Karl-Franzens-Universität Graz

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 21 – Angelika Prattes

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Die studierte Sprachwissenschaftlerin Angelika Prattes ist bei der „EFM Versicherungsmakler AG“ beschäftigt und dort Teil der „Akademie“, die Aus- und Weiterbildungsangebote für VersicherungsmaklerInnen anbietet.

Doch wie kommt es dazu, dass eine Geisteswissenschaftlerin überhaupt in dieser Branche landet?
„Ich habe lange nicht gewusst, wo es mich einmal hinziehen wird. Dass ich einmal bei einem Versicherungsmakler angestellt sein werde, hätte ich mir jedenfalls nicht gedacht. Ich habe mir nicht so gut vorstellen können, in welchen Bereichen man als Geisteswissenschaftlerin eigentlich überall arbeiten kann! Es gibt durchaus Jobs für LinguistInnen, manchmal eben in Branchen, die nicht so auf der Hand liegen.“

Angelika hat Sprachwissenschaften, Anglistik/Amerikanistik und das Ergänzungsfach Medienwissenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz studiert. Den Master absolvierte sie in Cambridge. Eigentlich wollte sie Jus mit BWL-Schwerpunkt studieren, auch Lehramt ging ihr als Idee nie so richtig aus dem Kopf: „Dazu hat mir auch jede/r geraten, aber eine Woche vorm Inskribieren habe ich mich dann für Sprachwissenschaften entschieden, und ich bereue die Entscheidung bis heute nicht.“

Angelika Prattes
Angelika Prattes

Obwohl sie am Anfang davon angetan war, dass man laut Studienplan mit dem Abschluss beruflich alles Mögliche machen kann, wie bspw. Fremdsprachenvermittlung, Public Relations oder Erwachsenenbildung, erkannte sie während des Studiums, dass die Universität keine Ausbildungsstätte ist und für bestimmte Arbeitsbereiche Zusatzqualifikationen unabdingbar sind. „Im dritten Semester war ich dann eine von vielen, die Panik bekommen hat und ich habe nochmals überlegt, ob es nicht klüger wäre, die Richtung zu wechseln und Logopädie oder BWL anzugehen“, erläutert Angelika.

Das geisteswissenschaftliche Studium habe Angelika, so beschreibt sie, darin geschult, Gegebenheiten aus vielen Perspektiven zu betrachten und im Denken beweglich zu sein: „Ich habe gelernt auf einer abstrakten Ebene Szenarien durchzuspielen, die richtigen Fragen zu stellen und den Überblick zu bewahren. Diese Fähigkeiten haben sich schließlich als sehr anwendungsnah herausgestellt.“

Neben dem Studium war Angelika zuerst Teilnehmerin und danach im Vorstand des High-Potential-Programmes „Circle of Excellence“ tätig. Während dieser Zeit entstand beispielsweise ein Kochbuch in Kooperation mit dem SOS Kinderdorf. Außerdem arbeitete sie in unterschiedlichen Bereichen, wie beispielsweise als Ordinationsassistentin im Pränatalzentrum Graz und als Studienassistentin. Durch die Vereinstätigkeit kam sie schließlich zu ihrem jetzigen Job: „Eine Freundin, die ich aus dem Verein kannte, hat in der Systemzentrale der EFM Versicherungsmakler AG gearbeitet. Ich habe ihr bei einem Kaffee geschildert, was ich so kann und was mich interessiert. Eine Woche später kam der Anruf, dass sie jemanden für die Akademie brauchen. Es gab keine konkrete Stelle, aber sie haben nach MitarbeiterInnen gesucht und so habe ich mich einfach beworben, ohne genau zu wissen, wie die Arbeitsstelle gestaltet sein wird. Es ging dann alles Schlag auf Schlag und plötzlich hatte ich einen Job.“

Zunächst war Angelika für Prozessoptimierung zuständig. Wie man sich das vorstellen kann, erklärt sie so: „Es handelt sich bei meinem Arbeitgeber um ein Franchiseunternehmen. Das bedeutet, dass ähnliche Abläufe in verschiedenen Unternehmen reibungslos funktionieren sollen. Es war meine Aufgabe herauszufinden, welche Abwicklungen am effizientesten sind und diese werden dann empfohlen bzw. in Form von Schulungen weitervermittelt.“ Danach wurde sie mit Fachschulungen für neue MitarbeiterInnen beauftragt und produzierte Informationsvideos zu einzelnen Versicherungssparten, um den Angestellten Grundlagen zu vermitteln.

Die Branche erschien Angelika zu Beginn sehr fremd, aber die Arbeit war von Anfang an sehr vielseitig, die Arbeitskolleginnen sympathisch und das Arbeitsklima sehr gut. „Außerdem“, so erzählt Angelika, „ändern sich die Arbeitsbereiche immer wieder, da sich die Prioritäten sehr schnell ändern können. Und je mehr man dazulernt, desto vielfältiger werden auch die Arbeitsaufträge. Darum bleibt meine Arbeit auch immer spannend!“ Darüber hinaus wurde eine ihrer Leidenschaften Teil ihres jetzigen Jobs: „Aspekte, die mir am Lehramtstudium gefallen hätten, kann ich auch in meiner jetzigen Arbeit umsetzen, nämlich Wissen für ein bestimmtes Zielpublikum aufzubereiten und dieses auch zu vermitteln.“

Angelika spricht auch von der Unsicherheit von GeisteswissenschaftlerInnen in Sachen Selbstpräsentation und Herausstreichen der eigenen Qualifikationen. Sie bedauert, dass ArbeitgeberInnen oft die Fähigkeiten und Qualifikationen übersehen, die Geisteswissenschaftlerinnen mitbringen. Sie ist jedoch durch ihre bisherigen Erfahrungen optimistisch: „Ich glaube, wenn’s einem Spaß macht, findet man nach dem Studieren auch etwas zum Arbeiten! Ich habe bereits in vielen verschiedenen Bereichen gearbeitet, wo ich mich selbst vielleicht so nicht gesehen habe, und jedes Mal habe ich etwas dazugelernt, etwas Neues erfahren und mich dabei auch selbst besser kennengelernt. Und das war oft schon mehr als genug.“

Text: Christina Lessiak / KUG

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 19

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Quer durch den Gemüsegarten zum Apfelwein – die Germanistin Natalie Resch im Wirtschaftsgeist-Porträt.

Bereits im Alter von 10 Jahren war Natalie Resch davon überzeugt, Übersetzerin zu werden. Um ihren Traumberuf ausüben zu können, begann sie am Institut für Translationswissenschaften der Karl-Franzens-Universität Englisch und Spanisch zu studieren. „Die Lehrenden stellten sehr hohe Ansprüche und es gab eine hohe Ausfallquote. Man hat richtig Angst bekommen etwas falsch zu machen und so habe ich fast meine Freude an Sprachen verloren“, erinnert sich Natalie. Damit das nicht eintritt, brach sie das Studium nach dem ersten Abschnitt ab und inskribierte sich für das Magisterstudium Germanistik. Nebenbei machte sie eine Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Sprachausbildung und schloss den ersten Studienabschnitt in Jus ab. „Mir ist es zu Gute gekommen, dass ich für Germanistik sehr viele freie Wahlfächer absolvieren musste. Ich habe quer durch den Gemüsegarten studiert, was mir irrsinnigen Spaß bereitet hat. Dabei habe ich gelernt mir Dinge gut einzuteilen, über den Tellerrand zu blicken, einen kritischen Geist zu entwickeln und komplexe Texte zu verstehen, zu interpretieren und zu hinterfragen“, erzählt Natalie. Außerdem war es ihr wichtig, neben dem Studium aktiv an Projekten und auch an der Österreichischen HochschülerInnenschaft mitzuwirken. In diesem Rahmen konnte sie sich weiterentwickeln, ihren Horizont und ihre Fertigkeiten erweitern.

Natalie Resch / © MANA

Ihre Laufbahn führte sie weiter zum Masterlehrgang „Kunst und Recht“, der ihr zu einem Job verhalf: „Ein Vortragender hat mich gefragt, ob ich für ihn arbeiten will. Ich habe dann eine Ausstellung begleitet. Und dann ist es so passiert, wie es oft passiert: Man rutscht irgendwo hinein und arbeitet mehr als man studiert.“ Sie bekam schließlich eine Anstellung in einer Werbeagentur und war dort Redakteurin eines Magazins sowie für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Das im Studium erworbene theoretische Wissen und die Fähigkeiten flexibel zu sein und sich sehr schnell in Strukturen einzuarbeiten war für diese Arbeit unabdingbar. Nach einigen Jahren war Natalie klar, dass sie sich selbstständig machen will: „Ich wollte die Freiheit haben, mir meine GeschäftspartnerInnen selbst aussuchen zu können. Ich hatte genug Erfahrung, Kontakte, Expertise und Selbstvertrauen, um selbstständig tätig zu sein und machte das dann auch. Außerdem bin ich eine Netzwerkerin, das macht mir Spaß! Ich bin gerne unterwegs und lerne gerne neue Menschen kennen.  Das ist unglaublich wichtig, wenn man sich selbstständig machen möchte.“

Natalie war und ist vielseitig aktiv: sie arbeitete für unterschiedliche Zeitschriften als Redakteurin, hat Festivals konzeptionell betreut, machte Öffentlichkeitsarbeit für unterschiedliche Betriebe und schrieb gemeinsam mit Anita Arneitz das Buch „Graz – Porträt einer Stadt.“ „Dieses Projekt ist ein gutes Beispiel, wie eines zum anderen führt. Ich habe Texte für Anita transkribiert und sie hat mir dann die Mitarbeit an dem Buch angeboten. Es war eines der schönsten Projekte, an denen ich je gearbeitet habe. Mit verschiedenen Menschen zu sprechen und deren ganz persönlichen Geschichten zu hören war sehr bereichernd. Und durch dieses Projekt habe ich dann auch den Auftrag bekommen für die Veranstaltungsreihe „M\Eine Graz-Geschichte\n“ des Graz Museums ein Konzept zu schreiben“, führt Natalie aus.

Apfelwein / © MANA

Neben Sprachen ist Reisen eine große Leidenschaft Natalies. Und so kam es, dass sie in Australien auf das Getränk „Cider“ stieß und die Idee hatte, in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft ihrer Eltern dieses Getränk selbst zu produzieren. Es wurde jedoch kein Cider, sondern Apfelwein. Der Unterschied besteht darin, dass Cider in Österreich eine Mischung aus Apfelwein und Saft ist, weswegen er auch süßer schmeckt. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Markus wurde die OG „MANA“ gegründet und die erste Charge Apfelwein konnte mithilfe der Eltern und einer Crowdfunding Aktion bereits im Jahr 2015 produziert werden. Mittlerweile wird nicht nur Apfelwein, sondern auch Apfelsaft hergestellt. Natalie ist vor allem für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Hierbei spielen Kreativität, Sprachfertigkeiten, Design und Kenntnisse über die Kreativwirtschaft eine große Rolle – Fertigkeiten und Wissen, die sie im Laufe ihres Studiums vertieft hatte und hier in die Praxis umsetzt. In der Anfangsphase nutze sie die vorhandenen Ressourcen und alles Weitere ergab sich währenddessen: „Wir waren Feuer und Flamme für dieses Projekt und haben uns dann Schritt für Schritt herangetastet und dazugelernt. Manchmal laufen Dinge auch nicht so gut, aber man findet Lösungen und entwickelt sich weiter. Und hier sind auch das Netzwerken und die Kommunikation mit anderen entscheidend, weil man durch die Erfahrungen und das Wissen anderer sehr viel dazulernt.“ Natalie ist es wichtig, durch MANA auch ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass gute, regionale und faire Produkte auch mehr kosten: „Damit wir unseren Apfelwein und Apfelsaft weiterhin um den aktuellen Preis verkaufen können, müssen wir unbezahlte Arbeit in das Unternehmen stecken und nebenbei anderen Tätigkeiten nachgehen. Das machen wir aber gerne, damit das Produkt so hochwertig bleibt, wie es ist.“ Natalie sieht positiv in die Zukunft, dem Wunsch von MANA Apfelwein leben zu können sieht sie realistisch. Einzig und allein fehlt noch ein Vertrieb, um die Ware auch an die Leute zu bringen.

Rückblickend würde Natalie sich wieder für das Germanistikstudium entscheiden. Die Universität hat ihr das nötige Rüstzeug an die Hand gegeben, um sich schnell in neue Strukturen einzufinden, Quellen kritisch zu hinterfragen, einen offenen und kritischen Blick zu entwickeln und vernetzt zu denken. Auch ihre ehemaligen KommilitonInnen sind in interessanten Berufsfeldern gelandet, erzählt sie. „Wichtig ist einfach, und das möchte ich gerne allen ans Herz legen, mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen, dann ergeben sich die Dinge meist von selbst.“

Text: Christina Lessiak / KUG

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 18

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Von der Musikologie ins Radio. Daniela Oberdorfer im Gespräch.

Daniela Oberndorfer ist Musikologin und absolviert in diesem Jahr ihr Masterstudium „Interdisziplinäre Geschlechterstudien“. Nach Absolvierung der Matura wollte sie eigentlich in Wien „Musiktherapie“ studieren, scheiterte aber an der Aufnahmeprüfung. Das Studium Musikologie war ihre Notfalllösung. „Es war klar, dass ich studieren will, aber ich musste mich nach der Absage kurzfristig nach einem anderen Studium umschauen. Ich habe beim Recherchieren im Internet die Studienrichtung Musikwissenschaft bzw. Musikologie entdeckt. Um ehrlich zu sein wusste ich nicht wirklich, was da auf mich zukommen wird. Aber die Vorstellung mich mit Pop, Jazz und Musikpsychologie zu beschäftigen, gefiel mir“, erzählt Daniela. Und so begann sie im Jahr 2006 an der Karl-Franzens-Universität und der Kunstuniversität Graz zu studieren.

Mit Radio Helsinki, wo sie heute beschäftigt ist, kam sie während ihres Bachelorstudiums das erste Mal in Berührung. Radio Helsinki ist ein sogenanntes „freies Radio“, im Gegensatz zum privat-kommerziellen und öffentlich-rechtlichen Rundfunk, und versteht sich als freies, nichtkommerzielles, gemeinnütziges, unabhängiges und lokales Radio. Ein Mitbewohner von Daniela hatte dort eine eigene Sendung, was sie überraschte: „Ich dachte immer, dass man eine Ausbildung braucht, um Radiosendungen machen zu können, und dass es sehr schwer ist, in einem Radiobetrieb überhaupt Fuß zu fassen. Außerdem hatte ich die Vorstellung, dass es technisch sehr kompliziert sein muss.“ Aus Neugier begleitete Daniela ihren Mitbewohner ins Radio und war sofort fasziniert. Sie erfuhr, dass man einen Basisworkshop besuchen kann, in dessen Rahmen das Grundwissen zur technischen Umsetzung und inhaltlichen Gestaltung einer Radiosendung vermittelt werden. Durch den niederschwelligen Zugang zu freien Radios ist es grundsätzlich jeder/m möglich, nach dem absolvierten Basisworkshop eine Radiosendung zu konzipieren und damit on air zu gehen. Daniela konnte zwei Freundinnen für das Radio begeistern und sie nahmen gemeinsam an einem Basisworkshop teil. Den Frauen machte es Spaß und sie gestalteten eine sogenannte „Probesendung“. Um mit einer Sendung ins Radioprogramm von Radio Helsinki aufgenommen zu werden, muss man nämlich zunächst eine Stunde Radiozeit füllen. Das Sendungskonzept und die Umsetzung werden dann mit dem Programmrat besprochen. „Das Feedback war nicht besonders gut und damit die Motivation, weiterzumachen, auch weg. Deswegen habe ich das Radiomachen vorerst nicht weiterverfolgt“, erinnert sich Daniela.

Daniela Oberndorfer © Foto: Christina Lessiak
Daniela Oberndorfer © Foto: Christina Lessiak

Neben dem Studium war sie an der Österreichischen HochschülerInnenschaft als Referentin für Gender und Gleichbehandlung tätig und lernte durch Zufall die Organisatorinnen der Frauenfrühlingsuniversität kennen. Sie beteiligte sich an der Umsetzung dieses Projekts und lernte dabei Frauen* kennen, die die feministische Radiosendung „genderfrequenz“ starteten. Zwei Jahre nach ihrer ersten Erfahrung im Radio wurde Daniela von diesen Frauen* schließlich eingeladen, in die Redaktion einzusteigen. „Und dann ist es plötzlich sehr schnell passiert, dass ich Teil des Radios geworden bin und es zu einer Leidenschaft von mir geworden ist, Radiomacherin zu sein. Zunächst war ich Redakteurin, später dann auch Programmrätin“, schildert Daniela. Zu dieser Zeit engagierte sie sich noch ehrenamtlich für Radio Helsinki. Gemeinsam mit anderen RadiomacherInnen kam die Idee auf, ein kritisches lokales Nachrichtenmagazin zu machen, was kurz darauf auch unter dem Namen „von unten“ umgesetzt wurde. Da das Team zu Beginn aus StudentInnen bestand, die sich ihre Zeit flexibel einteilen konnten, war es möglich, zwei bis drei Mal die Woche eine Nachrichtensendung zu produzieren. „Wir waren sehr produktiv und die Motivation für das Projekt war sehr hoch. Durch unser Engagement ist viel entstanden und es hat alles extrem gut funktioniert. ‚Von unten‘ kam sowohl innerhalb des Radios, als auch in der Außenwahrnehmung sehr gut an und bekam einiges an Aufmerksamkeit“, resümiert Daniela. Das Projekt entwickelte sich weiter, die Redaktion wurde größer und es wurden immer häufiger und umfangreichere Sendungen produziert. Das Nachrichtenmagazin wuchs und damit auch der Arbeitsaufwand. Und so wurde aus einer Herzensangelegenheit schrittweise ein Beruf.

Zunächst wurden Koordinationstätigkeiten entlohnt und vereinzelt Aufgaben, die viel Zeit in Anspruch nahmen. Schließlich entstand innerhalb des Teams der Wunsch, eine Koordinationsstelle zu installieren, die sich 20 Stunden um das Projekt kümmert und dafür auch entlohnt wird. „Zunächst wollte ich mich auf die Stelle nicht bewerben. Radio machen wurde unerwartet zu meiner Leidenschaft, die ich in meiner Freizeit ausüben konnte. Ich wusste, ich kann selbst entscheiden, wieviel Zeit ich dafür aufwende. Ich hatte Angst, dass eine Anstellung mir diese Freiheit nimmt und damit auch die Freude am Radiomachen verloren geht“, erzählt Daniela, „andererseits wurde mir immer mehr bewusst, dass ich nicht an der Universität bleiben möchte, um ein Doktorat zu machen. Ich habe das Projekt mitentwickelt, kannte das Team und die Radiostrukturen und war deswegen für den Job bestens geeignet. Aus dem Radio kam großer Zuspruch für meine Arbeit und so habe ich mich dann doch beworben und den Job schließlich bekommen“.

Ihre Aufgabe als Koordinatorin ist es seither, dafür zu sorgen, dass das Nachrichtenmagazin „von unten“ regelmäßig zu hören ist, und das mit allem was dazu gehört: Sendungsbeiträge koordinieren, Sendungen technisch unterstützen, Redaktionssitzungen vorbereiten, Workshops abhalten, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzungsarbeit leisten, das Team betreuen und erweitern. Und wenn es einmal eng wird oder es die Zeit erlaubt, gestaltet sie die Inhalte der Sendung auch selbst. Die größte Motivation an der Arbeit ist für Daniela die Möglichkeit, für ihre Anliegen ein Sprachrohr zu sein und zu haben. „Für mich ist es politischer Aktivismus. Ich beschäftige mich mit dem aktuellen Zeitgeschehen nicht nur theoretisch, sondern gestalte ein Medium, das im besten Falle auch gesellschaftliche Prozesse beeinflussen kann“, schwärmt Daniela von ihrer Tätigkeit. Darüber hinaus schätzt sie die angenehme Arbeitsumgebung des freien Radios, wo man bemüht ist, Hierarchien abzubauen, sich auf Augenhöhe zu treffen und sich nicht um Einschaltquoten, einen öffentlichen Bildungsauftrag oder sonstige Zwänge kümmern muss. Die Redaktion besteht inzwischen nicht nur aus StudentInnen, sondern aus Personen mit unterschiedlichen Lebenshintergründen, was unterschiedliche Perspektiven auf die behandelten Themen zulässt und den eigenen Horizont ständig erweitert. Die größte Herausforderung sieht Daniela in der gruppeninternen Koordination, die auch Sozialkompetenzen erfordert, wenn bspw. Konflikte auftauchen. Die nötigen Fertigkeiten hierzu eignete sie sich im Laufe ihres Tuns an und erweitert sie stetig.

Rückblickend will sie ihre Studienzeit nicht missen, da sie durch ihre Erfahrungen an der Universität die Chance hatte, sich mit vielen unterschiedlichen Themen tiefergehend auseinanderzusetzen, einen kritischen Geist zu entwickeln und die Welt auf eine andere Weise wahrzunehmen. Ferner konnte sie praktische Fähigkeiten aus ihrem Studium für ihren Beruf mitnehmen. Zu recherchieren, Interviews durchzuführen und Themen für ein Publikum aufzubereiten sind schließlich Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens. „Sicher ist es ein Unterschied, ob ich einen wissenschaftlichen Text schreibe oder einen journalistischen. Jedoch haben mir das themenbezogene Arbeiten und die Kompetenzen, die ich mir dabei angeeignet habe, beim Radiomachen sehr viel weitergeholfen,“ erklärt Daniela.

Ihre geisteswissenschaftliche Bildung empfindet sie rückblickend als sehr bereichernd für ihren Beruf. Trotzdem hatte sie immer die Befürchtung, dass man damit in der Berufswelt nicht viel anfangen kann: „Ich dachte immer, ich brauche zusätzlich eine praktische Ausbildung. Heute weiß ich, ich habe mir in der Studienzeit sehr viele Kompetenzen und Wissen in meinen Tätigkeiten als Referentin an der ÖH und als Radiomacherin selbst erarbeitet und so auch einen tollen Job gefunden“.

Text: Christina Lessiak / KUG

Nachlese: Wirtschaftsgeist Workshop am 25. Mai 2018 – RE:INNOVATE your business. Wie gelingt die generationsbedingte Unternehmensnachfolge.

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Am 25. Mai ging der fünfte Wirtschaftsgeist Workshop über die Bühne, diesmal mit zwei Traditionsunternehmen aus Graz-Umgebung. Gemeinsam mit der Jungen Wirtschaft als Kooperationspartner wurde das gesellschaftlich hochaktuelle Thema der generationsbedingten Unternehmensnachfolge als Themenschwerpunkt gewählt und engagiert in den interdisziplinären Arbeitsgruppen diskutiert.

Studierende aus unterschiedlichsten Fachrichtungen stellten sich den Challenges der Unternehmen: Global Studies, Germanistik, Musikwissenschaft, Geschichte, Soziologie, Alte Geschichte und Altertumskunde.

Andrea und Liesa Feichtinger, selbständige VersicherungsmaklerInnen traten, mit folgenden Fragestellungen an die Studierenden heran: Wie schaffen wir es, junge Erwachsene für das Thema Versicherungen zu sensibilisieren? Wie können wir unsere Situation, die Nachfolge, bestmöglich für unseren Auftritt nutzen? Unabhängige Versicherungsmakler und Social Media?

Der Geschäftsführer des Unternehmens Buchhauser Containerdienst konfrontierte die Studierenden mit einer Challenge zum Thema Bewusstsein und Akzeptanz für Strukturänderungen in Familienbetrieben. Unter diesem Aspekt wurden die Themen „Work-Life-Balance“, neue Kommunikationsformen sowie Motivatoren und Maßnahmen zur Identifikation mit dem Unternehmen diskutiert.

In den beiden Gruppen wurde eifrig an Lösungsansätzen gearbeitet. Von den Ergebnissen des Workshops waren die UnternehmerInnen sehr angetan und versprachen diese gleich im unternehmerischen Alltag umzusetzen.

Moderator und Innovationscoach Johannes Frühmann unterstützte die Teams während der Ideenfindungsprozesse mit den Methoden des „Design Thinking“.

Fotocredit: Andreas Wenzel / KUG

Statements

Vielen Dank für die einmalige Gelegenheit unsere Herausforderungen und Fragen rund um die Unternehmensübergabe in so einer interessierten und interdisziplinären Runde besprechen zu dürfen. Für uns war es besonders spannend die unterschiedlichen Zugänge der Studierenden zum Thema Versicherungen zu erfahren und ihre Ansätze zum Schwerpunkt Awareness zu diskutieren. Es ist schön zu sehen, dass auch noch so „alte“ Branchen aus unterschiedlichen Perspektiven und mit Ideenreichtum neu gedacht werden können und jeder Einzelne wertvollen Input zur Bearbeitung der Fragestellungen beitragen konnte.“ Liesa & Andrea Feichtinger, EFM Versicherungsmakler

Es war voll interessant verschiedene Blickwinkel zu bekommen. Ich finde dieses Format super, da man sonst sehr selten die Gelegenheit bekommt mit Studenten, die komplett andere Richtungen studieren, zusammenzuarbeiten. Kurz und bündig: Toll organisiert, toll moderiert, toll gespeist und toll genetzwerkt. Mitnahme für mich: Werde in meinem Unternehmen auf jedem Fall versuchen eine „Besprechungskultur“ einzuführen, in der alle Mitarbeiter aktiv mit Vorschlägen mitarbeiten können. Ich hoffe, dass es mir gelingen wird. Hannes Buchhauser, Buchhauser GmbH Containerdienst

“Sehr spannend und produktiv. DankeschönStudierenden-Feedback

“Der Wirtschaftsgeist-Workshop ist ein tolles Format. Besonders die Offenheit der UnternehmerInnen fand ich sehr inspirierend. Ich habe wertvolle und interessante Einblick in das Leben als UnternehmerIn erhalten. Auch die Zusammenstellung der Gruppen, insbesondere die Arbeit in Kleingruppen, hat zur Lösungsfindung beigetragen” Studierenden-Feedback

“Obwohl der Themenschwerpunkt mich persönlich auf den ersten Blick nicht angesprochen hat, war die Umsetzung sehr gut und die Kommunikation und Kreativität innerhalb der Gruppe war sehr angenehm.“ Studierenden-Feedback

„Eine interessante Erfahrung. Hilft für die Vernetzung in der Zukunft“ Studierenden Feedback

„Sehr interessante Denkanstöße und Einblicke in Unternehmensfelder, die außerhalb des eigenen Radars waren.“ Studierenden-Feedback

„Super, sehr interaktiv, anregend, lehrreich…“ Studierenden-Feeback

Das WIRTSCHAFTSGEIST-Team bedankt sich sehr herzlich bei den Studierenden und den Unternehmen für die Teilnahme am Workshop. Ebenso bedanken möchten wir uns bei den zahlreichen KooperationspartnerInnen, die uns auch diesmal bei der Ankündigung und der Organisation des Workshops unterstützt haben, u.a.: alumnni UNI graz, Career Center der Uni Graz, DocService der Uni Graz, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Uni Graz, Fakultätsvertretung Geisteswissenschaften der ÖH Uni Graz, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Uni Graz, Studienvertretung Musikologie der ÖH Uni Graz und der KUG, studo.co, Circle of Excellence

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 16

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Von Vorbildern lernen

Laut Christian Ehetreiber leben wir in einer vorbildlosen Zeit. Dabei ist das Festhalten an Vorbildern längst nicht so altmodisch wie es vielleicht klingt, denn Lernen vom erfolgreichen Modell ist Gold wert, so der Germanist und Pädagoge. Christian Ehetreiber studierte Germanistik sowie Philosophie, Pädagogik und Psychologie für Lehramt. Als er 1982 nach Graz fuhr, um sich an der Karl-Franzens-Universität zu inskribieren, war klar, dass es Germanistik sein sollte: „Mein großer Lehrmeister war Dr. Robert Hinteregger, mein Klassenvorstand am Gymnasium und späterer Landesschulinspektor. Sein Unterricht war so legendär lässig, dass ich bereits damals gewusst habe, dass ich Germanistik studieren möchte. Für das zweite Fach, zunächst Sport, habe ich mich sehr kurzfristig entschieden – zehn Minuten vor der Inskription“, lacht Ehetreiber. Nach vier Semestern Sportwissenschaften wechselte er dann jedoch zu Philosophie, Pädagogik und Psychologie. „Das passte schließlich besser, dort konnte man die humboldtsche Freiheit der Universität noch spüren“, schmunzelt der Germanist.

Fotocredit: ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus
Fotocredit: ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus

Obwohl die Aussichten auf eine Stelle als Lehrer schlecht waren, entschied sich Ehetreiber für das Lehramtsstudium. „Das war eine stählerne, rostige Zeit für LehramtsabsolventInnen. Bereits Ende der 70er Jahre war bekannt, dass eine Lehrerschwemme kommen wird. Dementsprechend haben alle davon abgeraten, Lehramt zu studieren. Ich war mir aber sicher, dass ich nicht warten werde, sondern dass sich etwas für mich ergeben werde“, erinnert sich Ehetreiber. Warum er sich überhaupt für den Beruf Lehrer entschied, kann der Pädagoge schnell beantworten: „Das war bei mir klassisch – ich dachte, ich kann das sicher besser als einige meiner Lehrer. Ich wollte einen humanistischen Unterricht, ohne jemanden zu tyrannisieren. In meiner Schulzeit gab es ja noch eine Kommando- und Herrschaftssprache á la ‚Maierhofer, was ist mit du‘. Das wollte ich ändern. Außerdem gefällt es mir, anderen etwas beizubringen.“
Nach seinem Studienabschluss im Jahr 1991 bekam er zwar keine Stelle als Lehrer, wurde aber von seiner ehemaligen Studienkollegin Reis-Klingspiegl gefragt, ob er nicht das Gesundheits- und Präventionsprojekt „Gesunde Volksschule“ leiten möchte. Ehetreiber sagte zu und war ein Jahr lang dafür zuständig, Kindern eine erweiterte schulärztliche und orthopädische Untersuchung, ein gesunde Jause sowie eine Kariesprophylaxe zukommen zu lassen. Zeitgleich arbeitete er ehrenamtlich am Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung. Ehetreiber hatte eine Einladung zur Mitarbeit für die Einreichung des FWF-Projekts „Die internationale Rezeption der Grazer Gruppe“ erhalten. „Das war genau das meine“, erzählt Ehetreiber, „ich habe gemerkt, dass meine ganze Energie dorthin fließt. Als das Projekt angenommen wurde, bin ich sofort eingestiegen. Zwei Jahre lang habe ich dort mit großer Freude gearbeitet, der Verlängerungsantrag wurde aber leider abgelehnt.“

Wenig später kontaktierte ihn die damalige Vorstandsvorsitzende von ISOP, Ingrid Kohlberger, und machte ihm ein Jobangebot. „Ja, das war interessant“, erinnert sich Ehetreiber, „ich hatte damals, als junger Unterrichtspraktikumsvertreter, den Landesschulratspräsidenten Bernd Schilcher recht kritisch befragt und Frau Kohlberger, die auch anwesend war, dachte sich anscheinend, dass sie so einen wie mich in der ISOP gut brauchen könnten.“ Ehetreiber nahm das Angebot folglich an und war von 1993 bis 1998 Bildungsreferent in der ISOP. Sein Tätigkeitsbereich umfasste die interne Schulung von KollegInnen, die Ausrichtung der Bildungsreihe im Bereich des interkulturellen Lernens, interkulturelle Pädagogik sowie Anti-Rassismus-Forschung. Zusätzlich betreute er die, wie es seinerzeit hieß, Ausländerberatungsstelle Mürzzuschlag. Zwar kam inzwischen wieder ein Angebot vom Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung, doch Ehetreiber lehnte ab: „Der Fortsetzungsantrag des FWF-Projektes wurde schließlich doch angenommen, aber ich habe mich trotzdem für die ISOP entschieden. Inzwischen war nämlich meine erste Tochter geboren worden – da wollte ich finanziell abgesichert sein“, resümiert Ehetreiber.

Neben seiner Haupttätigkeit wurde er immer wieder um Beratungen in Zusammenhang mit Projektmanagement und Marketing gefragt, weswegen er sich 1997 zusätzlich noch den Gewerbeschein holte. Seitdem ist er selbständiger Berater für Marketing und Projektmanagement, wobei er sich mittlerweile auf ausgewählte Stammkunden konzentriert. Bereits ein Jahr später, 1998, erhielt Ehetreiber das nächste Jobangebot: „Peter Scheibengraf, der vormalige Geschäftsführer der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus, fragte mich, ob ich nicht die Geschäftsführung übernehmen wolle. Als ISOP Bildungsreferent hatte ich schon damals gemeinsam mit der ARGE Jugend Projekte durchgeführt. Ich sagte zu, und wir begannen, die Übergabe vorzubereiten. Im Jänner 1999 habe ich dann offiziell die Geschäftsführung übernommen“, so Ehetreiber und fügt hinzu: „Die ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus ist eine überparteiliche Fachstelle für Gewaltprävention, Menschenrechtsbildung und Antidiskriminierungsarbeit und bietet unter anderem Beratung und Workshops zu den Themen der Menschenrechtsbildung, Demokratiebildung, Gewaltprävention, Förderung von soziokultureller Vielfalt, und vieles mehr.“ Bereits seit der Gründung der ARGE Jugend wird zudem besonderer Augenmerk auf die zeitgeschichtliche Erinnerungs- und Gedenkarbeit gelegt. Bei mehr als 30 verschiedenen Gedenkvorhaben in der Steiermark hat die ARGE Jugend in verschiedenen Rollen mitgewirkt, bis hin zu Buchpublikationen zu diesem Thema.

Und was sagt Ehetreiber zur Perspektivenlosigkeit vieler GEWI-Absolventen? „Ich denke, die meisten GEWI-AbsolventInnen scheitern nicht an der Fachlichkeit, sondern am mentalen Mindset. In den Beratungen die ich durchführe, höre ich immer wieder den Satz ‚Ich kann ja nichts‘. Woher kommt das? Im Studium wird oft von Anfang an vermittelt – und das werfe ich der GEWI vor – dass man als GEWI-Absolvent nicht gefragt sei, dass man das Erlernte nicht verwerten könne, dass diese Studien ja nur etwas Schöngeistiges für den Elfenbeinturm wären etc. Das sickert dann in diese mentalen Modelle ein und verdichtet sich zu ganz festen Glaubenssätzen. Ich kenne aber viele GEWIs, die etwas aus ihrem Studium gemacht haben. Aber das hat auch oft mit einem Selbstorganisationsvermögen und der Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, zu tun. Arbeit bekommt man mit Einsatz, Engagement und mit Aufzeigen. Ich möchte aber jedem auf den Weg geben, dass er sein Studium, egal welche Richtung, mit äußerstem Einsatz führt. Und damit meine ich nicht in Mindeststudiendauer, sondern dass die Studierenden die Fächer, die sie mögen, mit einem hohen Impetus absolvieren. Auch sollten sich GEWI-Studierende nicht von den Begriffen Vermarktung und Marketing abschrecken lassen. Jede Chance sollte genutzt werden, auch im erweiterten Umfeld, um sie als großes Lern- und Erfahrungsbiotop zu verwenden.“

Text: Birgit Nikzat / KUG

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 14

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Von der Pädagogik zum Projektmanagement

Bereits im Gymnasium entdeckte Brigitte Brand die Liebe zur Literatur und zur Sprache. Somit fiel die Studienwahl nicht schwer und sie begann an der Karl-Franzens-Universität Graz das Lehramtsstudium für Anglistik und Germanistik. Prinzipiell konnte sie es sich gut vorstellen zu unterrichten, zudem dachte sie, dass sie ein Lehramtsstudium im späteren Berufsleben auch abseits der Schule gut brauchen könnte. Sie absolvierte ein Auslandssemester in den USA, in Ohio, und begann bereits während ihrer Studienzeit bei dem Verein Deutsch in Graz zu unterrichten: „Wir unterrichteten damals für Erwachsene in Kleingruppen und haben auch die Lehrmaterialien selbst erstellt. Ein bisschen hat mich diese Arbeit für die Schule verdorben. Wir gestalteten dort nämlich einen sehr anschaulichen Unterricht mittels Team-Teaching und veranstalteten Praxis-Nachmittage an denen das Erlernte ausprobiert werden konnte. Das kann man in der Schule auf diese Art nicht umsetzen“, erklärt Brigitte. Auch arbeitete sie als Sprachassistentin in Kent, England, und meint, dass ihr diese Erfahrung bei späteren Bewerbungen sicher geholfen hat. Nach Abschluss der Studien im Jahr 1991 und dem Unterrichtspraktikum war schnell klar, dass es aussichtslos war, eine Stelle als Lehrerin zu bekommen: „KollegInnen von mir haben jahrelang auf einen Platz warten müssen. Nur mit den Fächern Mathematik und Physik hatte man damals die Chance, gleich einen Job zu bekommen. Da wurde mir bewusst, dass ich einen anderen Weg einschlagen muss“, resümiert Brigitte Brand. Sie musste jedoch nicht lange suchen, denn ein paar Tage nach ihrer Diplomprüfung bekam sie ein Jobangebot vom LFI, dem ländlichen Fortbildungsinstitut. „Am Donnerstag hatte ich meine Diplomprüfung und am Montag darauf einen Job – ohne danach gesucht zu haben“, schmunzelt sie.

Ein Jahr lang arbeitete sie daraufhin gemeinsam mit einer Studienkollegin als Deutschtrainerin in einer Berufsorientierungsmaßnahme für AsylwerberInnen in Voitsberg. „Da habe ich dann gemerkt, dass Berufsorientierung eine spannende Sache ist“, so Brigitte, „und begann eine einjährige Ausbildung zur Sozial- und Berufspädagogin.“ Somit wechselte sie vom Unterricht ins Training und arbeitete in den nächsten Jahren als Trainerin, Beraterin und Coach in diversen, meist vom AMS geförderten Maßnahmen. Auch in den Gesundheitsbereich schnupperte sie hinein, als sie im Zuge ihrer Tätigkeit bei Alpha Nova den Gesundheitssprengel in Kalsdorf aufbaute. Zusätzlich absolvierte sie eine zweijährige berufsbegleitende Ausbildung für Prozessmoderation und systemische Organisationsentwicklung.

Brigitte Brand
Brigitte Brand

Nach einigen einjährigen Jobs übernahm Brigitte Brand dann 1995 bei ISOP – Innovative Sozialprojekte – die Geschäftsführung. Bereits 1994 war sie einmal bei ISOP als Trainerin tätig gewesen, damals unterstützte sie im Rahmen eines arbeitsmarktpolitischen Selbstorganisationsprojekts arbeitssuchende PädagogInnen bei ihrer Neuorientierung. „Später kam dann die Anfrage von ISOP, ob ich mich nicht für den frei gewordenen Geschäftsführerposten interessieren würde. Sie konnten sich noch an mich erinnern und meinten, dass das gut für mich passen könnte. Somit bin ich schließlich ganz ins Projektmanagement gerutscht. Tätigkeiten im Bereich Controlling, Finanzen, Budgetentwicklung, Kostenrechnung, Bilanzierung, Personalauswahl, Projektanträge und Verhandlungen mit Fördergebern zählten plötzlich zu meinen Hauptaufgaben“, erzählt Brigitte. Das Wissen dazu erwarb sie sich in verschiedenen Seminaren beim Controller Institut in Wien und auch bei der Unternehmerschule am WIFI. „Der Rest“, so Brigitte, „war learning by doing. Aber das hätte ich mir seinerzeit nicht gedacht, dass ich als Literaturfreak bei der Kostenrechnung lande. Trotzdem hat das Gewi-Studium gut gepasst, denn für Projektanträge und dergleichen ist von Vorteil, wenn man formulieren und Dinge gut zusammenfassen kann. Auch meine Sprachkenntnisse habe ich wunderbar einsetzen können, denn wir hatten viele von der EU geförderte, transnationale Projekte mit AustauschpartnerInnen. Da war Englisch fast immer die Projektsprache.“

Nach 22 Jahren als ISOP Geschäftsführerin hat sich Brigitte nun aus dem operativen Bereich zurückgezogen, als Vorstandsmitglied ist sie weiterhin tätig. „Unter 55 Arbeitsstunden pro Woche bin ich nie nach Hause gegangen und auch an den Wochenenden war immer wieder die eine oder andere Projektausschreibung zu erledigen“, erzählt Brigitte. „Gerade in der letzten Periode hatten wir sehr viele ESF-Projekte [Europäischer Sozialfond] mit zunehmend herausfordernden Bedingungen und einem horrenden Abrechnungsaufwand. Da ging meine Tätigkeit fast nur mehr ins Controlling. Deshalb habe ich dann den Entschluss gefasst, noch einmal einen beruflichen Neubeginn zu wagen und mich als Unternehmensberaterin und Trainerin selbständig zu machen.“ Dazu absolvierte Brigitte Brand das Unternehmergründungsprogramm, das sie im Februar abgeschlossen hat. Parallel dazu lässt sie sich zur diplomierten Resilienztrainerin ausbilden.

Brigitte hatte nie das Gefühl, dass ihr die geisteswissenschaftlichen Studien einen Nachteil gebracht hätten: „Wahrscheinlich liegt das aber auch daran, dass ich etwas Anderes ausgestrahlt habe“, überlegt sie. „Da hat mir mein Aufenthalt in den USA sehr geholfen, denn dort ist es egal, was man studiert hat, was zählt, ist der Uni-Abschluss. Dieses Denken habe ich mitgenommen und mich auf meinem Weg nicht beirren lassen, denn ich bin nach wie vor der Meinung, dass man mit geisteswissenschaftlichen Studien ein tolles Rüstzeug für viele Berufe hat“, ist Brigitte überzeugt.

Text: Birgit Nikzat / KUG

 

 

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol.13

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Die Welt sehen – das wollte David Zottler bereits als Kind. Heute ist der Geisteswissenschaftler in ganz Europa beruflich unterwegs.

Alles begann mit dem Kunstgeschichtestudium an der Karl-Franzens-Universität in Graz und einem Auslandssemester in Straßburg. „Die Zeit in Frankreich hat mich komplett verändert, plötzlich war mir ein Studium nicht mehr genug und ich inskribierte mich nach meiner Rückkehr zusätzlich noch für Geschichte und Französisch.“ David, der übrigens der erste in der Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz war, der drei Studien gleichzeitig abgeschlossen hatte, betätigte sich nebenbei ehrenamtlich für den Verein Erasmus Student Network (ESN) und betreute Incoming-Studenten aus aller Welt: „Damals in Frankreich gab es diesbezüglich wenig Infrastruktur. Deswegen wollte ich mich engagieren, um den internationalen Studierenden hier unter die Arme zu greifen.“ Bald darauf folgten weitere Auslandsaufenthalte, wie etwa ein Praktikum in Brüssel bei der EU: „Ich war der erste Geisteswissenschaftler, der das Praktikum dort bekommen hat. Ich arbeitete bei der Vertretung des Landes Steiermark in der EU, durfte dort bei vielen Meetings und Konferenzen wie etwa im EU-Parlament oder in der EU-Kommission als Repräsentant dabei sein, die für die Steiermark relevanten Informationen aufbereiten und übersetzen. Dieses Praktikum hat meine Überzeugung von der EU gestärkt. Danach lebte ich noch ein halbes Jahr als Sprachassistent in Dijon, Frankreich, und habe später auch in Paris für ein weiteres EU-Projekt gearbeitet. Mein Wissen aus den Studien konnte ich besonders bei der Sprachassistenz gut nutzen, da ich dort vor allem viele landeskundliche Themen in meinen Unterricht einfließen ließ“, meint David.

David Zottler
David Zottler

Noch während seiner Studien in Graz entschied sich David, die zweijährige Ausbildung zum Austria Guide, die berufsbegleitend am WIFI angeboten wird, zu beginnen. Diese staatliche Ausbildung befähigt nach erfolgreicher Absolvierung aller Prüfungen als Fremdenführer in ganz Österreich Führungen durchzuführen, aber auch zu organisieren und zu planen. „Bereits neben den Studien begann ich in Graz, als Austria Guide zu arbeiten“, erzählt David, „und mit der Zeit übernahm ich zusätzlich auch immer mehr Reiseleitungen. Ich habe dazu eine eigene Ausbildung als Reiseleiter absolviert, und leite und organisiere seit damals Reisen in ganz Europa. Als Reiseleiter kann prinzipiell jeder tätig sein, aber Führungen darf man nur dann anbieten, wenn man staatlich geprüfte/r FremdenführerIn ist. Dass ich beide Qualifikationen habe, was relativ selten vorkommt, erweist sich dabei für mich als großer beruflicher Vorteil.

Für diesen Job wird einem eine hohe Belastbarkeit abverlangt und die Bereitschaft, sich ständig weiterzubilden und viel und oft im Ausland unterwegs zu sein. Zudem ist viel Geduld und große Flexibilität nötig und ein offenes Ohr für jedes Wehwehchen: „Es muss alles im Vorfeld abgestimmt werden – Hotels, Restaurants, etc. Die Leute kommen mit allen Problemen zu einem, denn man ist oft ihr einziger Ansprechpartner. Man ist ständig mit ihnen unterwegs, das heißt die soziale Komponente ist überaus wichtig. Wenn man eine Führung anbietet, steht das Fachliche und Inhaltliche im Vordergrund und nach der Führung geht man sozusagen nach Hause. Als Reiseleiter bin ich aber beispielsweise dafür verantwortlich, die unterschiedlichsten Essensallergien zu berücksichtigen, zu wissen, wo ich im Notfall eine Nachtapotheke finde – oder ich muss im Hotel ein neues Zimmer organisieren, wenn etwas nicht passt, und vieles mehr. Das ist zwar anstrengend und verlangt ein hohes Maß an Verantwortung, aber ich liebe meine Arbeit“, schwärmt David, der seine Touren auf Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch durchführt. Derzeit leitet er vor allem viele Bildungsreisen, wie etwa für das amerikanische Unternehmen Road Scholar, eine der weltweit größten Lifelong Learning-Organisationen: „Hier führe und begleite ich US-Amerikaner, die sich für klassische Musik begeistern, auf thematischen Reisen, wie zum Beispiel The Great Composers of Europe, erklärt David. Aber auch in weniger bekannten Gegenden war er schon unterwegs: „Zuletzt fuhr ich mit einer Reisegruppe nach Friesland, in die Niederlande. Da muss man sich schon sehr gut vorbereiten.“

Mit den Studien an der Karl-Franzens-Universität war David prinzipiell sehr zufrieden, nur etwas mehr Internationalität und Interdisziplinarität hätte er sich gewünscht. Generell ist er davon überzeugt, dass es keinen Sinn hat, Studien nur aufgrund der sogenannten „Wirtschaftlichkeit“ auszuwählen. Demnach lautet Davids Appell: „Man sollte das studieren, was einem selbst Freude bereitet, denn nur dann ist man wirklich gut darin und wird Erfolg haben – auch sollte man offen und neugierig sein und sich vielfältig engagieren. Und was ich ganz besonders wichtig finde: jeder sollte unbedingt möglichst viele Erfahrungen im Ausland sammeln, um den persönlichen Horizont zu erweitern und Vorurteile abzubauen!“

Mag. David Zottler, BA BA
E-Mail: david.zottler.guide@gmail.com
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Text: Birgit Nikzat / KUG