Social Business Club Styria

Venturepreneurship Aula – Social Business

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Am Freitag 01. Februar 2019 findet die Venturepreneurship Aula zum Thema Social Business statt.

Das Thema  wir an diesem Abend intensiv beleuchtet und einige der interessantesten Startups und Supportorganisationen aus diesem Sektor werden auf der Bühne vertreten sein.

Zudem freuen wir uns auf eine spannende Keynote von  Ali Mahlodji!

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Im Anschluss an das offizielle Programm laden wir herzlich zum Netzwerken in die Startup Expo powered by Up to Eleven ein.
Dort triffst du die Opinion Leader zum Thema und kannst den Abend mit Startups und vielen inspirierten, unternehmerischen Menschen diskutieren.
Das kann der Startpunkt für dein eigenes Unternehmen sein.

Im Anschluss an die Venturepreneurship Aula findet die NOTS – Night of the Startups statt. Zum lockeren Gedankenaustausch laden hier UT11 und Studo ein.

Wann: Freitag, 01. Februar 2019 (Start 17 Uhr)

Wo: Aula der Universität Graz / Universitätsplatz 3 / 8010 Graz

Gratis Tickets unter: https://www.eventbrite.at/e/venturepreneurship-aula-tickets-51646562258

Bericht: Wirtschaftsgeist Workshop am 20. November 2018 – Social Entrepreneurs – Gesellschaftliche Verantwortung im Kerngeschäft

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Am 20. November ging der sechste Wirtschaftsgeist Workshop über die Bühne, diesmal mit zwei Social Business Unternehmen aus dem Raum Graz und in neuer Location, dem ZWI.Space der Uni Graz. Gemeinsam mit dem Social Business Club Styria als Kooperationspartner wurden zwei Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen für den Workshop ausgewählt.

Mit dabei waren diesmal Studierende aus den Fächern: Russisch, Sozialpädagogik, Umweltsystemwissenschaften mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit, Global Studies, Soziologie und Psychologie.

Silvia Jölli, Geschäftsführerin von heidenspass hat sich mit ihrem 2006 gegründeten Social Business, zur Aufgabe gemacht, die Jugendarbeitslosigkeit zu vermindern. Das sozial-nachhaltige Unternehmen mit einer Hybridfinanzierung gibt jährlich ca. 100 jungen Menschen in akuten Krisen einen Arbeitsplatz. Produziert wird eine breite Palette von ReUse- und Recyclingprodukten. Frau Jölli brachte folgende Challenges in den Workshop mit: Mithilfe des Instrumentes der Mitgliedschaft will man einen Teil des Unternehmens finanzieren. Die Frage lautete: Welche Maßnahmen und Ansätze können entwickelt werden um Mitglieder zu akquirieren?

Magdalena Kahr, Antonia Pokorn, Thomas Raggam von The Schubidu Quartet, firmieren formal als Werbeagentur, fokussieren sich dabei aber in ihrer unternehmerischen Tätigkeit speziell auf gesellschaftsrelevante Themen wie Multikulturalität, Nachhhaltigkeit, innovative Technologien, sowie Kunst und Kultur, insbesondere Musik und darstellende Kunst. Mit folgenden Challenges ging es in den Workshop: Das Team um The Schubidu Quartet ist gerade dabei ihren eigenen Webauftritt zu überarbeiten und war auf der Suche nach einem frischen Blick von außen – so sollte das Leistungsportfolio stärker in inhaltliche Kategorien eingeteilt werden und der eigene Auftritt nach außen überdacht werden.

In den beiden Gruppen wurde intensiv an Lösungsvorschlägen für die Challenges gefeilt. Für heidenspass wurde ein Mitgliederfinanzierungsmodell erarbeitet sowie Maßnahmen zur Förderung der Bekanntheit im Social Media Bereich diskutiert. Für The Schubidu Quartet wurden treffliche Kategorien entwickelt, die ihr Leistungsportfolio in Überkategorien zusammenfassen lässt, was wiederum für potentielle Kunden einen schnellen Überblick ermöglicht, in welchen Bereichen das Unternehmen tätig ist. Zudem wurden auf besonders kreative Art Impulse für den Außenauftritt mitgegeben.

Moderator und Geschäftsführer des SBCS Rüdiger Wetzl-Piewald unterstützte die Teams während der Ideenfindungsprozesse mit den Methoden des „Design Thinking“ und seiner Erfahrung als Gründer eines Social Business.

Zum Abschluss des Workshops wurde noch das Wirken des Social Business Club Styria vorgestellt. Der Club versteht sich als regionales Kompetenzzentrum für Social Entrepreneurship und bietet Unterstützung und Beratung – von der Idee bis zur Gründung eines Social Business.

Remo Taferner, vom Zentrum für Entrepreneurship, stellte zudem die Gründungsgarage vor – der Academic Startup Accelerator der Uni Graz, der Studierende ein Semester lang dabei unterstützt, die eigene Geschäftsidee in Richtung konkrete Umsetzung zu begleiten.

Fotocredit: Andreas Wenzel / KUG

Statements

„Ein erfrischendes Format mit Erkenntnisgewinn für unser Social Business. Bereichernd für beide Seiten!“ Silvia Jölli, Geschäftsführung, heidenspass

„Im Wirtschaftsgeist Workshops haben wir Fragestellung zu unserer eigenen Firmen-Präsentation zusammen mit Studierenden bearbeitet. Der frische Blick von außen ließ uns sehr schnell Lösungen finden. Wir freuen uns die gemeinsamen Ergebnisse bald umzusetzen und können dieses Workshopformat nur wärmstens empfehlen.“ Magdalena Kahr, Antonia Pokorn, Thomas Raggam, The Schubidu Quartet

Der Workshop war sehr interessant, lehrreich und hat viel Spaß gemacht. Ich habe vor einigen Monaten an einem Unternehmensstrategie Workshop mit fast ausschließlich Wirtschaftsstudierenden teilgenommen und im Vergleich dazu hat mir beim Wirtschaftsgeist-Workshop besonders die kreative Denkweise, ungezwungene Atmosphäre, nähere Zusammenarbeit mit dem Unternehmen und der Schwerpunkt auf geisteswissenschaftliche Disziplinen und Lösungsansätze gefallen. Natürlich ist auch die wirtschaftliche, unternehmerische Seite wichtig, um Lösungsansätze wirklich realistisch zu gestalten, doch die Unternehmerin hat uns in dieser Hinsicht sehr mit ihrem Input geholfen.
Auch die kurze Präsentation der Gründungsgarage hielt ich für besonders hilfreich und informativ. Ich würde den Workshop auf jeden Fall weiterempfehlen!!
Studierenden-Feedback

„Der Wirtschaftsgeist Workshop ermöglicht einen tiefen Einblick in die Tätigkeit von Unternehmerinnen und Unternehmern und zeigt deren Herausforderungen auf. Durch den ehrlichen Austausch können sowohl Studierende als auch Unternehmen vom Miteinander profitieren. Ich finde das Konzept einfach super und komme gerne wieder!“ Studierenden-Feeback

Es war toll, für ein paar Stunden in die Welt der sozialen Unternehmen einzutauchen, mit anderen engagierten Studierenden und den Unternehmern zusammenzuarbeiten. Ich finde es super, da man mit Leuten aus ganz anderen (Studien) Richtungen zusammenkommt, da so unterschiedliche Perspektiven sich super ergänzen und man viel voneinander lernen kann. Der Prozess des Problemlösens war auch spannend, teilweise wurden wir etwas Chaotisch oder Brainstormten nur mehr, um dann aber wieder zu einer Struktur zu finden und das Ganze in ein Konzept zu verpacken. Es war sehr lehrreich, zu unseren Ideen das Feedback einer Unternehmerin zu bekommen, sie weiß, was realistisch umsetzbar ist und welche unternehmerischen Aspekte man nicht außer Acht lassen sollte…“ Studierenden-Feeback

Das WIRTSCHAFTSGEIST-Team bedankt sich sehr herzlich bei den Studierenden und den Unternehmen für die Teilnahme am Workshop. Ebenso bedanken möchten wir uns bei den zahlreichen KooperationspartnerInnen, die uns auch diesmal bei der Ankündigung und der Organisation des Workshops unterstützt haben, u.a.: alumnni UNI graz, Career Center der Uni Graz, DocService der Uni Graz, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Uni Graz, Fakultätsvertretung Geisteswissenschaften der ÖH Uni Graz, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Uni Graz, Studienvertretung Musikologie der ÖH Uni Graz und der KUG, studo.co, Circle of Excellence, Social Business Club Styria

 

Anmeldung zum Wirtschaftsgeist-Workshop – Social Entrepreneurs

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Das WTZ Süd lädt zum sechsten Wirtschaftsgeist-Workshop am 20. November 2018. Diesmal mit dem Themenschwerpunkt: „Social Entrepreneurs – gesellschaftliche Wirkung im Kerngeschäft“.

studo

 

Jetzt anmelden!

WER?
Zielgruppe: Studierende der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und der Künste an der Karl-Franzens-Universität Graz, der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und der Kunstuniversität Graz treffen auf folgende Unternehmen:

www.schubiduquartet.com
erarbeiten gesellschaftsrelevante Themen durch Gestaltung von Blogs, Websites, Videos, Fotos, Texte und Grafiken

www.sonected.at
bieten maßgeschneiderte Organisation und Verwaltung für‘s Business, sowie für Vereine und Freizeit

www.heidenspass.cc
entwickeln Upcycling-Designprodukte

WAS?
Der WIRTSCHAFTSGEIST Workshop bringt Studierende der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und der Künste mit UnternehmerInnen zusammen. Studierende, die Interesse haben mit unternehmerischen Zugängen gesellschaftliche Aufgabestellungen zu bearbeiten, treffen auf ambitionierte UnternehmerInnen, um einander kennenzulernen und gemeinsam an einer Challenge zu arbeiten.

WOFÜR?
Studierende erhalten Einblicke wie Social Entrepreneurs an gesellschaftlichen Herausforderung herangehen, während Unternehmen die vielseitige Expertise von Studierenden im geisteswissenschaftlichen und künstlerischen Bereich kennenlernen und von deren kreativen Problemlösungsansätzen profitieren.

WIE?
Für jedes teilnehmende Unternehmen wird ein interdisziplinäres Studierenden-Team gebildet. Gemeinsam arbeitet jedes Team an einer Challenge aus der Praxis. Dabei werden Lösungsansätze aus unterschiedlichen Disziplinen kombiniert. Ein Innovationscoach gibt dabei wertvolle Impulse und vermittelt nützliche Kreativitätstechniken, um die einzelnen Workshop-Projekte zu unterstützen.

WANN & WO?
Datum: DIENSTAG, 20. November 2018, 11.00 Uhr bis 16.00 Uhr
Ort: ZWI.Space Uni Graz, Halbärthgasse 2-4, 8010 Graz

Weitere Informationen und Anmeldung: wirtschaftsgeist@uni-graz.at
Anmeldefrist: 14. November 2018

Der Wirtschaftsgeist-Workshop findet in Zusammenarbeit mit dem Social Business Club Styria statt.

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 20

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Als Geisteswissenschaftler zum Unternehmer – Rüdiger Wetzl-Piewald

Wirtschaftsgeist.com diesmal im Gespräch mit Germanistik-Absolvent, Compuritas-Gründer und Geschäftsführer des Social Business Clubs Styria, Rüdiger Wetzl-Piewald. Im Interview erzählt er, wie er in Lateinamerika aus den resilienten ReUse-Lösungsansätzen der in Armut lebenden Menschen seine eigene ökologisch-sozial wirksame Geschäftsidee entwickelt hat.

Rüdiger Wetzl-Piewald
Rüdiger Wetzl-Piewald

Herr Wetzl-Piewald, Sie haben Germanistik in Kombination mit Kulturmanagement an der Karl-Franzens-Universität Graz studiert. Wie ist es dazu gekommen?
Ich wollte nach der Matura eigentlich eine Lehrstelle als EDV-Techniker absolvieren. Damals gab es in der gesamten Steiermark nur eine Lehrstelle und interessanterweise an der Kunst Uni Graz. Leider wurde ich mit der Begründung: „Gehen Sie doch studieren, Sie haben ja die Matura gemacht“ nicht genommen und entschied mich dann fürs Studieren.
Mir war nicht wichtig was ich studiere – es ging mir eigentlich darum einen Abschluss zu haben und es sollte mich schon interessieren. Ich hatte sicherlich nicht diesen Karrierestudienverlauf, wie: „Ich studiere genau dieses Fach und dann habe ich einen genauen Karriereplan“.

Hatten Sie nicht Angst mit Germanistik keinen Job zu bekommen?
Ja, das war das Klischee. Für mich ein falsches. Die Ambitionen, in den Geisteswissenschaften einen vorgezeichneten Karriereweg zu verfolgen, haben die wenigsten. Was ich sehr schade finde. Die Studien sind viel besser vermittelbar, wenn am Anfang stärker aufzeigt wird welche Berufslaufbahnen man einschlagen kann.
Im Nachhinein betrachtet ist die Absolvierung des Germanistikstudiums für mich ein „Allerweltsstudium“ im positiven Sinne. Als AbsolventIn hat man sich in der Regel sehr intensiv mit der deutschen Sprache befasst und kann diese gehobene Fähigkeit der Sprachverwendung in der Praxis sehr gut einsetzen. Zusätzlich bekomme ich ein Wissenspaket und hoffentlich auch eine sinnvolle Weltanschauung mit auf dem Weg. Und, was ich ganz wichtig finde, was die Universität als Bildungsinstitution eigentlich ausmacht: kritisches Denken zu erlernen. Sicher ist das bei jeder Fakultät unterschiedlich ausgeprägt, aber an der geisteswissenschaftlichen Fakultät ist dieser Aspekt besonders wichtig. Generell gilt, wenn man ein Studium absolviert, muss man sich selbständig Sachverhalte erarbeiten und in den geisteswissenschaftlichen Studien kommt zusätzlich noch eine kritisch-reflexive Weltsicht dazu.
Und da haben wir auch schon einen Vergleich zur Philosophie des Unternehmertums: man kann nicht einfach vorverdaute Brocken übernehmen und dann abarbeiten, sondern muss sich längerfristig selbständig neue Inhalte erarbeiten und Sachverhalte kritisch betrachten. Somit ist ein geisteswissenschaftliches Studium eine gute Voraussetzung für eine Karriere als UnternehmerIn. Das ist eigentlich eine interessante Hypothese: Sind GeisteswissenschaftlerInnen die besseren UnternehmerInnen? Das wäre sicher spannend zu untersuchen.

Haben Sie neben Ihrem Studium gearbeitet oder sich ehrenamtlich engagiert? Wenn ja, welche Erfahrungen konnten Sie dabei sammeln?
Ich war der klassische Durchschnittsstudent. Für mich war es wichtig überhaupt zu studieren und diesen Prozess durchzumachen. Ich habe damals während des Studiums ehrenamtlich einen Verein für Kulturmanagement gegründet. Das Projekt war eine Zusammenkunft von motivierten Leuten, die die Idee hatten, später im Kulturmanagement zu arbeiten. Da bin ich erstmals mit unternehmerischen Fragestellungen konfrontiert worden. Die meisten MitstreiterInnen sind dann aber abgesprungen und es blieben ich und ein Auftrag, um eine Kunstgalerie für eine Künstlerin zu bestreiten. Der Aufwand und auch der Lerneffekt war riesengroß, aber es war für die Erfahrung endlos wichtig, um zu sehen was es bedeutet langfristig ein Projekt zu gestalten. Zu dieser Zeit habe ich ein Semester lang nicht studiert und nur dieses Projekt betreut und abgeschlossen. Andere machen ein Praktikum, ich hatte meines als Kunstgaleriebetreiber.

Was hat dir das Studium und die ehrenamtliche Tätigkeit für deine unternehmerische Praxis gebracht?
Beides hat einen großen Einfluss und mir breites Wissen bereitgestellt. Ein konkretes Beispiel: Pressearbeit im Kulturmanagement. Was ich aus dem geisteswissenschaftlichen Studium fürs Unternehmertum mitgenommen habe ist vor allem das Handwerk von professioneller Korrespondenz und Textproduktion sowie Pressearbeit. Sehr viele UnternehmerInnen übersehen zu Beginn, dass sie eigentlich ganz viel kommunizieren müssen. Der große Vorteil des Studiums war sicher Kommunikation zu lernen und auszuüben und als Folge ein gutes Rüstzeug zu erhalten, um Verhandlungen führen zu können. Das klassische Klischee ist, dass ein technikgetriebenes Start-up schlecht verhandeln kann. TU Studierende sind zwar im Fach außerordentlich gut, aber es scheitert oftmals bei der Vermittlung ihrer Ideen. Unternehmertum bedeutet nicht nur fachlich gut sein zu müssen, sondern – und das ist oftmals das Entscheidende – dass man Ideen aufbereiten und verkaufen kann. Das sind dann Dinge, die ich mir entweder teuer zukaufen muss oder es bedeutet, jemanden im Team haben zu müssen, der diese Fähigkeiten besitzt.
Ich habe über die Fächerkombination Kulturmanagement auch einige Stunden Betriebswirtschaft absolviert – auf kleinem Niveau, aber immerhin. Es ist wichtig fachfremde Inhalte zu hören, die anschließend für eine mögliche selbständige Tätigkeit hilfreich sein können. Speziell Personen aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich sind oftmals sehr weit weg von diesen Themen und trauen sich dann, aufgrund mangelnder wirtschaftlicher Kenntnisse, geniale Ideen nicht in Form einer selbständigen Tätigkeit umzusetzen.
Mit euren Wirtschaftsgeist-Workshops, mit denen ihr GeisteswissenschaftlerInnen und Kunstschaffende mit Unternehmen zusammenbringt, habt ihr da sicher eine sinnvolle und brückenschlagende Initiative ins Leben gerufen.

Kommen wir zur Geschichte von Compuritas. Wann hat das mit der Idee des Refurbishment begonnen, woher stammt die Idee? Wie hat sich das alles entwickelt?
Ich habe während des Studiums Erasmus in England gemacht und für ein Jahr in Bristol Germanistik studiert. Auf einer Messe, auf der man sich über das sogenannte Gap-Year informieren konnte, ist der Entschluss in mir gereift nochmals ins Ausland zu gehen. Diesmal nach Lateinamerika. Nur zur Erklärung: Das Gap-Year ist eine höchst sinnvolle Auszeit zwischen Studienende und Berufsbeginn und gehört in vielen angelsächsischen Ländern selbstverständlich in die Lebensplanung hinein.
Über meine Tätigkeit bei der Initiative aiesec – einer internationalen studentischen Organisation, die unter anderem Auslandspraktika vermittelt – bin ich nach Brasilien und Argentinien gekommen und verbrachte dort rund zwei Jahre. Ich wollte mich als Ziel meines Aufenthaltes mit dem Thema Armut auseinandersetzen. Schließlich wird viel über Armut gesprochen, aber es passiert wenig dagegen und ich wollte mir das direkt vor Ort anschauen – jetzt nicht als Gaffer – sondern, um herauszufinden was das jetzt wirklich heißt in Armut zu leben. Wenn man eben nicht nur das tragische Element sieht, sondern auch wie die Leute damit umgehen, das habe ich sehr beachtenswert gefunden. Es ging mir darum andere Lebenswelten kennenzulernen und zu sehen und zu verstehen, wie sie damit umgehen und das hat mich für mein weiteres – insbesondere mein berufliches Leben – sehr geprägt.

Was hast du dort gemacht? In welchem Projekt warst du involviert?
Ich musste mich großteils selbst erhalten und wie macht man das im Ausland? Man stellt sich die Frage: Was kann ich in einem Umfeld, das mir fremd ist, beruflich machen. Ich habe in Brasilien zwar in Rekordzeit Portugiesisch gelernt, aber nicht so perfekt, dass ich mich gleich für einen halbwegs guten Job hätte bewerben können. Das ist vielleicht auch ganz spannend für die Migrationsdebatte: Was bringe ich als Schlüsselqualifikation mit, dort wo ich mich befinde, was andere nicht können? Das einzige, was mir eingefallen ist, war, dass ich Deutsch kann und darin sogar ein ganzes Studium absolviert habe. Der Vorteil für mich war, dass in den dortigen Pflichtschulen der Fremdsprachenunterricht keine große Bedeutung hat, die Menschen aber durchaus Interesse am Fremdsprachenerwerb haben. Deshalb gibt es in jeder Stadt zahlreiche privat geführte Kleinstschulen, die Sprachvermittlung anbieten. Ich habe in Brasilien im Rahmen des vermittelten Praktikums zunächst in einer Komplementärschule (http://www.larescola.org.br/) gearbeitet und neben allgemeinen Helfertätigkeiten Musik und ein wenig Informatik unterrichtet. Lar Escola betreut seine SchülerInnen, die großteils aus den ärmsten Stadtteilen kommen, zusätzlich zur Regelschule. Weniger um weiteres Wissen zu vermitteln, sondern um diese Kinder im Alter von 6-16 Jahren in ihrer Freizeit vor der realen Gefahr von Drogen, Prostitution und Kriminalität zu schützen.
Besonders beeindruckt hat mich dort ein Projekt mit dem Titel „Die Zukunft formatieren“ (deletando o futuro), in welchem Basiswissen für Computeranwendung vermittelt wurde, um auf den Arbeitsmarkt vorbereitet zu werden und gleichzeitig das Selbstwertgefühl zu steigern. Denn nur, wer einen normalen Job in Brasilien bekommen kann, hat eine echte Chance aus der bitteren Armut herauszukommen.

Wie hat sich aus dieser Erfahrung heraus die Idee für Compuritas entwickelt?
Ich bin auf das Thema ReUse-Computer gestoßen noch bevor ich von meinem Auslandsaufenthalt zurückgekommen bin. Das war bis zu diesem Zeitpunkt ein unbekanntes Thema. In Lateinamerika sah ich, dass das ein normaler Geschäftszweig ist – wenn auch auf sehr kleiner Basis. Das sind Bastlerläden, von denen es zahlreiche gibt, weil sich dort Neugeräte kein Mensch leisten kann. Neue Computer kosten fast überall gleich viel, egal wie hoch die jeweilige Kaufkraft ist. Deshalb entwickeln sich in diesen Ländern viel schneller ReUse-Modelle.
Dann bin ich zurückgekommen und habe erst gar nicht vorgehabt, an dieses Thema anzuschließen. Ich habe vorerst versucht meiner Ausbildung gemäß sprachlich was zu tun und wollte vor allem im Kulturmanagement Fuß fassen. Plan A war ich finde gleich eine Stelle und Plan B war, dass ich Sprachunterricht gebe und parallel einen Job suche. Beides hat leider nicht funktioniert. Für das Kulturmanagement war ich leider zu lange nicht da, um am heimischen Markt einsteigen zu können – mir fehlte nach zwei Jahren im Ausland das notwendige Netzwerk. Und die österreichischen Sprachschulen waren völlig überlaufen und boten sehr fragwürdige Arbeitsbedingungen.
So kam ganz schnell die Idee mit dem Unternehmertum. Ich habe mich zuhause hingesetzt und überlegt, was tue ich jetzt. Dann kam die Idee mit dem IT-Bereich in Kombination mit dem ReUse Gedanken.
Ganz am Anfang habe ich in der Elisabethstraße in kleinen Räumlichkeiten angefangen und das gemacht, was ich vorher schon konnte: EDV-Technik. Ich konnte hier eine Nische bedienen und einen guten KundInnenstock aufbauen. Das natürlich mit niedrigen Tarifen, da Computertechnikservice eigentlich sehr teuer ist und die wenigsten sich ein richtiges Service leisten können.

Wie kam Compuritas dann in die Annenstraße – der heutige Unternehmenssitz? Wie habt ihr die Expansion finanziert?
In dieser Zeit habe ich mit der EDV-Technik eine Basis geschaffen, um den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Der Gedanke mit dem ReUse Konzept war damals schon vorhanden. Es ging dann darum das weiterzuentwickeln. Zwei Jahre habe ich neben der eigentlichen Arbeit ganz viel recherchiert, um herauszufinden wo man ausgediente Businesshardware beziehen konnte. Wir können sie aufbereiten, aber man muss die Gerät irgendwo herbekommen und man muss sie auch wiederverkaufen können.
Das Know-how hatten wir und dann kam die Möglichkeit mit der Puls4 Start-up-Show „2 Minuten, 2 Millionen“. Das passierte alles nicht von heute auf morgen. Die ersten sehr wichtigen Preise, wie den „Trigos“ und den „Klimaschutzpreis“ haben wir erhalten, als wir noch sehr klein waren. Ein entscheidender Faktor, dass wir diese Preise erhalten haben, ist auch darauf zurückzuführen, dass ich Germanistik studiert habe. Ich konnte dadurch Texte gut formulieren und die gesamte Unternehmensphilosophie mit dem ReUse Konzept besonders schlüssig darlegen. Da hatte ich sicherlich einen Vorteil gegenüber anderen Einreichungen.
Wir haben ein halbes Jahr damit verbracht InvestorInnen für unser Konzept zu finden. Das hat leider nicht so funktioniert, wie wir uns das erhofft haben. Compuritas versteht sich als Social Entrepreneurship, dh wir versuchen mit unternehmerischen Lösungen gesellschaftliche Problemstellungen anzugehen. Für gewöhnliche Investoren, die nur auf den ökonomischen Profit Wert legen, waren wir daher nicht interessant genug. „Impact Investors„, also Geldgeber, die mit ihren Investitionen auch eine gesellschaftliche Wirkung erzielen wollen, waren damals noch nicht wirklich greifbar. Die Investorensuche war daher am Anfang schwierig. Wir haben dann mit Crowdinvesting erfolgreich die ersten 80.000 € eingesammelt und diese Investitionssumme mit einem Förderkredit verdoppelt. Dann sind wir in den heutigen Standort umgezogen. Unsere wiederaufbereiteten Businessgeräte werden heute vorwiegend an Schulen, gemeinnützige Organisationen und Privatkunden in Österreich, Deutschland und der Tschechischen Republik verkauft.

Wie ist es dazu gekommen, dass du jetzt Geschäftsführer des Social Business Club Styria (SBCS) bist?
Mit unternehmerischem Handeln gesellschaftliche Lösungen für Probleme der heutigen Zeit anzubieten, das haben wir mit Compuritas – durchaus als ein Vorzeigeprojekt – geschafft. Nach 8 Jahren wollte ich eine persönliche Veränderung und es ergab sich die Gelegenheit operativ aus dem Unternehmen auszusteigen und den Social Business Club Styria aufzubauen. Ich wollte, dass Compuritas unbedingt bestehen bleibt und auf sicheren Beinen steht, wenn ich nicht mehr operativ dabei bin. Das ist nicht ganz unproblematisch, wenn man einer von zwei treibenden Kräften ist und man dann als Kernperson das Unternehmen verlässt. Uns war klar, wenn ich gehe, muss jemand meine Agenden übernehmen. Glücklicherweise hatte ich mit meinem ersten Mitarbeiter, der schon in der Elisabethstraße als geringfügige Kraft angefangen hat, eine Person mit dem notwendigen Maß an Ambition und Qualifikation in der Firma. Ich konnte Matthias guten Gewissens die Geschicke von Compuritas übergeben und bereue das bis heute keinen Tag!
Nach Übergabe meiner Firma wollte ich dennoch unbedingt im Feld des gesellschaftlich wirksamen Unternehmertums bleiben. Erstens, weil es ein persönliches Anliegen von mir ist, die Idee von Social Entrepreneurship zu stärken und zweitens, weil ich als neue Schlüsselqualifikation jahrelang Erfahrung gesammelt habe, wie man Ideen in diesem Bereich umsetzt. In der neuen Funktion als Geschäftsführer des Social Business Club Styria habe ich nun, mit der praktischen Erfahrung im Hintergrund, die Möglichkeit zum Aufbau einer Struktur, die angehende Social Entrepreneurs in allen Unternehmensphasen als Kompetenzentrum zur Seite steht.

Was ist deine Vision für den SBCS?
Ich möchte erreichen, dass die Zahl der gesellschaftlich wirksamen Unternehmensgründungen über die Jahre ordentlich ansteigt, weil die allermeisten Ideen noch vor der Gründungsphase stecken bleiben. Ich möchte motivierte Menschen dabei unterstützen, aus ihren ambitionierten Ideen ein Geschäftsmodell zu machen. Es sollen nicht nur die Zahl der Gründungen steigen, sondern auch deren Qualität.
In der öffentlichen Wahrnehmung soll Social Entrepreneurship für eine Unternehmenslandschaft stehen, die den Sinn und Zweck von Wirtschaft als lebensdienliche Tätigkeit mit positiver Wirkung für Mensch und Gesellschaft versteht, also ein menschliches soziales Tun, das darauf abzielt, unser aller Leben zu verbessern.

Vielen herzlichen Dank für das Interview!