 öffnet das Grazer Meerscheinschlössl Tür und Tor für die erste Ehrenamtsmesse der Universität Graz. Studierende, AbsolventInnen sowie alle Interessierten können von 17 bis 20 Uhr mit einer Vielzahl an Einrichtungen persönliche Kontakte knüpfen und somit ein Ticket für ihr zukünftiges Engagement lösen.

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„Es ergibt sich auf dem Weg“ – Interview mit Johannes Frühmann – Innovationscoach, Unternehmensberater, Leiter des Wirtschaftsgeist-Workshops

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Mit dem Wirtschaftsgeist-Workshop und -Blog versucht das WTZ-Süd Barrieren zwischen Wirtschaft und Geistes-, Sozial- und KulturwissenschafterInnen sowie Kunstschaffenden abzubauen, deren Interesse an wirtschaftlichen Themen zu wecken und Karriereperspektiven aufzuzeigen. Mag. Johannes Frühmann war von Beginn an bei der Konzeptionierung des Wirtschaftsgeist-Workshops dabei, gibt Einblicke in die Entstehung und lässt die letzten vier Workshops im Interview Revue passieren. Zudem möchte er unsere BlogleserInnen am Beispiel des Buches „Business Model You“ ermutigen sich ihrer Talente und Fähigkeiten bewusst zu werden, diese auch selbstbewusst darzustellen und den Nutzen für andere herauszustreichen.

Johannes Frühmann studierte Umweltsystemwissenschaften und Geographie mit den Schwerpunkten Systemtheorie, Regionalentwicklung und Nachhaltigkeit und unterzog sich einer Zusatzausbildung als Trainer und Coach. Im Mai 2007 nahm er am Sustainable Europe Research Institute (SERI) in Wien eine Stelle als Researcher an. Er arbeitete in zahlreichen internationalen Projekten mit den Schwerpunkten Lebensqualität, gesellschaftlicher Wandel und Kommunikation von Nachhaltigkeit. Seit 2010 ist Johannes Frühmann selbständiger Unternehmer und Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt auf Entwicklung innovativer Unternehmensideen. Seit 2017 ist er auch Gesellschafter der Werbeagentur Cloudthinkn.

Johannes Frühmann
Johannes Frühmann

Johannes, du hast bisher alle vier Wirtschaftsgeist-Workshops inhaltlich begleitet und moderiert. Wie fällt dein Zwischenfazit aus?

Ich bin über meine Tätigkeit als Mentor bei der Initiative Gründungsgarage für die Moderation des Workshops vorgeschlagen worden und habe dann auch die Konzipierung des Workshops unterstützt. Die Grundintention des Workshops war, Studierenden der GSK/EEK[1] ein Setting zu bieten, wo sie sich im Austausch mit UnternehmerInnen selbst erfahren können und wo sie, in der Auseinandersetzung mit Fragestellungen des Unternehmens, für sich eine positive Erfahrung mitnehmen können. Die Studierenden sollen in diesem Workshop erkennen, dass sie mit ihren Fähigkeiten einen wertvollen Beitrag leisten können. Das Erleben in einem solchen Entwicklungsprozess soll für sie als Anregung dienen, ihr Berufsbild weiter anzulegen und über ihren studienspezifischen Tellerrand hinauszublicken.

Für mich persönlich misst sich der Erfolg dieses Workshopkonzepts vorwiegend darin, ob die Studierenden etwas Überraschendes an sich selbst entdecken. D.h., dass sie die Erfahrung mitnehmen, zu den im Workshop aufgeworfenen spezifischen Fragestellungen etwas Substantielles beigetragen zu haben.

Hattest du am Anfang deine Zweifel, ob dieses Workshopkonzept, GSK/EEK und Wirtschaft zusammenzuführen, funktionieren könnte?

Natürlich war es auch ein Wagnis. Am Anfang war es ungewiss, ob das Konzept aufgeht. In den Workshops hatten wir zum Großteil technikorientierte Start-ups dabei. Diese waren besonders erfreut, ihr Produkt einmal mit Personen zu diskutieren, denen technische Begriffe weniger geläufig sind. So wurden UnternehmerInnen durch die Unvoreingenommenheit der Studierenden dazu gebracht, sich mit ihrem Produkt kritisch auseinanderzusetzen. Zudem bestand für die UnternehmerInnen die Herausforderung darin, sich über die Bedürfnisse der potentiellen KundInnen ein klareres Bild zu machen und vor allem in Hinblick auf die Kommunikationsstrategie den Nutzen des Produkts aus der Perspektive der KundInnen zu artikulieren.

Wo liegen deiner Meinung nach die Stärken von GSK/EEK Studierenden und AbsolventInnen als MitarbeiterInnen in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen?

Generell gesprochen, Studien, die sich mehrheitlich mit Sprache beschäftigen und auseinandersetzen, ganz egal ob das jetzt Germanistik, Philosophie oder eine andere Studienrichtung im Bereich GSK/EEK ist, prädestiniert die Studierenden für jedes Kommunikationsthema. Kommunikation ist etwas das in unserer Gesellschaft wesentlich ist und das man auch in viel mehr Berufen benötigt, als man gemeinhin glaubt.

Nehmen wir die E-Mail Korrespondenz als Beispiel: da fällt viel weg was Kommunikation ausmacht. Ich habe keine Körpersprache, keine Tonalität, da passieren oft Missverständnisse. Deshalb ist es wichtig einen bewussten Umgang mit Sprache zu haben. Das ist ein Stärkefeld von GeisteswissenschaftlerInnen. Zudem sehe ich die Fähigkeit zur Selbstorganisation. Gerade diese Studien bieten heute noch die Möglichkeit durch mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung, das eigene Studium zu gestalten.

Machen wir einen Blick in die Zukunft: Was wird an Berufen in 20-30 Jahren übrigbleiben? Fähigkeiten wie: Kreativität, Umgang mit komplexen gesellschaftlich relevanten Fragestellungen, vorhandenes Wissen mit neuen Erfahrungen verknüpfen können. Das sind geistige Fähigkeiten, die relativ spät von einer Software übernommen werden können. Ich persönlich glaube, dass es der Wirtschaft guttun würde, wenn selbstbewusste GeisteswissenschaftlerInnen immer öfter im Wirtschaftsleben Fuß fassen.

Da fällt mir ein Beispiel ein: Ich habe im Jahr 2012 im Rahmen eines Dokumentationsfilms den brasilianischen Unternehmer Ricardo Semler getroffen, der im Bereich der Demokratisierung von Unternehmen einen radikalen und erfolgreichen Weg gegangen ist. Nachdem er den Industriebetrieb in den 80er Jahren von seinem Vater übernommen hat, hat er als ersten Schritt die klassischen Manager entlassen, da er der Überzeugung war, dass sich die Unternehmenskultur nie verändern lassen würde, wenn der alte autokratische Führungsstil beibehalten wird. Stattdessen reorganisierte er das Unternehmen in kleine, eigenverantwortliche Arbeitsgruppen, die ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen konnten und die zukünftigen Führungskräfte selbst wählten und bewerteten. Die neuen Führungskräfte rekrutierte er aus PädagogInnen und PhilosophInnen. Die Organisationsprinzipien für den Erfolg lauten: Mitbestimmung, Eigenverantwortung, Gewinnbeteiligung und Transparenz. Was hat das mit den GSK/EEK zu tun? Ganz einfach, eigenverantwortliches Handeln, Reflexionsfähigkeit und partizipatives verantwortliches Handeln werden eher in diesen Fächern gefördert als in den klassischen Ausbildungsstätten von Führungskräften. Ricardo Semler ist hier ein erfolgreicher Pionier in der Unternehmensführung.

Der Wirtschaftsgeist-Workshop kann ein kleiner Baustein sein, den Studierenden der GSK/EEK zu ermöglichen zu erkennen, dass sie auch mit ihrem Wissen in einem Unternehmen einen wertvollen Beitrag leisten können und es bspw. total spannend sein kann sich über den Wert bzw. Nutzen eines Produktes für eine Zielgruppe Gedanken zu machen.

Was kannst du GSK/EEK Studierenden und AbsolventInnen für Ihre Karriereplanung mit auf den Weg geben? Wie kann das Instrument „Business Model You“ dabei helfen?

Es geht darum Brücken zu bauen zwischen dem Denken von GSK/EEK-Studierenden / AbsolventInnen und dem Wirtschaftsdenken. Da könnte das Konzept Business Model You ein guter Ansatz sein. Dieses Modell versucht unternehmerisches Denken für den Einzelnen nutzbar zu machen und ist damit auch eine Denkhilfe für jemanden der nicht in wirtschaftlichen Kategorien denkt. Es hilft strukturierter über die Fragen nachzudenken: Was kann ich und wer kann das brauchen?

Ich muss gleich vorwegschicken! Ich bin ja prinzipiell ein kritischer Geist, weil ich merke, dass die zugrundeliegenden Prinzipien des Wirtschaftsdenkens in immer mehr Lebensbereiche Einzug halten. Wenn man heutzutage Joggen geht, teilt man mit einer App die Ergebnisse, um zu zeigen: „Schaut her, ich tue was, ich bin performance-orientiert“. Dem allen liegt ja der Fortschritts- und Wirtschaftswachstumsgedanke zugrunde. Wenn man mit diesem Buch arbeitet, sollte man jedenfalls im Blick behalten, dass es auch ein Leben ohne die Kategorisierung von Kosten/Nutzen gibt.

Das Buch wird vor allem im Karrierecoaching eingesetzt. Das Modell basiert auf Business Model Generation mit dem ich im unternehmerischen Kontext sehr viel arbeite. Die Variation ist im Wesentlichen von der Idee geleitet: Wie kann ich für ein Unternehmen den zentralen Wert definieren? Für wen und wie erzielt es diesen Wert? Was muss das Unternehmen tun, damit es diesen Wert generieren kann. Was bekommt das Unternehmen zurück und was kostet es diesen Wert zu erzeugen? Diese Fragen kann man auch auf den einzelnen Menschen herunterbrechen. Im Sinne von: jeder Mensch hat gewisse Fähigkeiten, Stärken, Vorlieben, Dinge die er/sie kann. Manche Dinge haben unmittelbar etwas mit seiner/ihrer Ausbildung zu tun. Viele aber auch nicht. Bestes Beispiel dafür ist ein Wirtschaftsgeist-Workshop-Teilnehmer, der im Grunde im Workshop ein Wissen eingebracht hat, das gar nichts mit seinem Studium zu tun hatte. Er hat im Laufe seines Lehramtstudiums eine Leidenschaft für das Thema Film entwickelt und konnte im Workshop bei der Konzeptionierung eines Imagevideos sein Wissen einbringen.

Und das gibt es ja in unterschiedlichen Graden bei Vielen. Ich fühle mich da auch angesprochen, weil ich Geographie und Umweltsystemwissenschaften studiert habe. Abgesehen vom systemischen Denken, das ich mir durch mein Studium angeeignet habe, hat meine heutige berufliche Tätigkeit wenig bis gar nichts mit meinem Studium zu tun. Für mich sind viele Dinge, die ich mir neben dem Studium und nach dem Studium angeeignet habe, für meine berufliche Laufbahn viel wichtiger geworden.

Aus dieser Erfahrung heraus, finde ich, dass es wichtig ist, zu erkennen, wo kann ich aus verschiedensten Bereichen meines Lebens Fähigkeiten identifizieren, die für jemand anderen einen Nutzen haben könnten.

Eventuell komme ich während des Studiums drauf, ich bin ein Organisationstalent. Irgendwie gelingt es mir, viel besser als anderen, die Dinge gut zu organisieren und bei Gruppenarbeiten bin ich der, der das Projekt zusammenhält. Dann kann das ja eine enorm hilfreiche Erkenntnis sein.

Das Buch Business Model You ermöglicht mir meine Fähigkeiten einmal aus der Vogelperspektive anzuschauen. Es leitet mich an meine verschiedenen Stärkefelder in mir zu finden. Meine Fähigkeiten mit einem bestimmten Nutzen für andere zu kombinieren. Es bietet einen praktischen Realitycheck. Ich halte nichts von Ansätzen wie: Folge deiner Leidenschaft und du wirst erfolgreich sein. Leidenschaft ist eine notwendige Bedingung, aber keine hinreichende. Die beste Idee, das beste Produkt bringt nichts, wenn es niemanden gibt, der den Wert erkennt und sagt, dafür zahle ich was. Das Nachdenken darüber, was will ich, was kann ich, wo bin ich gut? Wer könnte da eine interessante Zielgruppe sein?

Kannst du uns ein Beispiel nennen, wo du persönliche Leidenschaft/Sinnerfüllung und wirtschaftlichen Erfolg im Einklang siehst?

Ja, gerne. Bspw. bei der Beratung von Start-up-Unternehmen kristallisieren sich immer zwei Herangehensweisen heraus, aber nur eine verspricht wirklich Erfolg. Zum einen Ideen, die aus einer persönlichen Begeisterung geboren werden, aber die Zielgruppen/KundInnen nicht eindeutig erkennbar sind und zum anderen Ideen aus dem Erkennen eines Problemfeldes einer bestimmten KundInnengruppe. Letztere haben eine größere Chance wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Ich präsentiere in meinen Workshops gerne ein Beispiel aus dem Social Entrepreneurship. Gabriele Schwarz, mit ihrem Unternehmen Bonergie, die ursprünglich aus dem Marketingbereich kommt, hat auf einer Urlaubsreise im Senegal die Armut der Menschen dort hautnah miterlebt. Zurück aus dem Urlaub hat sie das nicht mehr losgelassen und überlegte, was sie tun könnte.

Die erste Erkenntnis aus diesem Beispiel war folgende: Frau Schwarz hat sich nicht in Deutschland hingesetzt und gefragt, was kann sie in Deutschland für die Menschen im Senegal machen, sondern sie ist auf eine Fact-Finding-Mission gefahren und hat einfach den nächsten Urlaub nochmals im Senegal verbracht, um das Land zu bereisen, nicht als Touristin, sondern jetzt genauer hinzuschauen, wie geht es denen, die in Armut leben, was benötigen sie.

Sie erkannte, dass es einen großen Unterschied ausmacht, ob Dörfer an die Stromversorgung angeschlossen sind oder nicht. Daraufhin hat sie ein Konzept entwickelt um kleine Fotovoltaikanlagen in einem Mikrofinanzierungsmodell zu vertreiben. Das Modell sieht vor, dass die Anlagen innerhalb von zwei Jahren abbezahlt werden können, aber eine Haltbarkeit von 20 Jahren haben. Durch Zugang zu Strom gibt es nun Entwicklungsmöglichkeiten für die einzelnen Regionen.

Ich erzähle dieses Beispiel gerne, weil das für potentielle GründerInnen oft ein Aha-Erlebnis ist. Frau Schwarz hat sich eben nicht gedacht, Fotovoltaik ist so etwas Cooles und ich möchte damit was machen. Wenn sie darauf gekommen wäre, dass ein anderes Produkt den Menschen im Senegal mehr geholfen hätte, dann hätte sie gelernt, wie man das andere Produkt herstellt bzw. vertreibt. Frau Schwarz hatte selbst keine Ahnung davon, wie man Fotovoltaikanlagen herstellt, noch hatte sie einen technischen Background. Sie hat das Problem bzw. den KundInnennutzen erkannt und sich ein Team zusammengestellt, das die Umsetzung realisieren konnte. Sie wusste was nötig war, damit extrem vielen Leuten geholfen werden konnte und gleichzeitig hat sie auch ein solides wirtschaftliches Unternehmen aufgebaut.

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch!

[1] *GSK/EEK (Geistes- Sozial- und Kulturwissenschaften / Erschließung und Entwicklung der Künste)