Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 18

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Von der Musikologie ins Radio. Daniela Oberdorfer im Gespräch.

Daniela Oberndorfer ist Musikologin und absolviert in diesem Jahr ihr Masterstudium „Interdisziplinäre Geschlechterstudien“. Nach Absolvierung der Matura wollte sie eigentlich in Wien „Musiktherapie“ studieren, scheiterte aber an der Aufnahmeprüfung. Das Studium Musikologie war ihre Notfalllösung. „Es war klar, dass ich studieren will, aber ich musste mich nach der Absage kurzfristig nach einem anderen Studium umschauen. Ich habe beim Recherchieren im Internet die Studienrichtung Musikwissenschaft bzw. Musikologie entdeckt. Um ehrlich zu sein wusste ich nicht wirklich, was da auf mich zukommen wird. Aber die Vorstellung mich mit Pop, Jazz und Musikpsychologie zu beschäftigen, gefiel mir“, erzählt Daniela. Und so begann sie im Jahr 2006 an der Karl-Franzens-Universität und der Kunstuniversität Graz zu studieren. Den Rest des Beitrags lesen »

Nachlese: Wirtschaftsgeist Workshop am 25. Mai 2018 – RE:INNOVATE your business. Wie gelingt die generationsbedingte Unternehmensnachfolge.

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Am 25. Mai ging der fünfte Wirtschaftsgeist Workshop über die Bühne, diesmal mit zwei Traditionsunternehmen aus Graz-Umgebung. Gemeinsam mit der Jungen Wirtschaft als Kooperationspartner wurde das gesellschaftlich hochaktuelle Thema der generationsbedingten Unternehmensnachfolge als Themenschwerpunkt gewählt und engagiert in den interdisziplinären Arbeitsgruppen diskutiert. Den Rest des Beitrags lesen »

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 17

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Barbara Perl-Ortiz konnte bereits in ihrer Schulzeit wertvolle Auslandserfahrungen sammeln, denn sie verbrachte ein Schuljahr in General Pico, in Argentinien. Zurück in Österreich war ihr klar, dass sie nach der Matura etwas mit Spanisch studieren wollte und begann zunächst im Herbst 2008 mit dem Studium der Transkulturellen Kommunikation, mit den Sprachen Englisch und Spanisch. Nach einem Jahr wurde ihr aber bewusst, dass sie das geforderte Niveau der Zweitsprache Englisch nicht halten konnte und brach ab. „Meine ganze Zeit verbrachte ich mit Englisch-Lernen, für Spanisch blieb da leider wenig Zeit“, erinnert sich Barbara, „ohne praktische Erfahrungen in einem englischsprachigen Land war es einfach nicht möglich, am Institut zu bestehen. Für das Lehramt hätte mir ein zweites Fach gefehlt, aber ich wollte ohnehin nicht Lehrerin werden. Also blieb nur der Weg auf die Romanistik. Dort bestand zudem die Möglichkeit, Portugiesisch zu studieren, was mir sehr gefiel. Ich dachte sogar daran, später das Studium der Transkulturellen Kommunikation in Wien wieder aufzunehmen, denn dort wird es mit den Fächern Spanisch/Portugiesisch angeboten“, erzählt Barbara. Den Rest des Beitrags lesen »

Erste Ehrenamtsmesse der Universität Graz – 30 Aussteller in 3 Stunden

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Am 13. Juni 2018 öffnet das Grazer Meerscheinschlössl Tür und Tor für die erste Ehrenamtsmesse der Universität Graz. Studierende, AbsolventInnen sowie alle Interessierten können von 17 bis 20 Uhr mit einer Vielzahl an Einrichtungen persönliche Kontakte knüpfen und somit ein Ticket für ihr zukünftiges Engagement lösen.

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„Es ergibt sich auf dem Weg“ – Interview mit Johannes Frühmann – Innovationscoach, Unternehmensberater, Leiter des Wirtschaftsgeist-Workshops

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Mit dem Wirtschaftsgeist-Workshop und -Blog versucht das WTZ-Süd Barrieren zwischen Wirtschaft und Geistes-, Sozial- und KulturwissenschafterInnen sowie Kunstschaffenden abzubauen, deren Interesse an wirtschaftlichen Themen zu wecken und Karriereperspektiven aufzuzeigen. Mag. Johannes Frühmann war von Beginn an bei der Konzeptionierung des Wirtschaftsgeist-Workshops dabei, gibt Einblicke in die Entstehung und lässt die letzten vier Workshops im Interview Revue passieren. Zudem möchte er unsere BlogleserInnen am Beispiel des Buches „Business Model You“ ermutigen sich ihrer Talente und Fähigkeiten bewusst zu werden, diese auch selbstbewusst darzustellen und den Nutzen für andere herauszustreichen.

Johannes Frühmann studierte Umweltsystemwissenschaften und Geographie mit den Schwerpunkten Systemtheorie, Regionalentwicklung und Nachhaltigkeit und unterzog sich einer Zusatzausbildung als Trainer und Coach. Im Mai 2007 nahm er am Sustainable Europe Research Institute (SERI) in Wien eine Stelle als Researcher an. Er arbeitete in zahlreichen internationalen Projekten mit den Schwerpunkten Lebensqualität, gesellschaftlicher Wandel und Kommunikation von Nachhaltigkeit. Seit 2010 ist Johannes Frühmann selbständiger Unternehmer und Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt auf Entwicklung innovativer Unternehmensideen. Seit 2017 ist er auch Gesellschafter der Werbeagentur Cloudthinkn.

Johannes Frühmann
Johannes Frühmann

Johannes, du hast bisher alle vier Wirtschaftsgeist-Workshops inhaltlich begleitet und moderiert. Wie fällt dein Zwischenfazit aus?

Ich bin über meine Tätigkeit als Mentor bei der Initiative Gründungsgarage für die Moderation des Workshops vorgeschlagen worden und habe dann auch die Konzipierung des Workshops unterstützt. Die Grundintention des Workshops war, Studierenden der GSK/EEK[1] ein Setting zu bieten, wo sie sich im Austausch mit UnternehmerInnen selbst erfahren können und wo sie, in der Auseinandersetzung mit Fragestellungen des Unternehmens, für sich eine positive Erfahrung mitnehmen können. Die Studierenden sollen in diesem Workshop erkennen, dass sie mit ihren Fähigkeiten einen wertvollen Beitrag leisten können. Das Erleben in einem solchen Entwicklungsprozess soll für sie als Anregung dienen, ihr Berufsbild weiter anzulegen und über ihren studienspezifischen Tellerrand hinauszublicken.

Für mich persönlich misst sich der Erfolg dieses Workshopkonzepts vorwiegend darin, ob die Studierenden etwas Überraschendes an sich selbst entdecken. D.h., dass sie die Erfahrung mitnehmen, zu den im Workshop aufgeworfenen spezifischen Fragestellungen etwas Substantielles beigetragen zu haben.

Hattest du am Anfang deine Zweifel, ob dieses Workshopkonzept, GSK/EEK und Wirtschaft zusammenzuführen, funktionieren könnte?

Natürlich war es auch ein Wagnis. Am Anfang war es ungewiss, ob das Konzept aufgeht. In den Workshops hatten wir zum Großteil technikorientierte Start-ups dabei. Diese waren besonders erfreut, ihr Produkt einmal mit Personen zu diskutieren, denen technische Begriffe weniger geläufig sind. So wurden UnternehmerInnen durch die Unvoreingenommenheit der Studierenden dazu gebracht, sich mit ihrem Produkt kritisch auseinanderzusetzen. Zudem bestand für die UnternehmerInnen die Herausforderung darin, sich über die Bedürfnisse der potentiellen KundInnen ein klareres Bild zu machen und vor allem in Hinblick auf die Kommunikationsstrategie den Nutzen des Produkts aus der Perspektive der KundInnen zu artikulieren.

Wo liegen deiner Meinung nach die Stärken von GSK/EEK Studierenden und AbsolventInnen als MitarbeiterInnen in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen?

Generell gesprochen, Studien, die sich mehrheitlich mit Sprache beschäftigen und auseinandersetzen, ganz egal ob das jetzt Germanistik, Philosophie oder eine andere Studienrichtung im Bereich GSK/EEK ist, prädestiniert die Studierenden für jedes Kommunikationsthema. Kommunikation ist etwas das in unserer Gesellschaft wesentlich ist und das man auch in viel mehr Berufen benötigt, als man gemeinhin glaubt.

Nehmen wir die E-Mail Korrespondenz als Beispiel: da fällt viel weg was Kommunikation ausmacht. Ich habe keine Körpersprache, keine Tonalität, da passieren oft Missverständnisse. Deshalb ist es wichtig einen bewussten Umgang mit Sprache zu haben. Das ist ein Stärkefeld von GeisteswissenschaftlerInnen. Zudem sehe ich die Fähigkeit zur Selbstorganisation. Gerade diese Studien bieten heute noch die Möglichkeit durch mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung, das eigene Studium zu gestalten.

Machen wir einen Blick in die Zukunft: Was wird an Berufen in 20-30 Jahren übrigbleiben? Fähigkeiten wie: Kreativität, Umgang mit komplexen gesellschaftlich relevanten Fragestellungen, vorhandenes Wissen mit neuen Erfahrungen verknüpfen können. Das sind geistige Fähigkeiten, die relativ spät von einer Software übernommen werden können. Ich persönlich glaube, dass es der Wirtschaft guttun würde, wenn selbstbewusste GeisteswissenschaftlerInnen immer öfter im Wirtschaftsleben Fuß fassen.

Da fällt mir ein Beispiel ein: Ich habe im Jahr 2012 im Rahmen eines Dokumentationsfilms den brasilianischen Unternehmer Ricardo Semler getroffen, der im Bereich der Demokratisierung von Unternehmen einen radikalen und erfolgreichen Weg gegangen ist. Nachdem er den Industriebetrieb in den 80er Jahren von seinem Vater übernommen hat, hat er als ersten Schritt die klassischen Manager entlassen, da er der Überzeugung war, dass sich die Unternehmenskultur nie verändern lassen würde, wenn der alte autokratische Führungsstil beibehalten wird. Stattdessen reorganisierte er das Unternehmen in kleine, eigenverantwortliche Arbeitsgruppen, die ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen konnten und die zukünftigen Führungskräfte selbst wählten und bewerteten. Die neuen Führungskräfte rekrutierte er aus PädagogInnen und PhilosophInnen. Die Organisationsprinzipien für den Erfolg lauten: Mitbestimmung, Eigenverantwortung, Gewinnbeteiligung und Transparenz. Was hat das mit den GSK/EEK zu tun? Ganz einfach, eigenverantwortliches Handeln, Reflexionsfähigkeit und partizipatives verantwortliches Handeln werden eher in diesen Fächern gefördert als in den klassischen Ausbildungsstätten von Führungskräften. Ricardo Semler ist hier ein erfolgreicher Pionier in der Unternehmensführung.

Der Wirtschaftsgeist-Workshop kann ein kleiner Baustein sein, den Studierenden der GSK/EEK zu ermöglichen zu erkennen, dass sie auch mit ihrem Wissen in einem Unternehmen einen wertvollen Beitrag leisten können und es bspw. total spannend sein kann sich über den Wert bzw. Nutzen eines Produktes für eine Zielgruppe Gedanken zu machen.

Was kannst du GSK/EEK Studierenden und AbsolventInnen für Ihre Karriereplanung mit auf den Weg geben? Wie kann das Instrument „Business Model You“ dabei helfen?

Es geht darum Brücken zu bauen zwischen dem Denken von GSK/EEK-Studierenden / AbsolventInnen und dem Wirtschaftsdenken. Da könnte das Konzept Business Model You ein guter Ansatz sein. Dieses Modell versucht unternehmerisches Denken für den Einzelnen nutzbar zu machen und ist damit auch eine Denkhilfe für jemanden der nicht in wirtschaftlichen Kategorien denkt. Es hilft strukturierter über die Fragen nachzudenken: Was kann ich und wer kann das brauchen?

Ich muss gleich vorwegschicken! Ich bin ja prinzipiell ein kritischer Geist, weil ich merke, dass die zugrundeliegenden Prinzipien des Wirtschaftsdenkens in immer mehr Lebensbereiche Einzug halten. Wenn man heutzutage Joggen geht, teilt man mit einer App die Ergebnisse, um zu zeigen: „Schaut her, ich tue was, ich bin performance-orientiert“. Dem allen liegt ja der Fortschritts- und Wirtschaftswachstumsgedanke zugrunde. Wenn man mit diesem Buch arbeitet, sollte man jedenfalls im Blick behalten, dass es auch ein Leben ohne die Kategorisierung von Kosten/Nutzen gibt.

Das Buch wird vor allem im Karrierecoaching eingesetzt. Das Modell basiert auf Business Model Generation mit dem ich im unternehmerischen Kontext sehr viel arbeite. Die Variation ist im Wesentlichen von der Idee geleitet: Wie kann ich für ein Unternehmen den zentralen Wert definieren? Für wen und wie erzielt es diesen Wert? Was muss das Unternehmen tun, damit es diesen Wert generieren kann. Was bekommt das Unternehmen zurück und was kostet es diesen Wert zu erzeugen? Diese Fragen kann man auch auf den einzelnen Menschen herunterbrechen. Im Sinne von: jeder Mensch hat gewisse Fähigkeiten, Stärken, Vorlieben, Dinge die er/sie kann. Manche Dinge haben unmittelbar etwas mit seiner/ihrer Ausbildung zu tun. Viele aber auch nicht. Bestes Beispiel dafür ist ein Wirtschaftsgeist-Workshop-Teilnehmer, der im Grunde im Workshop ein Wissen eingebracht hat, das gar nichts mit seinem Studium zu tun hatte. Er hat im Laufe seines Lehramtstudiums eine Leidenschaft für das Thema Film entwickelt und konnte im Workshop bei der Konzeptionierung eines Imagevideos sein Wissen einbringen.

Und das gibt es ja in unterschiedlichen Graden bei Vielen. Ich fühle mich da auch angesprochen, weil ich Geographie und Umweltsystemwissenschaften studiert habe. Abgesehen vom systemischen Denken, das ich mir durch mein Studium angeeignet habe, hat meine heutige berufliche Tätigkeit wenig bis gar nichts mit meinem Studium zu tun. Für mich sind viele Dinge, die ich mir neben dem Studium und nach dem Studium angeeignet habe, für meine berufliche Laufbahn viel wichtiger geworden.

Aus dieser Erfahrung heraus, finde ich, dass es wichtig ist, zu erkennen, wo kann ich aus verschiedensten Bereichen meines Lebens Fähigkeiten identifizieren, die für jemand anderen einen Nutzen haben könnten.

Eventuell komme ich während des Studiums drauf, ich bin ein Organisationstalent. Irgendwie gelingt es mir, viel besser als anderen, die Dinge gut zu organisieren und bei Gruppenarbeiten bin ich der, der das Projekt zusammenhält. Dann kann das ja eine enorm hilfreiche Erkenntnis sein.

Das Buch Business Model You ermöglicht mir meine Fähigkeiten einmal aus der Vogelperspektive anzuschauen. Es leitet mich an meine verschiedenen Stärkefelder in mir zu finden. Meine Fähigkeiten mit einem bestimmten Nutzen für andere zu kombinieren. Es bietet einen praktischen Realitycheck. Ich halte nichts von Ansätzen wie: Folge deiner Leidenschaft und du wirst erfolgreich sein. Leidenschaft ist eine notwendige Bedingung, aber keine hinreichende. Die beste Idee, das beste Produkt bringt nichts, wenn es niemanden gibt, der den Wert erkennt und sagt, dafür zahle ich was. Das Nachdenken darüber, was will ich, was kann ich, wo bin ich gut? Wer könnte da eine interessante Zielgruppe sein?

Kannst du uns ein Beispiel nennen, wo du persönliche Leidenschaft/Sinnerfüllung und wirtschaftlichen Erfolg im Einklang siehst?

Ja, gerne. Bspw. bei der Beratung von Start-up-Unternehmen kristallisieren sich immer zwei Herangehensweisen heraus, aber nur eine verspricht wirklich Erfolg. Zum einen Ideen, die aus einer persönlichen Begeisterung geboren werden, aber die Zielgruppen/KundInnen nicht eindeutig erkennbar sind und zum anderen Ideen aus dem Erkennen eines Problemfeldes einer bestimmten KundInnengruppe. Letztere haben eine größere Chance wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Ich präsentiere in meinen Workshops gerne ein Beispiel aus dem Social Entrepreneurship. Gabriele Schwarz, mit ihrem Unternehmen Bonergie, die ursprünglich aus dem Marketingbereich kommt, hat auf einer Urlaubsreise im Senegal die Armut der Menschen dort hautnah miterlebt. Zurück aus dem Urlaub hat sie das nicht mehr losgelassen und überlegte, was sie tun könnte.

Die erste Erkenntnis aus diesem Beispiel war folgende: Frau Schwarz hat sich nicht in Deutschland hingesetzt und gefragt, was kann sie in Deutschland für die Menschen im Senegal machen, sondern sie ist auf eine Fact-Finding-Mission gefahren und hat einfach den nächsten Urlaub nochmals im Senegal verbracht, um das Land zu bereisen, nicht als Touristin, sondern jetzt genauer hinzuschauen, wie geht es denen, die in Armut leben, was benötigen sie.

Sie erkannte, dass es einen großen Unterschied ausmacht, ob Dörfer an die Stromversorgung angeschlossen sind oder nicht. Daraufhin hat sie ein Konzept entwickelt um kleine Fotovoltaikanlagen in einem Mikrofinanzierungsmodell zu vertreiben. Das Modell sieht vor, dass die Anlagen innerhalb von zwei Jahren abbezahlt werden können, aber eine Haltbarkeit von 20 Jahren haben. Durch Zugang zu Strom gibt es nun Entwicklungsmöglichkeiten für die einzelnen Regionen.

Ich erzähle dieses Beispiel gerne, weil das für potentielle GründerInnen oft ein Aha-Erlebnis ist. Frau Schwarz hat sich eben nicht gedacht, Fotovoltaik ist so etwas Cooles und ich möchte damit was machen. Wenn sie darauf gekommen wäre, dass ein anderes Produkt den Menschen im Senegal mehr geholfen hätte, dann hätte sie gelernt, wie man das andere Produkt herstellt bzw. vertreibt. Frau Schwarz hatte selbst keine Ahnung davon, wie man Fotovoltaikanlagen herstellt, noch hatte sie einen technischen Background. Sie hat das Problem bzw. den KundInnennutzen erkannt und sich ein Team zusammengestellt, das die Umsetzung realisieren konnte. Sie wusste was nötig war, damit extrem vielen Leuten geholfen werden konnte und gleichzeitig hat sie auch ein solides wirtschaftliches Unternehmen aufgebaut.

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch!

[1] *GSK/EEK (Geistes- Sozial- und Kulturwissenschaften / Erschließung und Entwicklung der Künste)

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 16

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Von Vorbildern lernen

Laut Christian Ehetreiber leben wir in einer vorbildlosen Zeit. Dabei ist das Festhalten an Vorbildern längst nicht so altmodisch wie es vielleicht klingt, denn Lernen vom erfolgreichen Modell ist Gold wert, so der Germanist und Pädagoge. Christian Ehetreiber studierte Germanistik sowie Philosophie, Pädagogik und Psychologie für Lehramt. Als er 1982 nach Graz fuhr, um sich an der Karl-Franzens-Universität zu inskribieren, war klar, dass es Germanistik sein sollte: „Mein großer Lehrmeister war Dr. Robert Hinteregger, mein Klassenvorstand am Gymnasium und späterer Landesschulinspektor. Sein Unterricht war so legendär lässig, dass ich bereits damals gewusst habe, dass ich Germanistik studieren möchte. Für das zweite Fach, zunächst Sport, habe ich mich sehr kurzfristig entschieden – zehn Minuten vor der Inskription“, lacht Ehetreiber. Nach vier Semestern Sportwissenschaften wechselte er dann jedoch zu Philosophie, Pädagogik und Psychologie. „Das passte schließlich besser, dort konnte man die humboldtsche Freiheit der Universität noch spüren“, schmunzelt der Germanist.

Fotocredit: ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus
Fotocredit: ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus

Obwohl die Aussichten auf eine Stelle als Lehrer schlecht waren, entschied sich Ehetreiber für das Lehramtsstudium. „Das war eine stählerne, rostige Zeit für LehramtsabsolventInnen. Bereits Ende der 70er Jahre war bekannt, dass eine Lehrerschwemme kommen wird. Dementsprechend haben alle davon abgeraten, Lehramt zu studieren. Ich war mir aber sicher, dass ich nicht warten werde, sondern dass sich etwas für mich ergeben werde“, erinnert sich Ehetreiber. Warum er sich überhaupt für den Beruf Lehrer entschied, kann der Pädagoge schnell beantworten: „Das war bei mir klassisch – ich dachte, ich kann das sicher besser als einige meiner Lehrer. Ich wollte einen humanistischen Unterricht, ohne jemanden zu tyrannisieren. In meiner Schulzeit gab es ja noch eine Kommando- und Herrschaftssprache á la ‚Maierhofer, was ist mit du‘. Das wollte ich ändern. Außerdem gefällt es mir, anderen etwas beizubringen.“
Nach seinem Studienabschluss im Jahr 1991 bekam er zwar keine Stelle als Lehrer, wurde aber von seiner ehemaligen Studienkollegin Reis-Klingspiegl gefragt, ob er nicht das Gesundheits- und Präventionsprojekt „Gesunde Volksschule“ leiten möchte. Ehetreiber sagte zu und war ein Jahr lang dafür zuständig, Kindern eine erweiterte schulärztliche und orthopädische Untersuchung, ein gesunde Jause sowie eine Kariesprophylaxe zukommen zu lassen. Zeitgleich arbeitete er ehrenamtlich am Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung. Ehetreiber hatte eine Einladung zur Mitarbeit für die Einreichung des FWF-Projekts „Die internationale Rezeption der Grazer Gruppe“ erhalten. „Das war genau das meine“, erzählt Ehetreiber, „ich habe gemerkt, dass meine ganze Energie dorthin fließt. Als das Projekt angenommen wurde, bin ich sofort eingestiegen. Zwei Jahre lang habe ich dort mit großer Freude gearbeitet, der Verlängerungsantrag wurde aber leider abgelehnt.“

Wenig später kontaktierte ihn die damalige Vorstandsvorsitzende von ISOP, Ingrid Kohlberger, und machte ihm ein Jobangebot. „Ja, das war interessant“, erinnert sich Ehetreiber, „ich hatte damals, als junger Unterrichtspraktikumsvertreter, den Landesschulratspräsidenten Bernd Schilcher recht kritisch befragt und Frau Kohlberger, die auch anwesend war, dachte sich anscheinend, dass sie so einen wie mich in der ISOP gut brauchen könnten.“ Ehetreiber nahm das Angebot folglich an und war von 1993 bis 1998 Bildungsreferent in der ISOP. Sein Tätigkeitsbereich umfasste die interne Schulung von KollegInnen, die Ausrichtung der Bildungsreihe im Bereich des interkulturellen Lernens, interkulturelle Pädagogik sowie Anti-Rassismus-Forschung. Zusätzlich betreute er die, wie es seinerzeit hieß, Ausländerberatungsstelle Mürzzuschlag. Zwar kam inzwischen wieder ein Angebot vom Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung, doch Ehetreiber lehnte ab: „Der Fortsetzungsantrag des FWF-Projektes wurde schließlich doch angenommen, aber ich habe mich trotzdem für die ISOP entschieden. Inzwischen war nämlich meine erste Tochter geboren worden – da wollte ich finanziell abgesichert sein“, resümiert Ehetreiber.

Neben seiner Haupttätigkeit wurde er immer wieder um Beratungen in Zusammenhang mit Projektmanagement und Marketing gefragt, weswegen er sich 1997 zusätzlich noch den Gewerbeschein holte. Seitdem ist er selbständiger Berater für Marketing und Projektmanagement, wobei er sich mittlerweile auf ausgewählte Stammkunden konzentriert. Bereits ein Jahr später, 1998, erhielt Ehetreiber das nächste Jobangebot: „Peter Scheibengraf, der vormalige Geschäftsführer der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus, fragte mich, ob ich nicht die Geschäftsführung übernehmen wolle. Als ISOP Bildungsreferent hatte ich schon damals gemeinsam mit der ARGE Jugend Projekte durchgeführt. Ich sagte zu, und wir begannen, die Übergabe vorzubereiten. Im Jänner 1999 habe ich dann offiziell die Geschäftsführung übernommen“, so Ehetreiber und fügt hinzu: „Die ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus ist eine überparteiliche Fachstelle für Gewaltprävention, Menschenrechtsbildung und Antidiskriminierungsarbeit und bietet unter anderem Beratung und Workshops zu den Themen der Menschenrechtsbildung, Demokratiebildung, Gewaltprävention, Förderung von soziokultureller Vielfalt, und vieles mehr.“ Bereits seit der Gründung der ARGE Jugend wird zudem besonderer Augenmerk auf die zeitgeschichtliche Erinnerungs- und Gedenkarbeit gelegt. Bei mehr als 30 verschiedenen Gedenkvorhaben in der Steiermark hat die ARGE Jugend in verschiedenen Rollen mitgewirkt, bis hin zu Buchpublikationen zu diesem Thema.

Und was sagt Ehetreiber zur Perspektivenlosigkeit vieler GEWI-Absolventen? „Ich denke, die meisten GEWI-AbsolventInnen scheitern nicht an der Fachlichkeit, sondern am mentalen Mindset. In den Beratungen die ich durchführe, höre ich immer wieder den Satz ‚Ich kann ja nichts‘. Woher kommt das? Im Studium wird oft von Anfang an vermittelt – und das werfe ich der GEWI vor – dass man als GEWI-Absolvent nicht gefragt sei, dass man das Erlernte nicht verwerten könne, dass diese Studien ja nur etwas Schöngeistiges für den Elfenbeinturm wären etc. Das sickert dann in diese mentalen Modelle ein und verdichtet sich zu ganz festen Glaubenssätzen. Ich kenne aber viele GEWIs, die etwas aus ihrem Studium gemacht haben. Aber das hat auch oft mit einem Selbstorganisationsvermögen und der Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, zu tun. Arbeit bekommt man mit Einsatz, Engagement und mit Aufzeigen. Ich möchte aber jedem auf den Weg geben, dass er sein Studium, egal welche Richtung, mit äußerstem Einsatz führt. Und damit meine ich nicht in Mindeststudiendauer, sondern dass die Studierenden die Fächer, die sie mögen, mit einem hohen Impetus absolvieren. Auch sollten sich GEWI-Studierende nicht von den Begriffen Vermarktung und Marketing abschrecken lassen. Jede Chance sollte genutzt werden, auch im erweiterten Umfeld, um sie als großes Lern- und Erfahrungsbiotop zu verwenden.“

Text: Birgit Nikzat / KUG

Karrierewege von GeisteswissenschaftlerInnen – Vol. 15

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Wo entsteht Gesundheit?

Diese und noch weitere Fragen beschäftigen Karin Reis-Klingspiegl in ihrer Funktion als Geschäftsführerin von Styria vitalis. Die Germanistin und Ethnologin gehört zur ersten Generation in der österreichischen Gesundheitsförderung und stärkt gemeinsam mit einem Team von rund 65 Angestellten in Kooperation mit Kindergärten, Schulen, Gemeinden und Betrieben die Ressourcen für Gesundheit in der Steiermark.

Sie begann im Jahr 1982 mit dem Studium der Deutschen Philologie, heute Germanistik, und wählte als Zweitfach Europäische Ethnologie. „Germanistik studierte ich aus Leidenschaft, am meisten gefiel mir, hemmungslos lesen zu dürfen“, schmunzelt sie. Sie hatte zunächst die Idee, Journalistin zu werden: „Dass man als Literaturwissenschafterin keine Arbeit bekommt, war doch sehr naheliegend, und in die Schule wollte ich nicht. Auch für EthnologInnen gab es keine Perspektiven – damals war die Volkskunde noch konservativ, der Fokus lag eher auf der historischen Alltagskultur. Ich kann mich erinnern, dass ich viele Bienenkörbe und Rechen gezeichnet habe“, lacht Reis-Klingspiegl.

Bereits während des Studiums hatte sie als Mitarbeiterin in den Kulturredaktionen bei der Kleinen Zeitung und der Steirerkrone gearbeitet. Durch ihre journalistische Tätigkeit kam sie auch erstmals mit der Steirischen Gesellschaft für Gesundheitsschutz, heute Styria vitalis, in Berührung. Sie wurde gefragt, ob sie nicht Interesse hätte, die Organisation von Pressekonferenzen zu übernehmen. „So bin ich zum Gesundheitssektor gestoßen“, erzählt Reis-Klingspiegl, „und irgendwann habe ich dann die Öffentlichkeitsarbeit übernommen, bis ich mein Studium abschloss.“

© Stiefkind/Remling
© Stiefkind/Remling

Danach kam das Angebot, am Institut für Sozialmedizin an der Karl-Franzens-Universität Graz mitzuarbeiten. „Damals war das Institut neu besetzt und der neue Leiter, Horst Noack, fragte mich, ob ich nicht Interesse hätte, mit ihm zusammen zu arbeiten. Ich interessierte mich damals sehr für die Theorie der Gesundheitsförderung, wollte wissen, wie sich das Konzept operationalisieren lässt, welche Zugänge es gibt. Wie entwickelt sich Gesundheit, wie kann man sie beeinflussen? Das alles war sehr interessant. Mit der Zeit habe ich so im Tun gelernt, sozialwissenschaftlich zu arbeiten, habe dann auch viel unterrichtet“, erklärt Reis-Klingspiegl. Nach der Pensionierung von Horst Noack und dem Auslaufen des letzten großen Projektes, stand sie vor einer Neuorientierung. Eine Dissertation als Geisteswissenschafterin an der Medizinischen Universität Graz war seinerzeit nicht möglich, was Reis-Klingspiegl heute als Limitierung empfindet. „Dann bin ich im Jahr 2005 gefragt worden, ob ich mir vorstellen könne, die Geschäftsführung von Styria vitalis zu übernehmen. Es gab damals kein Bewerbungsverfahren, ich bin vom Vereinsvorstand gewählt worden“, erinnert sich Reis-Klingspiegl. Heute kümmert sie sich um gesundheitsbezogene Organisationsentwicklung, Angebote im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung und um das Steirische Kariesprophylaxeprogramm, das einzige flächendeckende Präventionsprogramm in der Steiermark.

Die Frage, ob sie das Wissen aus der Germanistik und der Ethnologie in ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin verwenden könne, bejaht Reis-Klingspiegl sofort. „Ich glaube, dass einem die Germanistik überall hilfreich ist. Ich kenne keinen Beruf, in dem man nicht schreiben, lesen oder sprechen können muss, deshalb finde ich, dass man mit der Germanistik eine sehr gute Grundlage hat. Ich habe zwar nicht alle StudienkollegInnen im Auge, aber ich habe schon das Gefühl, dass sich alle engagierten durchsetzen konnten. Die Ethnologie ist vor allem methodisch gesehen hilfreich. Die Gesundheitsförderung ist ja eher eklektizistisch und holt sich ihre Methoden und Zugänge aus anderen Bereichen – da hat mir die Ethnologie mit ihren Methoden, zum Beispiel mit der teilnehmenden Beobachtung, geholfen. Qualitative Arbeit ist im Kontext der Gesundheitsförderung generell interessant, weil man ja nicht immer Hypothesen hat, die man überprüft, sondern auch offen ins Feld geht und schaut, was gerade passiert. Außerdem kommt der Bereich der Gesundheitsförderung eigentlich aus dem angloamerikanischen Raum, also Kanada, Australien, Neuseeland, USA, den skandinavischen Ländern und Großbritannien, sie sind bis heute Vorreiter. Dort arbeiten viele Sozial- und KulturanthropologInnen in diesem Bereich“, erklärt Reis-Klingspiegl.

Rückblickend gesehen hat ihr das Studium eine gute Grundlage geboten und sie würde dieselbe Wahl nochmals treffen. Außerdem ist sie der Meinung, dass ein Studium dazu qualifizieren sollte, sich selbst neue Felder zu öffnen: „Das Wichtigste ist, ein Studium mit Leidenschaft zu bestreiten. Man sollte nicht erwarten, dass einem das Studium alles bietet. Man muss nicht jedes Angebot haben, es kann durchaus beschränkt sein, aber was da ist, muss gut sein. Dann hat man auch das nötige Rüstzeug. Ich denke, man muss sich über die eigenen Fähigkeiten bewusst sein und das, was man gelernt hat, abstrahieren können, um zu schauen, wo es anschlussfähig ist, welche Felder dazu passen und versuchen, dort unterzukommen. Frechheit siegt da oft.“

Text: Birgit Nikzat / KUG