Geisteswissenschaften

Anmelden zum Wirtschaftsgeist Workshop!

Gepostet am Aktualisiert am

Aufgrund des großen Erfolgs der ersten beiden Wirtschaftsgeist-Workshops lädt das WTZ Süd bereits am 12. Mai 2017 zur dritten Ausgabe! JETZT ANMELDEN!

WIRTSCHAFTSGEIST_web_

Zielgruppe:
Studierende der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und der Künste an der Karl-Franzens-Universität Graz, der Alpen-Adria Universität Klagenfurt und an der Kunstuniversität Graz.
Start-ups aus unterschiedlichen Bereichen

WAS?
Der WIRTSCHAFTSGEIST Workshop bringt Studierende der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und der Künste mit Start-ups aus Graz zusammen. Studierende, die Interesse an einer wirtschaftlichen Berufsperspektive haben, treffen auf junge UnternehmerInnen, um einander kennenzulernen und gemeinsam an einer Challenge zu arbeiten.

WOFÜR?
Es entsteht eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Die Studierenden erhalten einen Einblick in die Wirtschaftswelt, während die Start-ups die vielseitige Expertise von Studierenden im geisteswissenschaftlichen Bereich kennenlernen und von deren kreativen Problemlösungsansätzen profitieren.

WIE?
Für jedes teilnehmende Start-up wird ein interdisziplinäres Studierenden-Team gebildet. Gemeinsam mit dem Start-up arbeitet jedes Team an einer Challenge aus der Praxis. Dabei werden Lösungsansätze aus unterschiedlichen Disziplinen kombiniert. Ein Kreativcoach gibt dabei wertvolle Impulse und vermittelt nützliche Kreativitätstechniken, um die einzelnen Workshop-Projekte zu optimieren.

WANN & WO?
Freitag, 12. Mai 2017, 11.00 Uhr bis 16.00 Uhr
Ort: Performancesaal der Kunstuniversität Graz, Reiterkaserne EG, Leonhardstraße 82-84, 8010 Graz
Weitere Informationen und Anmeldung: wirtschaftsgeist@uni-graz.at
Anmeldefrist für Studierende und Start-ups: 28.04.2017

Karrierewege von GeisteswissenschafterInnen – Vol. 8

Gepostet am

Offen und kreativ

Manuela Grundner hatte zunächst die Lehre als Restaurantfachfrau absolviert und im zweiten Bildungsweg die Matura nachgeholt – eigentlich mit dem Wunsch danach ein FH-Studium im Bereich Tourismus anzuhängen. Doch es kam anders. Nachdem Manuela sich erfolglos bei der IMC Fachhochschule Krems und bei der Fachhochschule Kufstein Tirol beworben hatte, inskribierte sie sich für das Kunstgeschichtestudium in Graz mit dem Gedanken, es in einem Jahr nochmals bei der FH zu versuchen. Da ihr das Studium in Graz nach einem Jahr aber immer noch sehr gut gefiel, verwarf sie die Idee sich nochmals bei der FH zu bewerben. Sie schloss ihr Studium in relativ kurzer Zeit ab, arbeitete nebenbei bei Festivals, beim Universalmuseum Joanneum und auch eine Zeit lang in Venedig auf der Architekturbiennale. „Also der Klassiker – das, was alle Kunstgeschichte-Studierende machen“ schmunzelt Manuela.
Mit der Zeit wurde Manuela jedoch klar, dass ihr das Vermitteln von Inhalten und die Arbeit im Personalbereich viel Freude bereitet. Bereits während des Studiums arbeitete sie an der ÖH und konnte dort ihre Kompetenzen ausbauen. Nach dem Kunstgeschichtestudium absolvierte sie ein Praktikum an der Meduni Graz und schloss parallel dazu eine Ausbildung im PR-Bereich ab. „Ich habe rückblickend gesehen relativ viele Ausbildungen gemacht“, erzählt Manuela, „ich bin eingetragene Mediatorin, habe die Ausbildung zum systemischen Coach gemacht, bin HR-Managerin, habe ein Zertifikat für soziale Kompetenzen erworben und vor zwei Jahren das Masterstudium Mediation und Konfliktmanagement an der Uni for Life abgeschlossen. Schließlich kam der Wunsch mich selbständig zu machen und ich dachte mir, ich mache einmal beides parallel. Während ich Bewerbungen schrieb, besuchte ich einen WIFI-Kurs für Selbständigkeit. Ich wusste noch nicht genau, was ich machen wollte, aber die Richtung war klar: Coaching, Beratung und Teamentwicklung.“ Als dann das erste Jobangebot da war, lehnte Manuela ab, weil inzwischen der Wunsch nach Selbständigkeit größer geworden war. Also begann sie das einjährige, vom AMS angebotene Unternehmensgründungsprogramm.

Manuela Grundner
Manuela Grundner

Im April 2012 gründete Manuela ihr eigenes Unternehmen und konzentrierte sich zunächst auf Karriereberatung und Coaching. „Die ersten Jahre waren zäh“, erinnert sie sich, „es ging zwar immer vorwärts, aber nur sehr langsam. Es war ein Prozess, ich wusste nicht von Anfang an was ich genau machen möchte, das hat sich eigentlich erst in den letzten zwei Jahren herauskristallisiert. Die Karriereberatung ist dann weggefallen, dafür bin ich jetzt in der Teamentwicklung unglaublich aktiv. Im Mai 2012 habe ich geheiratet. Mein Mann ist Softwareentwickler und war bereits vor mir selbständig. Vor zwei Jahren haben wir dann entschieden, unsere beiden Unternehmen zusammenzulegen und murbit Gmbh zu gründen. Unser Fokus liegt nun bei der Teamentwicklung, Lehrlingsentwicklung sowie bei der App- und Softwareentwicklung. Seitdem läuft es richtig gut. Wir haben zwei Mitarbeiter und fixe Projektpartner.“ Die Akquise der Kunden läuft zu 95% am Telefon und die Unternehmen reagieren großteils sehr positiv auf das Angebot von murbit. Für die Zusammenarbeit mit Kastner & Öhler im Bereich der Lehrlingsentwicklung wurde murbit auch extern gewürdigt. Das Unternehmen erhielt den österreichischen Beratungs- und IT-Preis Constantinus Award für seine herausragenden Leistungen. Auch mit der Karl-Franzens-Universität Graz arbeitete murbit im Bereich der Lehrlingsentwicklung zusammen.

Daneben widmet sich Manuela noch einem zweiten Bereich, der ihr persönlich am Herzen liegt: „Mein zweites Steckenpferd ist die Organisation der Konferenz ‚Freiräume‘, eine Konferenz für neue Arbeits- und Organisationsformen. Wir haben sie heuer das erste Mal in Graz veranstaltet und werden sie ein zweites Mal dieses Jahr im Mai in der Seifenfabrik abhalten. Wir möchten uns neue Modelle anschauen; wie sich Arbeit und Zusammenarbeit verändert und Möglichkeiten ausloten, um mehr Selbstorganisation in Unternehmen zu bringen. Dabei haben wir uns Pioniere gesucht, wie etwa DM oder Tele Haase. Gerade letztere brechen mit den klassischen Rollenbildern und sind ein Vorbild in Sachen Selbstorganisation. Das heißt, wir suchen uns Menschen, die das bereits umsetzen, interviewen sie und entwickeln daraus Parameter die uns zeigen sollen, was neues Arbeiten braucht. Die erste Konferenz war sehr erfolgreich, wir hatten 110 Teilnehmer.“ Manuela hatte während ihres Studiums ein begleitendes Wahlfach im Bereich Kulturmanagement absolviert und konnte dieses Wissen nun gut in ihre Konferenz einfließen lassen. Manuelas Talente und Interessen scheinen weit verstreut zu sein, im weiteren Gesprächsverlauf erzählt sie, dass sie während ihres Studiums noch zusätzlich ein paar Fächer in BWL belegt hatte und ihr die Buchhaltung Spaß macht. Richtig geholfen hat es ihr bei ihrem Weg in die Selbständigkeit nicht, dennoch sei es gut zu wissen, wie man mit Rechnungen umgeht oder etwa eine Umsatzsteuer ausrechnet.

„Das wichtigste ist, dass ich mein vielfältiges Wissen anwenden kann“, meint Manuela, „Ich kenne einige, die ein bisschen steckengeblieben sind und sich schwer für andere Branchen öffnen können. Ich erkenne schon auch die Schwierigkeiten mit denen ein Geisteswissenschafter, eine Geisteswissenschafterin, am Arbeitsmarkt kämpfen muss. Gerade wenn man sich im Nicht-GEWI-Bereich bewirbt, muss man sich immer wieder rechtfertigen. Aber ich muss auch zugeben, dass ich das ganze immer ein wenig anders gesehen habe als meine StudienkollegInnen. Oft frage ich mich, ob dieses Bild vom typischen Geisteswissenschafter, Geisteswissenschafterin, uns vielleicht nur von außen übergestülpt wurde. Glauben wir wirklich das, was die anderen von uns denken? Eigentlich sollte es ja eine Kernkompetenz von GEWIS sein über den Tellerrand zu schauen und Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Aber ich muss sagen, ich bin da vielleicht wirklich ein wenig anders, denn ich habe relativ selten zugehört, wenn mir Leute sagen wollten, dass ich etwas nicht tun solle“, schmunzelt Manuela.

Text: Birgit Nikzat

Karrierewege von GeisteswissenschafterInnen Vol. 7

Gepostet am Aktualisiert am

Tanz in die Privatwirtschaft

Klaus Höllbacher wechselte in seiner Karriere nicht nur einmal die Branche. Zunächst schien es so, als würde die Elektrotechnik seine Zukunft bestimmen. Nach der HTL in Salzburg begann Klaus Höllbacher das Studium der Elektrotechnik in Graz – doch nach Abschluss des ersten Studienabschnittes wurde ihm klar, dass seine Leidenschaft woanders liegt. So wechselte er zur Geschichte und Germanistik mit dem Gedanken: „Ich probiere es zwei Semester lang, entweder funktioniert es, oder ich gehe in die Wirtschaft.“ Nach den Übersichtsvorlesungen machte sich schnell die Faszination für diese Fachgebiete breit und als sich auch bei den Prüfungen das Erfolgserlebnis einstellte, beschloss er, die beiden Studien fortzuführen. Im 2. Studienabschnitt hörte Klaus Höllbacher zufällig einen Gastvortrag über Wissenschaftsgeschichte von einem Gastprofessor aus den USA. In diesem Vortrag ging es um die Geschichte der Atomphysik. Da schloss sich für Höllbacher der Kreis: „Ich dachte, das möchte ich auch machen, das passt genau zu meinem technischen Hintergrund. Meine Idee war es, die Entwicklung der Elektrotechnik in Österreich auszuarbeiten und ich habe schließlich darüber auch meine Diplomarbeit geschrieben.“ Er begann bei seinem damaligen Professor für Wissenschaftsgeschichte zuerst als Studienassistent, dann als Universitätsassistent zu arbeiten. „Ich habe aber leider gesehen, dass die Vorstellung meines Professors mit meinen nicht übereinstimmt. Ich war dermaßen mit administrativen Tätigkeiten eingedeckt, dass meine Dissertation auf der Strecke blieb.“ Klaus Höllbacher beendete zwar das Doktorat, beschloss aber nicht an der Universität zu bleiben und schlug einen anderen Weg ein: „Ich habe bereits während meines Studiums viel getanzt und die 3-jährige Tanzlehrerausbildung absolviert. Irgendwann dachte ich mir dann: So, jetzt reicht es! Ich mache mich mit einer eigenen Tanzschule selbständig – also weg von den Geisteswissenschaften, hin zur Privatwirtschaft.“ Der Wechsel an sich fiel ihm nicht schwer, da er bereits zuvor auf selbständiger Basis tätig war. Dennoch ist der Erklärungsbedarf bis heute groß. Oft wird er mit Fragen wie „Haben sie tanzen studiert?“ konfrontiert und muss dann erklären, dass der Doktortitel nicht vom Tanzen kommt. „Generell werde ich nicht gefragt von welcher Studienrichtung der Titel kommt. Die Leute fragen einfach nach dem Herrn Doktor. Jedoch sehe ich darin eher einen Vorteil als einen Nachteil, denn der Titel Doktor‘ heißt für viele, dass diese Person schon mehr können muss.“

Dr. Klaus Höllbacher, Quelle: www.dietanzschule.at
Dr. Klaus Höllbacher

Nachträglich gesehen hätte er sich jedoch als Geisteswissenschafter mehr „Rüstzeug“ für den Start in die Privatwirtschaft gewünscht. Er hatte zwar zusätzlich noch zwei Semester BWL studiert, doch hatte die Theorie wenig mit der Praxis zu tun: „Das war eindeutig zu wenig und nicht das was man braucht, um sich selbständig zu machen. Da würde ich mir wünschen, dass einem während des Studiums zumindest ein paar Grundkenntnisse vermittelt werden. GeisteswissenschafterInnen werden nicht auf die Wirtschaft vorbereitet, weil man gar nicht auf die Idee kommt, dass ein Geisteswissenschafter, eine GeisteswissenschafterIn, mit der Wirtschaft was zu tun hätte. Zu meiner Zeit sah der klassische Karriereweg eines Universitätsprofessors folgendermaßen aus: Volksschule, Gymnasium, Universitätsstudium, Universitätsassistent und schließlich Universitätsprofessor. Das bedeutet, dass dieser Mensch nie in der Wirtschaft gearbeitet hat. Bei den naturwissenschaftlichen Fächern sieht es dagegen anders aus. Oft wird bereits nach Abschluss der höheren technischen Schule gearbeitet, dann ein Technikstudium angehängt, um danach wieder in die Wirtschaft zu gehen. Zu guter Letzt bleiben dann viele als Professoren an der TU. So jemand hat natürlich eine ganz andere Beziehung zur Wirtschaft und auch weniger Probleme, dort für sein Institut investitionsfreudige Partner zu finden. Welcher Geisteswissenschafter, welche Geisteswissenschafterin macht das? Ich denke, dass viele Angst haben in die Wirtschaft zu gehen.“

Dabei wäre diese Angst laut Höllbacher unbegründet. Viele würden ihr Licht unter den Scheffel stellen. Er ist außerdem der Meinung, dass GeisteswissenschafterInnen mehr Know-How besitzen als sie denken. Die Stärke der Geisteswissenschaften sei die Fähigkeit zum vernetzten Denken: „Das Studium bedeutet ja nicht nur ein Sammeln von Wissen – dazu bräuchte ich nicht studieren, nur googlen – sondern das Wissen zu kombinieren, um daraus wieder neue Dinge zu erschaffen. Das ist es, was man als GeisteswissenschafterIn gut lernt und was die Wirtschaft und die Gesellschaft in Zukunft mehr brauchen wird. Da werden eher Berufe wie Rechtsanwalt in Zukunft obsolet sein. Gesetzestexte lassen sich relativ gut in Formeln fassen und diese kann ich somit sehr gut abfragen. Aber vernetztes Denken, das ist Kreativität, das ist viel schwerer von irgendeinem System nachzubauen als Strukturen. Und ehrlich gesagt ist Jus nichts anderes als Struktur. Da dürfen sich die GeisteswissenschafterInnen ruhig den Mut nehmen und sagen: ich kann das.“

Höllbacher räumt auch ein, dass sich die Gesellschaft leider oft nicht darüber bewusst ist, was ein Geisteswissenschafter, eine Geisteswissenschafterin, macht. Dabei werden so wichtige Fragen wie etwa über die Integration oder das Bildungssystem von GeisteswissenschafterInnen beantwortet. Beispielsweise erkennen HistorikerInnen, wie stark sich historische Entwicklungen auch heute noch auswirken. Viele würden das nicht verstehen, weswegen dann Fragen wie: „Warum ist diese Person hier?“ „Warum sind sie anders?“ etc. auftauchen. Viele GeisteswissenschafterInnen können, so Höllbacher, der Gesellschaft Fragen beantworten, die sie vielleicht noch gar nicht hat.

Text: Birgit Nikzat

Das Career Center der Uni Graz im Interview

Gepostet am

Das Career Center der Uni Graz bietet Studierenden ein vielfältiges Serviceangebot zu Beruf, Karriere und Erfolg. Als Schnittstelle zwischen Universität und Wirtschaft steht es den Studierenden der Uni Graz mit einem professionellen Programm, aktuellen Informationen und persönlicher Beratung zur Seite. Der Wirtschaftsgeist hat sich mit Career Center-Leiterin MMag. Sigrid Maxl-Studler über Karriereperspektiven von Geistes-, Sozial und KulturwissenschafterInnen unterhalten und wertvolle Tipps zur Karriereplanung eingeholt.
Sigrid Maxl-Studler absolvierte die Studien der BWL und Wirtschaftspädagogik. Nach Stationen in der Wirtschaft kam sie 2008 zurück an die Universität und ist seither im Career Center der Universität Graz sowie in der Erwachsenenbildung tätig, wo sie neben dem Praxiseinblick ihr erworbenes Wissen aus weiterführenden TrainerInnen- sowie Coaching-Ausbildungen einbringt.

MMag. Sigrid Maxl-Studler, Career Center
MMag. Sigrid Maxl-Studler, Career Center

Frau MMag. Maxl-Studler, möchten Sie das Career Center kurz vorstellen?
Das Career Center ist kostenfreie Anlaufstelle für Studierende und AbsolventInnen der Universität Graz bei allen Fragen rund um das Thema Berufsein-, Um- und Aufstieg. Die Serviceangebote reichen von Beratungen wie z.B. CV-Checks über Trainings und Veranstaltungen, das Mentoringprogramm gemeinsam mit alumni UNI graz bis hin zu einem umfassenden Informationsangebot via Newsletter, Website sowie Job- und Praktikaportal.

Gibt es im Career Center auch ein spezielles Angebot für Studierende aus den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften?
Grundsätzlich sind Veranstaltungen und Beratungen immer für alle Studierende aller Studien offen. Wir bieten aber von Zeit zu Zeit speziell Themen an, die besonders für Studierende der GSK von Interesse sein können. Dazu zählen z.B. „Schreiben in PR-Berufen“ in Kooperation mit dem Schreibzentrum und „CreateYourJob – Berufsfindung und Berufseinstieg für GEWIs“. Es empfiehlt sich dazu regelmäßig auf die Website des Career Centers zu schauen. Nicht zuletzt kann das Mentoringprogramm von großem Interesse sein, bei dem man als Studierende/r eine erfahrene Person an die Seite gestellt bekommt, die noch dazu Absolvent/in der Universität Graz ist.

Welche Art von Anfragen erreichen Sie von Studierenden aus diesen Bereichen?
Da die genannten Studien häufig sehr breit aufgestellt sind, geht es vermehrt auch um Fragen zu möglichen Berufsfeldern bzw. Orientierungsthemen. Aber natürlich auch die Optimierung von Bewerbungsunterlagen oder aber die Vorbereitung auf Auswahlverfahren sind Inhalte häufiger Anfragen.

Welche Karriereperspektiven haben denn Geistes-, Sozial- und KulturwissenschafterInnen Ihrer Einschätzung nach?
AbsolventInnen dieser Studien sind in allen Branchen und über alle Bereiche hinweg vertreten, aber natürlich besonders häufig in kulturellen Einrichtungen bzw. bei öffentlichen ArbeitgeberInnen wie z.B. an Universitäten tätig. Noch wichtiger als in anderen Bereichen sind ein langer Atem und ein gutes Netzwerk. So gilt es z.B. schon früh Volontariate und Praktika zu absolvieren, die leider häufig auch unbezahlt sind, dafür umso wichtiger für den Netzwerkaufbau. Der berühmte „Fuß in der Tür“ ist also gefragt.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Unternehmen gemacht: Besteht Interesse daran, Geistes, Sozial- und KulturwissenschafterInnen einzustellen?
In der steirischen Unternehmenslandschaft sind natürlich technische Unternehmen stark vorzufinden. Und ja, auch diese Unternehmen suchen AbsolventInnen der angeführten Richtungen. Prädestiniert sind Felder wie Marketing und PR, Übersetzungswesen bis hin zu Projektmanagement. Für alle Studien offen ist beispielsweise auch der Handel. Hier gibt es einige Unternehmen, die Traineeprogramme für zukünftige Führungspersonen anbieten – und das für AbsolventInnen aller Studienrichtungen.

Welche Eigenschaften oder Stärken bringen Geistes-, Sozial- und KulturwissenschafterInnen in den wirtschaftlichen Kontext ein?
Da fallen gerne Stichworte wie „Outside-the-box-Denken“, Kreativität, Recherche-Fähigkeiten, das ganze Spektrum der Text- und Sprachkompetenz, aber auch verstärkt interkulturelle Kompetenzen. Wichtig ist aber, die ganz persönlichen, individuellen Stärken zu nennen und nicht allgemeine Floskel anzubieten. Sich selbst gut zu kennen und damit 3 bis 4 Eigenschaften bzw. Stärken gut begründen zu können, kann sowohl bei der Bewerbung als auch beim Gespräch der Schlüssel zum Erfolg sein. Dann kann sich das Gegenüber ein gutes und vor allem authentisches Bild machen.

Worauf sollten Studierende der GSK besonders achten, wenn sie eine Karriere in der Wirtschaft anstreben?
Von Vorteil sind bereits während des Studiums praktische Erfahrungen in der Privatwirtschaft. Zudem sind Zusatzqualifikationen wie z.B. Grundkenntnisse der BWL oder Projektmanagement sehr wertvoll.

Sie haben uns bei der Ankündigung des „Wirtschaftsgeist-Workshops“ umfassend unterstützt. Was halten Sie von diesem Format?

Das Aufeinandertreffen von Start-Ups mit motivierten Studierenden ist einfach für alle Seiten bereichernd. Start-Ups können so von neuen Ideen profitieren, sehen womit sich Studierende beschäftigen und erhalten lösungsorientierte Ansätze. Umgekehrt erfahren die teilnehmenden Studierenden, wie sie ihre Kompetenzen und Kenntnisse einbringen können, welche Fragestellungen in der Praxis auftreten und ob auch das Thema Selbstständigkeit für Sie von Interesse sein kann. Kurz um: ein idealer Ansatz, um eine beidseitige Win-Win-Situation zu schaffen.

Welche Career Center-Veranstaltungen der nächsten Zeit möchten Sie unseren LeserInnen empfehlen?
Wer zu Jahresbeginn auf der Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz ist, der könnte am 17.1. von unseren Podiumsgästen beim „Top.Talk: Praktikum“ viel Wertvolles erfahren oder am 19.1. den Vortrag zum Thema „Sommerjob statt Ferienloch“ besuchen.
Da wir aber das Programm regelmäßig ergänzen und vor allem stets zu Semesterstart das neue Programm online stellen, ist der Blick auf die Website mit Sicherheit ein Gewinn: https://careercenter.uni-graz.at/

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch!

Karrierewege von GeisteswissenschafterInnen – Vol. 6

Gepostet am Aktualisiert am

Ein offener Geist

Alexandra Ritter hat an der Karl-Franzens-Universität Theologie und Italienisch auf Lehramt studiert und begann 1996 am HAK-Maturalehrgang der Skihandelsschule Schladming zu unterrichten. In den darauffolgenden Jahren absolvierte sie zusätzlich die Direktorenausbildung und hatte große Pläne für die Zukunft der Schule: „Ich habe offensichtlich in meinem inneren Wesen diesen Freigeist – oder vielleicht Privatwirtschafterin – in mir. Ich wollte, dass die Skihandelsschule Schladming mindestens genauso bekannt wird wie das Skigymnasium Stams. Leider stieß ich dabei auf Widerstände bei der Lehrerschaft“ erzählt Alexandra. Da sie nicht die Möglichkeit sah ihre Pläne verwirklichen zu können, zog sie kurzerhand die Konsequenzen und verließ die Schule für immer. „Ich habe nicht gewusst, was auf mich zukommt – ich bin gegangen, ohne etwas in der Hand zu haben. Unter der Hand wurde sogar gemunkelt, dass ich es mit meinen Fächern, Theologie und Italienisch, in der Privatwirtschaft nicht schaffen würde“, erinnert sich Alexandra. Sie begann im Sommer des Jahres 2002 als Teamleiterin bei AWD Finanzdienstleistungen in Graz zu arbeiten, wechselte aber bald darauf nach Wien zur Tageszeitung „Die Presse“. „Ich werfe mich immer ins Wasser und rudere einfach“, meint Alexandra, „ich fragte damals meinen zukünftigen Vorgesetzten, was ich denn finanziell auf die Beine stellen müsste, um ein eigenes Magazin zu kreieren. Danach habe ich mich mit einem Redakteur zusammengesetzt und mich auf die Suche nach Sponsoren gemacht. Und ich habe es geschafft. Im Endeffekt habe ich bei der Tageszeitung „Die Presse“ den Österreichtourismus aufgebaut – wenn du für etwas brennst, dann machst du es einfach.“ Heute gibt es diese spezielle Seite 3 im Reiseteil nicht mehr.

Alexandra Ritter
Alexandra Ritter

Bis 2006 arbeitete Alexandra bei „Die Presse“, danach ließ sie sich von der Veranstaltungsagentur Kursalon Hübner in Wien abwerben. Als Salesmanager für Österreich und Italien war sie für die Kundenbetreuung, Vermarktung, Planung und Durchführung von Tourneen des Salonorchesters Alt Wien zuständig. Nach relativ kurzer Zeit beschloss Alexandra jedoch, sich mit einer eigenen Künstleragentur selbständig zu machen: „Ich war mit der Arbeitsethik des Kursalons Hübner nicht einverstanden und habe daraufhin eine eigene Künstleragentur, MusicArtsVienna, gegründet, um zu zeigen, dass es auch anders geht – aus keinem anderen Motiv heraus habe ich mich selbständig gemacht. Da hat mein Gerechtigkeitssinn einfach überhandgenommen.“ Um sich das fehlende Fachwissen anzueignen, absolvierte sie parallel zum Aufbau der Agentur auf der Universität für angewandte Kunst in Wien das Masterstudium „Art & Economy“. Zusätzlich arbeitete sie nebenbei bei Nespresso, um sich besser finanzieren zu können. Der Anfang war schwer: „Ich habe im Namen meiner neuen Agentur an die 200 Hotels angeschrieben – ohne Erfolg. Ich entwickelte daraufhin ein Kulturkonzept für Zell am See – eine Konzertreihe am Berg unter dem Titel ‚Hochkultur‘. Ich stellte den Zuständigen mein Konzept vor und es wurde angenommen. Wenn sie mich damals gefragt hätten, wie viele Konzerte dieser Art ich schon organisiert hatte, hätte ich sagen müssen: noch kein einziges. Aber es hat niemand gefragt. Vier Jahre lang, bis 2011, habe ich in Zell am See ‚Hochkultur‘ gemacht. Mittlerweile läuft meine Agentur sehr gut, ich vermittle die Künstler nicht nur, ich manage sie auch. An die 120 Konzerte organisiere und betreue ich im Jahr.“ resümiert Alexandra.

Alexandra Ritter hat eine abwechslungsreiche Karriere mit vielen Höhen und Tiefen hinter sich und hat sich schließlich mit ihrer eigenen Agentur verwirklicht. „Manchmal weiß man nicht, wohin der Weg führt, aber es ist wert, ihn zu gehen. Gleich dem Motto ‚Der Weg ist das Ziel‘. Ich denke, man sollte nicht zweifeln sondern es schlichtweg versuchen. Wir verhindern uns oft selbst – wir sollten unser Bewusstsein öffnen und uns die geistige Freiheit bewahren… nachdenken, forschen, rebellieren. Warum sollten wir uns etwas vorsetzen lassen? Ich würde jedem Geisteswissenschafter, jeder Geisteswissenschafterin, empfehlen selbständig zu werden, denn es entspricht unserem geisteswissenschaftlichen Denken“ ist Alexandra überzeugt.

Text: Birgit Nikzat

Create Your Job – Berufsfindung und Berufseinstieg für GeisteswissenschaftlerInnen

Gepostet am Aktualisiert am

Das Career Center der Karl-Franzens-Universität Graz bietet mit Create Your Job – Berufsfindung und Berufseinstieg für GEWIs ein spannendes Format, das Studierenden und AbsolventInnen die vielfältigen Möglichkeiten in der Berufswelt aufzeigt.

Stellenangebote und Ausschreibungen für GeisteswissenschaftlerInnen sind nur spärlich zu finden und wenn, dann oftmals heiß umkämpft. Zudem sind die jeweiligen Berufsbilder nicht immer klar vorgegeben sowie mögliche Perspektiven nicht auf Anhieb erkennbar.
Im Rahmen dieser zweitägigen Veranstaltung werden Ihre fachlichen Kompetenzen sowie persönlichen Potenziale als GeisteswissenschaftlerIn in Bezug auf den beruflichen Einsatz konkretisiert. Sie erhalten entscheidende Impulse für die Auseinandersetzung mit ihren beruflichen Möglichkeiten und entwickeln Strategien, um sich besser auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren.

Inhalte:
* Stellenwert der GEWIs in der Gesellschaft/Motive und Motivation für das Studium
* Persönliche Potenziale und Ressourcen
* Entwurf eines individuellen Profils
* Erarbeitung spezifischer Tätigkeits– bzw. Berufsfelder
* Konkrete Hilfestellung beim Berufseinstieg: Arbeitsmarktsituation und Weiterbildungsoptionen

Trainerinnen:
Ursula Schachinger, Priv.-Doz. Dr. phil.
Studium der Alten Geschichte und Klassischen Philologie
Numismatikerin an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Lehrbeauftragte für Antike Numismatik an der Universität Graz, Museumsarbeit und -pädagogik, Coach, langjährige Tätigkeit als Trainerin im Bereich Kommunikationstraining, Berufsorientierung, Stress- und Mentalmanagement

Michaela Hampala, Dr. phil
Studium der Germanistik und Romanistik/Italienisch
Erwachsenenbildnerin, Lebens- und Sozialberaterin, langjährige Tätigkeit an verschiedenen Bildungsinstitutionen, Sprachtraining, Berufsorientierung, Persönlichkeitsentwicklung, Schreibtraining

WER?
Zielgruppe: Studierende und Jung-AbsolventInnen geisteswissenschaftlicher Studienrichtungen
TeilnehmerInnen-Anzahl: 15 Personen

WANN & WO?
Freitag 25.11.2016 – Samstag 26.11.2016
Uhrzeit: 10:00 – 19:30 Uhr
Ort: Career Center Veranstaltungsraum, Elisabethstraße 32/2. Stock, 8010, Graz

Hier geht es zu weiteren Informationen und zur Anmeldung!

Mut zum Jobwechsel

Gepostet am

Kürzlich haben wir die Bloggerin Jennifer Warkentin vorgestellt und interviewt. In ihrem aktuellen Blogbeitrag auf Geistesfindung schreibt sie über die Chancen und die positiven Effekte, die sich ergeben, wenn man Mut zum Jobwechsel beweist.
Link zum Artikel