Social Entrepreneurship

Anmeldung zum Wirtschaftsgeist-Workshop – Social Entrepreneurs

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Das WTZ Süd lädt zum sechsten Wirtschaftsgeist-Workshop am 20. November 2018. Diesmal mit dem Themenschwerpunkt: „Social Entrepreneurs – gesellschaftliche Wirkung im Kerngeschäft“.

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Jetzt anmelden!

WER?
Zielgruppe: Studierende der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und der Künste an der Karl-Franzens-Universität Graz, der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und der Kunstuniversität Graz treffen auf folgende Unternehmen:

www.schubiduquartet.com
erarbeiten gesellschaftsrelevante Themen durch Gestaltung von Blogs, Websites, Videos, Fotos, Texte und Grafiken

www.sonected.at
bieten maßgeschneiderte Organisation und Verwaltung für‘s Business, sowie für Vereine und Freizeit

www.heidenspass.cc
entwickeln Upcycling-Designprodukte

WAS?
Der WIRTSCHAFTSGEIST Workshop bringt Studierende der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und der Künste mit UnternehmerInnen zusammen. Studierende, die Interesse haben mit unternehmerischen Zugängen gesellschaftliche Aufgabestellungen zu bearbeiten, treffen auf ambitionierte UnternehmerInnen, um einander kennenzulernen und gemeinsam an einer Challenge zu arbeiten.

WOFÜR?
Studierende erhalten Einblicke wie Social Entrepreneurs an gesellschaftlichen Herausforderung herangehen, während Unternehmen die vielseitige Expertise von Studierenden im geisteswissenschaftlichen und künstlerischen Bereich kennenlernen und von deren kreativen Problemlösungsansätzen profitieren.

WIE?
Für jedes teilnehmende Unternehmen wird ein interdisziplinäres Studierenden-Team gebildet. Gemeinsam arbeitet jedes Team an einer Challenge aus der Praxis. Dabei werden Lösungsansätze aus unterschiedlichen Disziplinen kombiniert. Ein Innovationscoach gibt dabei wertvolle Impulse und vermittelt nützliche Kreativitätstechniken, um die einzelnen Workshop-Projekte zu unterstützen.

WANN & WO?
Datum: DIENSTAG, 20. November 2018, 11.00 Uhr bis 16.00 Uhr
Ort: ZWI.Space Uni Graz, Halbärthgasse 2-4, 8010 Graz

Weitere Informationen und Anmeldung: wirtschaftsgeist@uni-graz.at
Anmeldefrist: 14. November 2018

Der Wirtschaftsgeist-Workshop findet in Zusammenarbeit mit dem Social Business Club Styria statt.

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 20

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Als Geisteswissenschaftler zum Unternehmer – Rüdiger Wetzl-Piewald

Wirtschaftsgeist.com diesmal im Gespräch mit Germanistik-Absolvent, Compuritas-Gründer und Geschäftsführer des Social Business Clubs Styria, Rüdiger Wetzl-Piewald. Im Interview erzählt er, wie er in Lateinamerika aus den resilienten ReUse-Lösungsansätzen der in Armut lebenden Menschen seine eigene ökologisch-sozial wirksame Geschäftsidee entwickelt hat.

Rüdiger Wetzl-Piewald
Rüdiger Wetzl-Piewald

Herr Wetzl-Piewald, Sie haben Germanistik in Kombination mit Kulturmanagement an der Karl-Franzens-Universität Graz studiert. Wie ist es dazu gekommen?
Ich wollte nach der Matura eigentlich eine Lehrstelle als EDV-Techniker absolvieren. Damals gab es in der gesamten Steiermark nur eine Lehrstelle und interessanterweise an der Kunst Uni Graz. Leider wurde ich mit der Begründung: „Gehen Sie doch studieren, Sie haben ja die Matura gemacht“ nicht genommen und entschied mich dann fürs Studieren.
Mir war nicht wichtig was ich studiere – es ging mir eigentlich darum einen Abschluss zu haben und es sollte mich schon interessieren. Ich hatte sicherlich nicht diesen Karrierestudienverlauf, wie: „Ich studiere genau dieses Fach und dann habe ich einen genauen Karriereplan“.

Hatten Sie nicht Angst mit Germanistik keinen Job zu bekommen?
Ja, das war das Klischee. Für mich ein falsches. Die Ambitionen, in den Geisteswissenschaften einen vorgezeichneten Karriereweg zu verfolgen, haben die wenigsten. Was ich sehr schade finde. Die Studien sind viel besser vermittelbar, wenn am Anfang stärker aufzeigt wird welche Berufslaufbahnen man einschlagen kann.
Im Nachhinein betrachtet ist die Absolvierung des Germanistikstudiums für mich ein „Allerweltsstudium“ im positiven Sinne. Als AbsolventIn hat man sich in der Regel sehr intensiv mit der deutschen Sprache befasst und kann diese gehobene Fähigkeit der Sprachverwendung in der Praxis sehr gut einsetzen. Zusätzlich bekomme ich ein Wissenspaket und hoffentlich auch eine sinnvolle Weltanschauung mit auf dem Weg. Und, was ich ganz wichtig finde, was die Universität als Bildungsinstitution eigentlich ausmacht: kritisches Denken zu erlernen. Sicher ist das bei jeder Fakultät unterschiedlich ausgeprägt, aber an der geisteswissenschaftlichen Fakultät ist dieser Aspekt besonders wichtig. Generell gilt, wenn man ein Studium absolviert, muss man sich selbständig Sachverhalte erarbeiten und in den geisteswissenschaftlichen Studien kommt zusätzlich noch eine kritisch-reflexive Weltsicht dazu.
Und da haben wir auch schon einen Vergleich zur Philosophie des Unternehmertums: man kann nicht einfach vorverdaute Brocken übernehmen und dann abarbeiten, sondern muss sich längerfristig selbständig neue Inhalte erarbeiten und Sachverhalte kritisch betrachten. Somit ist ein geisteswissenschaftliches Studium eine gute Voraussetzung für eine Karriere als UnternehmerIn. Das ist eigentlich eine interessante Hypothese: Sind GeisteswissenschaftlerInnen die besseren UnternehmerInnen? Das wäre sicher spannend zu untersuchen.

Haben Sie neben Ihrem Studium gearbeitet oder sich ehrenamtlich engagiert? Wenn ja, welche Erfahrungen konnten Sie dabei sammeln?
Ich war der klassische Durchschnittsstudent. Für mich war es wichtig überhaupt zu studieren und diesen Prozess durchzumachen. Ich habe damals während des Studiums ehrenamtlich einen Verein für Kulturmanagement gegründet. Das Projekt war eine Zusammenkunft von motivierten Leuten, die die Idee hatten, später im Kulturmanagement zu arbeiten. Da bin ich erstmals mit unternehmerischen Fragestellungen konfrontiert worden. Die meisten MitstreiterInnen sind dann aber abgesprungen und es blieben ich und ein Auftrag, um eine Kunstgalerie für eine Künstlerin zu bestreiten. Der Aufwand und auch der Lerneffekt war riesengroß, aber es war für die Erfahrung endlos wichtig, um zu sehen was es bedeutet langfristig ein Projekt zu gestalten. Zu dieser Zeit habe ich ein Semester lang nicht studiert und nur dieses Projekt betreut und abgeschlossen. Andere machen ein Praktikum, ich hatte meines als Kunstgaleriebetreiber.

Was hat dir das Studium und die ehrenamtliche Tätigkeit für deine unternehmerische Praxis gebracht?
Beides hat einen großen Einfluss und mir breites Wissen bereitgestellt. Ein konkretes Beispiel: Pressearbeit im Kulturmanagement. Was ich aus dem geisteswissenschaftlichen Studium fürs Unternehmertum mitgenommen habe ist vor allem das Handwerk von professioneller Korrespondenz und Textproduktion sowie Pressearbeit. Sehr viele UnternehmerInnen übersehen zu Beginn, dass sie eigentlich ganz viel kommunizieren müssen. Der große Vorteil des Studiums war sicher Kommunikation zu lernen und auszuüben und als Folge ein gutes Rüstzeug zu erhalten, um Verhandlungen führen zu können. Das klassische Klischee ist, dass ein technikgetriebenes Start-up schlecht verhandeln kann. TU Studierende sind zwar im Fach außerordentlich gut, aber es scheitert oftmals bei der Vermittlung ihrer Ideen. Unternehmertum bedeutet nicht nur fachlich gut sein zu müssen, sondern – und das ist oftmals das Entscheidende – dass man Ideen aufbereiten und verkaufen kann. Das sind dann Dinge, die ich mir entweder teuer zukaufen muss oder es bedeutet, jemanden im Team haben zu müssen, der diese Fähigkeiten besitzt.
Ich habe über die Fächerkombination Kulturmanagement auch einige Stunden Betriebswirtschaft absolviert – auf kleinem Niveau, aber immerhin. Es ist wichtig fachfremde Inhalte zu hören, die anschließend für eine mögliche selbständige Tätigkeit hilfreich sein können. Speziell Personen aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich sind oftmals sehr weit weg von diesen Themen und trauen sich dann, aufgrund mangelnder wirtschaftlicher Kenntnisse, geniale Ideen nicht in Form einer selbständigen Tätigkeit umzusetzen.
Mit euren Wirtschaftsgeist-Workshops, mit denen ihr GeisteswissenschaftlerInnen und Kunstschaffende mit Unternehmen zusammenbringt, habt ihr da sicher eine sinnvolle und brückenschlagende Initiative ins Leben gerufen.

Kommen wir zur Geschichte von Compuritas. Wann hat das mit der Idee des Refurbishment begonnen, woher stammt die Idee? Wie hat sich das alles entwickelt?
Ich habe während des Studiums Erasmus in England gemacht und für ein Jahr in Bristol Germanistik studiert. Auf einer Messe, auf der man sich über das sogenannte Gap-Year informieren konnte, ist der Entschluss in mir gereift nochmals ins Ausland zu gehen. Diesmal nach Lateinamerika. Nur zur Erklärung: Das Gap-Year ist eine höchst sinnvolle Auszeit zwischen Studienende und Berufsbeginn und gehört in vielen angelsächsischen Ländern selbstverständlich in die Lebensplanung hinein.
Über meine Tätigkeit bei der Initiative aiesec – einer internationalen studentischen Organisation, die unter anderem Auslandspraktika vermittelt – bin ich nach Brasilien und Argentinien gekommen und verbrachte dort rund zwei Jahre. Ich wollte mich als Ziel meines Aufenthaltes mit dem Thema Armut auseinandersetzen. Schließlich wird viel über Armut gesprochen, aber es passiert wenig dagegen und ich wollte mir das direkt vor Ort anschauen – jetzt nicht als Gaffer – sondern, um herauszufinden was das jetzt wirklich heißt in Armut zu leben. Wenn man eben nicht nur das tragische Element sieht, sondern auch wie die Leute damit umgehen, das habe ich sehr beachtenswert gefunden. Es ging mir darum andere Lebenswelten kennenzulernen und zu sehen und zu verstehen, wie sie damit umgehen und das hat mich für mein weiteres – insbesondere mein berufliches Leben – sehr geprägt.

Was hast du dort gemacht? In welchem Projekt warst du involviert?
Ich musste mich großteils selbst erhalten und wie macht man das im Ausland? Man stellt sich die Frage: Was kann ich in einem Umfeld, das mir fremd ist, beruflich machen. Ich habe in Brasilien zwar in Rekordzeit Portugiesisch gelernt, aber nicht so perfekt, dass ich mich gleich für einen halbwegs guten Job hätte bewerben können. Das ist vielleicht auch ganz spannend für die Migrationsdebatte: Was bringe ich als Schlüsselqualifikation mit, dort wo ich mich befinde, was andere nicht können? Das einzige, was mir eingefallen ist, war, dass ich Deutsch kann und darin sogar ein ganzes Studium absolviert habe. Der Vorteil für mich war, dass in den dortigen Pflichtschulen der Fremdsprachenunterricht keine große Bedeutung hat, die Menschen aber durchaus Interesse am Fremdsprachenerwerb haben. Deshalb gibt es in jeder Stadt zahlreiche privat geführte Kleinstschulen, die Sprachvermittlung anbieten. Ich habe in Brasilien im Rahmen des vermittelten Praktikums zunächst in einer Komplementärschule (http://www.larescola.org.br/) gearbeitet und neben allgemeinen Helfertätigkeiten Musik und ein wenig Informatik unterrichtet. Lar Escola betreut seine SchülerInnen, die großteils aus den ärmsten Stadtteilen kommen, zusätzlich zur Regelschule. Weniger um weiteres Wissen zu vermitteln, sondern um diese Kinder im Alter von 6-16 Jahren in ihrer Freizeit vor der realen Gefahr von Drogen, Prostitution und Kriminalität zu schützen.
Besonders beeindruckt hat mich dort ein Projekt mit dem Titel „Die Zukunft formatieren“ (deletando o futuro), in welchem Basiswissen für Computeranwendung vermittelt wurde, um auf den Arbeitsmarkt vorbereitet zu werden und gleichzeitig das Selbstwertgefühl zu steigern. Denn nur, wer einen normalen Job in Brasilien bekommen kann, hat eine echte Chance aus der bitteren Armut herauszukommen.

Wie hat sich aus dieser Erfahrung heraus die Idee für Compuritas entwickelt?
Ich bin auf das Thema ReUse-Computer gestoßen noch bevor ich von meinem Auslandsaufenthalt zurückgekommen bin. Das war bis zu diesem Zeitpunkt ein unbekanntes Thema. In Lateinamerika sah ich, dass das ein normaler Geschäftszweig ist – wenn auch auf sehr kleiner Basis. Das sind Bastlerläden, von denen es zahlreiche gibt, weil sich dort Neugeräte kein Mensch leisten kann. Neue Computer kosten fast überall gleich viel, egal wie hoch die jeweilige Kaufkraft ist. Deshalb entwickeln sich in diesen Ländern viel schneller ReUse-Modelle.
Dann bin ich zurückgekommen und habe erst gar nicht vorgehabt, an dieses Thema anzuschließen. Ich habe vorerst versucht meiner Ausbildung gemäß sprachlich was zu tun und wollte vor allem im Kulturmanagement Fuß fassen. Plan A war ich finde gleich eine Stelle und Plan B war, dass ich Sprachunterricht gebe und parallel einen Job suche. Beides hat leider nicht funktioniert. Für das Kulturmanagement war ich leider zu lange nicht da, um am heimischen Markt einsteigen zu können – mir fehlte nach zwei Jahren im Ausland das notwendige Netzwerk. Und die österreichischen Sprachschulen waren völlig überlaufen und boten sehr fragwürdige Arbeitsbedingungen.
So kam ganz schnell die Idee mit dem Unternehmertum. Ich habe mich zuhause hingesetzt und überlegt, was tue ich jetzt. Dann kam die Idee mit dem IT-Bereich in Kombination mit dem ReUse Gedanken.
Ganz am Anfang habe ich in der Elisabethstraße in kleinen Räumlichkeiten angefangen und das gemacht, was ich vorher schon konnte: EDV-Technik. Ich konnte hier eine Nische bedienen und einen guten KundInnenstock aufbauen. Das natürlich mit niedrigen Tarifen, da Computertechnikservice eigentlich sehr teuer ist und die wenigsten sich ein richtiges Service leisten können.

Wie kam Compuritas dann in die Annenstraße – der heutige Unternehmenssitz? Wie habt ihr die Expansion finanziert?
In dieser Zeit habe ich mit der EDV-Technik eine Basis geschaffen, um den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Der Gedanke mit dem ReUse Konzept war damals schon vorhanden. Es ging dann darum das weiterzuentwickeln. Zwei Jahre habe ich neben der eigentlichen Arbeit ganz viel recherchiert, um herauszufinden wo man ausgediente Businesshardware beziehen konnte. Wir können sie aufbereiten, aber man muss die Gerät irgendwo herbekommen und man muss sie auch wiederverkaufen können.
Das Know-how hatten wir und dann kam die Möglichkeit mit der Puls4 Start-up-Show „2 Minuten, 2 Millionen“. Das passierte alles nicht von heute auf morgen. Die ersten sehr wichtigen Preise, wie den „Trigos“ und den „Klimaschutzpreis“ haben wir erhalten, als wir noch sehr klein waren. Ein entscheidender Faktor, dass wir diese Preise erhalten haben, ist auch darauf zurückzuführen, dass ich Germanistik studiert habe. Ich konnte dadurch Texte gut formulieren und die gesamte Unternehmensphilosophie mit dem ReUse Konzept besonders schlüssig darlegen. Da hatte ich sicherlich einen Vorteil gegenüber anderen Einreichungen.
Wir haben ein halbes Jahr damit verbracht InvestorInnen für unser Konzept zu finden. Das hat leider nicht so funktioniert, wie wir uns das erhofft haben. Compuritas versteht sich als Social Entrepreneurship, dh wir versuchen mit unternehmerischen Lösungen gesellschaftliche Problemstellungen anzugehen. Für gewöhnliche Investoren, die nur auf den ökonomischen Profit Wert legen, waren wir daher nicht interessant genug. „Impact Investors„, also Geldgeber, die mit ihren Investitionen auch eine gesellschaftliche Wirkung erzielen wollen, waren damals noch nicht wirklich greifbar. Die Investorensuche war daher am Anfang schwierig. Wir haben dann mit Crowdinvesting erfolgreich die ersten 80.000 € eingesammelt und diese Investitionssumme mit einem Förderkredit verdoppelt. Dann sind wir in den heutigen Standort umgezogen. Unsere wiederaufbereiteten Businessgeräte werden heute vorwiegend an Schulen, gemeinnützige Organisationen und Privatkunden in Österreich, Deutschland und der Tschechischen Republik verkauft.

Wie ist es dazu gekommen, dass du jetzt Geschäftsführer des Social Business Club Styria (SBCS) bist?
Mit unternehmerischem Handeln gesellschaftliche Lösungen für Probleme der heutigen Zeit anzubieten, das haben wir mit Compuritas – durchaus als ein Vorzeigeprojekt – geschafft. Nach 8 Jahren wollte ich eine persönliche Veränderung und es ergab sich die Gelegenheit operativ aus dem Unternehmen auszusteigen und den Social Business Club Styria aufzubauen. Ich wollte, dass Compuritas unbedingt bestehen bleibt und auf sicheren Beinen steht, wenn ich nicht mehr operativ dabei bin. Das ist nicht ganz unproblematisch, wenn man einer von zwei treibenden Kräften ist und man dann als Kernperson das Unternehmen verlässt. Uns war klar, wenn ich gehe, muss jemand meine Agenden übernehmen. Glücklicherweise hatte ich mit meinem ersten Mitarbeiter, der schon in der Elisabethstraße als geringfügige Kraft angefangen hat, eine Person mit dem notwendigen Maß an Ambition und Qualifikation in der Firma. Ich konnte Matthias guten Gewissens die Geschicke von Compuritas übergeben und bereue das bis heute keinen Tag!
Nach Übergabe meiner Firma wollte ich dennoch unbedingt im Feld des gesellschaftlich wirksamen Unternehmertums bleiben. Erstens, weil es ein persönliches Anliegen von mir ist, die Idee von Social Entrepreneurship zu stärken und zweitens, weil ich als neue Schlüsselqualifikation jahrelang Erfahrung gesammelt habe, wie man Ideen in diesem Bereich umsetzt. In der neuen Funktion als Geschäftsführer des Social Business Club Styria habe ich nun, mit der praktischen Erfahrung im Hintergrund, die Möglichkeit zum Aufbau einer Struktur, die angehende Social Entrepreneurs in allen Unternehmensphasen als Kompetenzentrum zur Seite steht.

Was ist deine Vision für den SBCS?
Ich möchte erreichen, dass die Zahl der gesellschaftlich wirksamen Unternehmensgründungen über die Jahre ordentlich ansteigt, weil die allermeisten Ideen noch vor der Gründungsphase stecken bleiben. Ich möchte motivierte Menschen dabei unterstützen, aus ihren ambitionierten Ideen ein Geschäftsmodell zu machen. Es sollen nicht nur die Zahl der Gründungen steigen, sondern auch deren Qualität.
In der öffentlichen Wahrnehmung soll Social Entrepreneurship für eine Unternehmenslandschaft stehen, die den Sinn und Zweck von Wirtschaft als lebensdienliche Tätigkeit mit positiver Wirkung für Mensch und Gesellschaft versteht, also ein menschliches soziales Tun, das darauf abzielt, unser aller Leben zu verbessern.

Vielen herzlichen Dank für das Interview!

„Es ergibt sich auf dem Weg“ – Interview mit Johannes Frühmann – Innovationscoach, Unternehmensberater, Leiter des Wirtschaftsgeist-Workshops

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Mit dem Wirtschaftsgeist-Workshop und -Blog versucht das WTZ-Süd Barrieren zwischen Wirtschaft und Geistes-, Sozial- und KulturwissenschafterInnen sowie Kunstschaffenden abzubauen, deren Interesse an wirtschaftlichen Themen zu wecken und Karriereperspektiven aufzuzeigen. Mag. Johannes Frühmann war von Beginn an bei der Konzeptionierung des Wirtschaftsgeist-Workshops dabei, gibt Einblicke in die Entstehung und lässt die letzten vier Workshops im Interview Revue passieren. Zudem möchte er unsere BlogleserInnen am Beispiel des Buches „Business Model You“ ermutigen sich ihrer Talente und Fähigkeiten bewusst zu werden, diese auch selbstbewusst darzustellen und den Nutzen für andere herauszustreichen.

Johannes Frühmann studierte Umweltsystemwissenschaften und Geographie mit den Schwerpunkten Systemtheorie, Regionalentwicklung und Nachhaltigkeit und unterzog sich einer Zusatzausbildung als Trainer und Coach. Im Mai 2007 nahm er am Sustainable Europe Research Institute (SERI) in Wien eine Stelle als Researcher an. Er arbeitete in zahlreichen internationalen Projekten mit den Schwerpunkten Lebensqualität, gesellschaftlicher Wandel und Kommunikation von Nachhaltigkeit. Seit 2010 ist Johannes Frühmann selbständiger Unternehmer und Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt auf Entwicklung innovativer Unternehmensideen. Seit 2017 ist er auch Gesellschafter der Werbeagentur Cloudthinkn.

Johannes Frühmann
Johannes Frühmann

Johannes, du hast bisher alle vier Wirtschaftsgeist-Workshops inhaltlich begleitet und moderiert. Wie fällt dein Zwischenfazit aus?

Ich bin über meine Tätigkeit als Mentor bei der Initiative Gründungsgarage für die Moderation des Workshops vorgeschlagen worden und habe dann auch die Konzipierung des Workshops unterstützt. Die Grundintention des Workshops war, Studierenden der GSK/EEK[1] ein Setting zu bieten, wo sie sich im Austausch mit UnternehmerInnen selbst erfahren können und wo sie, in der Auseinandersetzung mit Fragestellungen des Unternehmens, für sich eine positive Erfahrung mitnehmen können. Die Studierenden sollen in diesem Workshop erkennen, dass sie mit ihren Fähigkeiten einen wertvollen Beitrag leisten können. Das Erleben in einem solchen Entwicklungsprozess soll für sie als Anregung dienen, ihr Berufsbild weiter anzulegen und über ihren studienspezifischen Tellerrand hinauszublicken.

Für mich persönlich misst sich der Erfolg dieses Workshopkonzepts vorwiegend darin, ob die Studierenden etwas Überraschendes an sich selbst entdecken. D.h., dass sie die Erfahrung mitnehmen, zu den im Workshop aufgeworfenen spezifischen Fragestellungen etwas Substantielles beigetragen zu haben.

Hattest du am Anfang deine Zweifel, ob dieses Workshopkonzept, GSK/EEK und Wirtschaft zusammenzuführen, funktionieren könnte?

Natürlich war es auch ein Wagnis. Am Anfang war es ungewiss, ob das Konzept aufgeht. In den Workshops hatten wir zum Großteil technikorientierte Start-ups dabei. Diese waren besonders erfreut, ihr Produkt einmal mit Personen zu diskutieren, denen technische Begriffe weniger geläufig sind. So wurden UnternehmerInnen durch die Unvoreingenommenheit der Studierenden dazu gebracht, sich mit ihrem Produkt kritisch auseinanderzusetzen. Zudem bestand für die UnternehmerInnen die Herausforderung darin, sich über die Bedürfnisse der potentiellen KundInnen ein klareres Bild zu machen und vor allem in Hinblick auf die Kommunikationsstrategie den Nutzen des Produkts aus der Perspektive der KundInnen zu artikulieren.

Wo liegen deiner Meinung nach die Stärken von GSK/EEK Studierenden und AbsolventInnen als MitarbeiterInnen in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen?

Generell gesprochen, Studien, die sich mehrheitlich mit Sprache beschäftigen und auseinandersetzen, ganz egal ob das jetzt Germanistik, Philosophie oder eine andere Studienrichtung im Bereich GSK/EEK ist, prädestiniert die Studierenden für jedes Kommunikationsthema. Kommunikation ist etwas das in unserer Gesellschaft wesentlich ist und das man auch in viel mehr Berufen benötigt, als man gemeinhin glaubt.

Nehmen wir die E-Mail Korrespondenz als Beispiel: da fällt viel weg was Kommunikation ausmacht. Ich habe keine Körpersprache, keine Tonalität, da passieren oft Missverständnisse. Deshalb ist es wichtig einen bewussten Umgang mit Sprache zu haben. Das ist ein Stärkefeld von GeisteswissenschaftlerInnen. Zudem sehe ich die Fähigkeit zur Selbstorganisation. Gerade diese Studien bieten heute noch die Möglichkeit durch mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung, das eigene Studium zu gestalten.

Machen wir einen Blick in die Zukunft: Was wird an Berufen in 20-30 Jahren übrigbleiben? Fähigkeiten wie: Kreativität, Umgang mit komplexen gesellschaftlich relevanten Fragestellungen, vorhandenes Wissen mit neuen Erfahrungen verknüpfen können. Das sind geistige Fähigkeiten, die relativ spät von einer Software übernommen werden können. Ich persönlich glaube, dass es der Wirtschaft guttun würde, wenn selbstbewusste GeisteswissenschaftlerInnen immer öfter im Wirtschaftsleben Fuß fassen.

Da fällt mir ein Beispiel ein: Ich habe im Jahr 2012 im Rahmen eines Dokumentationsfilms den brasilianischen Unternehmer Ricardo Semler getroffen, der im Bereich der Demokratisierung von Unternehmen einen radikalen und erfolgreichen Weg gegangen ist. Nachdem er den Industriebetrieb in den 80er Jahren von seinem Vater übernommen hat, hat er als ersten Schritt die klassischen Manager entlassen, da er der Überzeugung war, dass sich die Unternehmenskultur nie verändern lassen würde, wenn der alte autokratische Führungsstil beibehalten wird. Stattdessen reorganisierte er das Unternehmen in kleine, eigenverantwortliche Arbeitsgruppen, die ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen konnten und die zukünftigen Führungskräfte selbst wählten und bewerteten. Die neuen Führungskräfte rekrutierte er aus PädagogInnen und PhilosophInnen. Die Organisationsprinzipien für den Erfolg lauten: Mitbestimmung, Eigenverantwortung, Gewinnbeteiligung und Transparenz. Was hat das mit den GSK/EEK zu tun? Ganz einfach, eigenverantwortliches Handeln, Reflexionsfähigkeit und partizipatives verantwortliches Handeln werden eher in diesen Fächern gefördert als in den klassischen Ausbildungsstätten von Führungskräften. Ricardo Semler ist hier ein erfolgreicher Pionier in der Unternehmensführung.

Der Wirtschaftsgeist-Workshop kann ein kleiner Baustein sein, den Studierenden der GSK/EEK zu ermöglichen zu erkennen, dass sie auch mit ihrem Wissen in einem Unternehmen einen wertvollen Beitrag leisten können und es bspw. total spannend sein kann sich über den Wert bzw. Nutzen eines Produktes für eine Zielgruppe Gedanken zu machen.

Was kannst du GSK/EEK Studierenden und AbsolventInnen für Ihre Karriereplanung mit auf den Weg geben? Wie kann das Instrument „Business Model You“ dabei helfen?

Es geht darum Brücken zu bauen zwischen dem Denken von GSK/EEK-Studierenden / AbsolventInnen und dem Wirtschaftsdenken. Da könnte das Konzept Business Model You ein guter Ansatz sein. Dieses Modell versucht unternehmerisches Denken für den Einzelnen nutzbar zu machen und ist damit auch eine Denkhilfe für jemanden der nicht in wirtschaftlichen Kategorien denkt. Es hilft strukturierter über die Fragen nachzudenken: Was kann ich und wer kann das brauchen?

Ich muss gleich vorwegschicken! Ich bin ja prinzipiell ein kritischer Geist, weil ich merke, dass die zugrundeliegenden Prinzipien des Wirtschaftsdenkens in immer mehr Lebensbereiche Einzug halten. Wenn man heutzutage Joggen geht, teilt man mit einer App die Ergebnisse, um zu zeigen: „Schaut her, ich tue was, ich bin performance-orientiert“. Dem allen liegt ja der Fortschritts- und Wirtschaftswachstumsgedanke zugrunde. Wenn man mit diesem Buch arbeitet, sollte man jedenfalls im Blick behalten, dass es auch ein Leben ohne die Kategorisierung von Kosten/Nutzen gibt.

Das Buch wird vor allem im Karrierecoaching eingesetzt. Das Modell basiert auf Business Model Generation mit dem ich im unternehmerischen Kontext sehr viel arbeite. Die Variation ist im Wesentlichen von der Idee geleitet: Wie kann ich für ein Unternehmen den zentralen Wert definieren? Für wen und wie erzielt es diesen Wert? Was muss das Unternehmen tun, damit es diesen Wert generieren kann. Was bekommt das Unternehmen zurück und was kostet es diesen Wert zu erzeugen? Diese Fragen kann man auch auf den einzelnen Menschen herunterbrechen. Im Sinne von: jeder Mensch hat gewisse Fähigkeiten, Stärken, Vorlieben, Dinge die er/sie kann. Manche Dinge haben unmittelbar etwas mit seiner/ihrer Ausbildung zu tun. Viele aber auch nicht. Bestes Beispiel dafür ist ein Wirtschaftsgeist-Workshop-Teilnehmer, der im Grunde im Workshop ein Wissen eingebracht hat, das gar nichts mit seinem Studium zu tun hatte. Er hat im Laufe seines Lehramtstudiums eine Leidenschaft für das Thema Film entwickelt und konnte im Workshop bei der Konzeptionierung eines Imagevideos sein Wissen einbringen.

Und das gibt es ja in unterschiedlichen Graden bei Vielen. Ich fühle mich da auch angesprochen, weil ich Geographie und Umweltsystemwissenschaften studiert habe. Abgesehen vom systemischen Denken, das ich mir durch mein Studium angeeignet habe, hat meine heutige berufliche Tätigkeit wenig bis gar nichts mit meinem Studium zu tun. Für mich sind viele Dinge, die ich mir neben dem Studium und nach dem Studium angeeignet habe, für meine berufliche Laufbahn viel wichtiger geworden.

Aus dieser Erfahrung heraus, finde ich, dass es wichtig ist, zu erkennen, wo kann ich aus verschiedensten Bereichen meines Lebens Fähigkeiten identifizieren, die für jemand anderen einen Nutzen haben könnten.

Eventuell komme ich während des Studiums drauf, ich bin ein Organisationstalent. Irgendwie gelingt es mir, viel besser als anderen, die Dinge gut zu organisieren und bei Gruppenarbeiten bin ich der, der das Projekt zusammenhält. Dann kann das ja eine enorm hilfreiche Erkenntnis sein.

Das Buch Business Model You ermöglicht mir meine Fähigkeiten einmal aus der Vogelperspektive anzuschauen. Es leitet mich an meine verschiedenen Stärkefelder in mir zu finden. Meine Fähigkeiten mit einem bestimmten Nutzen für andere zu kombinieren. Es bietet einen praktischen Realitycheck. Ich halte nichts von Ansätzen wie: Folge deiner Leidenschaft und du wirst erfolgreich sein. Leidenschaft ist eine notwendige Bedingung, aber keine hinreichende. Die beste Idee, das beste Produkt bringt nichts, wenn es niemanden gibt, der den Wert erkennt und sagt, dafür zahle ich was. Das Nachdenken darüber, was will ich, was kann ich, wo bin ich gut? Wer könnte da eine interessante Zielgruppe sein?

Kannst du uns ein Beispiel nennen, wo du persönliche Leidenschaft/Sinnerfüllung und wirtschaftlichen Erfolg im Einklang siehst?

Ja, gerne. Bspw. bei der Beratung von Start-up-Unternehmen kristallisieren sich immer zwei Herangehensweisen heraus, aber nur eine verspricht wirklich Erfolg. Zum einen Ideen, die aus einer persönlichen Begeisterung geboren werden, aber die Zielgruppen/KundInnen nicht eindeutig erkennbar sind und zum anderen Ideen aus dem Erkennen eines Problemfeldes einer bestimmten KundInnengruppe. Letztere haben eine größere Chance wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Ich präsentiere in meinen Workshops gerne ein Beispiel aus dem Social Entrepreneurship. Gabriele Schwarz, mit ihrem Unternehmen Bonergie, die ursprünglich aus dem Marketingbereich kommt, hat auf einer Urlaubsreise im Senegal die Armut der Menschen dort hautnah miterlebt. Zurück aus dem Urlaub hat sie das nicht mehr losgelassen und überlegte, was sie tun könnte.

Die erste Erkenntnis aus diesem Beispiel war folgende: Frau Schwarz hat sich nicht in Deutschland hingesetzt und gefragt, was kann sie in Deutschland für die Menschen im Senegal machen, sondern sie ist auf eine Fact-Finding-Mission gefahren und hat einfach den nächsten Urlaub nochmals im Senegal verbracht, um das Land zu bereisen, nicht als Touristin, sondern jetzt genauer hinzuschauen, wie geht es denen, die in Armut leben, was benötigen sie.

Sie erkannte, dass es einen großen Unterschied ausmacht, ob Dörfer an die Stromversorgung angeschlossen sind oder nicht. Daraufhin hat sie ein Konzept entwickelt um kleine Fotovoltaikanlagen in einem Mikrofinanzierungsmodell zu vertreiben. Das Modell sieht vor, dass die Anlagen innerhalb von zwei Jahren abbezahlt werden können, aber eine Haltbarkeit von 20 Jahren haben. Durch Zugang zu Strom gibt es nun Entwicklungsmöglichkeiten für die einzelnen Regionen.

Ich erzähle dieses Beispiel gerne, weil das für potentielle GründerInnen oft ein Aha-Erlebnis ist. Frau Schwarz hat sich eben nicht gedacht, Fotovoltaik ist so etwas Cooles und ich möchte damit was machen. Wenn sie darauf gekommen wäre, dass ein anderes Produkt den Menschen im Senegal mehr geholfen hätte, dann hätte sie gelernt, wie man das andere Produkt herstellt bzw. vertreibt. Frau Schwarz hatte selbst keine Ahnung davon, wie man Fotovoltaikanlagen herstellt, noch hatte sie einen technischen Background. Sie hat das Problem bzw. den KundInnennutzen erkannt und sich ein Team zusammengestellt, das die Umsetzung realisieren konnte. Sie wusste was nötig war, damit extrem vielen Leuten geholfen werden konnte und gleichzeitig hat sie auch ein solides wirtschaftliches Unternehmen aufgebaut.

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch!

[1] *GSK/EEK (Geistes- Sozial- und Kulturwissenschaften / Erschließung und Entwicklung der Künste)